Wenn Ideologie Wissenschaft frisst und Muslime und Ostdeutsche in einer „Studie“ gemeinsam diskriminiert werden

Foroutans „Studie“ ist der Versuch, die grundsätzlichen Veränderungen in der Welt, in Europa und in Deutschland zu verdrängen und sich eine neue Gesellschaft aus dem Geist der Utopie zu erschaffen. Dabei stören Ostdeutsche. Sie sind übrigens das letzte Hindernis der Grünen auf ihrem Weg an die Macht.

imago/Lutz Sebastian
Montagsdemo 1989, Halle

Als Ostdeutscher wurde ich in der Bundesrepublik viermal diskriminiert. Erstens als Joachim Gauck Ostdeutschland zu „Dunkeldeutschland“ erklärte, weshalb Leute wie Marianne Birthler stets eine Taschenlampe einstecken, wenn sie ins finstere Ostdeutschland fahren müssen, zweitens als zum Tag der Deutschen Einheit die FAZ die Ostdeutschen zu gescheiterten Migranten erklärte, drittens als Jana Hensel von der ZEIT in einem Tweet die Ostdeutschen als „Zonis“ bezeichnete und viertens in der jüngsten „Studie“ des dubiosen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM), die alle Ostdeutsche zu einer Opfergruppe zusammenfasste, die angeblich von den Westdeutschen herabgesetzt werden. Ostdeutsche als „Zonis“ zu verunglimpfen, entspricht allerdings inzwischen dem propagandistischen Stil der einst liberalen ZEIT.

Neu ist der Ansatz nicht, Ostdeutsche zu Opfern zu deklarieren und sie mit Migranten zu vergleichen oder gleich in ihnen Einwanderer zu sehen. Bereits am 3. Oktober 2015 schrieb die ZEIT-Autorin Özlem Topcu über Hensels „Zonis“:„Dabei wart Ihr ja eigentlich auch Einwanderer. Hatten wir nicht beide oft das Gefühl, dass uns die Wessis wie Bürger zweiter Klasse behandeln, von oben herab?“ Im Grunde versuchne Foroutan und das DeZIM methodisch mangelhaft nur das zu belegen, was die ZEIT schon 2015 formulierte und die FAZ 2017 wiederholte. Topcu benannte auch präzise den Punkt ihres Beleidigtseins, aus dem heraus ihre Einschätzung kam: „Nur leider habt Ihr uns vergessen bei Eurer schönen Einheit. Ihr habt uns nicht gemeint und uns wieder zu Ausländern gemacht. Dabei waren wir schon längst Wessis. Länger als Ihr.“ Diesen Gedanken muss man nicht teilen, man kann zumindest sein Motiv verstehen.

Gewollt falsches Bild einer „ostdeutschen Einwanderung“ 

Allerdings ist das Bild der „ostdeutschen Einwanderung“ falsch, denn es existiert in der gesamten Menschheitsgeschichte kein Beispiel, in dem Einwanderer ihr Land mitbrachten. Einwanderung bedeutet schlicht, dass Migranten ihr Land verlassen und aus unterschiedlichen Gründen in ein anderes Land einreisen, um dort zu leben. Diese banale Erinnerung ist notwendig, weil man offensichtlich in der ZEIT und in der FAZ selbst simple historische Zusammenhänge nicht mehr kennt und im DeZIM anscheinend auch nicht, sonst würde man dort nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Die ostdeutschen „Einwanderer“ blieben zu einem hohen Prozentsatz sogar in ihren Städten und Dörfern. Wo hat da bitte eine Einwanderung, eine Migration stattgefunden? Im Gegenteil, sie stellten ein neues Absatzgebiet zur Verfügung und belebten die damals kriselnde westdeutsche Wirtschaft, sie öffneten ihr Land sogar für Politiker, die noch einmal Ministerpräsidenten werden konnten, für Wissenschaftler, denen der Sprung auf eine Professur, mit der sie nicht mehr gerechnet hatten, doch noch glückte, für Juristen, die in hohe Positionen gelangten.

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Einige Ostdeutsche gingen der Arbeit, der Liebe, der Neugier oder der Hoffnung wegen in den Westen, doch genaugenommen war das so, als ob jemand aus dem Elsass nach Bordeaux, oder aus Bari nach Neapel, oder besser aus Bari nach Mailand zog. Von den wenigen Ostdeutschen, die sich wie Hensel als Zonis empfanden, wurden Assimilationsleistungen ins rotgrüne Milieu verlangt, die Jana Hensel mustergültig absolvierte. Die Voraussetzung für die deutsche Einheit jedoch, was Leute wie Hensel und Foroutan zu vergessen scheinen, bestand darin, dass die Ostdeutschen durch Zivilcourage ein diktatorisches Regime stürzten, dass sie in ihrer Mehrheit nicht dem ungeliebten Staat die Schulter zeigten, sondern sich auf den Plätzen versammelten, ohne zu wissen, ob sie am Abend noch in ihre Wohnungen zurückkehren oder in den Gefängnissen der Geheimpolizei verschwinden würden.

Das Wunder des Herbstes 1989, als sich die Völker Osteuropas, die oft vom Westen verraten wurden, schließlich aus eigener Kraft und eigenem Mut selbst befreiten, wird erst verständlich, erinnert man sich an die Opfer, an die blutige Unterdrückung des Widerstandes 1953 in Ostdeutschland, 1956 in Ungarn, 1968 in Prag, an den langen Weg, den die mutigen Polen gingen. Aber aus dieser Erfahrung der Diktatur, aus dem Selbstbewusstsein, die Freiheit und die Demokratie erkämpft zu haben, kommt die kritische, zutiefst demokratische Haltung der Ostdeutschen, die es wagen, ihre Meinung zu sagen, die sich nichts von den „Interpretationseliten“ vorschreiben lassen.

Aus stolzen Bürgern Opfer machen

Und genau an diesem Punkt setzt Foroutans Herabsetzung an. Aus Bürgern, die zu recht darauf stolz sind und sein können, eine friedliche Revolution gemacht zu haben – mit allen persönlichen Risiken – gegen eine bis an die Zähne bewaffnete Staatsgewalt, die zudem über einen mächtigen Repressionsapparat wie das Ministerium für Staatssicherheit verfügte, aus diesen stolzen Bürgern müssen Opfer gemacht werden, die man durch Mitleid demütigt, um ihnen so die politische Kompetenz abzusprechen.

Hintergrund von Foroutans „Studie“ ist der Versuch, die grundsätzlichen Veränderungen in der Welt, in Europa und in Deutschland zu verdrängen und sich eine neue Gesellschaft aus dem Geist der Utopie zu erschaffen. Dabei stören Ostdeutsche. Sie sind übrigens das letzte Hindernis der Grünen auf ihrem Weg an die Macht.

Die Berichterstattung beispielsweise über die USA findet mehrheitlich als Attacken der deutschen Medien, die noch nicht realisiert haben, dass der Wahlkampf vorbei und die Wahlen gelaufen sind, auf Donald Trump statt. Wer das für übertrieben hält, blättere oder klicke mal die Vielzahl von Artikeln in ZEIT, SPIEGEL, WELT, FAZ usw. durch, die seit Jahr und Tag den baldigen Sturz Trumps ankündigen. Zuweilen hat man das Gefühl, dass am jeweiligen Artikel nur das Datum verändert wurde. Die Hoffnungen deutscher Journalisten zerschellen jedoch immer wieder an der disparaten Realität, die sie beleidigt dann auch weitegehend mit Nichtbeachtung bestrafen. Schlimm nur, dass Ostdeutsche ein feines Sensorium für grundsätzliche Veränderungen besitzen, ganz einfach aus dem Grund, weil sie die schon einmal erlebt haben.

Die Erfahrungen der Ostdeutschen stören

Unerwünschte Entwicklungen in Europa werden entweder verschwiegen oder es wird stattdessen von den Feinden Europas, wobei stillschweigend die EU mit Europa gleichgesetzt wird, schwadroniert, die Schuld daran seien, dass sich die naiven Vorstellungen des deutschen juste milieus hinsichtlich der europäischen Einigung so nicht durchsetzen lassen. Auch hier stören die Erfahrungen der Ostdeutschen, die eine historisch gewachsene Verbundenheit mit den Osteuropäern, die wie sie über vierzig Jahre von Moskau beherrscht worden waren, besitzen.

Und was Deutschland betrifft werden zur Sicherung der eigenen Macht und Einkünfte fragwürdige Institute beauftragt, noch fragwürdigere „Studien“ zu verfassen, um durch das argumentum ad hominem kritische Meinungen und realistische Analysen von vornherein zu desavouieren. Naika Foroutans „Studie“ stellt nichts anderes dar als dieses argumentum ad hominem, indem behauptet wird, dass die Ostdeutschen aus „Abwertungserfahrungen“ heraus reagieren. Die Erfahrung der friedlichen Revolution als „Abwertungserfahrung“? Oder reichen die Geschichtskenntnisse der Professorin nur bis in das Jahr 2015 zurück? Wie wäre es mit der Diskussion der Erfahrung, dass grundsätzliche Veränderungen möglich sind – auch wenn es einem endlich zur Herrschaft gelangten juste milieu nicht passt?

Es lohnt jedoch, noch etwas tiefer zu schauen, denn die „Studie“ offenbart zwar nichts über den Gegenstand, umso mehr jedoch über ihre Autoren und über die Ideologisierung des Akademischen. Die Erfindung immer neuer Opfergruppen hat mit soziologischer Analyse nichts gemein, auch wenn deren Agitatoren mit entleerten oder nur wissenschaftlich klingenden Begriffen operieren. Im Gegenzug werden vermeintliche Täter an den Pranger gestellt. Ob diese Tätergruppen, die zuweilen durch Alter, Geschlecht und Hautfarbe definiert werden, nicht im Grunde belegen, dass ein vorgeblicher Antirassismus bereits in einen neuen Rassismus kippt, wäre zu untersuchen, wie man es beispielsweise am Feindbild des „alten weißen Mannes“ – also alt, weiß und männlich – beobachten kann.

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Sarah Pines hat jüngst in der NZZ präzise beschrieben, wie Diversity an US-Universitäten dazu führt, dass aus Antirassismus Rassismus wird. Die philosophische Strömung, die das Fundament des neuen Obskurantismus bildet, ist der Dekonstruktivismus. Die Dekonstruktion, die in den Sozialwissenschaften Einzug gehalten hat, zerstört die Gesellschaft mit der Folge eines bellum omnium contra omnes, wie es seinerzeit Thomas Hobbes ausgedrückt hatte, eines Krieges aller gegen alle. Das Resultat der neuen deutschen Weltbeglückung wird sich zutiefst asozial darin verwirklichen, dass – um noch etwas bei Thomas Hobbes zu verweilen – der Mensch des Menschen Wolf wird. Der Multikulturalismus kippt bereits jetzt schon in den Multitribalismus. Wachsende Clankriminalität ist nur ein Phänomen der Auflösung des Rechtsstaates.

Da die politischen Ideen des herrschenden Establishments mit der Realität kollidieren, muss man an die Stelle der Erkenntnis Pädagogik, an die Stelle der gesellschaftlichen Analyse Apologetik und Panegyrik setzen und jeden Widerspruch als unmoralisch und den Widersprechenden als Verbrecher darstellen, dessen Vergehen so schlimm ist, dass man sich nicht mit seinen Argumenten auseinanderzusetzen braucht, jedes Mittel zur Herabsetzung und zur Diffamierung hingegen erlaubt ist, denn schon die Frechheit, die Alternativlosigkeit nicht als neues Glaubensbekenntnis anzuerkennen, gehört geahndet und sanktioniert.

„Expertenlüge“

Der Soziologe Wolfgang Streeck spricht von der „Expertenlüge“, die aufgeboten wird, um der „Göttin TINA (there is no alternative)“ zu dienen. Man könnte den Autor auch so verstehen, dass die Expertenlüge doppelt existiert, dass erstens die Experten keine Experten und zweitens, dass ihre Studien ideologische Wunschpapers ohne Expertise sind, Träume eines traumvernarrten juste milieus, dessen einziger Blick in die Welt in die Linse des Smartphones fällt, um ein Selfie von sich selbst bei der Errettung der Welt zu machen. Wozu muss man auch in die Welt blicken, wenn man selbst die Welt ist? Nach diesem Prinzip werden auch die ideologisch motivierten „Studien“ erstellt, die den Träumen eine Realität suggerieren sollen, die diese nicht besitzen.

In den „Studien“ wird genau das scheinwissenschaftlich belegt, was der Veränderung Deutschlands dient. Ein Professorentitel und ein Institut bieten keinerlei Gewähr dafür, dass Arbeitsergebnisse wissenschaftlichen Standards genügen, schon gar nicht, wenn es sich darum handelt, den Umbau der Gesellschaft nach den ideologischen Vorgaben einer neuen Oligarchie zu befördern. Dafür darf man schon mal Regeln brechen, wie Karin Göring-Eckhart kürzlich der Grünen Jugend zurief.
Eine dieser Einrichtungen, die dafür arbeiten, ist das Deutsche Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) e.V., das am 31. Juli 2017 gegründet wurde. Gefördert wird das DeZIM, wie könnte es auch anders sein, durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), das auch die Amadeu Antonio Stiftung so überreichlich unterstützt.

In dem von Giffeys Ministerium unterstützten DeZIM-Institut erschien nun eine „Studie“ in dem Projekt „Postmigrantische Gesellschaften“ unter dem Titel „Ostmigrantische Analogien I. Konkurrenz um Anerkennung“, in dem die Projektbetreiber die Ostdeutschen mit den Muslimen gleichsetzen, um aufzuzeigen, dass beide Gruppen gleichermaßen „Abwertungserfahrungen“ machen – und zwar durch die Westdeutschen.

Bedeutungsfälschung „postmigrantische Gesellschaft“

Im Wortsinne kann eine „postmigrantische Gesellschaft“ eigentlich nur eine Gesellschaft sein, in die es keine Migration und in der es keine Migranten gibt, also ein vollkommen abgeschotteter Staat, der niemanden herein lässt. Sinnwidrig wird unter einer postmigrantischen Gesellschaft jedoch ein Gebilde verstanden, das „wesentlich durch die Erfahrung der Migration geprägt ist. Der Begriff des Postmigrantischen verweist auf die politischen, kulturellen und sozialen gesellschaftlichen Veränderungen, die aus dem demografischen Wandel durch Einwanderung hervorgehen. Aus postmigrantischer Perspektive wird die Migration als ein Prozess aufgefasst, der wesentlich zur Gestaltung der Gesellschaft beiträgt.“ (Wikipedia). Daraus ergibt sich die ideologische Zielrichtung des DeZIMs und folgerichtig die Absicht der jüngsten „Studie“. Die historisch gewachsene Gesellschaft wird negiert, ihre geschichtlichen Erfahrungen und Traditionen werden verpönt, einseitig und verkürzt als historische Schuld gesehen. Denn es interessiert nur noch die Erfahrung, die durch Migration geprägt ist. Die Amerikaner würden das wag the dog nennen.

Wenn Yascha Mounk in der Tagesschau freimütig bekannte, „dass wir hier ein historisch einzigartiges Experiment wagen, und zwar eine monoethnische, mono-kulturelle Demokratie in eine multiethnische zu verwandeln. Das kann klappen. Es wird, glaub ich, auch klappen. Aber dabei kommt es natürlich auch zu vielen Verwerfungen“, findet das seine praktische Fortsetzung in dem Ziel, das unter allen Umständen und – steht zu befürchten – mit allen Mitteln umzusetzen ist, eine neue Gesellschaft zu kreieren, die aus der Migration hervorgeht. Es klingt im Grunde nach einer Verschwörungstheorie, wenn eine soziale Veränderung der Gesellschaft bewusst durch die demographischen Folgen der Einwanderung erfolgen soll, der man dann auch ein Gewünscht-sein unterstellen darf. Es versteht sich nach dieser Definition, dass Foroutan und Co. die Vorstellung der Integration längst aufgegeben haben, oder anders, dass sich die Mehrheitsgesellschaft in diese neue migrantische Gesellschaft einzuordnen hat.

Eine Gesellschaft aber, die „wesentlich“ aus der Erfahrung der Migration geschaffen wird, negiert und entwertet die Erfahrungen der Nicht-Migranten, der Mehrheit als „unwesentlich“, erkennt diese Erfahrungen nicht mehr für das Wesen der neuen Gesellschaft als wichtig an. Postmigrantische Gesellschaften wären dann in der Konsequenz abwertende, diskriminierende Gesellschaften. Im Klartext heißt das, unsere Werte, Traditionen und Bräuche, unsere Kultur und unsere Geschichte sind nicht mehr wesentlich, verzichtbar, abzuschaffen, mehr noch, „soziale, kulturelle, strukturelle und emotionale Aushandlungsprozesse über Rechte, Zugehörigkeit und Teilhabe von Migranten und Nicht-Migranten sowie daraus resultierende Gesetze und Gesetzesänderungen“ hätten stattzufinden. Der Umbau unseres Rechtssystem wird angestrebt – und er erfolgt ja auch schon.

Die Absicht ist eindeutig, an die Stelle von Recht und Gesetz sollen „Aushandlungsprozesse“ treten, die im Ergebnis zu den neuen Gesetzen der „postmigrantischen Gesellschaft“ führen werden, die gehörige Anleihen aus der Scharia enthalten dürfte, denn es handelt sich ja um „Aushandlungsprozesse“. Was hinter all der Sozialalchemie stalinistischen Ausmaßes steckt, ist die Abschaffung Deutschlands, ist die Aufkündigung des nationalen und gesellschaftlichen Konsens, die Abschaffung der aus der Aufklärung hervorgegangen Standards, der allgemeinen Menschenrechte, der Presse- und Meinungsfreiheit, des säkularen und in Religionsangelegenheiten neutralen Staates, der Gleichberechtigung der Frau, des Diskriminierungsverbots.

Unglaubwürdige Pläne
CDU/SPD: Wie der Osten neu entdeckt und zerstört wird
Praktische Beispiele lassen sich in mehr als genügender Zahl aufzählen, das beginnt beim Kirchenasyl, das den Rechtsstaat in Frage stellt, zeigt sich sehr deutlich in der Kopftuchdebatte, in wachsendem Antisemitismus, der vor allem als muslimischer Antisemitismus in Erscheinung tritt, in der Kapitulation des Rechtsstaates in der Frage der Kriminalität und der bereits verfügten positiven Diskriminierung, die auch Diskriminierung ist. Weil aber die Realität einer postmigrantischen Gesellschaft den Deutschen nicht zu vermitteln ist, werden die Resultate der willkürlichen Einwanderung in die deutschen Sozialsysteme bis hin zur Wohnungsnot und der Explosion der Sozialausgaben verharmlost, verschwiegen oder verzerrt und Kritiker ehrabschneidend attackiert.

Sieht man sich die rotgrünen Propagandabücher an, die in großer Zahl von den Publikumsverlagen publiziert werden, ohne dass dieselben Verlage aus Gründen der Ausgewogenheit andere Sichten herausbringen, nimmt man das Programm der Öffentlich-Rechtlichen dazu, erkennt man leicht, dass eine breite gesellschaftliche Debatte darüber, wohin sich Deutschland entwickelt, verhindert wird. Den Bürgern wird empfohlen, jedes kritische Nachdenken einzustellen, wenn sie nicht unter AfD-Verdacht geraten wollen, und stattdessen den „Interpretationseliten“ zu vertrauen, zu denen Naika Foroutan gehört.

Das Strickmuster ist immer das gleiche. Die Philosophin des Genderismus, Judith Butler, hat von der Geschlechterverwirrung gesprochen. Weil aus ihrer Sicht die „Zwangsheterosexualisierung der Gesellschaft“ nicht einfach durchbrochen werden kann, um die (Zwangs?)-Homosexualisierung zu setzen, müssen die Geschlechtsidentitäten durch die Erfindung vieler sexueller Identitäten verwirrt, wenn man so will, aufgelöst werden. Ziel ist es, eine Unsicherheit zu erzeugen, die eine tiefgreifende Veränderung der Gesellschaft ermöglicht. Das Vorhaben, die deutsche Sprache zu gendern, ist keine Frage der Grammatik, sondern der Macht.

Im gleichen Stil versucht man die deutsche Gesellschaft in eine postmigrantische umzuwandeln, indem man viele Opfergruppen kreiert, die man anschließend in eine Opferkonkurrenz setzt, um eine Identitätsverwirrung zu schaffen. Am Ende existieren so viele Opfergruppen wie Geschlechter, wobei einige Geschlechtergruppen auch Opfergruppen sind. Interessant hierbei ist, dass denjenigen, die man zu Opfern erklärt, letztlich die Staatsbürgerlichkeit abgesprochen wird, indem man den politische Souverän – den Bürger – nur noch Objekt der Staatsfürsorge begreift.

Jedem – auch ohne Professorentitel – ist einsichtig, dass man Äpfel nicht mit Birnen vergleichen kann. Man kann Christen mit Muslimen, Muslime mit Buddhisten als Anhänger von Religionen, man kann Ostdeutsche und Westdeutsche, Norditaliener mit Süditaliener vergleichen, aber man kann es methodisch ganz und gar nicht mit den Angehörigen einer religiösen Gruppe und einer lokaldefinierten Gruppe in einer Nation unternehmen, wenn man nicht die Welt auf der Grundlage des Telefonbuches oder einer neuen Migrationsideologie zu erklären gedenkt. Zumal, was den zweiten schwerwiegenden methodischen Mangel zeigt, wenn unbewiesene Behauptungen in einer Art Zirkelschluss zu Resultaten der „Studie“ werden. Naika Foroutan und ihr von uns allen alimentiertes Team setzen voraus, dass die Ostdeutschen und die Muslime von den Westdeutschen gleichermaßen diskriminiert werden, sie die gleichen Abwertungserfahrungen machen und es bei ihnen schließlich auch zu ähnlichen Phänomen der Selbstabwertung kommt.

Konstruierte „Abwertungserfahrungen“

Natürlich haben die Ostdeutschen die Veränderung einer Gesellschaft wie übrigens alle Osteuropäer erlebt. In diesem Zusammenhang wäre ein Vergleich der „Abwertungserfahrungen“, die schon objektiv daraus entstehen müssen, weil die Werte des alten Systems nicht mehr gelten, der Ostdeutschen, Polen, Tschechen und Ungarn, viel naheliegender und methodisch richtig, als der versuchte Vergleich zwischen Ostdeutschen und Muslimen. Eine solche Untersuchung würde die Erfahrungen der Transformation einer spätsozialistischen Gesellschaft in eine postmoderne kapitalistische aufzeigen, um die es sich doch eigentlich handelt.

Aus ideologischem Interesse blickt Foroutan an dem Elefanten im Raum angestrengt vorbei. Worin ihr ideologisches Interesse besteht, belegt die Studie zweifelsfrei, nämlich in der Dekonstruktion, der Auflösung der Nation, denn die Muslime werden nicht als deutsche Bürger muslimischen Glaubens gesehen, sondern gehören einer abstrakten Opfergruppe an, die nur existiert, weil bereits vorausgesetzt wird, dass sie Aufgrund einer Islamfeindschaft, die konstruiert wird, diskriminiert werden.

Wie absurd und für den gesellschaftlichen Zusammenhalt schädlich das Treiben von Foroutan ist, zeigt eine Petitesse. Auf Hensels Ankündigung ihres zwar geistesarmen, dafür umso längeren Interviews mit Naika Foroutan, twitterte Ralf Fücks: „Ground breaking, in der Tat. Der kollektive Identitätswahn und die Opferkonkurrenz treiben immer tollere Blüten. Auch schön: die Wiedervereinigung als teuerste “Kolonialisierung” der Weltgeschichte. Immerhin darf man jetzt wieder fragen „Wo kommst Du her – Ost oder West?“

Hensel, die ja auch schon mal zu Füßen Angela Merkels saß und von der von ihr vergötterten Kanzlerin in peinlicher Servilität wissen wollte: „Sind Sie im Amt zur Frau geworden?“, antwortete ungeübt im Umgang mit Kritik auf den Tweet des Grünen: „Sounds like Tichy“, worauf Fücks erwiderte: „Im Denunzieren sind Sie ziemlich gut. Sounds like Stasi.“ Belege für die Auswirkungen eines Weltbildes, das nur dadurch überlebt, dass es sich immer höher, immer weiter weg von der Wirklichkeit schraubt und jede Erinnerung an die Realität unter Verdacht stellt.

Deutsche Dekadenz, vorletztes Kapitel.


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Kommentare ( 57 )

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Als ich 1989/90 ein paar Monate im Westen gearbeitet habe ist mir aufgefallen, daß die Leute, die die Kriegs- und Nachkriegszeit erlebt hatten, ganz anders auf mich reagierten, als die Jüngeren. Zeitliche Grenze war ungefähr das Geburtsjahr 1945.
Die älteren verstanden, wenn ich zum Frühstück mein mitgebrachtes Brot und die Knackwurst rausholte, wenn ich mittags den von meiner Frendin gebackenen Kuchen aß. Das waren auch mal Nachkriegskinder gewesen. Viele Jüngere wollten einen ständig agitieren. Studenten (männlich) lackierten sich die Fingernägel. War völkerkundlich interessant, mein Ausflug nach Hessen.

Foroutan klingt iranisch. Iraner zeigen in der Regel bessere schulische Leistungen und sind besser in den Arbeitsmarkt integriert als andere Mohammedaner. In den den USA gelten sie sehr assimilationsfähig. Ihr Problem in Deutschland liegt nicht im Sozialen, sondern in der Wut über fehlende Anerkennung. Dies betrifft insbesondere die Mittel- und Oberschicht, die vor Chomeini rechtzeitig fliehen konnte. Während die USA eine Schale sind, die mit fremden Kulturen gefüllt werden konnte, treffen sie in Deutschland auf eine über 1000 Jahre alte Kultur, die zu zivilisatorischen Leistungen fähig war. Foroutan hat in der Vergangenheit änlichen Stuss über die deutsche Kultur von sich… Mehr
Glaubenslinke haben zur „empirischen Sozialforschung“ ein gespaltenes Verhältnis: wenn es ihre Theoreme bestätigt, wird sie akzeptiert, wenn es die Ansichten falsifiziert, wird sie abgelehnt. Ein Verfahren, dass bis in den „Positivismusstreit“ in der deutschen Soziologie der 60er Jahre zurückverfolgt werden kann, in dem Habermas die einschlägigen Schlagworte geliefert. Der von Herrn Mai geschilderte Dilettantismus erstaunt mich ob seiner Plumpheit nun doch – die ältere Linke war halt kognitiv doch besser aufgestellt. Was die ZEIT betrifft, so darf man nicht vergessen, dass dieses Blatt noch in den End-80er Jahren das hohe Lied einer im Kern gesunden DDR gesungen hat. Ich bin… Mehr
Ich (Wessi) hatte damals schon den Eindruck, dass es weniger eine Wiedervereinigung war, als eine „feindliche Übernahme“ (Banker-Jargon). Dies wurde später auch durch einen Fernsehbeitrag „Beutezug Ost“ hervorragend dokumentiert (ja, der ÖR hatte auch al mgute Zeiten!). Bei meinem ersten Besuch bei Verwandten meiner Frau in Thüringen, habe ich ihren Onkel schon gewarnt, dass man den Osten über den Tisch ziehen würde. Im Kleinen hat er dies am eigenen Leib erfahren, als er (Wasserbau-Ingenieur) einen Job bei einem namhaften Baukonzern in Frankfurt bekam, die Woche über dort arbeitete und nach ‚billigem‘ Ost-Tarif bezahlt wurde … und war damit gegenüber anderen… Mehr
Zwei Einwände: „Ostdeutsche“ – mag man drüber streiten, inwieweit z. B. Rostock „Osten“ ist, für mich ist das „Norden“. Thüringen – mitteldeutscher geht’s kaum. Da muss man gar nicht die Ostgebiete bemühen, um den Begriff „Ostdeutsche“ für „Neufünfland“ endlich mal zu begraben. Wirklich sauer stößt mir aber der Begriff „Muslime“ auf. Das sind Moslems. „Muslim“ ist „denglischer“ Ausdruck der Unterwerfung, das grassiert, überall, ich bekomme allmählich die Krätze wenn ich das dauernd les oder hör, vor paar Jahren noch hat kein Mensch so geredet, man sagte Moslem oder Mohammedaner (was noch weit zutreffender ist, Anhänger jener Richtung folgen ja dem… Mehr
In der Einleitung der Koran Übersetzung von Max Henning, die Ernst Werner und Kurt Rudolph verfassten, wird nicht von „Moslems“, sondern von Muslimen gesprochen. Sie erschien 1980 in Leipzig. Ebenfalls in der Recalm Ausgabe zu Al-Biruni usw. Ich könnte die Liste beliebig erweitern, es ist genau andersherum: Moslem ist denglish. In der Literatur, die in der DDR zu diesem Thema erschienen ist, wird von Muslimen gesprochen. Und die DDR existiert seit ein paar Jahren schon nicht mehr. Natürlich kann ich von Mitteldeutschen sprechen, hab ich auch in dem NZZ Essay „Alles beginnt mit Herkunft“ getan, wofür mir Revanchismus vorgeworfen wurde… Mehr
Lieber Andreas, Ihre Einwände sind völlig berechtigt, auch wenn sie für viele unverständlich sind, weil klar abgegrenzte Begriffe heute nicht mehr üblich und erst recht nicht gefragt sind. Europa ist EU, gleichsetzen ist vergleichen, Mitte ist Osten, uralte deutsche Länder sind Neue (Bundes)länder, Klimawandel ist menschengemachte Klimakatastrophe, Diesel ist gut und dann böse, Schulpflicht wird zur Schwänzpflicht, weisse alte Männer sind böse, junge dunklere Männer sind einfach nur Männer, Bäume fällen ist böse (Hambach) und gut (Hessen, Märchenwald), beginnen ist starten, gleichzeitig ist zeitgleich, bald ist zeitnah, zwei mal so teuer ist zwei mal teurer (was ist dann einmal teurer?),… Mehr

Ich fürchte mit Ihrer Theorie dies sei ein „denglischer“ Ausdruck liegen Sie falsch. „Muslim“ ist das arabische Wort (مسلم). Plural Muslimuun (langes U). Weiblich Muslima, plural Muslimaat (langes A). Soviel Unterwerfung muss sein 🙂

Grins, danke für Ihren Hinweis! Ich hielt das immer für „denglisch“, aber so ist das ja noch „besser“ 😉

Der Osten Deutschlands hat das Unheilvolle, die systematische Unterdrückung und Entrechtung hautnah erlebt. Seine Sensibilität für Recht und Gerechtigkeit, für die Unterscheidung Diktatur und Demokratie ist im Unterschied zum Westen um ein Vielfaches ausgeprägter. Er reagiert empfindlich auf jedwede Bevormundung und Autoritarismus. Die Erinnerung an das System-DDR, das so vielen die Existenz und das Leben kostete ist noch authentisch in unzähligen Biographien vorhanden. Der Westen hatte diese tiefgreifenden Lebenserfahrungen zu seinem Glück nicht machen müssen. Er ist dadurch zur politischen Denkfaulheit erzogen worden. Meine Hoffnung liegt beim Osten. Ich setze auf ihn. Die Boheme im Westen wird noch ein paar… Mehr

„Der Osten“ wird gerne von denen verallgemeinert, die ’89 eigentlich aus allen Ämtern hätten gejagt werden müssen.

nicht nur das, wir hätten so was ähnliches wie eine Entnazifizierung machen müssen

“Aushandlungsprozesse“ ist ein gleichermaßen brillianter wie zynischer Euphemismus.

Aushandlungsprozesse erreichen im Zusammenhang mit der Bildung einer ‚postmigrantischen Gesellschaft‘ gerne den Charakter von Bazar-Prozessen: Da zieht einer den anderen über den Tisch.

Wieder ein wunderbarer Beitrag, der den Irrsinn der herrschenden „Eliten“ sehr schön aufzeigt. Meine Vermutung zu den Intentionen der Studie Frau Foroutans ist kurz und knapp: Hier bricht sich blinder Hass auf die Ostdeutschen Bahn, weil sie nicht den Verheißungen der Weltbeglückung durch Massenmigration folgen wollen. Indem man die dem Islam kritisch gegenüberstehenden Ostdeutschen mit Moslems gleichsetzt, sie sozusagen mit ihnen in einen Topf wirft, will man sie provozieren und beleidigen. Denn natürlich sind die ins Land gekommenen Moslems in der überwiegenden Mehrzahl ungebildet, rückständig und auch der Demokratie nicht unbedingt zugeneigt. Mit der Gleichsetzung unterstellt man nun eben diese… Mehr

…….sehe ich a u c h so!

Vielen Dank, Herr Mai, für diese umfassende Betrachtung. Diese Passage aus Ihrem Text möchte ich besonders hervorheben: … Allerdings ist das Bild der „ostdeutschen Einwanderung“ falsch, denn es existiert in der gesamten Menschheitsgeschichte kein Beispiel, in dem Einwanderer ihr Land mitbrachten. Einwanderung bedeutet schlicht, dass Migranten ihr Land verlassen und aus unterschiedlichen Gründen in ein anderes Land einreisen, um dort zu leben. […] Die ostdeutschen „Einwanderer“ blieben zu einem hohen Prozentsatz sogar in ihren Städten und Dörfern. Wo hat da bitte eine Einwanderung, eine Migration stattgefunden? … Ähnlich ist die Argumentation, wenn die (deutschen) Kriegsflüchtlinge mit den neuen „Flüchtlingen“ gleichgesetzt… Mehr

Ich möchte hierzu noch anmerken, dass die meisten Deutschen nachdem 2. Weltkrieg keine Flüchtlinge, sondern Vertriebene waren.
Somit hinkt der Vergleich überhaupt