Die Ampel zerstört die Baubranche – und somit die gesamte deutsche Wertschöpfung

Die Wohnungsbaubranche steckt in der Krise und zieht die gesamte Volkwirtschaft mit sich. Wenn die Ampel nicht schnellstmöglich reagiert, droht zudem noch eine sozialpolitische Krise, von der sich Deutschland nicht so leicht erholen würde.

picture alliance / Rupert Oberhäuser | Rupert Oberhaeuser

Für ein Comeback Deutschland braucht es ein Comeback in der Baubranche, vor allem im Wohnungsbau. Und zwar aus drei Gründen:

  1. Wenn Deutschland die Einwanderung von Fachkräften will, braucht es neuen Wohnraum: Irgendwo müssen die Fachkräfte schließlich wohnen.
  2. Wenn Deutschland eine bessere Infrastruktur haben möchte, braucht es neuen Wohnraum: Denn mit neuen Wohnflächen gehen auch Investitionen in die Infrastruktur einher.
  3. Wenn Deutschland möchte, dass seine Wirtschaft wächst, braucht es neuen Wohnraum.

Immerhin erwirtschaftete die Baubranche im letzten Jahr durch direkte, indirekte und induzierte Einflüsse rund 537 Milliarden Euro der gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung, wie die „Deutsche Gesellschaft für Mauerwerk- und Wohnungsbau“ meldet. Jeder siebte Arbeitsplatz soll so mit der Wohnungsbaubranche in Verbindung stehen. Auch generierte die Wohnungsbaubranche letztes Jahr insgesamt mehr als 140 Milliarden Euro an Steuern – und somit fast ein Fünftel der gesamten deutschen Steuereinnahmen des Jahres.

Seit 2021 unter 300.000 statt 400.000
Bundesregierung verfehlt Wohnungsbauziel erneut deutlich
Aber die Entwicklung der Baubranche ist besorgniserregend: Seit drei Jahren sind die Investitionen in den Wohnungsbau rückläufig, wie eine Studie des Kieler Bauforschungsinstituts zeigt, die Professor Dietmar Walberg auf dem Wohnungsbautag vorgestellt hat. Dabei hatte die Ampel angekündigt, jährlich 400.000 neue Wohnungen zu bauen. Aber Fehlanzeige: Während die Baubranche vor der Ampel noch rund 300.000 Wohnungen pro Jahr fertigstellte, schaffte sie letztes Jahr nur noch 245.000 Wohnungen, wie das Ifo-Institut vorrechnet. In diesem Jahr sollen noch weniger Wohnungen entstehen. Das hat Folgen für die Steuereinnahmen des Staates: Deutschland würde 5 Milliarden Euro weniger Steuern einnehmen als letztes Jahr, warnen die Wirtschaftswissenschaftler aus Walbergs Arbeitsgruppe. Aus dem Versprechen von Kanzler Olaf Scholz (SPD) und Bauministerin Klara Geywitz (SPD) wurde also nichts. So gar nichts.

In Deutschland fehlen laut dem Branchen-Bündnis 800.000 Wohnungen. Das hängt laut Walberg vor allem damit zusammen, dass die Bevölkerung in Deutschland durch die Zuwanderung seit 2011 von 80 Millionen auf fast 83 Millionen Menschen angestiegen ist. (Anm. d. Red.: Bis Ende Juni wurde die Bevölkerung Deutschlands auf kanpp unter 85 Millionen Einwohner geschätzt. Die Veröffentlichung des Zensus korrigierte diese Zahl auf 83,8 Millionen.)

Durch die Krise im Wohnungsbau eskaliert die Wohnungsnot: Aktuell müssen rund 9,3 Millionen in Deutschland in überbelegten Wohnungen leben – und somit mehr als jeder Zehnte. Besonders betroffen sind laut Wohnungsbau-Bündnis Armutsgefährdete: Von ihnen lebe sogar mehr als jeder Fünfte auf zu engem Raum. „Gelingt es nicht, die Krise abzuwenden, folgt den wohnungsbaupolitischen Defiziten ein sozialpolitisches Versagen“, warnt das Bündnis.

Und das Versagen der Ampel verschlimmert sich mit jedem Tag, der vergeht: Immer mehr Unternehmen in der Wohnungsbaubranche müssen schließen. Somit suchen sich immer mehr Mitarbeiter neue Jobs. Und folglich bauen sich die Ressourcen der Wohnungsbaubranche Tag für Tag ab. Die Folge: Selbst, wenn die Auftragslage demnächst wieder besser werden sollte, fehlen die Unternehmen und Fachkräfte, um die dringend benötigten Wohnungen zu bauen.

Mieten einfrieren oder Bau fördern?
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Diese Entwicklung hat die Ampel selbst verschuldet. Diese Probleme hat sie mit ihrer Politik verursacht: Bauen ist teuer und kompliziert geworden. Die Bauwerkskosten und Materialpreise steigen zwar nicht mehr so dynamisch an wie während der letzten vier Jahre. Aber sie steigen dennoch kontinuierlich weiter, wie Walbergs Studie ergab. Als Folge der Inflation sind zudem die Löhne angestiegen. Aber am teuersten wird das Bauen wegen unzähliger Auflagen der Bundesregierung: Das deutsche Normenwerk umfasst rund 3.900 baurelevante Normen. Davon sind allerdings bei Weitem nicht alle sicherheitsrelevant:

Beispielsweise gibt es in vielen Bundesländern wie Hamburg und Bayern eine Stellplatzverordnung, die regelt, wie viele Stellplätze für Autos und Fahrräder die Bauherren bereitstellen müssen – egal ob sie gebraucht werden oder nicht. Diese Verordnung ist der Grund für die überdimensionalen Fahrradkeller, in denen manchmal bloß fünf Fahrräder stehen. Solche Verordnungen zwingen Bauherren nicht nur, Platz und Geld zu verschwenden. All die Erwartungen an den Wohnungsbau sind laut dem Verbändebündnis nicht leistbar und weder technisch noch ökonomisch umsetzbar. Und letztlich treiben solche Maßnahmen die Mietpreise in die Höhe: Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln ergab, dass die Aufschläge für Parkplätze für eine Neubauwohnung mit Tiefgaragenstellplatz im Schnitt bei zehn Prozent liegen. Walberg bringt es auf den Punkt: Viele Normen, Vorgaben und Auflagen sind „schlichtweg überzogen“, findet er.

Während das Bauen in Deutschland immer teurer wird, hat die Ampel die Förderbedingungen für den Wohnungsbau geändert, wie der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau Doktor Hannes Zapf, sagt: „Ein Finanzminister Scholz hat über die (deutsche Förderbank) KfW im Jahr 2021 noch 41 Milliarden Euro für den Neubau und die Sanierung an private Investoren im Wohnungsbau bereitgestellt. Unter einem Bundeskanzler Scholz wurde diese Förderung auf 17 Milliarden Euro im Jahr 2023 reduziert“ – und somit mehr als halbiert. Somit sorgt Scholz‘ Truppe dafür, dass Investoren ein höheres Eigenkapital benötigen, um Wohnungen bauen zu können. Allerdings, so Walberg, fehlt diese Kaufkraft in der gesellschaftlichen Mitte. Eine Altersabsicherung oder einen Vermögensaufbau durch Immobilien sei für eigenkapitalschwächere Haushalte undenkbar geworden. Dadurch gibt es laut der Studie vom Kieler Institut kaum Nachfrage an die Wohnungsbaubranche – obwohl es einen hohen Bedarf an Wohnungen gibt.

Krisenfolge
Warum der Wohnungsbaumarkt einbricht
Im zweiten Teil wurde in dieser Serie vorgeschlagen, dass es für ein Comeback Deutschland wieder eine seriöse Politik braucht. Nicht so eine, in der ein Wirtschaftsminister mit Gesetzen wie seinem Heizhammer experimentiert: Minister Robert Habeck (Grüne) hat neulich zugegeben, dass er es mit seinem Gebäudeenergiegesetz bewusst übertrieben habe, um zu sehen, wie weit er gehen kann. Genau dieses Heizungsgesetz schlägt sich in den Baukosten nieder: So gibt es seit 2020 einen „enormen Preis-Push“, wie Walbergs Studie ergab. Seitdem sind die Baukosten um mehr als 42 Prozent gestiegen. Preistreiber sei dabei vor allem die Technik in den Gebäuden – also Heizung, Lüftung, Sanitär- und Elektrotechnik. Gut gemacht, Habeck.

Die Serie möchte aufzeigen, wie eine Politik für ein Comeback in der Baubranche aussehen könnte – und muss: „Passiert jetzt nichts, dann erlebt Deutschland einen Bumerang-Effekt der Wohnungsbau-Krise, der die gesamte Wirtschaft empfindlich treffen wird“, warnt das Branchen-Bündnis. Zunächst einmal müssen laut dem Bündnis sämtliche Möglichkeiten genutzt werden, um Baukosten zu senken. Dazu gehört vor allem: Bürokratie abbauen. Also die Standards absenken. Alles, was die Kosten beim Neubau unnötig nach oben treibt, gehört auf den Prüfstand.

Weniger auf den Prüfstand gehören allerdings die Bau-Anträge. In der Immobilien-Branche sprechen Bauherren davon, teilweise drei Jahre auf eine Baugenehmigung warten zu müssen. Diese Wartezeiten sorgen dafür, dass Investoren keine Planungssicherheit haben: Ihr Investitionsrisiko steigt, denn die Zinsen und Preise verändern sich derzeit schnell. Vor allem aber sorgen diese langen Genehmigungsverfahren dafür, dass der Bau unnötig in die Länge gezogen wird – und somit kein neuer Wohnraum entsteht. Auch das Wohnungsbau-Bündnis betont die Planungssicherheit: Nur mit langfristig verlässlichen Rahmenbedingungen könnte die Branche die Beschäftigungen sichern, um die dringend nötigen, preiswerten Wohnungen zu bauen, heißt es auf dem Wohnungsbautag.

Das Verbändebündnis fordert zudem eine „sofortige Sonderförderung des Wohnungsneubaus“ vom Bund und den Ländern. Es würden jährlich 23 Milliarden Euro an Subventionen für 100.000 neue Sozialwohnungen und 60.000 bezahlbare Wohnungen benötigt. Das hat die Kieler Forschungsgruppe von Walberg berechnet.

Der Appell an die Ampel lautet also, dass sie ihre falschen Versprechungen endlich durch handfeste Maßnahmen ersetzt: Keine überzogenen Standards, kürzere Genehmigungsverfahren und deutlich mehr Förderung. So kann ein Comeback der Baubranche stattfinden – raus aus der Wohnungsbaukrise.

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Kommentare ( 42 )

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Mulle67
19 Tage her

„Und letztlich treiben solche Maßnahmen die Mietpreise in die Höhe“. Nein, eben nicht. Die Mietpreisbremse wird bis 2028/2029 verlängert. In „angespannten“ Wohnräumen darf die Miete nicht mehr als 10% über den Schnitt (6 Jahre!) liegen.
Genau hier liegt der Hase im Pfeffer: Wer 1+1 zusammenzählt, weiß, dass er über Mieten die Baukosten niemals wieder reinbekommt. Die Reparaturen des Gebäudes fangen bereits lange vor dem Punkt an, wo sich das Gebäude amortisiert hätte. Somit amortisiert es sich nie. Ein Minusgeschäft. Minusgeschäfte macht keiner freiwillig.

humerd
21 Tage her

„Keine überzogenen Standards, kürzere Genehmigungsverfahren“
das ist eine berechtigte Forderung
“ und deutlich mehr Förderung.“
nein, Förderungen sind Subventionen , Subventionen sind Steuergelder. Solange es die Vorrangstellung für Migranten durch die Unterbringungspflicht der Kommunen gibt, werden eben nicht die Menschen, die diese Steuergelder erarbeiten von den „Förderungen“ profitieren.
Boris Palmer beschrieb das treffend „In Tübingen wurde gegen den Bundes- und Landestrend die Zahl preisgebundener Wohnungen im letzten Jahrzehnt deutlich gesteigert. Der gesamte Zubau ist jedoch durch Geflüchtete belegt, sodass für die ortsansässige Bevölkerung ein komplettes Jahrzehnt größter Anstrengungen keinerlei Verbesserungen erbracht hat..“

elly
21 Tage her

 Irgendwo müssen die Fachkräfte schließlich wohnen.“
nicht nur die Sueddeutsche, auch andere Medine haben die Lösung: sie wollen Oma und Opa aus ihren Wohnungen / Häusern werfen. Selbstverständlich nur für „junge Familien“. Und es gibt wieder die Experten, die „Wissenschaftler“ die sagen, es sind genügend Wohnungen da im Land. Außerdem leben In Deutschland und 1,4 Millionen weniger Menschen als bislang angenommen. Zum Stichtag 15. Mai 2022 waren es 82,7 Millionen, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag als erstes Ergebnis der Volkszählung 2022 mit.

Joerg Gerhard
21 Tage her

Habeck’s Enteignungsgesetz hat jetzt schon einen Vermoegensschaden von 1 Billion € angerichtet. Das ergibt sich aus dem Rueckgang des durchschnittlichen Immobilienpreises von ueber 10% i.V. zu flachen Maerkten im Rest Europas.
Er ist schon jetzt, in harten, aktuellen € gemessene, TMAZ.

Teiresias
21 Tage her

Die einfachste Möglichkeit der Wohnraumgewinnung ist die Nicht-Fachkräfteabwanderung. So schnell und billig kann niemand bauen! Wir haben Gesetze, nach denen Asylanten in der Stadt untergebracht werden müssen, in der die Asylverfahren durchgeführt werden. Die Stadt Berlin z.B. darf Asylanten nicht im deutlich billigerem Umland unterbringen. Im Ergebnis treibt die Stadt mit steuergeldfinanzierter Asylantenunterbringung die Preise so hoch, daß die arbeitenden Berliner das kaum noch bezahlen können und ins Umland abgedrängt werden. So werden arbeitende Deutsche zu Pendlern, die zusätzlich zur Arbeitsbelastung mit langen Arbeitswegen belastet werden, um die Steuern zu erwirtschaften, mit denen die teuren Stadtwohnungen für die nichtarbeitenden Asylanten… Mehr

Last edited 21 Tage her by Teiresias
Calenberg
21 Tage her

Das Problem ist meiner Meinung nach nicht, daß wir in Deutschland zu wenige Wohnungen bauen oder daß es Wohnungsmangel gibt. Dieser Umstand könnte doch relativ leicht und schnell gelöst werden. Statt immer mehr Wohnraum zur Verfügung zu stellen, der niemals ausreichen wird, weil gleichzeitig dann auch immer mehr Menschen von außerhalb nachziehen werden, wäre es notwendig, die Nachfrage drastisch zu senken. Das könnte dadurch passieren, daß der Aufenthalt von Personen die nicht die BRD-Staatsangehörigkeit besitzen und die keiner Erwerbstätigkeit nachgehen, bei der eine Lohn- und Einkommenssteuerpflicht entsteht, das Aufenthaltsrecht entziehen, also deren Visa in Touristenvisa umwandeln, die danach nur noch… Mehr

KlimaKrise
21 Tage her

Grundsätzlich brauchen wir neuen Wohnraum. Zunächst sollten wir uns allerdings erstmal von den Millionen Kostenlosbewohnern trennen und diese gemäß geltendem Recht in ihr EU-Einreiseland zurückschicken. Eine Familienzusammenführung im Heimatland wäre auch wünschenwert. Dann wären zumindest schon einmal einige 10.0000 Wohnungen frei und die Mieten würden nicht so schnell steigen. Mit dem eingesparten Geld könnte man, nach Lockerungen der teils überflüssigen Bauvorschriften, den sozialen Wohnungbau fördern. Man muss es nur wollen. In Deutschland will aber keiner. Hoffentlich geht in den nächsten 15 Monaten bis zur Abwahl nicht zu viel kaputt. Wie verblendet muss man eigentlich sein, um die ganzen Zusammenhänge nicht… Mehr

Last edited 21 Tage her by KlimaKrise
Turnvater
21 Tage her

Für ein Comeback Deutschland braucht es ein Comeback in der Baubranche, vor allem im Wohnungsbau.“

Bevor hier irgendetwas angegangen werden kann, braucht es etwas ganz anderes:

  1. Eine strafrechtliche Aufarbeitung der Zeit seit September 2005
  2. Die Einziehung der Vermögen aller Verantwortlichen Personen und Organisationen als Sühneleistung

Das ist das absolute Minimum. Vorher wird das alles nichts

Kleinstaater
21 Tage her
Antworten an  Turnvater

Ruhig viel weiter zurückgehen. Es ist nur der CumEx-Betrug schon seit vielen Jahrzehnten abläuft. Deutschlands Politik-, Beamten- und Geld-Adel ist nicht weniger korrupt als anderswo auf dem Planeten. Und die vaterlandslosen Globalisten sitzen sowieso überall mitdrin.

Gernoht
21 Tage her

Die Baubranche will auch nur mit meinem Steuergeld gepampert werden. Es gibt allerdings ein paar einfache Maßnahmen: Senkung der Einkommenssteuer, weitestgehende Abschaffung des Sozialstaates, Verkleinerung des Parlaments um mindestens die Hälfte, und schon blüht das Land in kürzester zeit wieder auf. Ach so, und Sicherung der Grenzen gegen Prekariatszuwanderung.

Peter Gramm
21 Tage her

alles völlig richtig – nur, es wird und wurde noch nie derartig viel gepfuscht wie am Bau. Trotz Überwachung und Kontrolle.