Lexikon der Unworte

Die Vorschläge unserer Leser für ein Lexikon der Unworte. Sie zeigen die Versuche, die Täter-Opfer-Beziehung juristisch, politisch und medial umzukehren.

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Angefangen hatte es mit „versagensbereit“, einer Neuschöpfung der Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau, um einem Opfer die Verantwortung zuzuschieben und die Täter zu entlasten. Nicht die Tritte der Täter gegen den Kopf eine längst zu Boden Gegangenen sind zu bestrafen – denn die Ursache des Todes liege in der „Versagensbereitschaft“ des Opfers, das mit einem Herzschrittmacher ausgestattet nicht im Vollbesitz der Gesundheit ist.

Das ruft nach Erweiterung der Möglichkeiten, wie die Täter-Opfer-Beziehung umgekehrt werden kann: Wie kann das Opfer verantwortlich gemacht werden, um eine strenge Bestrafung der Täter zu verhindern? Folgende Idee:

Mein Lieblingsspruch zum victim blaming wäre „Zur falschen Zeit am falschen Ort“. Das Opfer hat also gleich zweimal ein Fehlverhalten an den Tag gelegt, gewissermaßen die schuldhafte Umkehr der Heisenberg’schen Unschärferelation.
Oder ist nur ein „sanfter Rechtsbruch“, womit Heribert Prantl vom gleichnamigen Prantlhausener Anzeiger aus Süddeutschland eine neue Rechtskategorie einführt, um Vergehen im Zusammenhang mit dem Asylrecht zu verharmlosen?

Wahrheit findet ihren Weg manchmal spät
Das Chemnitz-Video: "Hase" spricht
Das zerstörte Vertrauen in einen funktionierenden Rechtsstaat ist mit Händen zu greifen. Zur Prämierung wird deshalb auch die Wortschöpfung „Köterrasse“ (Welt, 28.02.2017) vorgeschlagen. Die Welt dazu: „Das ehemalige Vorstandsmitglied des Türkischen Elternbunds Hamburg, Malik Karabulut, hatte die Deutschen pauschal in einem Facebook-Beitrag nach der Resolution des Deutschen Bundestags im vergangenen Sommer zum Völkermord an den Armeniern auf türkisch als „Hundeclan“ beschimpft – andere Übersetzungen sprechen von „Köterrasse“.

„Wie die Staatsanwaltschaft wohl geurteilt hätte, wenn ein Deutscher die Türkei beschimpft hätte?

Aus Bonn Bad Godesberg erreicht uns dazu ein Tadel von Armin Reichert, der sich auf unsere nicht-vollständige Recherche bezieht. Denn nicht nur in Köthen, sondern früher schon im Rheinland wurde einem Opfer angelastet, nicht hinreichend auf seine Gesundheit geachtet zu haben, was einen der Täter in ein schiefes Licht brachte und weshalb ein Freispruch nur mit Mühe erzeugt werden konnte. Und auch das nur vorübergehend.

Von WhatsApp in die Welt
Tichys Einblick fand die Herkunft des Chemnitz-Videos heraus
Denn ausländische Straftäter leiden unter einer besonderen „Haftempfindlichkeit“, weswegen generell für diese Täter das Strafmaß deutlich reduziert werden kann, wenn schon eine Verurteilung unumgänglich erscheint. Das zeigt das Beispiel des Niklas Pöhler, der zusammengeschlagen wurde – aber starb er deswegen? Auch hier finden wir, wenn auch noch nicht so formuliert wie „versagensbereit“ den Tatbestand strafrechtliche Totalverweigerung und Umkehrung des Täter-Opfer-Beziehung verwirklicht – mit einer Zusatzvariante: Der Mehrfachtäterschaft, die die Gerichte wirklich vor eine unlösbare Aufgabe stellt: Da eignet sich die Zuschreibung „traumatisiert“ als Minderungsgrund für Mehrfachtäter und Gewohnheitsverbrecher.

„Walid S., der wegen des gewaltsamen Todes des Bad Godesbergers Niklas Pöhler vor Gericht stand und am Ende freigesprochen wurde, steht erneut im Fokus der Ermittler: Der 23-Jährige steht im Verdacht, zusammen mit vier weiteren teils polizeibekannten jungen Männern aus Bad Godesberg einen 23-Jährigen krankenhausreif geschlagen zu haben.“ (General Anzeiger Bonn, 09.10.2018)

Im Einzelfall nimmt die Begegnungsqualität ab

Einmal richtig hinlangen reicht halt nicht für eine Strafe für traumatisierte Täter mit ausgeprägter Haftempfindlichkeit. Kein Wunder bei dieser Art von Strafverfolgung, dass die „Begegnungsqualität“ mit manchen der neuen Mitbürger rauer wird, fürchtet eine Leserin wohl nicht ganz zu Unrecht.

Aber selbstverständlich ist das nur ein „Einzelfall“, ein Begriff, den viele Leser als Unwort prämiert sehen möchten und der die polizeiliche Aufklärungsarbeit sicherlich erleichtert; „Profiling“ von Tätern nach übereinstimmenden Merkmalen ist im offiziellen deutschen Verständnis ein Auswuchs an angelsächsischem Rassismus.

Auf den „Einzelfall“ folgen Begriffe wie
1. Ängste schüren
2. Generalverdacht
3. Beziehungstat
4. Wasser auf die Mühlen der Rechten
5. nur von regionaler Bedeutung, Vorschläge, die von Klaus Kabel stammen und schnell ergänzt waren.

Es ist eine Fortsetzung von „victim blaming“: Nicht mehr der Opfer wird gedacht – und verdächtig macht sich, wer gegen die Tat protestiert. Mittlerweile gehört es zum Ritual, unmittelbar nach Mord oder Angriffen auf die einheimische Bevölkerung Demonstrationen durchzuführen, die sich nicht gegen die Täter richten, sondern gegen „Hetzer“, für die die Tat „Wasser auf die Mühlen der Rechten“ ist, die jeden einzelnen Zuwanderer unter „Generalverdacht“ stellen. So war es nach den Morden in Freiburg, Kandel, Chemnitz und jüngst im oberpfälzischen Amberg, wo vier Asylbewerber ein Dutzend Einheimische zum Teil krankenhausreif prügelten: „Unzählige Menschen machen bei einer Demonstration deutlich“, meldete die Mittelbayerische Zeitung, „dass sie für eine soziale und tolerante Gesellschaft stehen.“ Und Oberbürgermeister Cerny von der CSU erklärte, man wollen „einen inhaltlichen Gegenpol setzen gegen alle Bestrebungen, Menschen herabzuwürdigen, einen Spalt in unsere Gesellschaft zu treiben und die Gleichheit aller Menschen in Frage zu stellen.“ Die Frage ist: Was ist mit den Opfern – wurden die nicht herabgewürdigt, und zwar sehr handfest? Haben die Opfer einen Anwalt in ihrem OB oder stellt der sich an die Seite der Täter? So wird Verantwortung verschoben – von den Gewalttaten, die konkret das Leben bedrohen, hin zu einem fiktiven Gegner, der die Demokratie gefährdet.

Das laute Schweigen der Medien

Medien berichten gerne über solche Demonstrationen für Gerechtigkeit und gegen Rechts, weswegen eine besondere Variante von großer manipulativem Einfallsreichtum steht. Es geht bei Gefährdern, Mördern, Vergewaltigern und Totschlägern um „sicherheitsgefährdende Schutzsuchende“ (in der Anwendung hier: Welt 26.09.2018), vor denen die Bevölkerung wenigstens halbwegs geschützt werden sollte.

Ganz aktuell nach Amberg gelang mehreren Leitmedien eine besonders originelle Verharmlosung, die es wert ist, in die Liste der Unworte aufgenommen zu werden: In Amberg habe es sich nur um eine „Prügeltour“ gehandelt.

Eine Prügeltour ist semantisch so etwas harmloses wie eine Fahrradtour, oder eine Wandertour zu Vatertag – also kein besonderes Vorkommnis. Allerdings wendet sich die Sprache sofort, wenn es um Demonstranten, geht, die gegen solche Vorkommnisse auf die Straße gehen.

Es ist bedenklich
Medien versagen
Richard Schröter fühlt sich an 1989 erinnert – und den damaligen Sprachgebrauch: „Wer im Herbst ’89 für eine friedliche Wende auf die Straße gegangen ist und damit seinen Mut bewiesen hat, sich den Machthabern in Berlin entgegen zu stellen, dem wurde von denen unterstellt sich an „Zusammenrottungen“ beteiligt zu haben. Wer 28 Jahre später an einem Trauermarsch in Gedenken an einen brutal Ermordeten teilgenommen hat, wird wiederum aus Berlin und in diesem Fall von einer Kanzlerin aus Ostdeutschland, die sich aus guten Gründen im besagten Herbst gerade nicht an den „Zusammenrottungen“ beteiligt hat, wiederum unterstellt, sich an einer „Zusammenrottung“ zu beteiligen.“

Auch für Holger Türm waren die „Zusammenrottungen und Hetzjagden“ von Regierungssprecher Seibert zum Mord in Chemnitz ein trauriges Highlight. In der zur Zeit angesagten politisch korrekten Ausdrucksweise ist das schon „wahrheitsoriginell“.

Wahrheitsorginell – eine gute Variante für eine Medienlandschaft, in der es längst nicht mehr um Fakten geht, sondern um Haltungsjournalismus. 

Berichterstattung ist gefragt, mehr denn je
Die Reportage – ein Auslaufmodell aus der Frühzeit der Massenkommunikation
Haltungsjournalismus garantiert, dass die ‚richtige‘ Gesinnung wichtiger ist als saubere journalistische Arbeit und das Darstellen der Realität nach bestem Wissen und Gewissen. „Es ist die Perversion der Aussage „Sagen, was ist“ von Rudolph Augstein“, so die Begründung für diese Einreichung. Die Medien mögen das Wort von der „Lügenpresse“ zurückweisen – viel Vertrauen wird ihnen sprachlich nicht mehr entgegengebracht, zu leicht durchschaubar ist die Taktik des Beschönigens, nachdem Verschweigen nicht mehr so perfekt klappt und die Wahrheit durch immer mehr Löcher in den Zeitungen in die Öffentlichkeit findet. Jetzt setzt man auf „lautes Verschweigen“, ein toller Begriff für das, was uns zugemutet wird.

Dazu passt wie ein weiteres Puzzlestück einer wahrheitsverfremdenden Sprache der Begriff „erweiterter Suizid“, oder der Versuch eines solchen. „Es ist die mediale Beschönigung für ein Selbstmord-Attentat. So wurde zuletzt die Fahrt eines (muslimischen?) Bosniers durch eine gut gefüllte Bushaltestelle in Recklinghausen bezeichnet,“ so der Einreicher.

Wider den Neutralitätswahn – was zählen Fakten, wenn man meint?

Der Fall des SPIEGELS befördert weitere Unwörter zu Tage – etwa den „Neutralitätwahn“, den der WDR-Redaktionsleiter Georg Restle an jeder Ecke wahrzunehmen meint und der bewirkt, dass immer noch Reste von Nicht-Haltungsjournalismus mit seinen lästigen Fakten in Konflikt mit den Vertretern des unwahren, aber schönen Scheinjournalismus geraten: Die Haltung des SPIEGEL, der zu gern komplett erfundene Geschichten akzeptierte, wenn sie nur zu den Vorurteilen seiner Journalisten passt, wird mit einem Wort erfasst, das wir gerne im kommenden Jahr prämieren wollen, weil es in wenigen Buchstaben die Haltung des SPIEGELS und seiner Epigonen umfasst:

„Illusionsbereit“ lautet dieses Wort, das zum „Relotius-Journalismus“ der deutschen Leitmedien paßt. Weitere Vorschläge sind „Demokratieerziehung“ oder „Demokratieunterricht“. „Benutzt unter anderem von der SPD-Ministerin Franziska Giffey aus Berlin-Neukölln, um sächsische Schüler nach den „Hetzjagden von Chemnitz“ in ihrem Sinne „umzuerziehen“ und um alternative Wahrheiten zu schaffen, weil die Realität auf unseren Strassen sich leider so gar nicht an den Plot im neusten GEZ – „Tatort“ halten will“, spottet ein Leser.

Vorgeschlagen wird wegen seiner offenkundigen Unstimmigkeit auch NGO/Nicht-Regierungsorganisation:

„Insgesamt hat die Europäische Kommission im Zeitraum 2014-2017 somit rund 11,3 Milliarden Euro an NGOs verteilt,“ so die Fakten für den Hintergrund.

Der EU-Rechnungshof fragt: Was ist eigentlich eine NGO?

NGOs sind also oft faktisch das genaue Gegenteil einer Nicht-Regierungsorganisation, denn sie werden von Regierungen dafür bezahlt, für die Ziele der Regierung in einer Art und Weise zu kämpfen, die mit Rechtsstaat und Demokratie wenig zu tun haben.

Auch Fachkräftemangel ist nur noch ein New Speak-Element.

„Denn nachdem was uns die Politik, Wirtschaft und auch Medien ab 2015 eintrichtern wollte, dürfte es diese (Un)Worte nach heute mittlerweile 2 Mill ins Land zugereisten Fachkräfte gar nicht mehr geben.“

Wie lange lassen sich die Deutschen die Zerstörung und Umwertung von Sprache und Begriffen und damit der Politik gefallen? Die Verleugnung von Fakten, die Verdrehung von Zusammenhängen, das Leugnen von Verantwortung?

Ein Leser schickt uns folgenden Text:

„I have a sheep farmer friend in Devon. He told me about how difficult it is to keep sheep alive: they jump into lakes, fall off cliffs, run under vehicles, eat poisonous stuff… My mind have immediately made the association with Germans, who are for the last century or so inventing ever more ingenious ways to finish themselves off, and evidently they will not stop until they have succeeded.“

Zur Übersetzung des Textes reicht ein Wort, das uns ebenfalls eingesandt wurde:
Die Deutschen sind eben „erschlagensbereit“.

PS.: Weitere Vorschläge werden gerne entgegengenommen. Nicht alle Vorschläge konnten berücksichtig werden – aus Gründen der Überlänge. Wird bitten dafür um Nachsicht und Verständnis.

PPS.: Da es sich bei dem Täter der Anschläge in Bottrop und Essen um einen Deutschen handelt, werden die Tatbestände und vermutlichen Motive ohne Umschweife beim Namen genannt. So soll es sein. In jedem Fall. Täter gehören gefasst und bestraft. Auf eine solche rechtsstaatliche Beurteilung darf hier wohl gesetzt werden. Selbst die mögliche psychische Störung wird nicht zur Verharmlosung benutzt. Dieser normale Umgang mit Fakten unterstreicht den unnormalen bei nichtdeutschen Tätern.

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Kommentare ( 117 )

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„Besorgter Bürger“
Der Ausdruck wurde zum Schimpfwort, weil es überhaupt keinen Grund für Sorgen gibt.

„Rechts“
Rechts ist heute ein Schimpfwort. Rechts steht eigentlich für Eigenverantwortung und Eigeninitiative, links steht eigentlich für Staatsversorgung und Staatsführung. Rechts wird heute meist für Rechtsradikal genutzt (z.B. Rechtes Gedankengut, rechte Gesinnung). Heute ist aus moralischer Sicht rechts böse und links gut. Deshalb sind heute alle „Mitte“. Da ist man den Linken auf den Leim gegangen.

„Mitte“
Blödsinnige Abgrenzung gegen rechts (s.0.). Ergebnis ist dann „Mitte-rechts“ und „Mitte-links“, die nächsten Unworte.

„Klimaleugner“ gegen „Weltretter“
Leugner sind böse, Retter sind gut. Darauf bauen die Grünen – mit Erfolg.

Das Gegenteil eines „besorgten Bürgers“ ist ein „sorgloser Bürger“. Das wiederum könnte den Sachverhalt nicht besser treffen.

Mit den Unwörtern, die unsere „Regierung“ , Sicherheitsorgane, Richter und Staatsmedien
tagtäglich so von sich geben, können Sie, sehr
geehrter Herr Tichy, ein dickes Wörterbuch
füllen!
Mein Favorit ist vorläufig der folgende
Ausspruch von Frau Merkel: „Die, die schon länger hier leben“. Dieser kleine Satz und all die
anderen Unwörter beweisen die putschartige
Entrechtung des deutschen Volkes. Das einst
geltende Recht für das deutsche Volk wird zum
Unrecht gegen das deutsche Volk ausgelegt.
Rechte haben nur noch die, die noch nicht so
lange hier leben.

… und wenn das „Unrecht gegen das deutsche Volk“ mal einer vor Gericht bringt ( AfD ) – hilft das „Bundesverfassungsgericht gleich 3 mal NICHT !

Nur zur Abrundung des Gesamtbildes hier ein Plakat von der Chemnitzer “Nazi“-Demo. Darauf wurde gefordert:
“Menschenrechte – auch für Deutsche“

„Sacharbeit“ – „Wir sollten jetzt zur Sacharbeit zurückkehren“.

>„I have a sheep farmer friend in Devon. He told me about how difficult it is to keep sheep alive: they jump into lakes, fall off cliffs, run under vehicles, eat poisonous stuff… My mind have immediately made the association with Germans, who are for the last century or so inventing ever more ingenious ways to finish themselves off, and evidently they will not stop until they have succeeded.“< We will succeed, dear reader, we will. Because we're Germans. Everything we do will go to the top, because every thing has to climb to its perfection. That's what we want.… Mehr

„Hier kam es zum Bewusstsein und erhielt seinen bestimmten Ausdruck, was deutsch sei, nämlich: die Sache, die man treibt, um ihrer selbst und der Freude an ihr willen treiben.“
Richard Wagner

Unworte gibt es nicht. Jedenfalls lehne ich einen so gearteten
Wettbewerb ab. Was es gibt, sind Begriffe und Formulierungen
und deren Verwendung im Kontext. Es geht (mir) um Sprache
generell . Deren Verwendung/Anwendung hat der aufmerksame
und knallharte Journalismus auf seinen „Wert“ hin zu unter-
suchen und zu benennen/kommentieren. Alles weitere wäre
mir zu plakativ – und letztlich eine unzulässige Verkürzung.
(Es besteht außerdem die „Gefahr“, sich auf die Ebene der zu
Kritisierenden zu begeben)

Auch die häufig verwendete Floskel, “der Tat ging ein Streit voraus“, dient der Verschleierung der Täter-Opfer-Beziehung. Der Streit sieht häufig so aus. “Gib mir Dein Geld“, “das bekommst Du nicht“ und schon kommt es zu unschöner Gewalt nach einem “Streit“. Noch besser als die “Männer auf Prügeltour“ finde ich “Schubbser“. So werden Männer in den “Qualitätsmedien“ genannt, die Menschen die U-Bahn-Treppe runtertreten oder vor die S-Bahn stoßen. Aber mein absoluter Favorit ist aber “polizeibekannt“. Ein Adjektiv, das offensichtlich auf alle Gewalttäter zutrifft. Es ist für mich DAS Wort, das sinnbildlich für das alltägliche Justizversagen in Deutschland steht. Noch zwei Sprüche… Mehr

Man muss sich mit diesen Worten beschäftigen.

Allerdings, dieser sich schnell nähernden zerstörerischen Eisbahn aufzuhalten, können die willenschwachen hier lang Lebende nicht. Die Wahl ist schon sehr gering, die Ihnen noch geblieben ist.
Entweder tun Sie, was in solchen Fällen getan werden muss, oder akzeptieren Sie die neuen Bedingungen und passen sich an sie an. Dabei werden sie sowohl die gekommenen **, die die Oberhand übernehmen, als auch sich selbst hassen.

Mein Vorschlag: „Hilflosigkeitfalle“

‚Köterrasse‘ geht nicht mehr, denn das ist von 2017 – also schon von vorgestern. ‚Zusammenrottungen‘ mag ich allerdings sehr, ebenso ‚ohne erkennbare Motivation‘. ‚Trauma‘ und ‚Alkoholisierung‘ gehören für mich jedoch genauso dazu wie ‚psychisch krank‘, ‚polizeibekannt‘ oder auch ‚frustriert‘, auch ‚ausreisepflichtig‘ gehört in dieses Cluster. Mein all time favourite allerdings ist der ‚Einzelfall‘. ‚Amberg‘ war sicher mal wieder ein ‚Einzelfall‘ (so wie so viele ‚Einzelfälle‘), ‚Bottrop‘ passiert sicher in Serie – natürlich… *ironie aus* Warum allerdings passiert ‚Bottrop‘ nicht täglich? ‚Amberg‘ aber (im kleineren Rahmen) lokal berichtet fast täglich? Und warum sagt man, der Täter sei zwar ausländerfeindlich gesonnen gewesen,… Mehr

In der Emma gab es einen lesenswerten Artikel über die Situation der Frauen in Chemnitz. Die traut sich was, die Emma.

https://www.emma.de/artikel/frau-w-und-nesrin-chemnitz-336085

Ein lesenswerter Artikel, der hinsichtlich des Zeigen des Hitlergrußes noch einer Ergänzung bedarf. Einer der identifizierten Täter hatte auf seine Finger die Zeichen „RAF“ tätowiert. Er hatte keine Glatze sondern lange Haare. Auch trug er keine Springer-Stiefel sondern einen schwarzen Kapuzenpullover. Das merkwürdigste aber ist, dass auf das dafür angesetzte Schnellverfahren, w.g. klarer Beweislage, nach der Eröffnung verzichtet wurde. Begründung, er zum Zeitpunkt der Tat „alkoholisiert“ und daher schuldunfähig. Alkoholisiert hatten wir ja schon als Unwort. Bleibt noch die Frage zu klären, wie wurde anhand des Fotos der Alkoholspiegel gemessen und wann wurde jemals bei einem Rechtsextremen nach zeigen des… Mehr
Ich habe die ‚Emma‘ eigentlich jahrzehntelang verteufelt, weil deren (in meinen Augen) Radikalfeminismus nicht in meinem Sinn war. Mittlerweile betrachte ich sie als absolut gemäßigt und als Blatt, dass die wahren Probleme, die für Frauen seit 2015 vermehrt entstanden sind, einfach anspricht. Deswegen lese ich sie zwar immer noch nicht, sehe sie aber fast als Ruhepol an im hysterischen Geschrei à la #metoo oder anderer ’neofeministischen‘ Heul-Arien, in denen über Männer geklagt wird, die irgendwelchen Frauen mal vor 30 Jahren etwas zu tief in den Ausschnitt geschaut haben. Ladies, das alles ist Quark. Seit 2015/2016/2017/2018/2019 ff. haben wir ganz andere… Mehr