Bundesfinanzminister Lars Klingbeil wirbt um ausländische Investoren, doch mit der Anwesenheit nimmt sein Ministerium es nicht so genau. Das diesjährige Treffen von Internationalem Währungsfonds und Weltbank fand in Thailand statt. Andreas Hammer war vor Ort und berichtet.
Die Bundesregierung war in der „Stadt der Engel“ prächtig vertreten, besonders wenn es um die Pressefotos ging. Jeanette Schwamberger, Staatssekretärin im Bundesfinanzministerium, hatte es sich nicht nehmen lassen, in Bangkok einzuschweben. Anlass war das Jahrestreffen des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank, das von Montag, dem 12. Oktober, bis Sonntag, dem 18. Oktober, im Queen Sirikit Convention Center am Rande des mondänen Benjakitti Parks stattfand.
Von den 2.321 Beamten des Bundesfinanzministeriums war am Samstag, dem 17. Oktober 2026, um 14:45 Uhr niemand mehr im Besprechungsraum auf dem Messegelände. Eine Dame aus einem Nachbarzimmer sagte: „Herr von Kleist war bis vor einer Stunde da und ist dann abgereist.“ Die Staatssekretärin war bereits am Freitag abgereist.
Der Spitzenbeamte des Finanzministeriums, Dr. Rüdiger Wilhelm von Kleist, mit dem Fachgebiet Internationale Finanzinstitutionen, achtet vielleicht streng auf die deutschen Arbeitszeiten, auch wenn er weltweit für die deutsche Wirtschaft unterwegs ist. Oder hat er den Appell der geschäftsführenden Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IMF), Kristalina Georgieva, an die Delegierten aus 191 Ländern zu wörtlich verstanden? „Now we are all here. Make sure you go out and you shop. Give a good injection to the economy.“ – „Nun sind wir alle hier. Gehen Sie aus und kaufen Sie ein. Geben Sie der Wirtschaft eine Finanzspritze.“
Und wie sich Deutschland den Investoren dieser Welt präsentiert: In der allerletzten Halle, Nummer 8, Raum P 49, am allerletzten Gang (von A bis P), hat sich das Ministerium auf Steuerzahlerkosten eingemietet. Der Raum ist kahl und leer, keine Broschüren, keine Info-Plakate an den Wänden, keine Visitenkarten und – um dem Ganzen das „i-Tüpfelchen“ aufzusetzen – keine Mitarbeiter. Klar, an einem Samstagnachmittag kann man sich auch nettere Dinge in Bangkok vorstellen, als in einer Messehalle Investoren zu suchen.
Dabei hatte doch KfW-Chef Stefan Wintels gerade noch beim Executive Investor Roundtable „Invest in Germany“ hier in Bangkok behauptet: „Deutschland ist ein schlafender Bluechip mit großem Potenzial für internationale Investoren“, und das werde bei den derzeit in Bangkok stattfindenden Jahrestagungen von IWF und Weltbank einmal mehr deutlich.
Wenn es doch wenigstens ein schlafender Riese wäre! Doch einer aktuellen Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY zufolge vertreibt Deutschland seine Unternehmen – und Investoren machen einen Bogen um uns: Die Zahl ausländischer Investitionsprojekte liegt in Deutschland auf dem niedrigsten Stand seit 2009. Hohe Steuern, teure Arbeit, explodierende Energiekosten und lähmende Bürokratie. Die versprochenen Reformen? Nur Wortgeklingel.
Wenn man doch so an der internationalen Investorengemeinschaft interessiert ist, dann sollte man auch vor Ort sein, falls Investoren auf die Idee kommen sollten, im Deutschland-Zimmer anzuklopfen. Man könnte den Eindruck gewinnen, es gehe lediglich um ein hübsches Pressefoto mit flotter Presseerklärung. Aber wenn die Kärrnerarbeit ansteht, ist niemand mehr im Raum.
Wenn KfW-Chef Wintels von „Invest in Germany“ in Bangkok berichtet, dass internationale Investoren Interesse zeigen, dann stellt sich doch die Frage, mit welchen ernsthaften Investoren Gespräche geführt wurden, und wann wie viel investiert werden soll.
Ich sprach auch mit Chief Economist der SEB Bank, Jens Magnusson, der aus Schweden für einen Vortrag angereist war. Beim „Family-Treff“ von Banken und Versicherungen, die bei solchen Veranstaltungen en masse zu Netzwerkempfängen etwa der Deutschen Bank und der Commerzbank zusammenkommen, sucht man Investoren aus aller Welt wie die Nadel im Heuhaufen. Wenn der Fokus dann noch kleinteiliger wird und man Investoren für Deutschland sucht? Magnusson: „Not typical come here“.
Und wer ist typischerweise vertreten? Die üblichen Verdächtigen – NGOs, ranghohe Regierungsbeamte (mit der Lizenz zu fliegen) und Politiker treffen sich und unterhalten sich auf ihrem höchst anspruchsvollen Niveau über Themen, die die Welt retten sollen: Multilateralism, Resilience, Global Environment.
Da fragt man sich doch, welches Zeitmanagement innerhalb der Bundesregierung herrscht, wenn der Friedrich Merz’ „Invest in Germany Summit“ in Berlin einen Tag nach Lars Klingbeil „Invest in Germany“ in Bangkok angesetzt ist.
Andreas Hammer ist Geschäftsführer von ingruendung.de, der Gesellschaft für Existenzgründungsberatung mbH.








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