Auto-Boss Carlos Tavares übt deutliche Kritik an Elektromobilität

Während Automanager Herbert Diess VW »grün« redet und auch der neue Mercedes Chef Källenius ihm kritiklos zu folgen scheint, kommen deutliche Worte vom portugiesischen Weltkonzern-Chef.

ERIC PIERMONT/AFP via Getty Images

›Zu Hause bleiben‹ wird es künftig für viele heißen müssen. Mobilität wird zu teuer und daher eingeschränkt. »Einige von uns einige von uns werden in nicht allzu ferner Zukunft eines Tages aufwachen und feststellen, dass wir uns keine Bewegungsfreiheit leisten können.«

Das sagt Carlos Tavares. Er ist nicht irgendwer, sondern Chef des französischen PSA-Autohersteller-Konglomerats, hat erfolgreich Peugeot und Citroën saniert und schließlich für 1,3 Milliarden Euro Opel gekauft.

Während sein Automanager-Kollege von VW, Herbert Diess, vermutlich wider besseres Wissen VW »grün« redet und von kommender Elektromobilität schwärmt, und auch der neue Mercedes Chef Källenius ihm kritiklos zu folgen scheint, kommen deutliche Worte von dem portugiesischen Weltkonzern-Chef. Tavares hat in einem bemerkenswerten Interview mit dem Focus Klartext geredet.

Er kritisiert die realitätsferne Klima-Politik und bekämpft den Zwang zu einer Antriebsform wie dem elektrischen und fordert im Zweifel Wahlfreiheit für den Autofahrer: »Wenn wir ein Gesetz einhalten müssen, das besagt, dass wir weniger Schadstoffe ausstoßen müssen, um den Planeten zu retten, müssen wir dem Verbraucher die Wahl geben, was für seine Bedürfnisse und seinen Besitz am besten geeignet ist.«

Tavares: »Bei PSA wollen wir uns nicht mehr schämen und sagen dem Kunden: Wenn dies das Auto ist, das Sie mögen, dann sind dies die Motoren, die Sie zur Verfügung haben, jeder mit seinen eigenen Vor- und Nachteilen.«

Er wettert gegen die Dogmatiker, die wild herumreden und »verantwortungslos utopische Maßnahmen« verkündeten. Dabei stoße der Dieselmotor 15 bis 20 Prozent weniger CO2 Emissionen aus als Benzinmotoren. Doch dieses Gerede »Der-Diesel-ist-tot« habe mehr Verbraucher und Unternehmen dazu veranlasst, Benzinfahrzeuge zu kaufen und in diesem Sinne die globale Erwärmung zu erhöhen.

Er ist der Auffassung, dass diejenigen, die für »den Tod des Diesels warben«, eine »schwerwiegende Tat begangen« hätten, für die sie sich eigentlich rechtfertigen müssten. Sollten die dann »Unkenntnis« als Begründung anführen, wären sie nicht in der Lage, »Gesetzgeber zu sein«.

Tavares fordert dazu auf, mit einem Rundumblick das gesamte Umfeld zu sehen: »Als europäischer Staatsbürger möchte ich jeden auffordern, eine 360° Sicht auf das Umweltproblem zu haben und nicht nur auf den Auspuff des Autos zu zeigen.«
Tavares fragt, wie hoch der CO2 Fußabdruck bei der Gewinnung seltener Rohstoffe für Batterien sowie beim Recyceln und beim Laden von Batterien ist. Er stellt weiter die Frage, wie teuer das »CO2-muss weg«-Abenteuer kommt. »Was ist die zukünftige Steuer auf die Energierechnung zur Finanzierung unsere Regierungen? Wie viele Arbeitsplätze werden wegfallen, wenn der Automobilmarkt stark und dauerhaft zusammen bricht?«

»Niemand in Europa rechnet nach.« Die Politiker hätte sich mit den Gesetzen der Physik und Chemie auseinandersetzen können, bevor sie »Tod dem Diesel« riefen.
Auch die EU bekommt ihr Fett weg: Tavares war zwei Jahre lang Vorsitzender der Vereinigung der europäischen Automobilhersteller ACEA (European Automobile Manufacturers Association). Es gelang ihm nicht, die politischen Entscheidungsträger auf den Unsinn der Dieselverbote aufmerksam zu machen.

Tavares: »Die Europäische Union hatte ausdrücklich die Absicht, uns nicht zuzuhören.« Sie fürchtete offenbar nach Ansicht von Tavares, als Automobillobbisten beschuldigt zu werden. »Ein Wort, das heute schmutzig ist.«

»Sie erkannten jedoch nicht, dass wir genau die wissenschaftliche und technische Seite dieses Themas erläutern wollten.« Dann hätte sie sich mit Daten basierend auf den Gesetzen der Physik und Chemie auseinandersetzen können. »Ich sage auch nicht, dass wir gehört werden sollten, weil wir 13,8 Millionen Arbeitsplätze in der Europäischen Union vertreten, sondern weil dies dazu beitragen würde, verantwortungsbewusstere Entscheidungen zu treffen.«

»Aber sie zogen es vor, dem ›Lobby-Label‹ auszuweichen, das viele Stimmen stiehlt.« PSA beteiligt sich nach den Worten von Tavares nicht an einem Programm zum Aufbau eines Schnellladesystems in Europa, obwohl sie die zweitgrößte Gruppe der Autohersteller ist. »Unser oberstes Gebot ist es, Bewegungsfreiheit mit einem hohen Maß an Komfort, Qualität und Nachhaltigkeit zu bieten. Die Infrastruktur, die für den Transport von Fahrzeugen benötigt wird, ist nicht unser Kerngeschäft.«
Ein Autohersteller beteilige sich ja auch nicht am Bau von Autobahnen oder Tankstellen. »Ich sehe es so, dass dies in der Verantwortung von Kommunen, Regierungen und so weiter liegt.«

Die Investitionen seien sehr hoch, und diese Strukturen stehen bereits unter hohem Druck. Damit deckt Tavares weitere Wunden des Wahnsinnsvorhabens »Elektromobilität« auf, die extrem hohen Kosten der geplanten elektrischen Ladeinfrastruktur.

Ladesäulen erfordern mit den dafür notwendigen Umspannwerken und Stromleitung sowie zusätzlichen Kraftwerken gewaltige Mengen an Kapital. Das wird extrem teuer und führt zu »schwer zu umgehenden Defiziten«, wie Tavares formuliert.
»Die Lösung für private Investitionen in diesem Bereich hat sich ebenfalls nicht bewährt, da die Stromverteilung nur rentabel sein wird, wenn der Verbraucher mehr bezahlen kann.«

Sprich: Die Kosten für den elektrischen Strom für die müssen drastisch steigen. Das führt dazu, dass sich »einige die Bewegungsfreiheit nicht mehr leisten können«.


Unterstützung
oder

Kommentare ( 65 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

----

65 Kommentare auf "Auto-Boss Carlos Tavares übt deutliche Kritik an Elektromobilität"

Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung

Tavares spricht mir aus der Seele. Der markt muss entscheiden, welche Art Autos sich durchsetzt. Ohne staatliche Verzerrungen – Zuckerbrot und Peitsche – durch das sozialistische Planungsbüro der Gottkaiserlichen.

Wurde auch langsam Zeit. Es sollten viel mehr werden!

Ich frage mich warum der erst jetzt damit rauskommt… vor 3 Jahren hätte ihm vermutlich noch der mediale Scheiterhaufen gedroht…

Ironischerweise hat PSA schon kräftig geforscht für Teilelektrifizierung bis in die kleinen Baureihen hinunter. Diesel und 48 Volt – das Erfolgsrezept schlechthin.

Ich werde mir wohl zum ersten Mal nach 30 Jahren VW ein Fahrzeug aus der PSA-Gruppe kaufen.
Man kommt sich inzwischen als VW Diesel-Fahrer wie ein Paria vor. Man hat das Gefühl, selbst der Konzernchef von VW nimmt das Wort Diesel nur noch mit Ekel in den Mund.
Es tut mir leid um die Arbeitsplätze, doch leider kann ich keinen großen Aufstand, auch nicht bei der deutschen Arbeiterschaft und insbesondere deren Gewerkschaften, erkennen, der diesen Wahnsinn beenden würde.

Gar kein Auto kaufen. Lieferservice nutzen oder gelegentlich ein Mietauto oder Taxi. Kommt deutlich billiger.
Geht halt nur, wenn man nicht pendeln muss und die Stadt nicht zu klein ist, also ein bisschen was am Ort vorhanden ist.
Die Dorfbewohner und Pendler sind halt verraten und verkauft.

Die Gewerkschaften sind in Babylonischer Gefangenschaft mit Links. das wird ihr Untergang sein.

Was bin ich froh, dass wir seit Jahren Diesel aus seinem Konzern fahren! Warum nur ist er der Einzige in der Branche, der das erkennt?

Die deutschen Automobilmogule wissen das auch, verbeugen sich aber mit dehnfähigem Rückgrat vor der Kanzlerin und passen sich geschmeidig dem politischen mainstream an. Auch diese Haltung hat ihre historischen Vorläufer.

Ein kluger Mann, Respekt! Aber er wird damit nicht durchdringen durch das Dickicht der Dogmatiker und Klimafanatiker, speziell in Deutschland. Hier läuft er gegen eine Wand auch die der opportunistischen deutschen Automanager. Diess fordert bekanntlich schon jetzt eine Erhöhung der CO2 Steuer auf Kraftstoffe damit E-Autos wenigstens über die Betriebskosten einigermaßen konkurrenzfähig werden. Der weiß genau wovon er spricht. Daraus spricht auch eine Menge Skepsis aber sie müssen sich der Politik und der herrschenden Meinung beugen. Tavares muss das offensichtlich noch (!) nicht.

Klasse Typ nächster Diesel bei mir kommt aus dem PSA Konzern

Da hat man sich doch immer gefragt, warum die deutschen „Wirtschaftsführer“ im 3. Reich sich so an die Nazis und deren Zeitgeist rangeschmissen haben. Tja, und jetzt sieht man, wie die jetzigen deutschen Wirtschaftsbosse („-führer“ ist ja unmodern geworden) sich wieder an den Zeitgeist ranschmeißen, wieder gegen die langfristigen Interessen Ihrer Unternehmen und Kunden. Ist das jetzt etwas, dass die Unternehmer der 30’er Jahre entlastet, weil sowas offenbar „normal“ ist, oder belastet es die heutigen Unternehmer, weil sie nicht bereit sind, „Zivilcourage“ zu zeigen? – Anne Will und Co: hier gibt es was Hochmoralisches zu philosophieren!

Auch PSA wird an der Elektromobilität nicht vorbeikommen, egal ob das für die Sinn macht oder nicht. Durch gesetzliche Regelungen, Fahreinschränkungen, steigende Steuern, Abgaben auf Verbrenner einerseits und Förderung von E-Autos andererseits, kann es sich kein Autokonzern leisten, Elektromobilität aussen vor zu lassen. GB und Schweden haben konkrete Jahreszahlen festgelegt, danach dürfen Verbrenner dort nicht mehr als Neuwagen zugelassen werden.
Es steht zu befürchten, dass Autofahren in Zukunft nicht mehr so selbstverständlich für breite Bevölkerungsschichten möglich sein wird, wie bisher.

Derartige Beschlüsse werden bei entsprechendem Druck von der Straße auch schon mal rückgängig gemacht.

»Niemand in Europa rechnet nach.«

Das liegt daran, dass die, die die Regeln machen, nicht rechnen können, was einerseits an der schlechten Allgemeinbildung und andererseits daran liegt, dass diese Leute ihren Lebensunterhalt parasitär auf Kosten des Steuerzahlers bestreiten. Es bleibt aber dabei: Die Wähler_*Innen sind der entscheidende Faktor, die diese Idioten an die Macht bringen.

Ich stimme vollumfänglich zu!
Die, die keine Ahnung haben, haben was zu sagen – die, die Ahnung haben, haben nichts zu sagen.