Woher kommt die Aufregung um die Bahlsen-Erbin?

Um die Erbin des Keksherstellers Bahlsen, Verena Bahlsen, ist eine große Aufregung entbrannt. Worum geht es und was steckt dahinter?

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Symbolbild

Kritisiert wird Verena Bahlsen (25) unter anderem wegen Äußerungen über die Situation von Zwangsarbeitern, die für das Unternehmen im Zweiten Weltkrieg arbeiten mussten. Kritikern hielt sie entgegen, Bahlsen habe Zwangsarbeiter genauso bezahlt wie die Deutschen. Zudem hätten Gerichte Klagen abgewiesen, heute lägen keine Forderungen gegen Bahlsen mehr vor. Diese verharmlosenden Äußerungen wurden später zu Recht kritisiert, da lag sie falsch.

Aber das erklärt eben nicht die Aufregung um Bahlsen, denn die ging schon los, bevor sie sich zu diesem Thema geäußert hatte. Auslöser der Empörung waren eben nicht diese Äußerungen zu Zwangsarbeitern, sondern weil sie sich bei ihrer Rede auf der Digitalmarketingkonferenz OMR in Hamburg für den Kapitalismus eingesetzt hatte. Dabei sagte sie: „Ich bin Kapitalistin. Mir gehört ein Viertel von Bahlsen, und da freue ich mich auch drüber. Es soll mir auch weiterhin gehören. Ich will Geld verdienen und mir Segeljachten kaufen von meiner Dividende und so was.“ SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil ereiferte sich gegenüber BILD: „Wer ein so großes Vermögen erbt, erbt auch Verantwortung und sollte nicht so abgehoben auftreten. Es ist kein Wunder, dass Menschen den Glauben an Gerechtigkeit verlieren, wenn Millionenerben über Jachten und nicht über Verantwortung reden.“

Als Reicher kann man es Sozialdemokraten nie Recht machen

Als Reicher kann man es den Sozialdemokraten einfach niemals Recht machen, denn der Grundfehler liegt ja aus deren Sicht überhaupt darin, reich zu sein: Verleugnet ein Reicher seinen Reichtum, so wie das Friedrich Merz tat, als er sich absurderweise wegen seines Millionenvermögens in der BILD-Zeitung rechtfertigen musste, dann ist das falsch. Bekennt sich jemand selbstbewusst dazu, Kapitalist zu sein, dann ist es ebenso falsch.

Lars Klingbeil meint, Bahlsen sei in der Rede „abgehoben“ aufgetreten. Hat er die Rede gesehen? Ich habe sie gesehen, und sie war überhaupt nicht „abgehoben“. Ich fand es gerade erfrischend, dass eine junge Unternehmerin mal nicht abgedroschene PR-Phrasen drischt und Wortschaum über „soziale Verantwortung“ absondert, sondern sich ganz frisch und selbstbewusst dazu bekennt, Kapitalist zu sein. Bravo!

Wer die Rede gesehen hat, sah, dass sie die Bemerkung über die Jachten, die sie sich kaufen wolle, mit einem ironischen Lächeln machte. Später erklärte Bahlsen gegenüber BILD, sie sei noch nie auf einer Segeljacht gewesen und wolle auch keine kaufen. Aber selbst wenn sie eine Jacht kaufen wollte – darf sie das nicht? Ist es nicht sympathisch, wenn sich jemand offen zu seinem Reichtum bekennt – in einer Neidgesellschaft, wo man dies ja ansonsten vermeidet?

Mich hat ihr Spruch „Ich bin Kapitalistin… und da freue ich mich auch drüber“ an den ehemaligen Regierenden Bürgermeister von Berlin Klaus Wowereit erinnert, der bekannte: „Ich bin schwul und das ist auch gut so“. Reiche könnten von anderen Minderheiten lernen und genauso selbstbewusst auftreten.

Erst nach dieser Diskussion über ihr fröhliches Bekenntnis zum Kapitalismus ging ein Shitstorm im Netz los, und da wurde ihr vorgeworfen, dass sie Erbin eines Unternehmens sei, dass – wie tausende andere auch – Zwangsarbeiter im Dritten Reich eingesetzt hat. Hier hat sie falsch reagiert und ihre Äußerungen wurden zu Recht kritisiert. Ich hätte an ihrer Stelle zurückgefragt, ob die Fehler ihrer Vorfahren heute ein Grund sein können, ihr als junger Frau das Recht abzusprechen, selbstbewusste Unternehmerin zu sein.

Ironischerweise gehört sie gerade zu den jungen Leuten, die viel auf „Nachhaltigkeit“ geben und ihre Rede war ein Plädoyer für „nachhaltiges“ Wirtschaften, also insofern ganz im grünen Zeitgeist. Vor zwei Jahren gründete Verena Bahlsen die Berliner Firma Hermann’s, mit der sie Lebensmitteltrends aufspürt und in einer Restaurantküche testen lässt. Damit wolle das Unternehmen Menschen, aber auch Unternehmen eine Umstellung auf besseres Essen ermöglichen. Dieses Essen soll möglichst nicht nur besser für den Menschen, sondern auch für den Planeten sein.

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Kommentare ( 54 )

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Es gab im Dritten Reich praktisch keine Landwirtschaft ohne Zwangsarbeiter. Die fanden sich auf so ziemlich jedem Bauernhof. Deshalb sollte man mal aufhören die Firmen, die Zwangsarbeiter beschäftigten dafür abzucanceln. Die meisten hatten keine Wahl. Die deutschen Männer waren an der Front, in Gefangenschaft, tot oder verwundet. Die Frauen arbeiteten in den Krankenhäusern, in der Kriegsindustrie, als Flaghelferinenn usw. Man brauchte aber auch noch Leute, welche die normale Arbeit machten, dafür wurden dann die Zwangsarbeiter eingesetzt. Wenn die gute Frau eine Jacht, oder 10 Jachten, oder tolle Klamotten, Autos etc. kauft, dann bringt sie damit doch das Geld wieder unter… Mehr

„abzucanceln“, Denglisch in seiner schönsten Form, kreativ eingesetzt!!!

Die Banalisierung der Sklaven der Nazis finde ich als Betroffener ungeheuerlich. Ich bin der Sohn eines Nazisklaven. Ich habe die Schwusswunden meines Vaters im Hals und am Kinn gesehen und seine Krankheiten erlebt und seine Todesaengste und Schreie und Schlaflosigkeit in den Naechten als kleines Kind mitbekommen, er starb jung, noch bevor ich fragen konnte wieviel Angst er hatte. Seine damalige erste Frau wurde ermordet, seine ersten Kinder vergast, und er litt so sehr unter Heimweh, dass er Nacht fuer Nacht heimlich Heimatradio hoerte, weil das Verbot, Fremdsender zu hoeren, tief in ihm steckte. Und so erlebte ich ihn als… Mehr

Was erwarten Sie von einem Großteil hier denn anderes?

@all ich denke, es ist nicht richtig „demasiado“ nun vorzuwerfen er verallgemeinere zu unrecht. Natürlich macht er das, wie wir es alle tun, wenn wir getroffen werden. Es war sicherlich ein Fehler meinerseits, sowohl die Tatsachen über Zwangsarbeiter, als auch die Jachten in einen Kommentar zu packen. Das kann unter Umständen beim Leser gänzlich falsch ankommen. Er hat nicht einfach alle angegriffen. Irgendetwas in meinem Kommentar hat ihn viele Jahre , in seine Kindheit, zurück torpediert, das war zwar ganz sicher nicht meine Absicht, aber es ist geschehen. Das jemand sich dann wehrt ist richtig und gut so. Denn wir… Mehr

Grossartiger Kommentar. Mein Respekt

@demasiado İch glaube, das sie den meisten nichts über die Zwangsarbeiter waehrend der NS-Zeit erzaehlen müssen. İch verstehe auch in gewissen Maße ihren Zorn über den obigen Kommentar, wobei dieser aber eigentlich nur die wirtschaftlichen Zustaende und Notwendigkeiten der damaligen Zeit beschreibt, nicht mehr und nicht weniger. Dieses nun allzu persönlich zu nehmen, kann ich aufgrund ihrer Familiengeschichte zwar verstehen, aendert aber eben auch nichts an den geschriebenen Tatsachen. Was mich aber an ihren Kommentar erschüttert, ist folgender Satz,“Was erzeugt es in mir wenn ich noch immer sehe wie mein Vater unter eurem Sklavendenken gelitten hat?“ Entschuldigen Sie, aber die… Mehr
Ich verstehe Ihre Reaktion. Zur Wahrheit gehört leider auch, dass Menschen, wie diejenigen, die gegen Frau Bahlsen den Shitstorm ausgelöst haben, die Opfer der Nazis geradezu instrumentalisieren, wenn die Sach-Argumente ausgehen. Und davon habe auch ich die Nase voll. Ebenso wie unser Aussenmaas, der wg. Ausschwitz in die Politik gegangen sein will, dabei hat es bei ihm fachlich nicht gereicht, als Jurist zu arbeiten. Oder Rammelow, der die Hymne verändern will. Und alle anderen, die das Wort Nazi im Munde führen, wie ein harmloses Schimpfwort. All diejenigen missbrauchen das Schicksal Ihrer und anderer Familien auf unanständige Weise. Ihnen, demasiato, alles… Mehr
STOP! Meinem Großvater wurden Zwangsarbeiter zugewiesen. Er hatte einen landwirtschaftlichen Betrieb. Es war damals üblich, dass alle die auf dem Hof arbeiteten, uzsammen zum Essen in der großen Küche saßen. Offiziell war es allerdings verboten, den Zwangsarbeitern etwas zu essen zu geben. Mein Großvater hat sich daran nicht gestört. Als dann mal, zur Essenszeit der örtliche Gauleiter rein schaute gab es ein kräftiges Donnerwetter, dass mein Großvater mit den Worten: „Wer auf meinem Hof arbeitet, der ißt auch an meinem Tisch.“ beendete. Er ist dann, dank guter Beziehungen meiner Großmutter und der Nachbarn, ganz knapp an einer Einweisung ins KZ… Mehr

Bei ALLEM Respekt und Anteilnahme für Ihre Situation, verbitte ich mir Ihre pauschale Verurteilung ‚Eure Sklavenmentalität‘. Das ist genauso undifferenziert und damit falsch wie das, was Ihrer Familie widerfahren ist.
Die Situation ist schwierig, ganz sicher – pauschale Verurteilungen a la ‚Eure Sklavenmentalität‘ sind jedoch weder richtig noch lösungsorientiert. Damit tun Sie genau das, was Sie anderen Vorwerfen.

Aussagen wie „Eigentum verpflichtet“ oder „Verantwortung erben“ sind rhetorisches Abrakadabra, Zaubersprüche, die Verwirrung unter der Bevölkerung stiften sollen, damit der Apparat einfacher an das Geld der Vermögenden gelangen kann.

„Eigentum verpflichtet“ ist eines der wichtigsten Grundprinzipien der Staatsgründung unseres solidarischen Gemeinwohls (1949, in der prämerkelischen Oberen Trias der Republik). Zieht quasi die soziale Marktwirtschaft begrifflich hinter sich her. Insofern sollte es als Prinzip nicht vorschnell herabgewürdigt werden. Es bedeutet natürlich NICHT, dass „Eigentum verpflichtet“ zum Sozialismus, „Eigentum verpflichtet“ zu typisch deutscher Neidhammeligkeit, GANZ SICHER bedeutet es NICHT, dass Kevin Kühnert sein Mal aufreißen soll. GANZ SICHER bedeutet es aber, dass der Staat das Geld, das er seinen Bürgern mit wackliger Begründung abgenommen hat, es für ideologisch verbohrten Unfug ausgibt, als da wäre: Alimentierung illegal Eingereister, Klimarettung, Afrikarettung, Weltrettung, Finanzierung… Mehr

Die arme Kleine, …

… nun ist sie erledigt für alle Zeiten.

Hätte sie ein paar Energiespargel aufgestellt und fürderhin Luftschokolade nur per Windkraft auf die Kekse geblasen und zudem erklärt, aus ökologischen Gründen ab sofort auf Motorjachten zugunsten von Windjammern zu verzichten …

… dann könnte sie jetzt wohl mit Greta im Publikationenhimmel Ringelreihen tanzen … .

Vielleicht kommt ja jetzt noch der äh, Dings um die Ecke, um die genossenschaftliche Kekserstellung zu verlangen.

So gehts ja nicht … Pfui.

Und wenn Frau Bahlsen sich eine Luxusyacht nach der anderen kauft, wen hat das zu interessieren?
Irgendwer muss diese Yachten ja produzieren, sie sorgt also dafür, dass andere Leute in Lohn und Brot stehen.
Die vor Neid und Missgunst zerfressenen Kühnerts dieser Republik gehen mir nur noch auf den Keks.

Das einzige was in Deutschland noch zuverlässig funktioniert ist die Empörung.

Nur der Grund, weshalb man sich empört, ist vielfach „obsolet“.

Purer Neid der Studien-, Berufs- und Lebensversager in den linken Parteien. Die auch noch sauer darüber sein werden, dass sie nicht so fett geerbt haben.

Irgendwann haben auch solche wie die Familie Bahlsen die Nase voll und verlagern die Reste des Unternehmens ins Ausland. Dann können die ‚verantwortungsvollen‘ Politiker sehen, was sie mit ein paar tausend Arbeitslosen mehr und ein paar Millionen Steuern weniger machen.

Herr Hipp produziert sein Babyfutter inzwischen in Polen. Das geht mit Keksen auch. Aber dürfen wir sie dann noch essen? Die bösen Polen sind doch so räächtz…

Der und andere…. und da werden noch viel mehr gehen, in absehbarer Zeit.
Solange, bis die Linken genötigt sehen, eine Mauer zu errichten, um die Republikflucht zu verhindern 😬

Ich hätte da einen Tipp für die junge Dame: Deutschland verlassen und wo anders Steuern zahlen. Sollen die doch alle an ihrem Neid ersticken!

Zitat: „Ironischerweise gehört sie gerade zu den jungen Leuten, die viel auf „Nachhaltigkeit“ geben und ihre Rede war ein Plädoyer für „nachhaltiges“ Wirtschaften, also insofern ganz im grünen Zeitgeist.“ Gerade das ist es doch, dass nicht sein kann, was nicht sein darf. Wo kämen die Grünen denn hin, wenn sie zulassen würden, dass Klein- und Großkapitalisten ihnen die Butter vom Brot nehmen würden? Wenn die Menschen merken würden, dass die freiheitliche Grundordnung wesentlich effizienter und ökologischer ist als es Grün/links jemals sein könnte? Gerade aus diesem Grund wird Frau Bahlsen bekämpft. Grün/links meint es ernst mit „Wehret den Anfängen“; allerdings… Mehr

Worte gut und schön, ihr Verhalten jedoch, insoweit in diesem Artikel beschrieben, erinnert mich an die Frage, wie man eine kleines Vermögen machen kann: man nehme ein großes und gebe es einem Erben mit Flausen im Kopf.

Kenne ich etwas anders, so als Sprichwort
die 1. (Generation) erstellt es
die 2. erhält es
die3. verprellt es 🙂

Etwas zu Erben ist die eine Sache, das Erbe zu erhalten eine andere!

Politische Verwalter funktionieren in dieser Sache „Nicht“. Regelmäßig verbrennen diese (Verantwortungslos) jegliches Vermögen. Erben haften, politische Verwalter nicht.

Daher ist mir ein kapitalistischer lieber als ein politischer!

Negativbeispiele gibts en Masse.