Gauland gibt den Johannes Heesters der Politik

Alexander Gaulands kalkulierte Provokation treibt die AfD weit nach Rechts.

© Sean Gallup/Getty Images

Der Entertainer Johannes Heesters wurde weit über einhundert Jahre alt. Kurz vor seinem Ableben gab er noch ein Interview und wurde gefragt, wie denn Hitler so war, den Heesters persönlich kennen gelernt hatte. Heesters saß da fast blind im Rollstuhl. Seine Antwort: Hitler sei ein guter Kerl gewesen.

Gauland sitzt im Bundestag. Über den Einen kann man hinwegschauen; Senilität ist ein furchtbares Schicksal und die Verantwortung trifft eher den Frager als den Befragten. Es kommt eben darauf an, wer was sagt. Will Gauland wie Heesters bewertet werden?

Gauland weiß das alles. Er ist ein eiskalter Profi; er tastet sich immer vorwärts, gerade so weit, dass die abregnenden Erregungswolken sein Feld befeuchten, damit sein politischer Weizen wachsen kann – und die Grenze seines Feldes sich weiter hinausschiebt. Immer weiter. Es ist ein Spiel mit Tabus; und mit der kalkulierten Reaktion seiner Gegner ebenso wie mit der seiner Anhänger. Dazwischen gibt es nun keine Brücke mehr.

Wir werden in den kommenden Wochen zwei Debatten erleben: Da ist die massive Kritik an der Äußerung von Gauland, die das Bekenntnis zur Verantwortung und Schuld der Deutschen unwirksam macht. Auch dieses Nebeneinander ist Kalkül: Wer einen Punkt setzt hinter eine Aussage oder auch nur ein Komma, nimmt bewusst oder gewollt in Kauf, dass nur der eine Teil zitiert wird. Wer angreifen will, liest nicht im Kontext, sondern filzt Halbsätze auf ihre Eignung als Element der Erregung. So funktioniert das Spiel, wer es nicht spielen will, soll schweigen. Bei dem aktuellen Wort von Gauland heilt zudem der eine Teil den anderen nicht.

Gaulands Kritiker haben hier die Moral auf ihrer Seite. Auschwitz, Massenmord, Krieg und Verwüstung, auch die des eigenen Volkes und seiner Städte und Landschaften im totalen Krieg – unfassbar, dies als eine abwaschbare Kalamität zu bezeichnen. Tote kann man nicht wegwischen; wer so spricht, macht ihr Leiden lächerlich: Das der schrecklichen Opfer in Auschwitz, die niemand hörte, wie das des Soldaten, der irgendwo in Russland jämmerlich erfrieren musste und dessen Schrei nach der Mutter ungehört in der Eiswüste verhallte, in die er nicht freiwillig gezogen war.

Wer jemals über einen der vielen Soldatenfriedhöfe ging, die Europas Wunden von Nord bis Süd, von Ost bis West zeigen, oder über eine der Gedenkstätten der Opfer des Terrors gegen Juden und andere Gruppen, von Gauland muss er sich verhöhnt fühlen: „Vogelschiss“.

Aber klar ist auch, wie seine Getreuen argumentieren werden: Mit den toten Flüchtlingen vom Haff, abgeknallt von russischen Jabos, mit den 100 Millionen Toten des Stalinismus, den Leichenbergen von Mao bis zu den Killing Fields von Pol Pot.
Damit stehen sich zwei Lager unversöhnlich gegenüber.

Gauland zerstört bewusst den Konsens, dass Verbrechen nicht verharmlost werden, und dass nicht aufgerechnet wird. Die Bilanz des Todes ist immer wieder nur der Tod. Denn wenn aufgerechnet wird, gibt es keine Versöhnung, nur noch Rache. Er eröffnet die große Rechnung, auch wenn er so tut, als meinte er die „guten“ Zeiten der deutschen Geschichte, er weiß genau, auf welchen Gefühlen er spielt: Auschwitz gegen Dresden, Vertreibung gegen Massenmord an der Zivilbevölkerung in allen von der Wehrmacht besetzten Ländern. Er verwischt damit Verantwortung und stellt Ursachen und Wirkung auf den Kopf. Warum? Wofür? Will er wirklich eine knallharte rechtsextreme Partei formieren? Mit aller Konsequenz? Es scheint so zu sein. Sein Kalkül geht auf: Der ZEIT-Journalist Moritz von Uslar twittert: „Von meinen Gesprächen mit ehemaligen Neonazis und Verächtern der Demokratie (nicht so wenigen) weiß ich: Das einzige, was diese Leute beeindruckte, ist, wenn ihre Kritiker einen Schritt nach vorne taten und ihnen mit einem gut sitzenden Hieb zwei Zähne aus dem Mund rausschlugen.“

Die Masken fallen auf beiden Seiten. Die Rohheit ist unfassbar. Die Brücken brechen.

Manche haben gehofft, dass die AfD bei aller scharfen Kritik und harter Opposition in der Sache doch Brücken in die Mitte der Gesellschaft sucht. Etliche Abgeordnete der AfD stehen dafür mit erstaunlicher Sachkenntnis. Viele sind enttäuscht von der CDU, die ihre Werte aufgegeben haben. Sie sind die Warnung an die CDU wie an die Restbestände der SPD, dass die Entfernung aus der Mitte der Gesellschaft diese zurücklässt und ihre Vertreter sich neue Parteien suchen können. Politik kommt von unten, nicht von oben.

Hier wächst die Wut auf Gauland. Gauland spaltet nicht nur die Wähler – er treibt den Keil auch in die eigene Partei. Sie sei ein „gäriger Haufen“ hat er einmal beschrieben, wie die Auseinandersetzungen so erfolgen in einer jungen Organisation, die noch nicht so stromlinienförmig ist wie die ältere Konkurrenz. 

Die Gärung treibt manchmal den Korken aus der Flasche. 

Und er macht das zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt, weil der BAMF-Skandal gerade einen ganz anderen Korken aus der Flasche treiben könnte.

Jetzt hat die Gärung Gauland selbst hinaus geschossen.

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Kommentare ( 623 )

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Die Meisten Menschen die ich kenne sehen die AfD als den Nazis nahe stehend an. Dies ist zugleich der Hauptgrund weshalb sie die AfD nicht wählen. Sonst, aus vielen Gründen, insbesondere wegen der Zuwanderung, wäre die AfD eine Alternative zu den Altparteien. Ich glaube nicht dass bei den „Nazis“ mehr Wählerpotential vorhanden ist als bei der bürgerlichen Mitte. Insofern sind die Äußerungen von Gauland und Höcke wirklich kontraproduktiv. Gauland und Höcke geben dem politischen Gegner immer wieder Munition für diese Verunglimpfungen und sollten dies lassen. Im Gegenteil, sie müssten sich klar von den Nazis abgrenzen, vielleicht sogar etwas so drastisches… Mehr

Es gehört zum Konzept der abgewirtschafteten Altparteien, die AfD zu beschimpfen, zu verunglimpfen, ihre Aussagen zu verdrehen und sie in die Nazi-Ecke zu stellen weil sie glauben, dass sie sich auf diese Weise positiv bzw. „demokratisch“ davon abheben und vom nicht durchblickenden Mainstream-Wähler die Erlaubnis bekommen, weiter zu wursteln.

Wenn man nicht irgendwelche Worte Gaulands, Höckes oder Poggenbergs verdrehen kann, wird sich anderes finden lassen.
Sie brauchen sich nicht von den Nazis abgrenzen, weil sie keine sind

Da fehlt es Ihnen aber an Selberkenntnis und an Innenschau. Aktuell können Sie sich dazu den Fall Arppe anschauen. https://www.tagesschau.de/inland/afd-arppe-ausschluss-101.html „Sie brauchen sich nicht von Nazis abzugrenzen, weil sie keine sind“ ist angesichts von Mitgliedern wie Herrn Arppe naiv. Die Selbstreinigungskräfte haben in Mecklenburg-Vorpommern funktioniert. D.h. aber nicht, dass es in jedem Landesverband funktioniert. Durch die Wahlerfolge ab dem Jahre 2014 ist die AfD ein hochattraktives Ziel für Kräfte aus dem rechten Lager geworden, die an anderer Stelle ihre Felle davonschwimmen sehen. Das es starken Gegenwind gegen die AfD aus allen anderen Parteien gibt ist unbestritten. D.h. aber nun nicht,… Mehr
Ja, kann. Aber geschichtsrevisionistischer Unsinn ist auch nicht deshalb geschichtsrevisionistischer Unsinn, bloß weil die andere Seite das behauptet. Kein Grund, sich in vorauseilendem Gehorsam deren PC-Neusprech anzupassen. Als ob dann das Bashing aufhörte! Die deutsche Autoindustrie könnte ein Lied davon singen, wohin Appeasement gegenüber den Ideologen und Gesinnungsethikern führt. Und im Übrigen sind Revisionismus und Unsinn zweierlei, wenn etwas falsch ist, muss es revidiert werden. Scham und Selbsthass zum Kern einer nationalen Identität zu machen, wenn es sein muss mit Meinungsdiktatur und Lügen (z.B. Kriegsschuld WW 1), jede historische Einordnung mit „Hilfe Relativierung“ Gekreisch verweigern… Das ist nicht richtig. In… Mehr

Nur die Betrachtung des v o l l e n Wortlautes der „Vogelschiß“ – Rede ergibt eine objektive Sicht.
Ersetzt man das Wort „Vogelschiß“ z.B. durch :“ kleiner, aber schlimmer Teil unserer übe r 1000-jährigen Geschichte.“
Gegen eine solche Wortwahl hätte es wohl keine Widerrede geben können, bin mir aber nicht sicher in dieser verdrehsüchtigen, manulivativen „Gutmenschenwelt“.
Der interessierte und der informierte Bürger kann das einsortieren.
Die wahren h e u t i g e n Probleme versucht „man“ mit Shitstorm zu überdecken.
S.a. meinen Kommentar „Sehen wir es einmal pragmatisch.“

„Nur“ ein Vogelschiss.
Nach Gaulands Verteidigung ist er ein schlecht herauszubekommender Schmutzfleck in der ansonsten reinen Weste der deutschen Geschichte. Das kann man so sehen.
Herrn Tichys Artikel zeigt seine Enttäuschung über die Möglichkeit dieses Begriffes zur Polarisierung. Es ist zu klären, ob Gauland Opa oder alter Häuptling in der AfD ist. Dieser Vogelschiss ist jetzt abgesondert. Er erschwert mal wieder die Hoffnung der Mitte auf Veränderung. Doch Taten sind wichtiger als Worte. Die Täter der öffentlichen Meinung und der missglückten Regierungspolitik können mal wieder eine große mediale Bugwelle als ideologisches Ablenkungsmanöver schieben. Gauland ist nicht Täter!

Das muntere Relativieren bringt niemanden weiter. Die Bürger in diesem Lande haben nichts davon. Die Mittelschicht erspart keinen Cent Steuern durch eine Vogel-Schiß-Partei. Die Alternative kommt immer mehr von den Zielen des Jahres 2013 ab. Geschichtsrevisionismus hilft der Mittelschicht nicht. Er bewahrt sie nicht davor, staatlich ausgeplündert zu werden. Geschichtsrevisionismus ist kein Gramm, keinen Milliliter, keinen Eurocent wert. Und so, wie er betrieben wird, ist es völlig unmöglich. Stalin, Churchill und Roosevelt haben gegen Hitler gewonnen. Waren sie dann nicht grausamer und zerstörerischer, als die deutsche Seite ? Und welche ethische Qualität hat es, wenn Engländer und Amerikaner, mit dem… Mehr

Herr Fachtan, haben Sie die „Vogelschiß-Rede“ gelesen?

Werter RauerMan!
Er müßte doch wissen, daß man nur dieses eine Wort heraus-
greifen wird. Nicht zum Erstenmal, daß er sich in so eine unglückliche
Lage hineinredet. Ich verstehe überhaupt nicht, warum er sich immer
wieder auf solche Themen einläßt. Er gibt seinen Gegnern immer
wieder neue Munition gegen die AFD. Sehr gute Reden von Frau Weidel
Herrn Curio und anderen werden damit relativiert. -Sehr schade!
Herr Gauland sollte schnellstens an Herrn Meuthen übergeben,
und zurücktreten. Aber vielleicht gibt es ein Problem wie in der
CDU – manche würden gern, trauen sich aber nicht…
MfG E. Schwarz

Hallo Herr Schwarz,
da gehen unsere Meinungen nicht auseinander.
MfG

Ja, habe ich. Ändert aber nichts daran, dass Geschichtsrevision Marke Gauland nichts bringt.

Auch Ihnen kann auffallen, dass außer Höcke sich aus der Bundesebene niemand dazu aufgeschwungen hat, Herrn Gauland zu verteidigen. Auch dort wird das Wort für mißglückt gehalten.

Welche Beiträge leistet die Alternative zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation der Mittelschicht ? Welche umsetzbaren und bezahlbaren Pläne entwickelt sie dazu ? Hieran wird ihr Erfolg zu messen sein.

Mit „Hitler war gar nicht so wichtig, schließlich hatten wir doch auch Bismark und Karl, den Großen und Friedrich II.“ kommt die Mittelschicht in Deutschland keinen Zentimeter weiter. Das ist Alibi-Gequatsche statt echter Problemlösungskompetenz.

„Das einzige, was diese Leute beeindruckte, ist, wenn ihre Kritiker einen Schritt nach vorne taten und ihnen mit einem gut sitzenden Hieb zwei Zähne aus dem Mund rausschlugen.“ Diesen Satz mit dem Kommentar „Die Masken fallen auf beiden Seiten“ zu versehen, verfehlt den Kern oben zitierter Ungeheuerlichkeit. Denn nur EINE Seite fühlt sich zunehmend wohler damit, Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung zu befürworten. Und wie immer halten sie sich für die Guten. Das ist eine brandgefährliche Entwicklung! Sollte die AfD tatsächlich irgendwann einen Toten zu beklagen haben, wird die zu erwartende Reaktion der Eliten in unserer Gesellschaft – vielleicht… Mehr

„Drei Kugeln auf Rudi Dutschke
Ein blutiges Attentat
Wir haben genau gesehen
Wer da geschossen hat.“ Wolf Biermann
Geht es wieder los?

Auszug von Gaulands Rede: „Ja, wir bekennen uns zu unserer Verantwortung für die 12 Jahre. Aber, liebe Freunde, Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in unserer über 1000-jährigen Geschichte. Und die großen Gestalten der Vergangenheit von Karl dem Großen über Karl V. bis zu Bismarck sind der Maßstab, an dem wir unser Handeln ausrichten müssen. Gerade weil wir die Verantwortung für die 12 Jahre übernommen haben, haben wir jedes Recht den Stauferkaiser Friedrich II., der in Palermo ruht, zu bewundern. Der Bamberger Reiter gehört zu uns wie die Stifterfiguren des Naumburger Doms. Liebe Freunde, denken wir immer daran,… Mehr

Danke Herr Moesch,
In diesem Kontext kriegt das Wort vom „Vogelschiss“ die Bedeutung, die ihm gebührt. Und es ist dieses Argument, das die unglaublich dumme aber absichtsvolle Gegenthese der SPD, formuliert von der ungebildeten Özoguz, dass es keine deutsche Kultur gäbe, restlos widerlegt. Denn wer die Grundlagen der Existenz eines Volkes völlig umkrempeln will, der muss zuerst die Kultur dieses Volkes für nichtig erklären. Das tut der Islam überall dort, wo er auftritt.

Werter Herr,
bei diesem Thema/den Reizen dieser Art hört meist die rationale Kraft auf und konditionierte Reaktionen, Angst und Reedukation greifen sich Raum und Geist und Seelen.
Dazu hängt noch das Schwert des StGB über der Diskussionsrunde.
Also könnte man neben Entrüstung auch das Bemühen um ein wenig mehr Normalität in diesem Komplex von Imunbewußtbleibensollendem bei Gauland konstatieren.
Bei diesem Thema hört ein freies Diskutieren auf – auch und gerade wegen unserer westlichen Werte und unserer segenbringenden, allerdings leicht verkrüppelten, Demokratie.

Ich stimme Ihnen zu, Herr Moesch.

Trotzdem fand ich diesen Teil der Gauland-Rede (insbesondere die Attributierung „Vogelschiss“) furchtbar, weil eine schwere Dummheit, deren Wirkung er hätte vorhersehen müssen. Und ich hätte mir gewünscht, dass er das ziemlich bald selbst als Dummheit deklariert hätte, sich mindestens distanziert, am besten entschuldigt hätte. Hat er aber leider nicht…

Dem – in meiner Empfindung geradezu – „Wut-Artikel“ von Herrn Tichy stimme ich allerdings überhaupt nicht zu.

Werter Falk Kuebler „deren Wirkung hätte er vorhersehen müssen“. Herr Gauland HAT die Wirkung seiner Wortwahl vorausgesehen, denn Gauland ist nicht blöd. Ich frage mich, weshalb hat er dieses Wort verwendet, denn dessen Wirkung ist für seine Partei rufschädigend. Hätte ein Subalterner AfD Parteizugehöriger so gesprochen, er wäre weg vom AfD Partei Fenster. Mehrere seiner Partei Kollegen waren ja entrüstet. Trotzdem hat Herr Gauland dieses Wort gewählt. Meine Vermutung: Herr Gauland wählte dieses Wort bewusst, nicht um die NS-Zeit zu relativieren, sondern um die Relation von dem was war, und er wortwörtlich auch zu tiefst bedauert (siehe Auszug seiner Rede… Mehr
Ihren Überlegungen stimme ich wieder zu, Herr Moesch. Und Gauland ist in der Tat ganz sicher nicht blöd (trotz Tichys Heesters-Vergleich). Aber Gauland ist in einen Spagat gegangen, oder anders gesagt: er hat eine Güterabwägung getroffen. Und für diese Güterabwägung komme ich zu einer anderen Schluss als Sie, Herr Moesch: Sie sagen: „Ich frage mich, weshalb hat er dieses Wort verwendet, denn dessen Wirkung ist für seine Partei rufschädigend“. In der Folge analysieren Sie dann dieses „weshalb“, also warum er es TROTZDEM verwendet hat. Bei dieser Analyse gehe ich wieder mit Ihnen konform. KOMMA ABER DOPPELPUNKT Gauland ist nicht in… Mehr

Werter Falk Kuebler
abschliessend, dass es nicht ein „evergreen“ wird, zu Ihrem letzten Gedanken nach „Komma, aber Doppelpunkt“:
Ja, dem ist so. Mit den von Gauland (und auch Höcke „Denkmal der Schande“) provokativ gewählten Worten bieten sich diese Herren bewusst als Angriffsfläche der Parteigegnerschaft an, was nicht zum Wohl der AfD. Sein zeitlicher Vergleich war ihm wichtiger als womöglich der Nutzen. Das sollte die AfD intern mit diesen Herren mal erörtern: Wie bringen wir was adäquat rüber ohne dann Parteischaden. Wäre sinnvoll!

Herr Gauland hat den „Nolte-Light“ gegeben (siehe Historikerstreit 1986/87), damit auch der letzte kapiert, worum es hier geht. Allerdings gebe ich Ihnen komplett recht, dass das viele Leute auch abschreckt. Andererseits sind viele Wähler für die AfD ohnehin fast nicht zu erreichen. Man hat also fast nichts zu verlieren und geht daher in die Offensive auch bewusst mit Provokation. Von daher gilt: Any promotion is good promotion. Es gilt, sich mit der Sache an sich überhaupt erstmal zu befassen. Zu hinterfragen, was Herr Gauland damit überhaupt bezwecken sollte. Denn wenn man sich damit beschäftigt, wird man als intelligenter, rationaler Mensch… Mehr

Ich stimme auch Ihnen im Wesentlichen zu, Joe Louis. Aber wie ich Herrn Moesch schon sagte: Gauland ist primär weder Philosoph noch Historiker, sondern seine Verantwortung – und ob er ihr gerecht wird – misst sich in seiner Tätigkeit als (wenn auch zugegeben etwas widerwilliger) Partei- und Fraktionsvorsitzender. Und als solcher muss er zunächst mal, und ganz eindeutig prioritisiert, den Erfolg der AfD insofern erreichen, als er sie im faktischen politischen Prozess einflussreicher macht. Und nicht nur indirekt, sondern auch direkt.

Danke für den Auszug der Rede. Jeder, der hier seinen Kommentar abgibt, oder gegeben hat sollte zuerst diesen Beitrag genau lesen – und seinen vielleicht vorschnellen Kommentar überdenken.- Aber darauf spekulieren die Berufsempörer, die von ihrem Politikversagen ablenken wollen. Sie wollen die schnelle Nummer. Ich sage es immer wieder: Geierjournalisten des Politisch-Medialen-Komplexes. Erst eine TOTSCHLAGZEILE produzieren für eine schnelle Nummer, ein paar Silberlinge einstreichen und ein orgiastisches Grunzen bei der Journalistischen Masturbation. Sorry- ich bin hart – aber wohl nicht unfair.- Oder?

ich habe es hin und her versucht, ihn so zu lesen, dass das herauskommt was Sie meinen. Für kurze Zeit meinte ich, das Bekenntnis zur Verantwortung als durch den Volgelschiss unbeschädigt zu sehen. Aber nach mehrmaligem Nachlesen stelle ich fest, dass die beiden Dinge so nahe nicht nebeneinander gestellt werden dürfen. Die Geschehnisse der Nazizeit klaffen für immer als ein monströser Graben zwischen mir und der deutschen Geschichte, die Gauland und Höcke so preisen. Der Weg dorthin ist für immer verbaut. Und dennoch bin ich vorbehaltloser Patriot, glaube an das Recht der deutschen auf ihre (unbeschädigte) Identität, Kultur und Nation.… Mehr
Zitat: „Der Weg dorthin ist für immer verbaut. Und dennoch bin ich vorbehaltloser Patriot, glaube an das Recht der deutschen auf ihre (unbeschädigte) Identität, Kultur und Nation. “ Und weil Sie solch ein vorbehaltsloser Patriot sind, schreiben Sie ausgerechnet in Ihrem Text ‚…der deutschen‘ klein. Platt gesagt heißt das für mich -Siegmund Freud läßt grüßen. Ich nehme an, daß ich mit meiner Annahme, daß es sich bei Ihnen um ein Mitglied der jüngeren Generation handelt, richtig liege. In Ihrer Haut, junger Mann, möchte ich ums Verrecken nicht stecken. Sie werden mit Ihrer scheinpatriotischen Einstellung Schiffbruch erleiden. Zuvörderst an der eigenen… Mehr

Ich verstehe die Strategie nicht: Die ganz rechten wählen doch schon AfD oder? Müsste man nicht eher in der Mitte um die Wähler buhlen? Die AfD braucht in jedem Fall frische Gesichter, sonst werden die 20+X % sehr schwer.

Nach Gaulands Selbstinterpretation will er den „Volgelschiß“ sozusagen als „letzten Scheiß“ genommen haben wollen in Hinblick auf Hitler, den NS und dessen Politik und diesbezüglich seine Verachtung ausgedrückt haben Dagegen ist nichts zu sagen wenn er den Sachverhalt so sieht. Die „verdammeten 12 Jahre“ waren allerdings nicht nur der „letzte Scheiß“ sondern eine der 2 Großkatastrophen in der deutschen Geschichte neben dem 30 jährigen Krieg. Da von „Vogelschiß“ zu reden ist mehr als „unglücklich“ wie Herr Meuthen es formuliert, sondern unstatthaft. Wenn ein Staat infolge eines Krieges 25% seines Territoriums verliert, um einmal diesen Aspekt neben den Opferzahlen und dem… Mehr

Diese Fragen und Gedanken sollte man der AFD Leitung zukommen lassen. Ganz erschwerend hinzu kommt noch, ohne diesen Vogel, Fliegen oder sonst was Schiß wäre die europäische und deutsche Geschichte komplett anders verlaufen und die Nachfahren müssten sich jetzt ganz bestimmt nicht mit fanatischen Muselmanen herumschlagen.

Die Rede von Gauland – wie auch die Reaktionen darauf (inkl. dieses Artikels) – zeigen sehr deutlich, dass diese 12 Jahre dunkler deutscher Geschichte nicht aufgearbeitet wurden. Im tiefenpsychologischen Sinne. Im Sinne des kollektiven Unbewussten. Die Zeiten vor oder nach diesen unseligen Jahren dürfen kein Gewicht bekommen. Sobald auch nur ein Versuch unternommen wird, die o.g. schwere kollektive Krankheit auch nur anzusprechen, führt das sofort zu tiefsten psychischen Ausfällen bei so vielen Menschen, die absolut unbeteiligt an diesem Tun waren. Das Land geißelt sich selbst und sieht seine angemessene Bestrafung darin, sich selbst zu zerstören. Das wird gerade mit großer… Mehr

Ich stimme größtenteils zu, wenn Sie die Aufarbeitung des verwerflichen Holocaust meinen. Trotz gefühlt wöchentlichem Horror in den MSM und Dokumentagen, Filmen etc.. in den ÖR. Könnte es nicht sein, das weniger ist manchmal mehr sein kann? Über die anderen unentschuldbarer Verbrechen der Nazi-Schergen sind wir Nachkriegskinder auch mit wenigen Dokumentationen ausgekommen. Gab es doch kaum eine Familie, die mit ihren großen Verlusten klarkommen mußten. Ja, wir haben – auch durch zahlreiche Gespräche mit Gleichaltrigen, versucht, all die schmerzlichen Erinnerungen zu kompensieren, was auch recht gut gelungen ist.

@Luisa Nemeth Ich glaube nicht, dass es eine wesentliche Rolle spielt, ob man hier mit mehr oder weniger – von der Menge her – konfrontiert wird. Wenn man – der Einfachheit wegen – die Psyche eines einzelnen Menschen anschaut, wird sich weder durch eine kleine noch durch eine große Dosis “Wahrheit“, von aussen vorgetragen, irgend etwas i.S. einer Genesung ändern. Sonst bräuchte ja nur ein schlauer, therapeuthisch tätiger Mensch einem anderen seine Neurose kurz erklären. Erklärungen dieser Art helfen aber überhaupt nicht. Und eine große Dosis wird wahrscheinlich eher zu Resistenz und zu gänzlicher Nicht-Auflösung führen. Um irgendeine objektive Schuld… Mehr

Sie stellen den Holocaus heraus. Und es ist sehr traurig, dass unseren Kindern „nur diese Schlechtigkeit“ präsentirt wird. Ich beziehe mich auf die Krigsopfer in den einen Fmilien so wie in nahezu ganz Europa. Aber das gibt sich von selbst, hat man ein Familienleben.
Nochmals: es geht weiter über den Holocaust hinaus – Herr Gauland hat mißverständlich referiert. Es ist schade um die Anstrengungn der Partei, ich verfolge die BT-Debatten und icg traue ihnen zu, die unglücklichen Aussagen richtig zustellen. Danke für Ihre Antwort.

Sie stellen den Zusammenhang richtig dar. Der Nazismus ist Geschichte und hat keine aktuelle Bedeutung mehr. Durch diese Feststellung werden die Schreckenstaten des Hitlerismus keineswegs verharmlost; aber wenn etwas empirisch zur Geschichte gehört und nicht zum Erleben, dann verliert es die emotionale Dimension. Wer dennoch zu emotionalisieren versucht, verfolgt nicht vernünftige bzw. demokratische, sondern destruktive Ziele.

Danke, für Ihren, meiner Meinung nach, – sehr richtigen und sehr wichtigen Kommentar !

Ich tue mich immer schwer damit Leuten bei bestimmten Äußerungen pauschal berechnendes Kalkül zu unterstellen. Ich glaub nämlich, dass man manche Dinge auch einfach mal nur sagt, weil einem gerade danach ist, auch ohne ein bestimmte Agenda hinter jedem Wort zu verstecken. In diesem Fall aber wünsche ich mir fast eine Absicht hinter dem Gesagten, weil es dann so perfekt inszeniert wäre. Wenn also tatsächlich die Worte Gaulands wohl geplant und die erfolgten Reaktionen antizipiert worden wären, dann zeugte das von einer ausgesprochenen Cleverness von Seiten Gaulands. Denn, wenn auch die Medien unisono schreiben, er hätte sich und die AfD… Mehr

Ich ziehe nicht den Hut, weil er die Worte offenbar gewählt, zudem aufgeschrieben, vorgelesen hat. Bei allem Respekt.