Bei Maischberger: Klotz und Keil

Das waren noch Zeiten, als auf einen groben Klotz (Herbert Wehner) sofort ein grober Keil (Franz Josef Strauß) kam: Irren ist menschlich, so der bayerische Lateinlehrer und Ministerpräsident, aber immer irren ist sozialdemokratisch. Da jubeln sie heute noch, selbst wenn der arme Laschet ihn zitiert.

Screenprint:ARD/maischberger

Als Klotz und Keil saßen Merz und Heil bei Maischberger, und das verlief zusammengerafft so: „Jeder Satz wird mir im Munde rumgedreht…“, – „Jetzt passen sie mal auf…“, – „Eine sehr unangenehme Diskussion“, – „Ich will Ihnen ja nicht vorwerfen, dass Sie keine Regierungserfahrung haben, aber ich bin Arbeitsminister…“, – „… also werfen Sie es mir doch vor.“

Stand die Sozialdemokratie seit Ende des Zweiten Weltkriegs immer auf der falschen Seite?, will Maischberger wissen. Jo, sagt Merz, da hat der Laschet recht, die war mit allen Grundsatzentscheidungen über Kreuz. Hubertus Heil hat keine Ahnung von Geschichte, er weiß nur, dass die SPD eine stolze hat. Deshalb will er über die Zukunft reden, über die Armen, das Digitale, die Bildung, die Pflege, und darüber, dass er und seine Genossen von den Besserverdienenden ja wohl „einen Beitrag verlangen“ können. Dass die Besserverdienenden 50 Prozent an der Einkommenssteuer… ach, bei Hubertus Heil ist Hopfen und Malz verloren. Der Mann versteht nicht einmal, dass eine Regierung wenigstens gelegentlich mal halten sollte, was sie verspricht, etwa beim Soli, dessen Ende hoch und heilig versprochen wurde, aber von 5 Prozent weiter gezahlt werden muss. Er könne ja neue Steuertarife einführen (wenn er die entsprechende Mehrheit habe), so Merz, aber ein Versprechen dürfe nicht gebrochen werden. Was folgte, wie beim Thema Rente: „Ein Schwall ohne Ende“ (Merz).

Zeit zum Lesen
"Tichys Einblick" - so kommt das gedruckte Magazin zu Ihnen
Maischberger entlarvte dann den Tankstellen-Mörder von Idar-Oberstein als Querdenker, und auch wenn Merz „da etwas vorsichtiger wäre“ sind ihm die Querdenker (Sammelbegriff der polit-medialen Elite für alle, die Jens Spahn oder Karl Lauterbach für wenig hilfreich in einer Gesundheitslage halten) grundsätzlich „unsympathisch“. Aber beim Wahlkampf in Görlitz habe er gemerkt, dass doch einige Leute die Maßnahmen der Regierung nicht nachvollziehen können.

Professor Hendrik Streeck mochte der von Kollegenseite geforderten Herdenimmunität nicht so recht folgen, denn auch Geimpfte geben Covid-19 weiter, wie gerade erst der Fall in Münster bewiesen habe. Dennoch plädierte er fürs (freiwillige!) Impfen, weil das vor schweren Krankheits-Verläufen schütze. In Israel sind 60 Prozent auf der Intensivstation geimpft, rufen wir dem Fernseher zu, was aber natürlich sinnlos ist, der hört ja nichts, der Fernseher.

Professor Streeck macht allerdings keinen Hehl daraus, dass wir in Deutschland eine denkbar schlechte Datenlage haben. England etwa erhebe repräsentative Stichproben, da könne er relativ verlässlich die Inzidenz verfolgen. „Wir können das nicht, weil wir in eineinhalb Jahren noch nicht damit angefangen haben.“ Da muss sogar Maischberger schmunzeln, aber alle unter ihrem Horizont dürften die süffisante Kritik gar nicht mitbekommen haben.

Ebenso, wenn Streeck sagt: Kinder und Jugendliche seien nicht Pandemie entscheidend. Heißt: Merkel und Spahn sind auf einem Holzweg. Oder wenn er charmant Merkel zitiert, die ja vorgibt „der Wissenschaft zu folgen“ und klar macht, dass das nur heiße, sie folgt „einer Meinung“. Denn „die Wissenschaft“ kann es nicht geben, nur streitende Meinungen auf dem Weg zum Erfolg. Streeck: „Keiner der Experten hat alle Antworten oder Sichtweisen“ gepachtet (außer Karl Lauterbach natürlich).

Die Geimpften Hannes Jaenicke, Eva Schulz und Jan Fleischhauer fürchten sich vor einem „Freedom Day“, den ein Herr von der Kassenärztlichen Vereinigung angeregt hatte, und hatten auch noch was zur Wahl beizusteuern. Fleischhauer fand, der Armin habe eine „gute Stimme, ich höre ihm gerne zu“, für Eva Schulz war Herbert Grönemeyer der Gewinner der Woche (Maischberger fragte treffend nach: Grünemeyer?) und als Freund von Claudia Roth machte Jaenicke auf dem letzten Meter noch mal Grünenwerbung. Er ist übrigens Co-Autor der infantilen Enkelbriefe, wo Fleischhauer endlich mal kalauern konnte: „Jetzt kommt der Kindersturm.“


Lesen Sie Stephan Paetow täglich auf
https://www.spaet-nachrichten.de/

Anzeige
Unterstützung
oder

Kommentare ( 39 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

39 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Johann P.
23 Tage her

Maischberger entlarvte dann den Tankstellen-Mörder von Idar-Oberstein als Querdenker, und auch wenn Merz „da etwas vorsichtiger wäre“ sind ihm die Querdenker (…) grundsätzlich „unsympathisch“.“ Und die Ministerpräsidentin des Bundeslandes, in dem diese Untat geschah, warnt routinemäßig vor der Instrumentalisierung dieses Verbrechens, instrumentalisiert es aber selbst im gleichen Satz, indem sie auf angebliche Zusammenhänge mit Coronaleugnern und Querdenkern hinweist! Haben die überhaupt keinen Anstand mehr oder sind die wirklich so unbedarft?

Georg J
23 Tage her

Sowohl Heil als auch Merz haben sich bezüglich der so genannten „“Querdenkerszene“ abfällig geäußert. Ich kann mit dem Begriff „Querdenkerszene“ nichts anfangen. Ich selbst beispielsweise kritisiere die Corona-Maßnahmen der Regierung nach gründlicher Recherche der Faktenlage, gehöre aber keiner „Szene“ oder Gruppe an. Ich bin also lediglich ein „Regierungskritiker“, werde aber vermutlich in den Topf der so genannten „Querdenkerszene“ gepackt. Dass ein Mord – egal an wem, von wem und aus welchem Grund- IMMER zu verurteilen ist, ist für mich so selbstverständlich, dass ich darüber nicht einmal debattieren würde. Maischberger hat diese Einzeltat in einen ungeklärten Kontext gestellt. Das war unverantwortlich.

Last edited 23 Tage her by Georg J
Dr. Rehmstack
23 Tage her

Aber the times they are a changing: gestern in der Phoenix Runde durfte der europaverliebte ehemalige ARD Studioleiter in Brüssel Wolf Dieter Krause über Angela Merkel vom Leder ziehen, dass die Moderatorin gar nicht mehr wohin wusste mit ihrer Gestik. Auch in der Welt gibt es zunehmend Merkel kritische Töne, die vor drei Monaten undenkbar gewesen wären, das geht alles sehr viel schneller als gedacht. Vielleicht glaubt man, dass RRG bereits sicher ist und man Merkel nicht mehr benötigt, der Mohr hat seine Schuldigkeit getan.

Durchblick
23 Tage her

Also wieder nix versäumt. Dachte ich mir schon.

Deutscher
23 Tage her

Über den Vielflieger Hannes Jaenicke, aka Langstrecken-Hannes: „Schau­spie­ler und Doku­men­tar­fil­mer Han­nes Jae­ni­cke ist ver­liebt: in den Indi­schen Oze­an und in Mau­ri­ti­us. Als begeis­ter­ter Was­ser­sport­ler und Umwelt­schüt­zer hat er eine beson­de­re Affi­ni­tät zu den Male­di­ven, Mada­gas­kar oder La Réuni­on und ihrer rei­chen Pflan­zen- und Tier­welt. Auf Ein­la­dung eines befreun­de­ten Hote­liers ist er im Rah­men der Eröff­nung der neu­en Hotel-Grup­pe „LUX* Island Resorts“ für eine Woche nun in die atem­be­rau­ben­de Kul­tur von Mau­ri­ti­us ein­ge­taucht – und ist von der vor Lebens­freu­de sprü­hen­den Insel hingerissen. Um zwi­schen chao­ti­schen Dreh­ar­bei­ten in Nami­bia und einem Doku-Dreh in Mozam­bi­que wirk­lich abschal­ten zu kön­nen, ist ihm Authen­ti­zi­tät… Mehr

Last edited 23 Tage her by Deutscher
November Man
23 Tage her

Die Sozialisten standen schon vor dem Beginn des zweiten Weltkrieges auf der falschen Seite. Zumindest die nationalen Sozialisten.

IJ
23 Tage her

Ich kann mir diese umherirrenden Wirrköpfe, die alle – vielleicht mit Ausnahme von Friedrich Merz – komplett ihren politischen Kompass verloren haben, nicht mehr anschauen. Ich möchte diesen versammelten Spinnern und Wolkenkuckucksheimern zurufen – Nein – ihnen 20 mal täglich ins Ohr schreien: In einem funktionierenden demokratischen Rechtsstaat gibt es 4 (in Worten: vier) übergeordnete politische Ziele: 1. Maximierung des individuellen Wohlstands, 2. Maximierung der individuellen Freiheit, 3. Maximierung der Inneren Sicherheit, 4. Bewahrung des Äusseren Frieden. Aufgrund der weltweit ungebremsten Überbevölkerung kommt ein weiteres Ziel hinzu: Bewahrung einer intakten Umwelt. Ein Politiker hat die Aufgabe, diese Ziele im Gleichgewicht… Mehr

Hansi
22 Tage her
Antworten an  IJ

„Ein Politiker hat die Aufgabe, diese Ziele im Gleichgewicht zu halten.“
Wenn der Wähler die rechten Politiker wählen würde, passiert das auch. Tut er aber nicht. Der klammert sich nun sogar wieder an die Schauspieler der FDP. AfD geht schließlich gar nicht. Na, dann …..

F.Peter
23 Tage her

Und der Satz passt immer noch: „Der Sozi ist nicht grundsätzlich dumm, er hat nur sehr viel Pech beim Denken“Heil ist Arbeitsminister – und Maas Außenminister – ja und? Doch etwa nicht, weil sie für diese Ämter Qualifiziert wären!
Und dass Streek behauptet, die Impfung schütze vor schweren Verläufen, sollte er eigentlich auch besser wissen! Denn es ist schlicht nicht belegbar, ob die Impfung davor schützt wie ebensowenig, dass es nicht so ist! Es ist aber noch das einzig verbliebene Argument für eine Impfung, weswegen wohl gerne darauf herumgeritten wird!

Urbanus
23 Tage her
Antworten an  F.Peter

Streeck muss das sagen. Bis zur Pension dauert es noch. Dann kann er seine persönliche Meinung sagen.

egal1966
23 Tage her
Antworten an  Urbanus

Genau so sieht es aus…

JamesBond
23 Tage her

Wer glaubt diese Show? Es mag sein dass die Beiden sich nicht mögen, aber Merz hat sein Versprechen einer vernünftigen Steuerreform vor über 10 Jahren nicht gehalten und zwischen Heil und Esken passt kein Blatt, also beide ein Volltreffer für die arbeitende Bevölkerung in Deutschland – gut dass wir nicht mehr arbeiten müssen, nur noch „just for fun“, da gibts nix mehr zu holen für die Sozis von SPD und CDU.
Aufschwung gäbe es nur noch mit einer Regierung von CDU, FDP und AfD!

November Man
23 Tage her

Der Hardcore Grüne Jaenicke missbraucht als Co-Autor der infantilen Enkelbriefe unsere kleinen Kinder um die Eltern, Oma und Opa zu bestechen die unnützen Grünen zu wählen.
Bei solchen Leuten wie Schreihals Grönemeyer, Jaenicke und Roth heißt es für mich die Straßenseite zu wechseln.  

Albert Pflueger
23 Tage her
Antworten an  November Man

Mal ganz ehrlich, Großeltern, die sich ihre Wahlentscheidung von Kindern eintrichtern lassen, sind nicht in der geistigen Verfassung, überhaupt zu wählen und sollten lieber am Wahlsonntag entspannt die letzten Sonnenstrahlen des Jahres genießen, sie könnten bald tot sein.