Die FAS und die Messstellen

Die FAS ist entsetzt, dass Deutschland die Abgase viel zu nah am Auspuff misst: »Und nun zeigt eine simple Stichprobe erstaunlich schnell: Eine ganze Reihe von Deutschlands Messstationen steht nach EU-Maßstäben falsch.«

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) hat jetzt entdeckt, dass die Luft-Messstellen in den Städten zu dicht am Auspuff der Fahrzeuge stehen. Ein grauer Kasten am Münchner Stachus weckt das Interesse: »Diesen grauen Kasten kann man leicht unterschätzen: Unscheinbar steht er an einer Straßenkreuzung nahe dem Münchener Stachus. Kaum jemand wird vermuten, dass dieser Kasten Münchens Diesel-Fahrern bald die Fahrt in die Stadt verbieten könnte. Doch die Instrumente in dem Kasten melden unbestechlich: Hier liegt etwas in der Luft, nämlich Stickstoffdioxid (NO2), und zwar im vergangenen Jahr durchschnittlich 53 Mikrogramm je Kubik-meter Luft. Die Europäische Union erlaubt aber nur 40 Mikrogramm.«

Fake Messung in Oldenburg
Wunder der Umweltmessungen: Abgase ohne Autos
Die FAS ist entsetzt, dass Deutschland die Abgase viel zu nah am Auspuff misst: »Und nun zeigt eine simple Stichprobe erstaunlich schnell: Eine ganze Reihe von Deutschlands Messstationen steht nach EU-Maßstäben falsch.«

Sie zitiert Richtlinien der EU, die wesentlich mit (grüner) deutscher Beteiligung zustande kamen. Da wurde bewusst der politische Boden für das Desaster bereitet, das wir jetzt erleben. Diese EU-Regeln wurden in Deutschland mit einer Reihe zusätzlicher Vorschriften verschärft, die sich teilweise sogar widersprechen. In Deutschland sollen höhere Grenzwerte produziert werden. So sagt die EU-Richtlinie zum Beispiel, dass der Luftstrom um den Einlass der Messöffnung einer Station in einem Umkreis von 270° nicht beeinträchtigt werden darf. Die deutsche Vorschrift macht daraus »Bei Probenahmestellen an der Baufluchtlinie soll die Luft in einem Bogen von mindestens 270 Grad oder 180 Grad frei strömen.« Deutschlands berüchtigtste Messstelle am Neckartor in Stuttgart verstößt gegen diese Regel.

Die FAS berichtet, dass sich der Jurist Hans-Jürgen Müggenborg, der dem zuständigen Ausschuss im Deutschen Anwaltverein vorsitzt, eine Reihe von Messstationen angesehen hat:

»Sicher eine falsche Positionierung«, sagt er zum Beispiel über die Messstelle an der Wiesbadener Ringkirche. Über die Station am Stachus sagt er: »Da sieht man auf den ersten Blick, dass das zu nah ist.«

Dieselchaos
Luftmessstellen auf den Prüfstand
Die ist nicht nur näher als 25 Meter an der nächsten Kreuzung, sondern steht auch auf dem Mittelstreifen zwischen zwei Fahrspuren. Auch nicht erlaubt. Ebensowenig wie ein Standort unter Bäumen, die mit ihren Blättern ein abschirmendes Dach bilden.

Das, worüber schon seit Jahren gestritten wird und was zum Schauplatz von heftigen grünen Attacken gegen das Auto und den individuellen Verkehr geworden ist, dringt jetzt zur FAS vor.

Die FAS dazu: »Dabei kommt es in Stickoxid-Fragen auf jeden Meter an. Allein dass an einer Straßenpassage hinter der Ampel viele Autos beschleunigen, kann den Messwert um sechs Mikrogramm je Kubikmeter in die Höhe treiben, wie das bayerische Landesamt für Umwelt vor drei Jahren nachgemessen hat. Biegt man von der Hauptstraße in eine Seitenstraße ab, hat sich schon nach elf Metern der Messwert fast halbiert.«

»Andere Experten haben ermittelt: Am hoch belasteten Stuttgarter Neckartor sinkt der Stickoxid-Messwert auf die Hälfte oder noch tiefer, wenn man nur auf die gegenüberliegende Straßenseite geht. Die aktuelle Messstation dort wurde besonders ungünstig einen Meter von der Straße in eine Hausecke am Amtsgericht hineingeklemmt. Wie kommt die Station ausgerechnet dort hin?«

Tja, wie wohl? Haben wir hier bei TE ausführlich beschrieben, wie grüne Vorkämpfer in den Ministerien die Standorte so ausgesucht haben, dass maximale Werte produziert werden. In Stuttgart war auch die ergrünte CDU bei der Aufstellung beteiligt.

Ebenso haben wir dargestellt, wie Wissenschaftler zeigten, dass die Konzentration von zum Beispiel Stickoxiden schon wenige Meter vom Straßenrand entfernt drastisch abnimmt.

Ganz zu schweigen von den Vergleichen mit zum Beispiel der kritischen NOx-Situation im Kölner Dom. Viel zu viele Stickoxide. Sperren!

Für Verblüffung bei der FAS würde der Grenzwert in den USA sorgen: 100 µg/Kubikmeter Luft. Und gar die Grenzwerte am Arbeitsplatz: 950 µg/Kubikmeter Luft. Und die Schweiz erst! Am Arbeitsplatz dürfen Schweizer sogar jenem berühmten MAK-Wert von 6.000 µg/m3 ausgesetzt sein. Die Gesundheitsgefahr hängt vermutlich vom Pass ab.

In Stuttgart steht eine von den acht Messstellen an einem besonders extremen Punkt. Für die Aufstellung verantwortlich war übrigens jener Überzeugungstäter in der Verwaltung, der auch für den berüchtigten Ozonversuch bei Heilbronn verantwortlich war.

Zur Erinnerung: Im Juni 1994 wurde die Autobahn bei Heilbronn gesperrt, die Produktion in Fabriken teilweise stillgelegt mit dem Ziel, die angeblich zu hohen Ozonwerte zu besiegen. Das hat natürlich nicht funktioniert, die Ozonwerte dachten nicht daran, sich an grüne Vorgaben zu halten, sondern stiegen teilweise sogar an. Erzeugt wurden Kosten in Millionenhöhe.

Konnte auch nicht funktionieren, weil Stickoxide fehlten. Die sind notwendig, um das Ozon abzubauen.

Der damals Verantwortliche, Geschäftsführer des früheren Zentrums für Umweltmessungen, Umwelterhebungen und Gerätesicherheit (UMEG), die so viel Geld herausgeworfen haben, dass sich sogar der Rechnungshof beschwerte, ist pensioniert, sprach sich natürlich für die Reduzierung, gemeint also Abschaffung, des Individualverkehrs aus, saß bis vor zwei Jahren noch für die Grünen im Ludwigsburger Kreistag, und betätigt sich als freiberuflicher Umweltberater.

Die Vorschriften der EU sehen ausdrücklich vor, dass nicht an den Orten der höchsten Konzentration gemessen werden soll. Die Werte sollen vielmehr einen breiteren Einzugsbereich repräsentieren. Vermieden werden soll damit, dass zufällige höhere Konzentrationen an einer Stelle den Wert für eine gesamte Stadt manipulieren.

Klageaktionen wie die der Deutschen Umwelthilfe wären gegenstandslos, würden Messungen in Deutschland nach den Normen der EU durchgeführt und nicht mit in manipulativer Absicht aufgestellten Messanlagen. Milliarden Werte würden nicht vernichtet. Und Millionen von Dieselfahrern könnten sich darauf verlassen, dass das, was bei der Zulassung einmal galt, auch später noch gilt und nicht durch wilde staatliche Wendungen, die dem Wettberwerb um die grünste Palme unter den Parteien dienen und nicht Umwelt und Gesundheit, in eine Enteignung ausartet.

Aber wer beweisen will, dass es in einem Zimmer zu heiß ist, stellt das Thermometer auf den Ofen und nicht in die Ecke.


In einer großen Leseraktion im März und April 2018 haben TE-Leser uns Bilder der Messstationen in ihren Städten geschickt.
Hier noch einmal die Übersicht und zu den einzelnen Artikeln:

Teil 1: Messtationen in Stuttgart, Leipzig, Fulda, Magdeburg, Rostock, Marburg und Tübingen

Teil 2: Messstationen in Ludwigsburg, Hannover, München und Siegen:

Teil 3: Messstationen in Hamburg, Wiesbaden, Cottbus, Dortmund und München

Teil 4: Messstationen in Berlin, Hannover, Halle an der Saale, Wuppertal und Göttingen

Teil 5: Messstationen in Darmstadt, Leonberg, Kiel und Gelsenkirchen

Teil 6: Messstationen in München, Plauen/Vogtland, Osnabrück und Norderstedt

Teil 7: Messstationen in Oldenburg, Köln, Leipzig, Nürnberg, Kassel und Essen

Teil 8: Messstationen in Potsdam, Berlin, Duisburg und Stralsund

Teil 9: Messstationen in Reutlingen. Ludwigshafen, Dortmund, Dresden, Würzburg, München,


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Kommentare ( 62 )

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Und die „unabhängigen“ Richter an den Verwaltungsgerichten konnten, in ihrer Unabhängigkeit, die Ordnungsmäßigkeit der Messstellen nicht überprüfen. Darf man jetzt die Richterschaft auf Schadensersatz verklagen? Ich bin mir bewusst, es kostet auch mein Steuergeld, das der Staat als Schadensersatz, in einem Rechtsstaat, zu zahlen hätte!

Die Standortaufstellungsrichtlinie schreibt vor, dass die Messstationen max. 10m von der Straße weg sein dürfen. Was aber fehlt, ist ein Mindestabstand, z.B. von 5m. In Deutschland darf ab 0m Abstand gemessen werden.
Das ist natürlich politisch bewusst so gemacht worden, um die die Messwerte in die Höhe zu treiben.

So liebe TE-Redaktion, und was machen wir nun?
Nachdem ja nun vielfach die Manipulation nachgewiesen ist und hier eindeutig gegen EU Vorgaben verstoßen wurde, wer reicht Klage ein? Herr Steinhöfel? Wer bringt diese Sache in den Bundestag zur Diskussion und zur Beschlußfassung ein?
Ich würde mich über eine Antwort der Redaktion freuen.

In unserem Nachbarland gehen 300.000 Leute wegen dem Diesel auf die Strasse und demonstrieren gegen den Präsidenten. Wie lange wollen wir uns das eigentlich alles noch gefallen lassen? Wer sind diese Herrschaften?

In Hamburg wurde die Max-Brauer- Allee gesperrt: die Meßstation an der MB-Allee Kreuzung Julius Leber Straße steht im Kreuzungsbereich, auf dem Mittelstreifen, unter zwei Reihen von Bäumen, auf Google Street View für jeden erkenntlich. Gegenüber ist übrigens das Amtsgericht.

Habe den FAS Artikel auch gesehen, dachte ja schon dass nie eine große Zeitung über diesen Sachverhalt stolpert. Manch Redakteure fahren scheinbar auch Diesel, wie jeder brave Bürger der in den Diesel-Boomjahren auf sein Umweltgewissen (und die unisono Dieselwerbung) hörte.

Rätselhaft nur: Bei einem weltfremden EU Grenzwert genügt ein Fingerzeig der DUH, um ohne Diskussion ganze Städte lahmzulegen, aber dass viele Messstationen illegal aufgestellt sind, hat kein juristisches Nachspiel oder auch nur Einfluss auf die sprießenden Fahrverbote? Wo sind hier die klassischen Verbraucherschutzverbände, die ja ebenfalls das Klagerecht innehaben?

Diese „Verbracherverbände“ sind teilweise Teil des Linkssyndikats, sie werden maßgeblich in feudalistischer Manier von den Linksparteikadern aus geraubtem Steuergeld bezahlt.

Wenn man sieht, mit welchen „Fachleuten“ die entscheidenden Schaltstellen für die Energiepolitik besetzt sind, braucht einen das nicht zu wundern. Bundesumweltministerin Svenja Schulze: Studium der Germanistik und der Politikwissenschaft Wirtschaft und Energie Peter Altmeier: Jurist Bildung und Forschung Anja Maria-Antonia Karliczek: Bankkauffrau und Hotelfachfrau Umweltbundesamt Maria Krautzberger: Studium der Soziologie und Anglistik Dazu kommen die Energiefachleute der Grünen Baerbock (Politikwissenschaft und öffentliches Recht) und Habeck (Philosophie, Germanistik und Philologie) Besonders schlimm finde ich das der Gesamtenergieverband BDEW mit Stefan Kapferer einen Hauptgeschäftsführer hat, der als Verwaltungswissenschafttler keinerlei Ahnung mitbringt, vorher aber als überzeugter Anhänger der Energiewende aufgefallen ist. Und natürlich… Mehr
Schauen Sie sich an, wie die für den EU-Mitgliedstaat Malta entscheidende ‚verkehrsnahe‘ Messstation im Valattaer Stadtteil Misrah platziert ist (Bild kann man drehen): https://www.google.de/maps/@35.8958743,14.4900656,3a,60y,260.77h,93.97t/data=!3m6!1e1!3m4!1s0a0pjqyuxAPc9i8ibqDSwA!2e0!7i13312!8i6656?hl=de Zwar nahe an der Straße, aber nach allen Seiten offen und am unverbauten Hafen. Gemessen wird in ca. 3m Höhe. Malta ist die Heimat des EU-Umweltkommissars Vella, der aktuell ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland anstrengt. Vella wäre dafür verantwortlich gewesen, dass in der EU vergleichbar gemessen wird. Tiefer in der Stadt Valetta gibt es übrigens höhere Stickoxidbelastungen und auch Straßenschluchten. Dort wird nicht gemessen. Malta ist eines der wenigen Mitgliedstaaten, gegen die keine Vertragsverletzungsgefahren laufen. Die Standorte… Mehr

Bemerkenswert ist, dass die FAS (und heute auch die FAZ) endlich mal von diesem eigentlichen Skandal berichten. Bemerkenswert erstens, weil ein halbes Jahr nach TE. Bemerkenswert zweitens, dass sie es aber jetzt doch tut. Haben sich das Mehrheiten in der Redaktion verschoben oder haben sich die Geldflüsse umgekehrt? Die FAZ berichtet heute ja sogar darüber, dass es Forderungen gibt, der „deutschen Umwelthilfe“ die Gemeinnützigkeit abzuerkennen. Woran mag dieser plötzliche Ausbruch von Aufklärungswillen nur liegen?

Hallo „Guten Morgen Deutschland!“ Man kann ja nur Vermutungen anstellen, weshalb die Redakteure der guten alten FAZ aufwachen und sich der Causa „Messverfahren“ annehmen. Möglicher Weise macht´s im Winter halt keinen Spaß mit dem Radl in die Redaktion zu kommen! Mal ernst: Offensichtlich besteht eine asymmetrische (oder willkürliche) Anwendung von EU-, Bundes- und Landesrecht. Je nach Gusto und politischen Präferenzen der Gerichte und Verwaltungen wählt man eine den eigenen Vorstellungen entsprechende Norm. Einheitliche Rechtsanwendung war wohl gestern! Gerne erinnere ich mich an die in der City von Manchester platzierte Messstation. Wahrscheinlich werden dort Werte eines Luftkurortes registriert. Last but not… Mehr