Hannelore Kraft bei Maybrit Illner: „Ich will die ja auch loswerden!“

Der Freitag den Künsten! Wir wollen dem Leser einen Leckerbissen der modernen Unterhaltung bieten: TV Absurd! Abgeleitet vom absurden Theater will das absurde Fernsehen die Sinnfreiheit der Welt und den darin orientierungslosen Menschen darstellen.

Screenshot:ZDF/maybrit illner

Es ist so brillanten TV-Künstlern wie Maybrit Illner zu verdanken, dass diese Kunstform, die mit sprachlichen Gemeinplätzen spielt und diese auf den Flatscreen bringt, auch bei uns immer mehr Liebhaber gewinnt. In Illners Stücken lösen sich die vom klassischen TV-Gespräch (Gaus, Höfer) geforderten Einheiten der Zeit, der Handlung, der Logik und des Ortes auf. An ihre Stelle treten unlogische Szenarien, absurde Gespräche und wahllos verknüpfte Dialogreihen, so dass sich am Ende jeder im Rahmen der abgesteckten Möglichkeiten seine eigene Meinung bilden kann.

Das absurde Fernsehen eignet sich für jedes Thema. „Mein E-Auto hat keinen Sprit mehr.“ „Was will Merkel? Und will Gabriel das gleiche?“ Oder „Flüchtlinge unter Verdacht – Willkommenskultur am Ende?“

Nach dem Mord an einer 19-jährigen Studentin durch einen der mehr als eine Million ins Land gelockten Migranten sollen heute sieben Akteure aus unterschiedlichen Blickwinkeln unter der sanften Regie der Illner irgendetwas Interessantes über „Flüchtlinge“ sagen. Schauen wir uns zunächst die Darsteller an:

Hannelore Kraft, dauergrinsende NRW-Ministerpräsidentin. SPD. Will ja vieles, aber kann nicht.

Johannes Forck, Freundlich naiver Jungstudent. Mitarbeiter bei „Weitblick“, der Flüchtlingshilfsorganisation, in der auch die ermordete Maria L. arbeitete.

Mazour Hossein Sharifi, smarter, extrem integrationswilliger Afghane, ca. Ende zwanzig.

Michael Kretschmer, Generalsekretär CDU Sachsen. Glaubt noch an Lösungen, verfängt sich aber im Dickicht von Parteiengewirr und Gesetzesschlingen.

Rainer Wendt, Polizist. Gelegentlich starke Worte. Aber immer Kreide zur Hand, die er schnell verzehren kann.

Dieter Salomon, Grüner seit 36 Jahren. OB in Freiburg, dem Ort der Mordtat. Was soll er machen?

Emitis Pohl, Gebürtige Iranerin. Betreut einen afghanischen Flüchtlingsjungen.

Auftritt Student Johannes: Jeder war überrascht von der Tat. Es gab in letzter Zeit mehrere Vorfälle. Aber keine negativen Reaktionen auf die Flüchtlinge. Mädchen und Frauen sind jetzt halt verängstigt und gehen nicht mehr allein im Dunkeln raus. Aber Freiburg hilft weiter.

Freiburger OB Salomon: Emotionen aufs Sachliche lenken! Ein verantwortungsvoller Politiker muss differenzieren. Das Leben geht weiter. Die Frage ist, was das Problem ist.

Kretschmer, der Sachse: So etwas ist auch Missbrauch unseres Gastrechts. Darüber müssen wir reden!

NRW-Genossin Hannelore: Solche Taten machen Angst, egal wer das war. Wir bieten Integrationskurse! Wir mussten viel richtig machen. Wir haben die Zahl der Polizeistellen nach oben gebracht!

(Regieanweisung: Hier wäre der Hinweis auf die Tatsache hilfreich, dass allein in Dortmund 100 Polizeistellen abgebaut werden sollen, und dass der SPD-Innenminister Taschenglöckchen gegen Diebstähle empfiehlt).

Wendt, der Polizist: Wir waren nicht genug vorbereitet. Ich bekam viel Zuspruch auf meine harsche Kritik an der Politik! Wir brauchen mehr Polizisten und mehr Psychobetreuung. (Ganz Pingelige rechnen jetzt mal nach, um sich etwas aufzuregen: Psychobetreuung für 1 Million, und für Wendt natürlich auch! Heiliger Bimbam!)

Emitis Pohl: 1998 war Vergewaltigung in der Ehe noch straffrei bei uns. Im Iran gibt‘s für Vergewaltigung die Todesstrafe. Was ist in Deutschland passiert nach Köln?

Genossin Hannelore: Köln läuft noch … Kuschelkurs der Justiz? Nein. Die Lichtsituation vor Ort war schlecht! (Die „Lichtsituation“! Wäre dass nicht eigentlich ein Wort des Jahres?)

Emitis Pohl: Ich habe für meine Töchter Pfefferspray gekauft und wurde deswegen in die rechte Ecke gestellt!

Genossin Hannelore: Wir haben in NRW einen 15 Punkte-Plan aufgelegt!

Der Sachse: Die Reaktionen nach Köln waren halbherzig und kamen zu spät. Nordafrika als sichere Herkunftsgegend zu benennen, wurde von Rot-Grün verhindert. Es wird nicht abgeschoben.

Hier könnte die Regie sanft auf das eigentlich Thema zurückführen: Der Täter von Freiburg war bestens aufgenommen. In einer Familie. Er hatte einen Platz in einer Berufsschule.

OB Salomon: Ob der traumatisiert war, wissen wir nicht. Das Christopherus Werk betreut ganz viele traumatisierte Jugendliche.

Emitis Pohl: Man muss deutlich machen, was man in diesem Land nicht machen darf! Mit Piktogrammen und Handzetteln reicht das nicht. (1. Beifall der Aufführung)

Genossin Hannelore: Die Frage ist, ob man das richtig macht. Habe mir das angeschaut. Der Kreis Euskirchen macht das ganz hervorragend.

CDU-Kretschmer: Ja, Positives überwiegt. Aber bei den drei, vier Prozent wirkt nix.

Genossin Hannelore: Wir gehen ja mit aller Härte vor. Wir kannten die Antänzer und Diebe von Köln. (Aha!?) Wir werden die Nordafrikaner nicht los. Zwei Leute können wir in einem Ferienflieger unterbringen. Ich werde die nicht los. (Hier könnte man zur Stimmungshebung aus dem Off fragen: Ferienflieger? In laut Genossen unsichere Gebiete?)

Der Sachse: Wir brauchen Abschiebungsgefängnisse.

Die Genossin (schmunzelt wissend): Geht nur für 4 Tage.

Polizist Wendt: Die Justiz ist das Problem. Aber, wenn Tat nicht bewiesen ist, ist Köln der Beweis für unser funktionierendes Rechtssystem.

(Wenn sich der unbedarfte Zuschauer nun über Wendt wundert, hat er das absurde TV noch nicht verstanden! Zur weiteren Desinformation sind auch Zahlen hilfreich: 145.000 Delikte (aber minus 36%), 400 Fälle am Tag, also eigentlich nichts bei 80 Mio. Einwohnern.

Der Grüne Salomon: Man muss die Täter überhaupt bestrafen.

Der Polizist: Wir brauchen mehr Staatsanwälte und Polizisten!

Hier sagt die Regisseurin: Da haben wir schon x mal drüber gesprochen …

Emitis Pohl: Wer ist „wir“ schaffen das? Wir brauchen eine Agenda!

OB Salomon: Es waren immer die Kommunen, die das schaffen mussten. Der Bund hat nix getan. Erst im Sommer. Aber die Kanzlerin hatte ja auch mit Ukraine- und Griechenland-Rettung genug zu tun. Ich kann auch die Kanzlerin nicht immer gegen die CDU verteidigen. Was hätte sie denn tun können?

Der sächsische CDU-Mann: Das Problem ist in den Mühen der Ebenen angekommen, das macht es etwas anstrengender. Aber die Rot-Grünen behindern die Abschiebungen.

Genossin Hannelore (stolz): 4.200 Abschiebungen hatten wir in NRW. 18.000 sind freiwillig ausgereist. (Wohin? Nach Bremen? Gegen Cash?) Wir haben Integrationszentren im ganzen Land. Wir machen Wohnungsbau, Sprachkurse. 4,6 Mrd. geben wir dieses Jahr für Integration aus.

Polizist Wendt: Die Polizei wurde 25 Jahre kaputtgespart.

Emitis Pohl: Ich bin Unternehmerin, ich handle! Und ich sehe nicht, dass es klappt.

Der Grüne Salomon: Gemeinheit, doofe Politiker, tolle Unternehmer!

Bevor nun Ermüdungserscheinungen beim Publikum eintreten können, sollte eine weitere Figur eingeführt werden. In unserem Stück ein smarter Afghane in weißem Hemd und dunklem Anzug, der abgeschoben werden soll. Sauerei!

Mazour: Ich will arbeiten, aber darf nicht. Ich habe mich sogar dem Flüchtlingsamt als Übersetzer angeboten!

Der Sachse: Wir können nicht jedem helfen! (Beifall!?)

Salomon: 80% der Eingereisten können nicht abgeschoben werden wg. Genfer Flüchtlingskonvention! (Vergessen wir nicht, das absurde TV macht nur ohne Fakten Sinn. Der OB hätte auch „wegen Grundgesetz“ oder „wegen Drittstaatenregelung“ sagen können)

Der Polizist: Ich habe manchmal den Eindruck, wir schieben manchmal die Falschen ab. Die 2.000 Nordafrikaner aus Düsseldorf kriegen wir nicht weg. Dieser junge Mann soll gehen!

Genossin Hannelore: Das haben wir doch besprochen. Wir werden die (Falschen) nicht los.

Der Sachse: Wenn Mazour eine Lehrstelle findet, kann er drei Jahre plus 2 weitere bleiben. Das ist doch was. Und die, die gehen müssen, müssen bis zur Abschiebung in Abschiebehaft bleiben, nicht für 4 Tage!

Genossin Hannelore: Die Bundesregierung (hat) schlecht mit Marokko verhandelt.

Der CDU-Mann: Der Bundesrat blockiert.

Emitis Pohl: Aber wir müssen was tun wegen der AfD!

Genossin Hannelore: Ich will die doch loswerden, aber ich kann nicht.

Vorhang. Das Stück hat deutlich gezeigt, dass die politisch Verantwortlichen ganz knorke sind. Sie würden ja gerne, aber sie können halt nicht. Und der Zuschauer hat gelernt, dass er wählen kann, wen er will, am Ende kommt Merkel raus. Ein solcher TV-Kreis lässt sich übrigens auch mühelos in jeder Theater AG nachspielen. Entsprechende Regie-Anleitungen stellt gerne Ihr ZDF zur Verfügung.

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