Alena Buyx: Comeback der Corona-Queen

Alena Buyx und das große TV-Comeback: Die ehemalige Ethikrat-Vorsitzende tingelt plötzlich wieder durch die Talkshows. Und hat sogar eine eigene Sendung zur Primetime. Das hat bisher nur kaum jemand mitbekommen. Deshalb werden einzelne Folgen jetzt sogar eifrig wiederholt.

Screenprint: 3sat / NANO Talk

Nach dem Corona-Höhenflug war es eine Weile auffällig ruhig um Alena Buyx. Die berüchtigte Vorsitzende des Deutschen Ethikrats (2020–2024), die während der angeblichen Corona-Pandemie als medialer Dauerbrenner durch Talkshows, Pressekonferenzen und Interviews feuerte, trat nach dem Ende der Maßnahmen und dem Auslaufen ihrer Amtszeit merklich in den Hintergrund. Die große Aufarbeitung blieb aus, Kritik an ihrem damaligen Verhalten wurde abgewimmelt – und Buyx selbst hielt sich bedeckt.

Doch in jüngster Zeit taucht sie wieder auffällig häufig in den Medien auf. Bereits seit August 2025 hat sie sogar eine eigene, regelmäßige Primetime-Sendung. Weil der Nano-Talk jedoch von der Öffentlichkeit weitestgehend unbeachtet auf 3Sat läuft, werden einzelne Folgen jetzt sogar wiederholt. So läuft am heutigen Donnerstagabend beispielsweise die Sendung „Longevity-Hype – Wie wir gesund länger leben“, die am 8. Februar schon einmal ausgestrahlt wurde.

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Was in den vergangenen Wochen auffällt, ist eine Häufung von Gastauftritten, die an die alten Zeiten erinnert. Ein Comeback, das manchen Beobachtern wie die mediale Belohnung für Systemtreue erscheint.

Seit dem 28. August 2025, also bereits seit mehr als einem Jahr, moderiert Buyx im Wechsel mit Stephanie Rohde den „NANO Talk“ – donnerstags um 21 Uhr. Das etwa einstündige Wissenschaftsgespräch kam als Nachfolger von „Scobel“ ins Programm. Hier darf sich Alena Buyx sogar als Expertin für alles inszenieren. Die Themen reichen von „Das Wesen der KI“ über „Essen mit Risiko“, „Die Reizflut“ bis hin zu Pornogesellschaft, Artensterben und Klimakrise. Etwa die Hälfte der Folgen sollte sie selbst moderieren. Das hätte bedeutet, dass sie alle ein bis zwei Wochen mit einer eigenen Sendung durch 3sat flimmert. Allerdings hat sie über das Jahr mehrmals lang pausiert. Von Regelmäßigkeit keine Spur. Die Produktion, obwohl zur besten Sendezeit im Programm, verpufft.

Das soll sich jetzt offenbar ändern. Der Sender wiederholt den Nano-Talk nach Kräften. Und Buyx startet in ihrem alten Terrain durch: der Talkshow. Bei Markus Lanz beweist sie „menschliche Penetranz“, sie sitzt in der NDR-Vorabendsendung DAS!, in der NDR Talk Show, bei ARD-Wissen und in weiteren öffentlich-rechtlichen Formaten. Die Präsenz ist spürbar gestiegen. Nach der mehrjährigen Stille ist Buyx plötzlich wieder überall.

Fans nennen sie liebevoll „Die Buyxe der Pharmorra“, denn ihr vehementer Einsatz für die Pharmaindustrie war beispiellos. Vor allem die Corona-Impfung wurde von Buyx heiß propagiert.

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Buyx fällt stets durch eine besonders „einfache“ Sprache auf, die manche sogar als „primitiv“ und „vulgär“ bezeichnen. Sie redet Tacheles in simplen Worten, und der Inhalt hat meist wenig bis gar keine Substanz. „Bullshit, Allgemeinplätze, Plattitüden“ und „Geschwätz“ werfen ihr Zuschauer vor. „Offenbar passt sie den Mächtigen mit ihrer Erscheinung und ihrem Auftritt trotz völlig fehlender Substanz und Tiefe insgesamt perfekt ins Konzept“, mutmaßt etwa Leser Rainer Erich im Kommentarbereich bei Tichys Einblick. Und TE-Leser „Rob Roy“ fragt angesichts ihres jüngsten Auftritts bei Markus Lanz: „Was hat eine „Medizinethikerin‘ mit KI zu schaffen? Vermutlich hat man nichts besseres als die Berufschwätzerin Buyx zu dem Thema auftreiben können.“

Angesichts des plötzlichen Comebacks lohnt ein Blick zurück – speziell auf ihre Auftritte vor der Corona-Enquete-Kommission im November 2025. Dort geriet Buyx ins Kreuzfeuer, und mit ihren Antworten wollte sie ihre Rolle in besonders auffällig und plumper Manier plötzlich herunterspielen. Finanzwissenschaftler Prof. Stefan Homburg konfrontierte sie mit ihren Aussagen aus der Pandemiezeit. Beispielsweise hatte sie im Juni 2021 bei Markus Lanz die mRNA-Impfstoffe als „so elegantes Verfahren“ gelobt und behauptet: „Die zerfallen, werden abgebaut und sind dann weg. Nach zwei Wochen kann man sie im Körper überhaupt nicht mehr nachweisen.“ Homburg: „RKI, PEI, selbst der Hersteller haben nie so eine Behauptung aufgestellt. Wieso haben Sie das getan?“

Buyx, die aus Talkshows für ihre oft minutenlangen Monologe berüchtigt ist, wurde plötzlich recht einsilbig. Kleinlaut gab sie zu, es sei lediglich „eine Einschätzung meinerseits“ gewesen. Und während sie in jedem alten Talkshow-Auftritt und jedem Interview während der Coronazeit stets ihre Rolle als Ethikratsvorsitzende nach außen kehrte, schlug sie in der Enquete-Kommission plötzlich ganz andere Töne an. Sie habe stets und ausschließlich „als Wissenschaftlerin und Professorin“ gesprochen, behauptete sie lapidar. Der Ethikrat sei ohnehin nur ein Ehrenamt, und man habe sich damals „gut beraten“ lassen müssen, weil viele „Falsch-, Fehl- und Missinformationen“ kursiert wären.

Geradezu aggressiv reagierte sie auf den Vorwurf, im Mai 2021 in der „Welt“ empfohlen zu haben, behinderte Kinder mit Herzfehlern oder Down-Syndrom „off-label“ (also ohne STIKO-Empfehlung und ohne Zulassung) impfen zu lassen. Buyx bestritt, diese Empfehlung ausgesprochen zu haben. Sie habe lediglich auf STIKO-Informationen hingewiesen. „Ich empfehle Ihnen, sich den Sachstand dazu noch einmal ganz genau durchzulesen“, blaffte Buyx den Fragesteller an. Dabei ist das Welt-Interview, dass ihre Behauptung Lügen straft, nach wie vor online verfügbar.

Die Berliner Zeitung kommentierte Buyx’ Verhalten und ihre Antworten später scharf als „sonderbares Verständnis von Wahrheit“ – Aussagen, die damals mit der Autorität der Ethikrat-Vorsitzenden als quasi-wissenschaftliche Gewissheiten verkauft worden waren, mutierten im Nachhinein zu privaten Meinungsäußerungen.

Das Muster ist bezeichnend. Während der Pandemie trat Buyx zu keinem Zeitpunkt als zurückhaltende Denkerin oder ethisch Abwägende auf, sondern stets als omnipräsente Instanz, die Maßnahmen forderte und wortreich begründete, die Impfpflicht-Argumente stützte („bessere Freiheitsbilanz“) und vermeintlich dumme oder uninformierte Ungeimpfte gern mal aus dem Elfenbeinturm heraus belehrte. Abschreckendstes Beispiel: der Fußballer Joshua Kimmich, der die Impfung lange verweigerte. Buyx warf ihm vor, er sei „einer Falschinformation aufgesessen“. Langzeitfolgen der Impfung gebe es gar nicht – eine Behauptung, die Buyx später ebenfalls relativierte. So sagte sie etwa in der fast schon legendären Pseudo-Aufarbeitungsrunde bei Markus Lanz im April 2025 an der Seite Karl Lauterbachs, es habe bei der Impfung nunmal „diesen Fokus darauf“ gegeben, „weil das natürlich auch irgendwie sexy war“.

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Kimmich geriet über viele Wochen in ein mediales Dauerfeuer, auch und vor allem getrieben durch Leitfiguren wie Buyx. Als das Gesicht des Ethikrates lag sie meist exakt auf Regierungslinie oder trieb die Politik mit weitreichenden Forderungen sogar vor sich her.

Rückblickend jammert sie öffentlich, die junge Generation zu wenig in den Blick genommen zu haben („Das bedauern wir zutiefst, das hätten wir machen sollen“), flüchtet sich jedoch sofort in die Opferrolle. Sie warnt vor einer „von Wut getriebenen Suche nach Schuldigen“ und fordert „Heilung“ statt Schuldzuweisungen. Vor der Enquete-Kommission allerdings dominierte die Relativierung: Was damals als Expertenstimme gegolten hatte, war plötzlich nur noch persönliche Einschätzung. Die Kommission selbst versuchte teils, das Thema Impfen abzuwürgen – was den Eindruck verstärkte, unangenehme Fragen sollten kontrolliert verpuffen. Federführend war hier die Kommissionsvorsitzende Franziska Hoppermann (CDU), die auffällig oft auf der Bremse stand und kritische Fragesteller wie Homburg so ausführlich und zeitintensiv schurigelte, dass immer weniger Zeit für die eigentlichen Fragen blieb.

Nun also das TV-Comeback der „Buyxe der Pharmorra“. Während die echte Aufarbeitung der Corona-Jahre weiter stockt, bekommt eine der prominentesten Stimmen jener Zeit eine eigene Primetime-Plattform und setzt in den großen Talkshows zum Neustart an. Kritiker sehen darin weniger ein Zeichen wissenschaftlicher Exzellenz als vielmehr die Belohnung für systemkonforme Kommunikation. Dass falsche Behauptungen im Nachhinein zu „Einschätzungen“ werden, nehmen ihr Mainstream-Moderatoren wie Markus Lanz gern ab. Denn sie sitzen alle in einem Boot. Verantwortung wird weichgespült, die öffentliche Bühne bleibt.

Man mag es als normalen Karriereverlauf einer Professorin sehen. Oder als symptomatisch dafür, wie in Deutschland mit der Corona-Zeit umgegangen wird: Die lautesten medialen Stimmen von damals dürfen weiter moderieren, während die unbequemen Fragen nach Verantwortlichkeit, Fehlern und Langzeitfolgen als wütende Vergeltung abgetan werden und versanden. Alena Buyx ist zurück im Fernsehen – und mit ihr die Erinnerung daran, wie dünn die Grenze zwischen angeblicher Expertenmeinung und politischem Narrativ ist. Heute darf sie sich sogar als Allround-Expertin inszenieren. Dass es dann, wie etwa in der Folge „Das große Artensterben“, nur eine Minute und 59 Sekunden dauert, bis erstmals das böse Wort „Klimawandel“ fällt, versteht sich von selbst. Auch hier ist Buyx ganz auf Linie.

Ihr selbstgefälliger Auftritt in der „Corona-Aufarbeitungs-Show“ bei Markus Lanz stieß dem Kabarettisten Serdar Somunçu seinerzeit besonders übel auf. Und so bekannt Buyx für ihre primitive Wortwahl ist, so kennt man Somunçu für seine manchmal derben Worte. In einem Reaction-Video zum Lanz-Talk wirkt er im April 2025 geradezu fassungslos: „Das ist ’ne Henkerin. Die kommt direkt aus der Hölle. Und die macht immer noch weiter. Die lügt einfach wie gedruckt.“ Somunçu empfiehlt ihr: „Geh doch einfach mal in dich und sei ein bisschen demütig und sag: Komm, ich hab Mist gebaut.“

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