Friedrich Merz hat endlich seine positive Schlagzeile. Im Dezember stieg das Auftragsvolumen der Industrie markant. Doch hinter der teuer erkauften statistischen Erholung verbirgt sich lediglich der Aufbau der schuldenfinanzierten Rüstungsindustrie.
picture alliance / photowerkstatt | Mike Schmidt
Es hat ein wenig Vorlaufzeit bedurft, doch nun verfügt der Bundeskanzler endlich über seine positiven Schlagzeilen. Für den Dezember 2025 meldet das Statistische Bundesamt einen Anstieg des Auftragseingangs in der Industrie von 7,6 Prozent gegenüber dem Vormonat. Bereits der November hatte mit einem Plus von über fünf Prozent einen ersten Impuls geliefert – mitten in der schweren Wirtschaftskrise, in der sich das Land befindet.
Die Industrieproduktion fiel im Dezember übrigens um 1,9 Prozent wieder in den negativen Bereich, was allerdings im medialen Jubelgesang ein wenig unterging. Auch dass der einstige Stolz der deutschen Industrie, die Automobilwirtschaft, im Dezember um 6,3 Prozent an Auftragsvolumen einbüßte, geriet im allgemeinen Aufatmen zur Randnotiz.
Seziert man diesen Datenpunkt jedoch und bereinigt die Veränderung um das Volumen der Großaufträge, ergibt sich ein deutlich anderes Bild. Das vermeintlich kräftige Auftragsplus schrumpft dann auf lediglich 0,9 Prozent zusammen.
Was ist hier geschehen? Erfahrungsgemäß handelt es sich dabei um den Posten „Sonstiger Fahrzeugbau“, der um rund 9,5 Prozent zugelegt hat. Statistisch finden sich in dieser Kategorie vor allem Rüstungsgüter. Man kann also festhalten: Das kreditfinanzierte Sondervermögen des Bundes hat seinen Weg in die deutsche Militärproduktion gefunden.
Oder anders formuliert: Die Bundesregierung darf nun öffentlich ihre Ehrenrunde drehen, nachdem sie die Bevölkerung in massive Schulden gestürzt hat, um im Superwahljahr 2026 einen kurzfristigen statistischen Effekt zu erzeugen. Man möchte schließlich nicht als vollkommene Versager dastehen.
Was als konjunkturelle Wende gefeiert wird, ist in Wahrheit der statistisch kaschierte Übergang von einer marktwirtschaftlichen Ordnung zu einer schuldenfinanzierten Verwaltungsökonomie.
Der Aufbau des Militärsektors ist dabei so ziemlich der letzte Schuss im Lauf einer Politik, die im keynesianischen Modus stur und unbelehrbar immer neue Anläufe unternimmt, eine Kunstökonomie an die Stelle der aufreißenden Vakanzen der deutschen Industrie zu setzen. Diese Strategie bindet Ressourcen und Mitarbeiter und entzieht dem freien Kapitalmarkt genau jene Finanzmittel, die notwendig wären, um unter besseren Rahmenbedingungen vielleicht doch wieder in einen echten Investitionsmodus zu gelangen.
Produziert werden Güter, die am Markt niemand nachfragt. Einige wenige füllen sich die Taschen. Es ist klassische Klientelpolitik der Marke Berlin–Brüssel. Im Westen nichts Neues, wenn man so will.
Die tatsächliche Lage
Wie es tatsächlich um die deutsche Wirtschaft bestellt ist, zeigt ein weiterer Datenpunkt aus der amtlichen Statistik, diesmal aus der Bauwirtschaft. Der HCOB Deutschland Construction PMI, ein monatlicher Frühindikator zur Messung der Geschäftslage im Sektor, fiel im Januar auf 44,7 Punkte. Werte unterhalb von 50 signalisieren eine Kontraktion der wirtschaftlichen Aktivität.
Nach einem kurzen Zwischenhoch im Dezember, als der Index auf 50,3 Punkte gestiegen war – getragen vor allem durch Investitionen in die Energienetze –, rutschte der deutsche Bausektor im Januar erneut tief in die Rezession ab. Dies gilt nicht nur für Deutschland, sondern für die gesamte Eurozone.
Seit nunmehr vier Jahren bewegt sich in diesem für die Volkswirtschaft zentralen Bereich buchstäblich nichts mehr. Investitionen werden zurückgehalten, neue Bauprojekte, insbesondere im gewerblichen Segment, sucht man vergeblich. Der Sektor verharrt in einer anhaltenden Stagnation.
Überhöhte Energiekosten, eine geradezu kafkaeske Regulierungsarbeit aus Brüssel und Berlin sowie erstickende Eingriffe wie die Mietpreisbremse bilden jene Rezeptur, mit der eine Rezession regelrecht in Stein gemeißelt wird.
Man darf daher gespannt sein, ob auch für die Bauwirtschaft bald milliardenschwere Programme in Form von subventioniertem öffentlichem Wohnungsbau aufgelegt werden, um zumindest statistisch erneut die Illusion eines Aufschwungs zu erzeugen.
Systemkonforme Kritik
Die Bundesregierung kann also endlich durchatmen. Ein teurer Spaß für den Steuerzahler, aber offenbar war es der Politik das wert. Dabei ist die Anwendung des ohnehin ökonomisch wie intellektuell verheerenden Keynesianismus auf die Rüstungsindustrie tatsächlich die dümmste unter den dummen politischen Varianten. Eine Nation immer tiefer in die Verschuldung zu treiben, um am Ende Güter zu produzieren, die entweder buchstäblich vor sich hin rosten oder schlimmstenfalls destruktiv zum Einsatz kommen, ist maximaler politischer Nihilismus – um nicht zu sagen: Wahnsinn.
Dass nun im wahrsten Sinne des Wortes der gesamte staatsaffine Medienapparat die konjunkturelle Wende feiert, impliziert zweierlei. Zum einen die vollständige Unterwerfung unter die medienpolitischen Ziele der Regierung. Zum anderen die nun statistisch erhobene Gewissheit, den Pfad des Umbaus der deutschen Gesellschaft in eine grüne, militärische Kommandowirtschaft zunächst unbeschadet fortschreiben zu können.
Das fortgesetzte Schweigen in den Führungsetagen der deutschen Wirtschaft bestätigt den Verdacht, dass es der Politik gelungen ist, diese Strategie moralisch zu immunisieren. Die über Jahre hinweg perpetuierte Erzählung von der unmittelbar bevorstehenden Invasion der Russen legitimiert nun den Ausbau der Rüstungsindustrie.
Im Rahmen des Green Deal hat man einige Jahre länger gebraucht, doch auch hier ist es gelungen, das Ammenmärchen von der Weltrettung durch CO₂-Reduktion so tief im Unterbewusstsein der Bevölkerung zu verankern, dass offenkundig nach wie vor die überwiegende Mehrheit der Wähler diesen Kurs mitträgt. Kritik an dieser Politik erscheint in diesem Kontext als klimafeindlich, verantwortungslos und wissenschaftsfremd.
Compliance wird heute nicht mehr mit Zwang durchgesetzt, sondern durch die gezielte Umformung betriebswirtschaftlicher Rationalität. Mit jeder zusätzlichen Regulierung, mit jeder weiteren Abgabe im Namen der CO₂-Emissionen wächst die Zahl jener Unternehmen, deren wirtschaftliches Überleben nur noch innerhalb der staatlich orchestrierten Subventionsarchitektur möglich ist.
Das Ergebnis: In den Medien erleben wir wohltemperierte, geformte Sprachspiele, wenn Wirtschaftsvertreter beispielsweise Bürokratieentlastung fordern. Es handelt sich um systemkonformes Feintuning, um eingespielte Aktion-Reaktions-Muster, die indirekt durch den Brüsseler Machtapparat gesteuert werden. Niemand wagt es, einen Reputationsverlust zu riskieren – nicht in diesem maximal repressiven Mediendesign.
Die Wirtschaft hat offensichtlich verstanden, ihre Kritik auf eine Weise zu formulieren, die dem Kaiser nicht an die Wäsche geht und sicherstellt, förderfähig zu bleiben. Wir erleben konditioniertes Duckmäusertum, das uns zielsicher auf dem Weg zu einem neuen Sozialismus begleitet.

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