Tichys Einblick
Ahnungslos und von sich überzeugt

Baerbock und Co wissen nicht, was beim Strom ein Netz ist

Den Strom für den Süden Deutschlands liefern im wesentlichen derzeit drei Kernkraftwerke. Die stehen allerdings in Frankreich.

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Eigentlich sollte es nie ans Netz gehen, wenn es nach den Grünen gegangen wäre. Doch seit vergangenem Samstag hängt das Steinkohlekraftwerk Datteln IV im nördlichen Nordrhein-Westfalen am Netz. Das Kraftwerk nahe der Kreuzung von Dortmund-Ems-Kanal und Wesel-Datteln-Kanal kann bis zu 1.100 MW an Bruttoleistung preiswert und sicher liefern. Mit einem Wirkungsgrad von 45 Prozent zählt es zu den effektivsten Steinkohlekraftwerken. Gleichzeitig versorgt das Kraftwerk des Betreibers Uniper (früher Eon) mit seiner Abwärme rund 100.000 Haushalte mit Fernwärme. Das ist die Hälfte des Bedarfes für Raumwärme der Stadt Datteln. Mit bis zu 40 Prozent der Leistung von Datteln IV werden Nahverkehrszüge der Deutschen Bahn betrieben.

Einige hundert Demonstranten protestierten am Samstag gegen die Inbetriebnahme. Seit‘ an Seit‘ mit Fridays for future, Ende Gelände und BUND waren auch Gewerkschafter ausgerechnet der IG Bergbau, Chemie, Energie und sowie der IG Metall.

Gegen das moderne Kraftwerk, das schon 2011 ans Netz sollte, äußerten sich auch mit Luisa Neubauer eine Erbin des Reemtsma-Konzerns, der mit Zigaretten sein Geld angehäuft hat, sowie Greta, die Schulabbrecherin aus Schweden. Sie beanspruchen, einem Industrieland zu erzählen, wie sichere und preiswerte Stromversorgung funktioniert. Sie führen an, dass Datteln den Strom von Windmühlen und Solarzellen verdränge. Dabei übersehen sie, dass nach dem EEG dieser Strom Vorrang hat und vor dem Strom aus Kohle- und Kernkraftwerken abgenommen werden muss.

Annalena Baerbock, die grüne Spezialistin für Energiefragen aller Art, war mit am lautesten: »Was für ein Irrsinn«, twitterte sie unbekümmert, »dass #Datteln4 ans Netz geht.«

In das nagelneue Steinkohlekraftwerk hat Betreiber Uniper 1,5 Milliarden € investiert. Baerbock hatte bereits im vergangenen Jahr gefordert, dass das fortschrittliche und umweltfreundliche Kraftwerk nicht ans Netz gehen dürfe und damit zur Ruine werden sollte.

Seit 2017 liegt auch eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung für das Kraftwerk vor. Doch die Chefin der Grünen, berief sich auf jenen »Kohlekompromiss« und hatte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) vorgeworfen, gegen die Beschlüsse der Kohlekommission zu verstoßen: »Die Kohlekommission hat gemeinsam festgelegt, dass keine neuen oder im Bau befindlichen Kohlekraftwerke mehr ans Netz gehen dürfen.«

Bereits der sogenannte Kohlekompromiss, den allerdings nur Vertreter von Umweltverbänden in der Kohlekommission im wesentlichen unter sich ausgemacht hatten, sah bekanntlich den totalen Ausstieg von Kohlekraftwerken vor. Der Kompromiss wurde im Januar dieses Jahres Grundlage für das Kohleausstiegsgesetz. Nach dem sollen bis zum Jahr 2022 2,8 GW und bis 2029 weitere 5,7 GW Kraftwerksleistung abgeschaltet werden – der Rest dann bis 2038. Wo der Strom dann hergenommen werden soll, wenn weder Wind noch Sonne »liefern«, weiß niemand. Datteln IV jedoch soll laut Kohleausstiegsgesetz ausdrücklich in Betrieb genommen werden.

Baerbock, die mit ihrem legendären Spruch von den Stromleitungen, die Strom speichern für Aufsehen sorgte und Kobold schlecht von Kobalt unterscheiden konnte, poltert jetzt gegen die Inbetriebnahme: »Wer Klimaschutz ernst nimmt, schaltet kein neues Kraftwerk an. Leidtragende sind Klima und Bahn, die den Strom zu überteuerten Preisen kaufen muss.«

Dass der Strom für die Endkunden immer teurer wird, liegt an der grünen Planwirtschaft des sogenannten EEG-Systems. Nach dem muss Strom aus Windmühlen und Fotovoltaik bevorzugt abgenommen werden, unabhängig davon, ob der Strom gerade gebraucht wird oder nicht. Die Betreiber dieser Anlagen bekommen ein festes Entgelt für ihren Strom – unabhängig vom jeweiligen Marktpreis. Die Differenz bezahlt der dumme Stromverbraucher. Das treibt die Strompreise in schwindelerregende Höhen. Nicht umsonst ist Deutschland das Land mit den höchsten Strompreisen Europas.

Große Kraftwerke wie Datteln sorgen noch dafür, dass die Lichter auch dann nicht ausgehen, wenn weder der Wind weht, noch die Sonne scheint. Doch das Stromversorgungssystem für das Industrieland Deutschland wird immer wackliger. Schon fragen sich die Übertragungsnetzbetreiber, wie weit bei einem weiteren Ausbau von wackliger Wind- und Sonnenstromerzeugung die Versorgungssicherheit gerade in solchen Krisenzeiten wie der aktuellen Corona-Pandemie gewährleistet werden kann. Mit jedem Abschalten eines Großkraftwerkes geht ein weiterer stabilisierender Faktor für das Strom-Netz verloren.

Die Mitarbeiter in den Leitstellen haben bereits jetzt alle Hände voll zu tun, bei der stark schwankenden Einspeisung das Verteiler-Netz einigermaßen stabil zu halten. Sie müssen viel mehr Schaltungen und Regelungen vornehmen, auch um das Überlasten von Schaltanlagen und Leitungen zu verhindern. Voller Sorge blicken daher die Übertragungsnetzbetreiber auf den Gesundheitszustand ihrer Mitarbeiter. Fallen zu viele aus, schaffen es die verbliebenen Fachleute kaum noch, das deutlich komplizierter gewordene System im Griff zu behalten.

Annalena Baerbock ist das egal. Den Strom für den Süden Deutschlands liefern im wesentlichen derzeit drei Kernkraftwerke. Die stehen allerdings in Frankreich. Den Kühlturm des vorletzten deutschen Kernkraftwerks in Baden-Württemberg, Philippsburg hatten die grün Beeinflussten vor kurzem in die Luft gesprengt.

Die schaffen das, mit Sprengstoff.


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