Warum Islam-Kritik links sein muss

Als oberstes Übel gelten Linken stets Kapitalismus und USA. Da Saudi-Arabien neben Israel zu den engsten Verbündeten Amerikas zählt, ist es Linken möglich, die Menschenrechtsverletzungen dort zu kritisieren, bei den gleichen Vergehen im Iran aber zu schweigen.

© Tobias Schwarz/AFP/Getty Images

Diese Überschrift mag viele Leser überraschen, zu falsch klingt sie. Und doch: Islamkritik muss links sein, daran führt kein Weg vorbei. Sonderlich logisch erscheint diese Forderung nicht. Schließlich behaupten Linke doch immer wieder aufs Neue, dass der Islam nichts mit Terrorismus zu tun habe, dass die meisten Muslime friedlich seien und nicht zuletzt, dass es sich bei Islamkritikern um Rassisten handele, obwohl der Islam keine Rasse ist. Ein Araber wie Hamed Abdel-Samad ist Atheist, während der Deutsche Pierre Vogel als Salafist auftritt.

Aber hatten nicht schon Karl Marx und später Lenin Religion als „Opium des Volkes“ beschrieben? In ihren Augen spendete der Glauben den Menschen in Armut Trost – was indirekt ihre Bereitschaft zur Revolution senkte und der Errichtung des Kommunismus im Wege stand. Zudem diskriminiert der Islam Frauen, Homosexuelle, Juden, er will die Meinungs-, Presse-, Religions-, Wissenschafts- und Kunstfreiheit abschaffen. Er lehnt die Demokratie ab und befürwortet Prügel- und Todesstrafe. Er steht für all das, was Linke vorgeblich ablehnen.

In Ansätzen üben Linke durchaus Kritik am Islam. Die schweren Menschenrechtsverletzungen in Saudi-Arabien beispielsweise nehmen sie zur Kenntnis. Seltsam verklausuliert will man aber nur die wahhabitische Spielart des Islam als Schuldigen benennen. Nun ist der Wahhabismus aber eine Denkrichtung, die sich allein auf den Koran stützt und die Neuerungen der Moderne ablehnt – also Islam pur. Auch ist Saudi-Arabien nicht ein islamisches Land unter vielen, sondern mit Mekka und Medina die Wiege des Islam. Warum schaffen es so viele Linke, das Unrecht an einem Ort zu erblicken, das gleiche Unrecht an anderem Ort aber zu ignorieren?

Rechtsextremismus und Islam

Erklären lässt sich dieser Widerspruch aus der anti-imperialistischen Logik. Als oberstes Übel gelten Linken stets der Kapitalismus und die USA. Da Saudi-Arabien aber neben Israel zu den engsten Verbündeten Amerikas in der Region zählt, ist es Linken möglich, die dortigen Menschenrechtsverletzungen zu kritisieren, angesichts der gleichen Vergehen im Iran aber zu schweigen – denn Teheran will sich Washington nicht beugen. Ähnlich lässt sich aus dem linken Lager auch Kritik am türkischen Staatspräsidenten Erdoğan vernehmen. Denn erstens gehört sein Land der NATO an und zweitens geht er militärisch gegen die marxistisch ausgerichtete Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) vor.

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Dennoch darf man sich von dieser linken Inkonsequenz nicht dazu verleiten lassen, in rechter Islamkritik eine Alternative zu sehen. Das rechtsextreme Lager hatte schon immer ein ambivalentes Verhältnis zum Islam. Historischer Vorläufer war das Bündnis Hitlers mit dem Großmufti von Jerusalem. Beide verband der Antisemitismus und der Wunsch, die britische Kolonialherrschaft in Nahost zu brechen. Mohammed Amin al-Husseini half bei der Aufstellung islamischer SS-Divisionen in Albanien und Bosnien und verhinderte auf diplomatischem Wege, dass jüdische Kinder aus dem besetzten Europa das rettende Mandatsgebiet Palästina erreichen konnten. Hitler flirtete auch mit dem großtürkischen Nationalismus. Denn das sogenannte Großturanische Reich hätte sich bis nach Zentralasien erstreckt, in dem Angehörige der Turkvölker leben. Eine solche Expansion der Türkei an der Seite der Achsenmächte wäre zu Lasten der Sowjetunion gefallen.

Reste dieses Bündnisses haben sich auch in der heutigen NPD erhalten – und das obwohl sie gegen syrische Flüchtlinge und Moscheebauten polemisiert. So konnte sich beispielsweise der iranische Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad, der gegen Israel hetzte und 2006 in Teheran eine Konferenz international bekannter Holocaustleugner ausrichtete, der Sympathie der rechtsextremen Kleinpartei erfreuen. Auch anlässlich der Militäroperationen in Gaza brachte die NPD ihre Verbundenheit zum palästinensischen Volk zum Ausdruck.

Zentral sind jedoch nicht Antisemitismus und Antiamerikanismus, sondern etwas ganz anderes.

Parallelgesellschaften als Schutz vor Integration

2008 bezeichnete Erdoğan bei einem Auftritt vor tausenden Deutschtürken in Köln Assimilation als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Türken sollten sich in Deutschland zu ihrer Kultur, Sprache und auch Religion bekennen. Ebenso forderte Erdoğan, dass es auf deutschem Boden türkische Schulen und Universitäten geben solle. Damit erteilte er der Integration eine Absage und rief zum Gegenteil auf, zur Bildung von Parallelgesellschaften.

Gerade diese Forderungen stießen aber auf Beifall, nicht auf Ablehnung der NPD. Denn sie laufen auf eine Apartheidspolitik hinaus. Nur dann, wenn Türken weiterhin türkisch sprechen und die türkische Staatsbürgerschaft behalten, ist es möglich, sie in die Türkei abzuschieben. Je deutscher sie werden, umso schwieriger ist es, sie des Landes zu verweisen. Auch kann eine Trennung beider Völker die gefürchtete Rassenvermischung verhindern. Daher sprach der frühere Parteivorsitzende Holger Apfel von einer „Pflicht“ für Ausländer, ihrer jeweiligen Religion anzugehören.

Wohl deshalb schätzt die NPD es, wenn islamische Frauen sich verhüllen und so von deutschen Männern abgrenzen. Der verstorbene Nazi-Anwalt Jürgen Rieger stellte die rhetorische Frage: „Was ist für unser Selbstbewusstsein schädlicher, die Pflichtlektüre des Tagebuchs der Anne Frank in den Schulen oder eine muslimische Schülerin mit Kopftuch?“ Andreas Molau, ehemaliger NPD-Politiker, hatte erklärt: „Etwas mehr Kopftuch, als Frage einer züchtigen Kleiderordnung, stünde manch deutschem Mädel schon gut zu Gesicht.“ Rechtsradikale und Islamisten teilen sich ein ähnliches Frauenbild.

Rechtsextremes und islamistisches Frauenbild

Aber auch der konservative bzw. christliche Ansatz der Islamkritik, wie ihn die AfD praktiziert, birgt Fallstricke. Es bleibt zu hoffen, dass ihr Einzug in den Bundestag kurzfristige Impulse liefert und die Altparteien zwingt, eine neue Position zum Islam zu entwickeln, langfristig kann es jedoch zu gegenläufigen Entwicklungen kommen.

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Der AfD-Abgeordnete Martin Hohmann beispielsweise behauptete im Jahr 2000 im Bundestag (damals noch als CDU-Mitglied), dass es ein „Unwerturteil der drei großen monotheistischen Weltreligionen über Homosexualität als solche“ gebe. Als Brasilien 2003 eine Resolution in den Menschenrechtsrat der UN einbrachte, die die Diskriminierung Homosexueller anprangerte, wurde der Vorstoß vom Vatikan und islamischen Staaten blockiert. 2005 fanden christliche, jüdische und muslimische Geistliche zusammen an einen Tisch, als es galt, den geplanten Christopher-Street-Day in Jerusalem zu verhindern. Die islamische Homophobie wurde 2015 instrumentalisiert, als über schwule Ampelmännchen in Hamburg diskutiert wurde. Dadurch könnten sich Muslime beleidigt fühlen, so der AfD-Landesverband. Ähnliche Bündnisse sind auch bei Abtreibung oder Sterbehilfe denkbar.

Nach wie vor gibt es in der AfD antisemitische Tendenzen (auch wenn sie nicht die offizielle Parteilinie darstellen). Dies ist gleich doppelt bedenklich. Zum einen – natürlich – weil Antisemitismus an sich eine Gefahr für Juden darstellt und zum Anderen, weil er, wie oben gezeigt, immer auch ein Bindeglied zum Islam darstellt. Jürgen Elsässer, dessen Compact-Magazin als AfD-freundlich bekannt ist, gilt als Unterstützer der Teheraner Regierung. Im Frühjahr lud das Mittelstandsforum der AfD-NRW Daniele Ganser zu einem Vortrag ein (und nach heftigem Medienecho wieder aus). Der Schweizer Politologe spekuliert über eine Beteiligung der US-Regierung an den Anschlägen vom 11. September 2001, leugnet also den größten islamischen Terrorakt der Geschichte. Ähnlich hatte Ganser auch den Angriff auf Charlie Hebdo kommentiert.

Schnittmengen Rechtsextreme und AfD

Als Islamexperte der AfD gilt der sachsen-anhaltische Landtagsabgeordnete Hans-Thomas Tillschneider, der gleichzeitig auch Sprecher der parteiinternen rechten „Patriotischen Plattform“ ist. Er ist ein erklärter Freund von PEGIDA und der „Identitären Bewegung“, deren Führungskader oft eine Vergangenheit in der NPD oder rechtsextremen Gruppen haben. Meist wird Tillschneider von den Medien als Islamfeind bezeichnet. Das Gegenteil ist der Fall. Der promovierte Islamwissenschaftler setzte durch, dass auf dem Parteitag 2016 in Stuttgart eine Passage, die eine Reform des Islam forderte, gestrichen wurde. Wer die „Islamisierung Europas zurückweise“, dürfe umgekehrt „keine Europäisierung des Islams fordern“. Er sei „sehr gerne im Orient“ und habe „großen Respekt vor dem Islam.“ Im Studium habe es ihn nach Damaskus gezogen, nicht in das „verwestlichte“ Kairo. „Ich will einen Islam, der islamisch ist, und ein Deutschland, das deutsch ist.“

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Die Forderung nach einer Islamreform sei „Feindlichkeit gegenüber Identität und kultureller Differenz.“ Zwar erkenne er den Fakt an, dass der Islam Demokratie, Frauenrechte und körperliche Unversehrtheit als Prinzipien ablehnt, er wolle diesen Umstand aber nicht bewerten. „Die islamische Kultur ist weder besser noch schlechter als die deutsche oder die europäische Kultur, sie ist anders, und sie passt, so wie sie ist, nicht zu uns.“ Der „Menschenrechtsuniversalismus des Westens“ sei in Wahrheit ein “Menschenrechtsbellizismus“. Im Klartext: Laut Tillschneider will derjenige, der die Missstände im Islam anprangert, nicht Frauen und Schwule vor der Steinigung retten oder Kinder vor einer Zwangsheirat bewahren, sondern nur neue Militäroperationen im Nahen Osten rechtfertigen.

Die linke Islamkritik einer Alice Schwarzer weise er ausdrücklich zurück. Sie führe zu Multi-Kulti und einem „grauen Einheitsbrei“. „Ich kritisiere den Islam nicht an sich und will ihn weder reformieren noch aufklären.“ Tillschneider stellt klar, dass für ihn das „Problem nicht der Islam […] sondern die Präsenz des Islams in Deutschland“ sei. Er fordert daher, die Einwanderung aus der islamischen Welt zu stoppen. Nur in einem Punkt fordert er den Islam zum Umdenken auf. Er müsse sich von seiner auf „Weltherrschaft gerichteten Expansionstendenz“ verabschieden und anerkennen „dass die Gebiete in Nordafrika und dem Vorderen Orient sein traditionelles Gebiet darstellen, in dem er sich frei entfalten kann, während er sich in den übrigen Weltregionen den dort herrschenden Gepflogenheit fügen muss.“ Diese Ausführungen ähneln den oben beschriebenen Apartheidsvorstellungen der NPD. Auch der Landesvorsitzende Sachsen-Anhalts, André Poggenburg, hatte einige Tage vor der Bundestagswahl erklärt: „So wenig der Islam nach Deutschland passt und gehört, so sehr respektiert die AfD-Fraktion Kulturen, Traditionen und Religionen in ihren Herkunftsländern.“

Anti-Amerikanismus und Rechtsextremismus

Ein weiterer Islamfreund, der bei PEGIDA auftrat, ist der Potsdamer Militärhistoriker Peter Hild. Er bewegte sich längere Zeit im Umfeld der Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck und griff 2015 in seiner Dresdner Rede auf NS-Propagandathesen zurück. Hild hatte allerdings auch erklärt: „Ich bin ein Freund Arabiens. Und ein Freund des Islam – möchte aber nicht mein Vaterland islamisch haben!“, und sich an den transphoben Sprüchen des algerischen Gangsterrappers Al Gear erfreut.

Mehrfach hatten AfD-Politiker bekräftigt, in der österreichischen FPÖ ein Vorbild zu sehen.
Beispielsweise trafen sich die Parteivorsitzenden Frauke Petry und Heinz-Christian Strache zum wortwörtlichen Gipfeltreffen auf der Zugspitze. Straches Vorgänger Jörg Haider hatte stets vor islamischer Einwanderung gewarnt, galt aber wegen antisemitischer Äußerungen als Freund der arabischen Welt. (Zufällig bedeutet sein Nachname auf arabisch „Löwe“.) Auf Reisen in den Nahen Osten soll er Millionenzahlungen von Saddam Hussein und dem Gaddafi-Clan erhalten haben.

Der christlich-konservative Publizist Dinesh D’Souza behauptete 2007, die „kulturelle Linke“ trage eine Mitschuld an den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Liberale Werte in den USA sorgten im Nahen Osten für Hass. Zwischen den Zeilen klingt da durch, im Rahmen des Appeasement westliche Werte aufzugeben. Den arabischen Antisemitismus scheint D’Souza auszublenden, jedenfalls meint er, dass der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern kein Motiv für Al-Qaida sei. Die sexuellen Demütigungen irakischer Kriegsgefangener in Abu Ghuraib sei auf linke Moralverstellungen zurückzuführen. Auch gab er an, in „Kernfragen des Glaubens“ dem Islam nahezustehen.

2011 griff das Internetportal „politically incorrect“ freudig die Äußerungen des britischen Biologen Steve Jones auf. Dieser hatte geklagt, dass muslimische Studenten die Evolutionstheorie ablehnten. Kurz zuvor hatte die Website allerdings republikanische Präsidentschaftskandidaten, die an die biblische Schöpfungslehre glauben, verteidigt. Derlei Widersprüche sind in einem Medium, das Meinungspluralismus zulässt, nichts seltenes – in diesem Fall aber stammten beide Beiträge vom selben Autor.

Antikommunismus, Islamismus und CDU/CSU

Wer vom Linksruck der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel enttäuscht ist und glaubt, der islamfreundliche Kurs habe erst mit der berühmten Rede („Der Islam gehört zu Deutschland.“) Christian Wulffs im Jahr 2010 begonnen, täuscht sich. Bereits 1978 gab es ein Treffen zwischen CSU-Patriarch Franz Josef Strauß und dem Gründer der rechtsextremen türkischen Partei MHP (Graue Wölfe), Alparslan Türkeş. Die beiden kalten Krieger waren sich einig in der Bekämpfung des Kommunismus. In der Folge duldete die CSU MHP-Aktivitäten auf deutschem Boden.

Norbert Blüm hatte 1998 im Bundestagswahlkampf bekundet, dass ein fester Glaube vor unmoralischem Verhalten schütze. Recht salopp verteidigte er Moscheebauten: „Ein frommer Muslim in der Moschee ist mir lieber als ein besoffener Atheist im Freudenhaus.“ Ganz ähnlich hatte auch der Ministerpräsident Baden-Württembergs, Günther Oettinger, 2006 erklärt, ihm seien Muslime als Neubürger lieber als Atheisten oder Scientologen. Erst vor wenigen Wochen sah der CDU-Bundestagsabgeordnete Heribert Hirte im „wachsenden Atheismus“ eine größere Gefahr als in einer Islamisierung Deutschlands.

Im Jahr 2000 plante die Unionsfraktion den Blasphemieparagraphen § 166 zu verschärfen. Um dieser Forderung mehr Nachdruck zu verleihen, wurden 2001 zu einer Anhörung nicht nur Vertreter von evangelischer und katholischer Kirche geladen, sondern auch Muslime und Juden. So sollte religiöse Einigkeit demonstriert werden, schließlich galt es, Götter vor Hohn und Spott zu schützen. Anwesend war auch der Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft in Deutschland, Ahmad Al-Khalifa, in dessen Moscheegemeinde Hintermänner des Anschlags auf das World Trade Center 1993 verkehrten.

Deutsche Lebensreform-Bewegungen - Teil 1 von 3
Irrlehren vom Neuen Menschen führten zu den Totalitarismen
In diese Aufzählung reiht sich der letzte Kronprinz und verhinderte Kaiser Österreich-Ungarns, Otto von Habsburg, nahtlos ein. Der konservative Katholik saß von 1979 bis 1999 für die CSU im Europaparlament. Er vertrat 2002 in einem Interview die These, dass der Rückgang des Glaubens in Deutschland zu einem Anstieg der Kriminalität geführt habe – was lobe er sich da die islamische Welt, wo stets der Ruf des Muezzin erschalle. Außenpolitisch schlug er ebenfalls bedenkliche Töne an. So sei das Pentagon jüdisch, das US-Außenministerium afro-amerikanisch geführt. Der Einfluss der weißen Amerikaner sei zurückgegangen. Der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon spiele mit dem Gedanken, die Araber auszurotten. Zudem zeigte Habsburg sich als scharfer Kritiker Wladimir Putins – er fürchtete, dass dieser das Baltikum annektieren könne – und ließ gleichzeitig Verständnis für tschetschenische Terroranschläge anklingen.

Younes Ouaqasse, CDU-Bundesvorstandsmitglied 2012-14, davor Führungspositionen in Schüler-Union und RCDS, betonte die Verbundenheit von Christentum und Islam. Der marokkanisch-stämmige Politiker wendet sich scharf gegen Abtreibungen und die Pille danach. Zu seinen Überzeugungen erklärte er: „Die Familie des muslimischen Deutschen wählt in der Heimat doch auch nicht die Sozis, die wählt die Konservativen.“

Materielle Interessengemeinschaft Kirchen und Islam

Auch von den Vertretern der Kirche darf man nicht zu viel erwarten. Als im Jahr 2012 ein Kölner Gericht die rituelle Beschneidung als Körperverletzung einstufte, protestierten katholische und evangelische Bischöfe. Die Entscheidung verstoße gegen die Religionsfreiheit muslimischer und jüdischer Kinder. Selbst die ultrakonservative Piusbruderschaft, die oftmals mit antijüdischen Äußerungen aufgefallen war, äußerte sich dahingehend.

Mitgetragen wurde die Willkommenskultur in der Flüchtlingskrise nicht zuletzt auch von beiden Großkirchen. Vielleicht ging es dabei um christliche Nächstenliebe. Vielleicht aber auch nur um eine neue Einnahmequelle. Schließlich sind beide Kirchen auch milliardenschwere Sozialkonzerne, für die die Versorgung der Flüchtlinge – bezahlt von Steuergeldern (und damit ist nicht nur die Kirchensteuer gemeint) – ein ganz neues Betätigungsfeld darstellt. Zudem dürfte der Anteil der Konfessionslosen in ca. 10 Jahren 50% überschreiten, Deutschland also mehrheitlich religionslos werden. Durch die Einwanderung von Muslimen kann sich dieser Zeitpunkt noch um einige Jahre verzögern.

In Deutschland herrscht offiziell die Trennung von Kirche und Staat. Tatsächlich aber werden erhebliche Staatsleistungen für die beiden christlichen Glaubensgemeinschaften erbracht – für die islamischen Gemeinden hingegen nicht. Manch einer mag sich da fragen, ob man im Rahmen der Gleichbehandlung und der offiziell doch existierenden Trennung von Kirche und Staat diese Förderungen nicht für alle Religionen streichen könne. Wohl deswegen äußern sich evangelische und katholische Bischöfe in den letzten Jahren immer häufiger islamfreundlicher und fordern eine staatliche Anerkennung der Moscheegemeinden oder islamischen Religionsunterricht in den Schulen. Bei allen theologischen Differenzen mögen diese rein weltlichen Überlegungen überwiegen.

Weder eine national, noch eine christlich fundierte Islamkritik vermögen das Problem zu lösen. Auch wenn es für viele Leser schwer erscheinen mag, nicht nur links, sondern sogar linker als links zu werden – will man dem Islam entschieden entgegentreten, gibt es keine andere Alternative. Wer weiß: wenn man mit gutem Beispiel vorangeht, werden vielleicht sogar die Linken eines Tages links.


Lukas Mihr ist Historiker und freier Journalist.

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100 Kommentare auf "Warum Islam-Kritik links sein muss"

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Nein, sehe ich vollkommen anders. Speziell in Deutschland gehört die FDGO zum bewährten status quo und gehört entsprechend konserviert und verteidigt gegen Ideologien und ihre Anhänger, die als Feinde dieser Grundordnung einzustufen sind. Das ist der erste Grund warum Islamkritik eher vom rechten Spektrum in Gestalt von Konservativen ausgehen sollte und wird. Zweitens hat sich das linke Spektrum derart in seinem Egalitarismus ideologisch verrannt, das ihm offenkundig einfachste Bewertungen unterschiedlicher Kulturen und daraus resultierender Rechtssysteme unmöglich sind. Ist in deren Augen alles irgendwie gleichwertig. Obwohl diese postulierte Gleichwertigkeit auch im rechten Spektrum vertreten ist (siehe die angeführten NPD und AfD… Mehr

Ja, wahnsinnig religiös. Man kann das Thema noch steigern durch die Frage, ob Gott selber links oder rechts ist. Der feministische Klassenkampf will, dass Gott eine Frau war. Dieses Thema nun verbinden mit Rechts-Links ergibt Theologie zum Quadrat. Gibt es denn schon einen Thinktank zum Thema? 🙂 Herr Soros, bitte finanzieren Sie.

Das Christentum ist konservativ. Schlanken Staat, Eigenverantwortung, Gleichberechtigung, Freiheit, und auf der anderen Seite Spendenbereitschaft, die einen Wohlfahrtsstaat überflüssig machen (Konservative Christen spenden signifikant mehr als Linke für wohltätige Zwecke), gibt es nur mit dem Christentum. Deshalb wird es von Linken auch so bekämpft. Das Christentum ist eine Bedrohung für den übergriffigen Staat.

Hoppla, der Kommentar ist verrutscht und sollte eigentlich unter dem Kommentar von Martin Venator platziert sein, was nicht heißt, dass Herr Radtke nicht ebenfalls einen ausgezeichneten Kommentar verfasst hat.

@diplkomp:disqus Der Sozialistische-Linke Extremismus hat eine Strohpuppe gebraucht um seine Gewalt und seinen Terror gegen das Deutsche Volk….das unter Hitler begonnen hat…über die Jahrzehnte nach dem Krieg…bis heute….über die Runden zu bringen….und diese Strohpuppe ist und war der Linke Kampfbegriff von „Rechtsradikale und Nazis“. Hinter dieser Strohpuppe konnte sich der Sozialistische Faschismus hervorragend, nach dem verlorenen Krieg, über die Zeit retten. Und heute sind wir an einen Punkt angelangt, wo der Grün-Linke Faschismus sein wahres Gesicht zeigt….dank einer Grün-Linken Medien-Merkel Regierung. Der neue Radikale Sozialismus wird nicht sagen ich bin der neue Faschismus sondern er wird sagen…ich bin der Antifaschist…..Tarnen… Mehr
„Der Schweizer Politologe spekuliert über eine Beteiligung der US-Regierung an den Anschlägen vom 11. September 2001, leugnet also den größten islamischen Terrorakt der Geschichte. Ähnlich hatte Ganser auch den Angriff auf Charlie Hebdo kommentiert.“ Diese Unterstellung ist schlicht und ergreifend falsch! Daniele Ganser leugnet nachweislich überhaupt nichts. Er stellt lediglich Fragen, berechtigte Fragen! Dies ist insofern eine unhaltbare Verdrehung der Tatsachen. Jeder möge sich auf YouTube in diversen Vorträgen von Daniele Ganser von der Richtigkeit meiner Aussage überzeugen. Ich bitte den Autor in Zukunft auf solche Details genauer zu achten und rivhtig zu recherchieren, sonst untergräbt es seine Glaubwürdigkeit. Ansonsten… Mehr

Sorry, lieber Autor, gut gemeint, aber nicht gut gemacht. Eine theologische Ergänzung zu den richtigen Kommentaren: der Islam lehnt die Willensfreiheit des Menschen grundsätzlich ab, daher ist das Gottes- und Menschenbild dieser Religion zutiefst freiheitsfeindlich, ganz wie beim Sozialismus.

Na, na, irgendwie viel an den Haaren herbeigezogen. Die NPD ist nicht mehr existent, ausser in den MSFM, und die arme AfD muss wieder herherhalten, wenn „Rechtsradikale“ für irgendeine Therie oder besser These gebraucht werden…

Bitte beachten Sie, dass meine Antwort sich auf den Post des Foristen Ja Wahnsinn bezieht. Dort ist weder von der NPD noch von der AFD die Rede. Was den Artikel selbst betrifft, möchte ich anmerken, dass ich mit den Ausführungen des Autors in keiner Weise einverstanden bin. Ein anderer Forist hat dafür die Schulnote 6 verteilt. Dem schließe ich mich an.

Streeb bezog sich auf Ja Wahnsinn, nicht auf den Artikel. Was letzteren betrifft, haben Sie recht.

Sehe ich auch so. Von der AFD geht in meinen Augen keine Gefahr aus. Es sind zur Zeit die einzigen, die nicht emotional und spaltend, sondern ruhig und besonnen unter Heranziehung von Fakten argumentieren. Das Weidel-Kleber-Duell ist ein Beleg von vielen für das zunehmende Differenzierungsvermögen bei der AFD, das den restlichen RegierungsVertretern gänzlich abhanden gekommen zu sein scheint.

Menschen, die mit dem Islam reden und ihm sagen wollen wohin er gehört kommen mir aber auch seltsam verpeilt vor. Ich wüsste nicht einmal wo Herr oder Frau Islam wohnen, um bei einem von ihnen vorsprechen zu können.
Ob man mit solchen Ideen jemals weiter kommt oder nicht etwa nur wertvolle Zeit vergeudet?

Was ich eigentlich sagen will ist, dass sich die ganze Diskussion um den Islam in Europa von Seiten der Verharmloser nur auf Phrasen und blumige Sprüche stützt, während die Fakten und Erfahrungswerte unter diesen Nebeln verschleiert werden.

Es gibt eine Logik und diese ist aber primär emotional begründet. Meist haben diese Multikultibegeisterten unter den Linken irgendeinen Muslim unter ihren Freunden, in der Regel Akademiker und säkular eingestellt. Und da der Gemüsehändler an der Ecke auch nett grüßt, nehmen diese Leute die negativen Seiten dieser Parallelgesellschaften schlicht nicht wahr. Sie mögen aber ihren guten Freund, den Muslim gerne. Und plötzlich sieht man diese Linken sich vor den Islam stellen, obwohl sie noch nie einen Koran aufgeschlagen oder ein islamisches Land besucht haben. Filterblase und positive Emotion, Generalisierung des bekannten Einzelfalls. So funktioniert das.

Was will dieser wirre Text uns eigentlich sagen? Die Grundthese, dass Linke eigentlich sehr kritisch dem Islam gegenüberstehen sollten, ist richtig. Und: Mehr als genug Linke tun das auch – vielleicht nicht der ein oder andere kiffende Abgeordnete ohne Studienabschluss im Bundestag. Aber der Absturz der linken Parteien bei der Bundestagswahl war doch deutlich genug! Was aber nicht unbedingt heißt, dass weniger Menschen in Deutschland links denken, nur dass viele diesen Willkommenskurs gegenüber einer derartigen frauenfeindlichen und totalitären Ideologie eben gerade nicht befürworten! Der zweite Teil des Textes über die Haltung der Rechten scheint mir einfach nur chaotisch, undurchdacht, ein… Mehr