Tichys Einblick
Salafismus für Einsteiger

Pilgerreisen von Pierre Vogel und Gesinnungsgenossen stoppen

Die Reiseleiter predigen den Reiseteilnehmern vom verheißenen Paradies, dem diese näher seien als ihre muslimischen Mitbürger, die in der Disko tanzen gingen, während sie die Umrundung der Kaaba antreten.

Kürzlich habe ich wieder über IS-Rückkehrer aus Syrien berichtet und über das Gefährdungspotenzial, die diese für unsere Demokratie bedeuten. Die gesellschaftliche Diskussion darüber ist in vollem Gange: Talkshows diskutieren, wie mit den Rückkehrern umzugehen ist, die Bundesregierung hat einen Gesetzentwurf ausgearbeitet, der eine juristische Grundlage für den Umgang mit den Dschihadisten legen soll und die Staatsanwaltschaft hat erste Haftbefehle ausgestellt.

Öffentlich wirkt vielleicht mehr
Anzeige für Steuerfahndung gegen Pierre Vogel
Schön und gut – jedoch geht all das an einer entscheidenden Frage vorbei: Wieso lassen sich junge Leute zum Dschihad hinreißen? Und noch schlimmer: Wieso sehen wir dabei munter zu? Eine mögliche Antwort, wieso es derart einfach ist, liefern die „Bakkah-Reisen“ mit Hassprediger Pierre Vogel als Reisebegleiter: Für knapp 700 Euro kann man mit Deutschlands bekanntestem Salafisten-Prediger nach Mekka und Medina reisen und die „Hadj“ oder die „Umra“, die muslimischen Pilgerreisen, vollziehen – scheinbar völlig unbehelligt von den Sicherheitsbehörden und der breiten Öffentlichkeit. Stolz heißt es auf der Webseite von „Bakkah-Reisen“ man habe bereits neun solcher Hadj-Reisen und erschreckende 44 Umra-Reisen unternommen. Insgesamt haben über 1.700 Gläubige das Angebot angenommen und sich auf das Versprechen der Salafisten eingelassen, sie „auf die schönste Reise des Lebens“ mitzunehmen.

Ein persönlicher Neujahrsvorsatz
Dreht den Salafisten den Geldhahn zu
Mir bereitet diese Entwicklung große Sorge: Kann es für die Salafistenprediger Abul Baara und Pierre Vogel so denkbar einfach sein, junge Leute mit ihrem verwerflichen Gedankengut zu infizieren, die dafür auch noch je nach Reisezeit bereitwillig bis zu 6.000 Euro für die „Premium-Hadj“ zahlen und so die Kassen der Salafisten klingeln lassen? Scheinbar schon, wie die Zahlen belegen. Die Tatsache, dass es bei den „Hadsch und Umra-Reisen“ nicht um die Erfüllung muslimischer Pflichten, sondern um die Rekrutierung neuer Anhänger für die menschenverachtende Ideologie von Salafisten und Dschihadisten geht, steht für mich außer Frage.

Längst finden sich auf der Internetpräsenz des Landesamtes für Verfassungsschutz Baden-Württemberg Warnungen vor dem Reiseveranstalter von Pierre Vogel und Abul Baara: So könnten die angeblichen Pilgerreisen die Radikalisierung einzelner beschleunigen und dürften daher keineswegs unterschätzt werden, heißt es in einer aktuellen Einschätzung der Verfassungsschützer aus dem März dieses Jahres.

Durchgreifen!
Ideologische Brandstiftung geht unvermindert weiter
Nach Beweisen für die These, dass die angebotenen Reisen mit unseren Werten und Überzeugungen unvereinbar sind, muss man nicht lange suchen: So findet sich beispielsweise auf der Webseite von „Bakkah-Reisen“ unmissverständlich der Hinweis, dass Frauen nicht alleine reisen dürften, sondern nur mit einen männlichen „mahram“ nach Saudi-Arabien einreisen dürfen. Dieser muss selbstverständlich bei der Buchung an den Reiseveranstalter gemeldet werden. Eine Vorschrift, die mit dem Grundsatz der Gleichberechtigung, der Freizügigkeit und der Menschenwürde unvereinbar ist.

Der Verfassungsschutz von Baden-Württemberg warnt insbesondere auch davor, ebenso wie ich es schon seit Jahren häufig getan habe, dass „von Deutschland aus nur ein kleiner Ausschnitt aus den Reisen sichtbar“ sei. Die eigentliche Gefahr schlummert nicht in den Besuchen der heiligen Stätten der Muslime in Saudi-Arabien. Die Gefahr, die diese Reisen so bedrohlich und gefährlich macht, geht vielmehr von den „emotionale[n], mitreißende[n], inspirierende[n] und imanstärkende[n] [iman = Glaube] Vorträge[n]“ aus, die Bakkah-Reisen verspricht.

Getroffen
Ismail Tipi weist auf Finanzquellen von Salafisten hin
Für mich nichts anderes als das klare Eingeständnis der salafistischen Machenschaften und der Rekrutierung, die auf derartigen Veranstaltungen betrieben wird. Plötzlich tauchen unerwartet salafistische Prediger auf den Reisen auf, die von den Reiseleitern Pierre Vogel oder Abul Baara als Glaubensbrüder angekündigt und von den „Pilgern“ frenetisch gefeiert und verehrt werden. Diese verbreiten dann ihre Lehre über die Scharia, den Dschihad oder den rechten muslimischen Glauben und den in ihren Augen einzig-wahren Gottesdienst durch den schonungslosen Kampf gegen die Kuffar, die Ungläubigen.

Den „Gläubigen“ wird ein Islam vermittelt, der mit den Wertvorstellungen und dem Demokratieverständnis in unserem Land, in Europa und der gesamten westlichen Welt schlichtweg nicht vereinbar ist – und im Übrigen auch nicht mit dem Islamverständnis der meisten Muslime weltweit: Die Reiseleiter schüren Hass und predigen den Reiseteilnehmern von dem verheißenen Paradies, dem diese selbstverständlich näher seien als ihre muslimischen Mitbürger, die in der Disko tanzen gingen, während sie die Umrundung der Kaaba antreten.

Schlag gegen Islamisten
Ismail Tipis Warnungen tragen Früchte - Salafistischer Hassprediger Abul Baraa endlich im Visier der Ermittler
Die Pilgerfahrten sind nichts anderes als ein Vorwand, um junge Leute an den Salafismus und seine zutiefst menschenverachtenden Forderungen, seine von blindem Hass geleitete Ideologie heranzuführen – und das auf eine unterschwellige und zutiefst hinterhältige Weise. Der Hetzcharakter und die Stigmatisierung der ungläubigen Kuffar, die auf den Bakkah-Reisen gelehrt wird, taucht selbstverständlich nicht in der offiziellen Reisedokumentation des in Mannheim beheimateten Unternehmens auf.

Stattdessen gibt dieses eine Garantie an die Teilnehmer ab, die bei mir alle Alarmglocken hell aufschrillen lässt: „Am Ende Deiner Reise entlassen wir Dich in sha Allah [so Gott will] sündenfrei und mit einer geschärften Sicht auf die Dunja [das Diesseits]. Du wirst in der Lage sein, Dein Leben nachhaltig und weiterhin zu verbessern.“

Mich beängstigt diese „geschärfte Sicht“ zutiefst, denn damit kann nichts anderes gemeint sein als eine salafistisch-dschihadistische Gesinnung – eine Gesinnung, die wir in unserem Land auf keinen Fall dulden dürfen. Die Pilgerreisen von Pierre Vogel sind nichts anderes als eine Einstiegsdroge für den Salafismus.

Meine Forderung ist daher einfach und unmissverständlich: Salafismus verbieten – und damit augenblicklich auch die Aktivitäten aller salafistisch gefärbten Unternehmen. Außerdem fordere ich zum wiederholten Male straf- und steuerrechtliche Ermittlungen gegen Pierre Vogel und dessen Gesinnungsgenossen, denn ich bezweifle ausdrücklich eine ordnungsgemäße steuerliche Verrechnung der Pilgerreisen, wie sie vom Chef-Salafisten der deutschen Szene mitangeboten werden.

Es kann nicht oft genug gesagt werden
Salafismus und Co verbieten
Wir müssen den Aktivitäten der Salafisten schnellstmöglich einen Riegel vorschieben, denn die nächste „Osterferien Umrah“ mit Pierre Vogel soll bereits am nächsten Montag von Frankfurt aus starten. Wir dürfen nicht zulassen, dass noch mehr junge Leute in die Fänge der Salafisten und Dschihadisten geraten. Es steht unsere Demokratie und unsere Glaubwürdigkeit als Rechtsstaat auf dem Spiel – ein Spiel das wir keinesfalls verlieren dürfen.

Geben wir den Salafisten nicht die Chance, noch mehr Gutgläubige in die Fänge von IS und Co. zu ziehen, denn sonst werden die Diskussionen über den Umgang mit Rückkehrern, Gefährdern und IS-Terroristen nie enden. Noch haben wir die Chance, weiteres Unheil zu verhindern. Lassen wir sie nicht verstreichen!