Tichys Einblick
Warum wurde dieses Bild gewählt?

Tagesschau: Bildauswahl kompromittiert Versöhnungsrede

Die sich wegen ihrer angeblichen Informationsgenauigkeit und Sachkenntnis ständig selbst beweihräuchernde „Tagesschau“ sollte wissen, welche Symbole und Zeichen im politischen Islam was bedeuten.

Pakistani activists from the Islamic political party Jamaat-e-Islami (JI) make the 'Rabia sign' during a rally in support of ousted Egyptian president Mohamed Morsi while condemning the Egyptian Army, in Quetta on August 28, 2013.

© BANARAS KHAN/AFP/Getty Images

Mit Symbolen und Handzeichen ist das so eine Sache. Sie dienen in der Regel als Erkennungszeichen – sie sind Bekenntnis und Identitätsbeweis in einem. Gleichzeitig soll ihre wahre Bedeutung jenen verborgen bleiben, die nicht dazu gehören – oder vielleicht sogar von der sich durch diese Zeichen verständigenden Gruppe zu Opfern gemacht werden sollen.

Lassen Sie uns, liebe Leser, deshalb doch einmal einen Test machen.

Kennen sie dieses Zeichen, bei dem mit der rechten Hand ein Wolfskopf gebildet wird? Dazu legen Sie Mittel- und Ringfinger ausgestreckt auf den Daumen und bilden mit Zeige- und Kleinem Finger zwei spitze Ohren nach. Falls Sie dieses Zeichen kennen, dann wissen Sie: Das ist das Erkennungszeichen der nationalfaschistischen Türken. Das sind die Verbündeten Erdogans, weshalb dieses Zeichen gern einmal auf seinen Parteiveranstaltungen zu sehen ist. Die Hand bildet dabei einen Wolfskopf ab und steht für „Graue Wölfe“. Die „Graue Wölfe“ genannte Gruppe ist eine Art SA oder Roter Frontkämpferbund. Sie sind die Schlägerbande der im türkischen Parlament vertretenen Milliyetçi Hareket Partisi (Partei der Nationalistischen Bewegung).

© Louisa Gouliamaki/AFP/Getty Images

Erdogan selbst lässt sich auch gern mit einem hand-gemachten Symbol ablichten. Bei diesem Zeichen werden die vier Finger in die Höhe gestreckt und der Daumen auf die Handfläche geknickt:

© Ozan Kose/AFP/Getty Images

Dieses Zeichen wird heute „Rabia-Gruß“ genannt. Ursprünglich stand es für „R4BIA“ und sollte an den Tag erinnern, an dem das ägyptische Militär dem radikalislamischen Spuk in seinem Land ein Ende machte. Jene, die es damals nutzten, bekannten sich damit zu dem abgesetzten und inhaftierten Muslimbruder Mohammed Mursi. Seitdem hat es sich in der politischen Islamszene als Bekenntnis zur Machtübernahme durch den Islam durchgesetzt und signalisiert: Der Kampf gegen alle, die unseren Sieg verhindern wollen, geht bis zu bitteren Ende weiter.

Wenn Erdogan dieses Symbol nutzt – was er gern und immer öfter tut – gibt er damit seiner Verachtung für die aus seiner Sicht dekadente Welt des Westens ebenso Ausdruck wie seiner Gegnerschaft zu islamischen Politikern, die sich vom Wort des Koran gelöst haben und säkular-westlich orientierte Staatsmodelle anstreben. Dieser Rabia-Gruß ist also in jeder Hinsicht eine Kampfansage.

Zugegeben: Das muss man als deutscher Michel nicht unbedingt wissen, wenn man sich mit dem damit verbundenen Kampfauftrag noch nicht intensiv beschäftigt hat.

Man sollte es aber wissen, bevor man dieses Symbol scheinbar gedankenlos unter seinem eigenen Namen ins Netz stellt. Denn wenn man dieses tut, bekennt man sich damit öffentlich zu den Zielen der faschistisch-islamischen Vernichtung der demokratischen Ordnung.

Und man muss es wissen, wenn man sich zudem noch den Anschein gibt, alles und vor allem Gutes über den Islam zu wissen und dieses gleich einem Belehrungsauftrag den Unwissenden beständig in die Seele zu transportieren. Will sagen: Wer sich als wohlmeinender Islam-Versteher präsentiert und gleichzeitig diesen Rabia-Gruß verwendet, kann sich nicht mit Unwissenheit herausreden. Er kann es nicht einmal mit Blödheit – denn so blöd kann niemand sein, der sonst auf wissend macht – und gleichzeitig einen grundgesetzlich verbrieften Auftrag hat, bei der Willensbildung und Aufklärung der Bevölkerung maßgeblich mitzuwirken.

Sie, liebe Leser, ahnen vielleicht schon, worum es geht. Denn jene Institution der Volksaufklärung ist die ARD.

Symbolkraft
Erdogan und sein „Rabia“-Gruß
Genau diese ARD – oder genauer: Deren sich wegen ihrer angeblichen Informationsgenauigkeit und Sachkenntnis ständig selbst beweihräuchernde „Tagesschau“ ist es, die dieses Bekenntnis zum radikalen Islam unter ihrem Namen präsentiert hat. Jenes Format, welches sich als die Mutter als Nachrichtensendungen versteht, obgleich ihr Nachrichtenangebot zumeist vorrangig um nur noch drei Themen rankt: Die Bundesregierung macht alles richtig, Trump ist eine Katastrophe für die Welt, Israel ermordet unschuldige Palästinenser.

Diese Tagesschau hat nun am Dienstagabend bei einem mehr als hochsensiblen Thema auf ihrem Facebook-Auftritt das Bild einer älteren Dame türkischer Herkunft veröffentlicht, auf dem diese unübersehbar jenes Symbol der radikalen Muslime und Demokratiefeinde in die Kamera hält. Kritik an dieser vermeintlichen Solidaritätsbekundung mit dem politischen Islam ließen die Redakteure bisher ungerührt an sich abperlen.

Zahlreiche Leserkommentare neben dem von der Tagesschau-Redaktion ausgewählten Motiv auf Facebook belegen, dass eben dieser Ausschnitt als Rabia-Gruß verstanden wird. Warum wurde exakt dieser Ausschnitt für die Zitate-Kachel verwendet? Nur wer genauer nachschaut, explizit nach dem vollständigen Mitschnitt der Rede sucht, erfährt, dass die Dame das Zeichen verwendet, um auf vier Täter des Anschlags hinzuweisen, dies in maximal 4 bis 5 Sekunden. Warum wurde kein anderes Standbild aus der etwa siebenminütigen Rede gewählt, deren Inhalt in keiner Weise zu diesem Symbol passt? (Das ausgewählte Zitat zu dem Bild stimmt nicht mit Text in der Rede überein, die just an der Stelle des Handzeichens erfolgt.) 

Eine versöhnende Rede wird durch die Tagesschau so durch eben diesen Schnappschuss oder diese Momentauswahl ohne weiteren Hinweis auf den Kontext kompromittiert.

Was lehrt uns das? Die „Tagesschau“, Deutschlands angeblich beste und honorigste Nachrichtensendung, verbreitet hier ein Symbol jener muslimischen Gewalttäter, die die westliche Demokratie zutiefst verachten und abschaffen wollen. Mit „Unwissenheit“ – was allein schon bei einer Nachrichtenredaktion aus der Provinz erschreckend gewesen wäre und einige Abmahnungen hätte unumgänglich werden lassen – können sich die Herrschaften um Kai Gniffke und Rike Woelk nicht herausreden. Denn trotz zahlreicher empörter Kommentare, die seit Erscheinen auf diese klare Diskrepanz deutlich hinweisen und inhaltlicher Nachhilfestunden blieb die Redaktion hart. Auch 24 Stunden nach Einstellung bleibt der gleiche misszuverstehende Ausschnitt für das staunende Publikum stehen. Die Tagesschau lässt damit auch zu, dass sich der falsch gewählte Ausschnitt ohne den Kontext verbreitet. Verantwortlich für den Auftritt: Eben die Tagesschau der ARD.

Sollte es in unserem Land noch halbwegs vernünftig zugehen, dürfte dieses ein Dringlichkeitsfall für den Rundfunkrat sein und verlangt Folgen für die Verantwortlichen.