Weiter sinkendes Vertrauen in die Sicherheit

Es sind nicht die auferlegten Regeln und Gesetze, welche die Gesellschaft im Inneren zusammenhalten, sondern es kommt auf die Bereitschaft an, diese Regeln und Gesetze einzuhalten.

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Neulich war ich das erste Mal auf einem Schießstand. Das ist für viele etwas Unerhörtes. Das darf man nicht. Gewalt ist das Monopol des Staates. Wer schießt, wählt auch Trump. Auch Sport mit Waffen oder die guten alten Schützenvereine stehen unter Beobachtung. Dabei sind die Menschen dort so normal wie du und ich. Nette Leute, die ihr Hobby mit großem Respekt vor der Waffe ausüben. Nie hätte ich gedacht, dass ich mich einmal für das Schießen interessieren würde. Nach der Silvesternacht in Köln holte ich mir zunächst ein Pfefferspray und einen Taschenalarm. Beides in Pink. Der kleine Waffenschein folgte Mitte des Jahres. Und nun, ja nun gehe ich eben schießen. Nicht, weil es mir im Falle eines Übergriffes wirklich etwas nutzen würde, wo man in Deutschland ohne großen Waffenschein, den man nicht bekommt, ohnehin keine Waffe bei sich tragen darf, sondern für mich. Für mein Gefühl der Sicherheit und der eigenen Wehrhaftigkeit. Es geht um ein Gefühl, nicht um eine Waffe. Ein Bedürfnis, welches erst seit diesem Jahr derart ausgeprägt ist. Was ich vorher in der Art und Weise überhaupt nicht hatte und welches kontinuierlich mit jedem weiteren Tag der Tatenlosigkeit der Regierenden wächst. Das Gewaltmonopol des Staates soll seine Bürger schützen. Geschieht das noch?

Ich habe mein Vertrauen verloren. In die Sicherheit des Staates, in dem ich lebe. In die Politiker, von denen wir regiert werden. In unser Recht, das keine Antwort auf Vergehen von Zuwanderern weiß. In die großen Medien, die nicht lügen, aber auslassen und beschönigen. Und in meine Mitmenschen selbst und vor allem die deutschen Männer, von denen ich mir keine Zivilcourage im Falle eines Falles erhoffe. Weil viele von ihnen ihren Mut und ihre Männlichkeit, ihr Bedürfnis nach Verteidigung gar nicht mehr besitzen. Weil ich ihnen nicht einmal einen Vorwurf daraus machen kann, weil sie sich selbst in große Gefahr begeben würden.

Allensbach-Studie: Vertrauen sinkt weiter

Das Problem daran ist, dass es nicht nur mir so geht, auch wenn nicht jeder gleich zur Selbstverteidigung mittels Waffen greift. Und dennoch hat Merkels Asylpolitik binnen eines Jahres zu einer nie dagewesenen Erosion des Vertrauens eines großen Teiles der deutschen Bevölkerung geführt. Bereits Anfang des Jahres fürchteten 72% der Deutschen, dass es auch hierzulande zu Anschlägen kommen würde. Die Einschätzung der Gefahr durch islamistische Gruppierungen als groß wuchs sukzessive von 55% am Ende des letzten Jahrzehnts, auf 63% im Jahr 2014 und aktuell auf 77%. Ganze 70% kalkulieren heute die Möglichkeit ein, Opfer eines Terroranschlags zu werden.

Aber auch das generelle Gefühl von Sicherheit hat innerhalb der Bevölkerung deutlich abgenommen. Ermittelte eine Studie des Allensbach-Instituts im Auftrag der FAZ. Waren es 2011 gerade einmal 29% der Bürger, die fürchteten, Opfer eines Verbrechens werden zu können, sind es aktuell schon 63%. Vor allem das Bedrohungsgefühl der Frauen – und hierin zeigen sich bereits die Konsequenzen der zahlreichen sexuellen Übergriffe in diesem Jahr – ist stark angestiegen. Sind es bei den Männern 41%, die sich vor Verbrechen weitgehend sicher fühlen, sind es unter den Frauen nur klägliche 26%. Bedeutet: Ganze 74% von uns fühlen sich hierzulande nicht vor Verbrechen geschützt. Eine Schande.

Probleme verwalten statt lösen
Mogelpackung Sicherheits-Paket
Zum schwindenden Vertrauen in Bezug auf die eigene Sicherheit und die Möglichkeit des Staates, diese zu gewährleisten, mischt sich erneut angeheizt durch die Migrationskrise, ein zunehmendes Misstrauen gegenüber den hiesigen Medien, welches in Teilen schon zu fast abstrusen Verschwörungstheorien führt. Für manch einen gilt jetzt schon jede noch so absurde Erklärung für wahrscheinlicher als das, was von medialer Seite an Berichterstattung aufgefahren wird. Längst verlieren die großen Leitmedien einen immer größer werdenden Teil der Bevölkerung, von denen am Ende manche nur noch sich selbst oder irgendwelchen – oft zweifelhaften – Internetseiten Glauben schenken. Der Teil der Bevölkerung, den man schlicht nicht mehr erreicht, wächst dadurch ebenso sukzessive wie das Bedrohungsgefühl vieler Menschen.

Als wäre all das nicht besorgniserregend genug, mischt sich zum Vertrauensverlust gegenüber dem staatlichen Gewaltmonopol und dem Vertrauensverlust gegenüber den großen Leitmedien noch eine dritte Form des Vertrauensverlusts: Und zwar der innergesellschaftliche durch die multikulturelle Gesellschaft.

Es entbehrt in diesem Zusammenhang nicht einer gewissen Ironie, dass es letztlich doch nicht allein dem bösen Raubtierkapitalismus geschuldet ist, dass es zu einem Vertrauensverlust zwischen einzelnen Bürgern und damit zu einer zunehmenden Vereinzelung, Individualisierung und Verlust des gesellschaftlichen Gemeinsinns kommt, sondern dem von links aufoktroyierten Multi-Kulti-Dogma. Dass sich wieder einmal zeigt, dass der Versuch der Linken, den Menschen und die Gesellschaft zu formen, statt ihn zu nehmen, wie er ist und daraus das Bestmögliche zu machen, schlicht immer und immer wieder zum Scheitern verurteilt ist. Dass es ferner auch noch ein eher links einzuordnender Wissenschaftler war, der zu dieser Erkenntnis kam.

Es war der US-amerikanische Harvard-Wissenschaftler Robert Putnam, der erstmals die Auswirkungen der Einwanderung auf verschiedene Gruppen innerhalb der Gesellschaft aufzeigte. Putnam stellte hierbei fest, dass je größer der Einwandereranteil in einer Gemeinde, desto geringer das Vertrauen zwischen Einheimischen und Einwanderern. Soll heißen: Die Nähe zueinander und eine größere Anzahl von Einwanderern führen nicht zu einem größeren gegenseitigen Verständnis, wie vor allem von Linken und Grünen immer wieder behauptet, sondern zu mehr Misstrauen. Angesichts der unterschiedlichen Lebenswelten insbesondere von muslimischen Einwandern und Deutschen nicht weiter verwunderlich.

Kein Vertrauen zwischen Einheimischen und Einwanderern und untereinander

Das Bemerkenswerte an Putnams Studie ist vielmehr, dass nicht nur das Vertrauen zwischen den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen abnimmt, sondern auch innerhalb der Gruppen selbst. Etwas, was sich in der Flüchtlingskrise und schon davor in der Debatte um den Islam nicht zuletzt auch und vor allem an der Unsicherheit in Bezug auf das Aussprechen von Kritik äußert. Denn Weniges wirkt in der öffentlichen politischen Debatte so abschreckend, wie die Bezeichnung als Nazi oder Rassist, auch wenn die Wirkung der Abschreckung durch den inflationären Gebrauch allmählich abnimmt, bis sie auch dann nichts mehr bedeutet, wenn sie angebracht ist. Die Bevölkerung spaltet sich damit nicht nur an den Trennlinien Kultur und Religion, sondern auch innerhalb der verschiedenen Gruppen durch die ständige Diskussion um Islam und Asyl und was man glaubt, sagen zu dürfen und was nicht.

Was wir durch die unkontrollierte Zuwanderungs- und Asylpolitik und den falschen Umgang mit dem politischen Islam hierzulande erleben, reicht damit weit über die Ebene einer etwaigen erhöhten Terrorbedrohung oder anderer vielfach diskutierter Folgen hinaus. Was wir erleben, ist eine Erosion des Vertrauens auf drei verschiedenen Ebenen mit massiven Folgen für die gesellschaftliche Stabilität, die viel tiefer und langfristiger greifen, als die Politik es augenblicklich abzusehen vermag. Zu nennen wären da unter anderem Konsequenzen hinsichtlich des Verständnisses von und Einverständnisses mit dem Solidarprinzip als Hauptpfeiler unseres Sozialsystems. Für die generelle Hilfsbereitschaft untereinander und ein friedfertiges Miteinander. Eine Stärkung der extremen Ränder der Gesellschaft und weniger Bereitschaft, sich selbst an Recht und Gesetz zu halten.

Dabei ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass es nicht zuvorderst die auferlegten Regeln und Gesetze sind, welche die Gesellschaft im Inneren zusammenhalten, sondern die Bereitschaft, diese Regeln und Gesetze einzuhalten. Das Vertrauen in und das Bewusstsein über die Richtigkeit und Notwendigkeit dieser gesellschaftlichen Regeln.

Aber so schlimm sich all das anhören mag, birgt eine solche Erosion, so lange sie nicht zur totalen Eskalation führt, auch eine Chance. Schafft Bewusstsein darüber, dass weder Freiheit, noch Sicherheit selbstverständlich sind und dass der Staat in der Verteidigung dieser Werte und auch ganz generell nicht die ultimative Antwort auf alles ist. Insofern liegt zumindest im Verlust des Vertrauens gegenüber dem Staat auch immer die Möglichkeit zu neu entdeckter Selbstverantwortung und im neuen Bewusstsein über die Notwendigkeit der selbstverantwortlichen Verteidigung von Freiheit und Sicherheit auch immer die Möglichkeit eines neuen, auf anderen Werten fußenden Gemeinschaftssinns.

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