Tichys Einblick
Blick zurück - nach vorn

Blackbox KW 10 – Merkel-Dämmerung

Wenn Merkel geht, dann geht nur ein Teil von ihr, ihr Sozialismus, der bleibt hier. Denn die Union verliert massiv Stimmen, selbst Söder verliert die Nerven.

Der Vergleich mit der Götterdämmerung wird gern genommen. Die rauschhafte Musik von Richard Wagner verursacht Gänsehaut, schließlich ist es soweit: Walhall stürzt zusammen, die Halle der Gibichungen brennt, der Rhein holt sich sein Gold zurück – das ist alles; kein Ende der Welt ereignet sich. Die Merkel-Dämmerung ist natürlich ganz anders: Nicht Oper, sondern unterhaltsame Operette (und unser Gold sehen wir, anders als der Rhein den Nibelungenschatz, wohl nie wieder).

♦ Das, was folgt, ist allerdings weniger lustig, denn Dr. Angela Merkel hat durch geschickte Personalpolitik den Weg bereitet für Berliner Verhältnisse, Rot-Rot-Grün im Bund. DDR 2.0. Ihr offenbar von politischen Instinkten befreiter Minister Spahn bereicherte die Medien mit Immobiliengeschäften statt mit Erfolgsgeschichten seines Corona-Managements. Auch Maskenpflicht und Abstandsregeln legte er nach Gutsherren-Art aus, bei einem Spendendinner für seinen Wahlkampf waren sie außer Kraft gesetzt. (Schicksal is a bitch: Jens fing sich gleich das Virus ein). Solche Trümpfe spielt Merkel perfekt aus. Für Schnelltests richtete sie jetzt eine ganz spezielle Taskforce ein. An deren Spitze: Ausgerechnet besagter Spahn und Andi Scheuer (noch so ein, sagen wir mal glückloser Unions-Kantonist).

♦ Die Unionisten sehen die Sache mit karnevalistischer Gelassenheit (Et hätt noch immer jot jejange), wohl auch fest im Glauben, dass mit um die 35% ohne sie keine Regierungsbildung stattfinden kann. Aber sie haben die Rechnung eben ohne Merkel gemacht (die in der CDU nie heimisch war). Der Kanzlerbonus ist im September weg, und fast alle Hauptdarsteller der Unionsparteien können allein auf einen Mitleidsbonus hoffen. Und siehe da: Schon meldet Bild „Union unter 30 Prozent“. Ach nein, das war nur ein Menetekel, die Zahlen waren für Baden-Württemberg 

♦ Außerdem haben wir doch den Söder, werden sich manche beruhigen. Ach, wenn der doch nur nicht mit zweitem Vornamen „Hybris“ hieße! Als Tirols Landeshauptmann (Ministerpräsident auf österreichisch) Platter zu seinem Chef Kurz über Bayern nach Wien reisen wollte, ließ die bayerische Staatskanzlei mitteilen, „die geplante Reise … fällt unter keine der definierten Ausnahmen“, weshalb „der geplanten Durchreise daher nach den derzeitigen Bestimmungen nicht zugestimmt werden kann“. Hahaha.

♦ Ja, so isser, der Maggus Rex. Nachdem sich Olaf Scholz bei der letzten digitalen Corona-Therapiesitzung in Söders Augen „schlumpfig herumgrinsend“ als König von Deutschland und Weltenherrscher aufführte, hat er ihm gleich den Marsch geblasen („Was haben Sie getrunken?“). König von Deutschland ist schließlich er, Söder.

♦ Natürlich bescheißen die anderen auch (AWO!), aber sich ausgerechnet bei den Zwangsmasken die Apanage zu optimieren (12 Cent extra/Maske bei Abnahme von 500.000 Stück) dürfte die Union mehr Stimmen kosten, als dem Nikolas Löbel Euros aufs Konto flossen.

♦ Natürlich schadet es den Grünen nicht, wenn einer der ihren zur Formierung „robuster Communitys“ auffordert, denn, so der Berliner Grüne Jeff Kwasi Klein, „Plünderungen“ sind auch hierzulande lediglich „organisierter Widerstand … gegen ein rassistisches System“. Das hat doch inzwischen jedes Berliner Schulkind gelernt: Vor „mehr als 500 Jahren“ sind „europäische Barbarinnen auf ihren Raubzug durch die Welt gegangen und haben rassistische Systeme aufgebaut, die uns bis heute den Atem nehmen“. Ein Räuber ist quasi ein Reparationist.

♦ Natürlich darf unser Dr. Wieler mit den Corona-Zahlen vom RKI (ohne Gewähr!) nicht fehlen, schließlich will ein jeder wissen, in wie weit es ihn betrifft. Aber nun haben sich die Chancen doch gravierend geändert. Erst wollte es der Dr. Wieler gar nicht sagen, „denn es ist ein Tabu“, aber dann hat er es doch rausgelassen: Mehr als 50% der Corona-Intensiv-Patienten haben Migrationshintergrund. Das bedeutet wohl, dass Corona für die Bevölkerung (die, die schon länger hier leben) nicht weiter wahrnehmbar gewesen wäre als eine normale Virusgrippe-Saison. Vorbeuge-Maßnahmen hätten folgerichtig verstärkt für die besonders gefährdeten Personengruppen kommuniziert werden müssen. Hotspots hätten gezielter isoliert werden können. Und die in der Düsseldorfer Altstadt aufgestellten Schilder in deutscher Sprache „Verweilverbotszone – Bitte gehen Sie weiter!“ sind wohl weitestgehend für die Katz gewesen.

♦ Eine schöne Geste, dass die SPD nicht billig vom Elend ihrer Regierungsfreunde der Union, die sich gerade selbst zerlegen, profitieren will, sondern auch ihrerseits alles tut, um als wählbare Alternative auszufallen. So wollen die Genossen den Berliner Mietendeckel, durch den sich das dortige Wohnungsangebot halbiert hat, auch für den Bund einführen. Wenn schon, denn schon: Wohnungsnot für alle!

♦ Man hört ja vergleichsweise wenig von unserem Heiko. Wahrscheinlich leidet er doch stark unter den Reisebeschränkungen. Dafür sprang bei Bild am Sonntag seine Natallje, die Großschauspielerin Natalia Wörner, in die Bresche und ließ das Volk (oder heißt das jetzt die Volkenden?) wissen, sie „habe überhaupt kein Verständnis für Klagen über den Pandemie-Alltag. Ich finde, jeder ist im Moment aufgefordert, solidarisch und besonnen und klug zu handeln.“ Das ist doch mal eine klare Ansage für die Jammerlappen, bloß weil die ihren Job verloren haben, ihr Laden pleite ging und sie ihre Miete und den Strom nicht mehr zahlen können. Solidarität!

♦ Jetzt haben wir doch fast vergessen, Susanne Hennig-Wellsow zu gratulieren und ihr Blumen vor die Füße zu werfen, wie es sich in deren Kreisen gehört, schließlich wurde Goldregen-Suse zur neuen SED-Chefin gewählt. Übrigens gemeinsam mit Janine Wissler, der wenigstens der hessische CDU-Generalsekretär Manfred Pentz ordentlich gratulierte („eine geschliffene Rednerin und charismatische Persönlichkeit“), wofür er nun von seinen Parteifreunden beschimpft wird. Moment! Der Pentz will doch nur seine Haut retten, denn schließlich hatte das giftige Duo bereits angekündigt, dafür kämpfen zu wollen, „dass wir die CDU/CSU aus der Bundesrepublik, aus der Bundesregierung vertreiben“. Pentz darf dann bleiben.

♦ Der Verfassungsschutz darf die AfD nicht als rechtsextremistischen Verdachtsfall einordnen und beobachten, sagt das Verwaltungsgericht Köln. Na gut, dann eben nicht. Hängen bleibt eh nur AfD und Verdachtsfall. Damit wurde das Ziel ja erreicht.

♦ Der Elon Musk weiß, wie’s geht. Der sucht für sein Tesla-Werk in Deutschland einen Subventions-Manager, um auch wirklich jede staatliche Förderung abzugreifen.


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