Unsere Freiheit wird auch am Weihnachtsbaum verteidigt

Frei nach dem Motto: Unsere Freiheit wird jetzt auch am Weihnachtsbaum verteidigt, sieht Merkel die Antwort auf einen zunehmenden Werteverlust in einer Re-Christianisierung. Nein: Was es braucht, ist ein neues Bewusstsein für die liberalen Werte.

Screenshot: YouTube

67,7 Prozent der Delegierten stimmten in geheimer Abstimmung beim Unionstreffen in Wittenberg für die Regierungsvereinbarung mit der SPD in Mecklenburg-Vorpommern. Zum Vergleich: Bei der SPD waren es ganze 85 Prozent. An der fulminanten Rede der Kanzlerin kann es jedenfalls nicht gelegen haben. Die schwor ihre Union nämlich, ähnlich wie bereits vor ein paar Monaten, auf den Kampf gegen Werteverlust und zunehmende Islamisierung ein.

Lange hatte man sich islamkritischen Kreisen eine klare Ansage der Kanzlerin gewünscht, wie man der zunehmenden Gefahr durch einen verfassungsfeindlichen Islam künftig begegnen will. Mit der Verteidigung liberaler Werte hatte ihre Antwort allerdings zur Enttäuschung vieler weniger zu tun. Stattdessen mit Weihnachtsliedern und der Suche nach einem, der noch des Blockflöte-Spielens mächtig ist. Merkels Antwort auf die Sorgen der Bürger in Bezug auf den Islam? Gemeinsames Musizieren mit Freunden und Familie!

Frei nach dem Motto: Unsere Freiheit wird jetzt auch am Weihnachtsbaum verteidigt, sieht Merkel die Antwort auf einen zunehmenden Werteverlust in einer Re-Christianisierung der Bevölkerung. Als wäre die Verschränkung von Kirche und Staat in einem Land wie Deutschland, welches sich trotz allem noch säkular schimpft, nicht ohnehin schon stark genug ausgeprägt und als würde die Belästigung im Alltag mit religiösen Befindlichkeiten durch den Islam nicht schon vollkommen abgedeckt werden. Nein, als Antwort auf den Islam braucht es ganz sicher nicht noch mehr Religion, obgleich eifrige Anhänger des Christentums hier und jetzt ihre Chance wittern, genau das zu propagieren. Die Antwort auf einen irrationalen Glauben kann niemals ein anderer irrationaler Glauben sein. Es sei denn, man ist ganz besonders scharf auf den religiösen Showdown, den Endkampf zwischen Islam und Christentum, bei dem eigentlich ohnehin klar sein sollte, wer eher dazu bereit ist, für seinen eigenen Glauben zu sterben und deshalb als Sieger aus einem solchen Kampf hervorgehen würde.

Jahrhunderte lang hat man sich auch hier in Europa im Namen der Religion die Köpfe eingeschlagen. Freilich auch aus anderen Gründen. Aber wer beispielsweise den Nationalsozialismus als Beleg dafür nimmt, dass der Atheismus zu noch viel schlimmeren Gräueltaten führt, der irrt. Hitler führte keinen Krieg im Namen des Atheismus. Hitler selbst war nicht einmal Atheist. Stattdessen führte er Krieg im Namen der nationalsozialistischen Ideologie, die er mit gleicher Monstranz vor sich hertrug, wie ein religiöse Fanatiker seinen Glauben. Die Gefahr liegt also weder im Atheismus, noch in einer dezenten Form der privaten Religionsausübung, wie sie für Christen in unserem Land typisch ist. Sie liegt im Dogmatischen, im Fundamentalistischen. Dies gilt es mitnichten im Kampf gegen den Werteverlust zu reaktivieren. Von der Machbarkeit einer Rolle Rückwärts in Sachen christliche Werte einmal ganz abgesehen.

In einer Sache hat Merkel jedoch Recht: Dem eigenen Werteverlust tritt man entgegen, in dem man jene Werte lebt, die man zu verlieren droht. Aber ist es wirklich das Christentum, welches diese Werte hierzulande zuvorderst definiert? Sind es nicht vielmehr die Werte des Liberalismus, die den beispiellosen Aufstieg Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg, sowie den Erfolg des Westens generell begründen? Mir wäre jedenfalls nicht bekannt, dass in der Bibel die Rede von Meinungsfreiheit oder Gleichberechtigung von Frau und Mann ist.

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Was es also braucht, ist weder schräges Weihnachtslied-Gesinge, noch Blockflöten. Was es braucht, ist ein neues Bewusstsein für die liberalen Werte, die dieses Land im Inneren zusammenhalten und seinen Erfolg ausmachen. Denn nur, wo ein Bewusstsein über Entstehung und Grund des Erfolges dieser liberalen Werte herrscht, herrscht auch ein Bewusstsein für die Notwendigkeit ihrer Verteidigung und die Tatsache, dass nichts so zerbrechlich ist, wie die Freiheit selbst, die man in den letzten Jahrzehnten nur allzu oft als etwas Selbstverständliches angesehen hat. Ein solches Bewusstsein und damit einhergehend auch das bewusste Leben der eigenen Werte und ihre Verteidigung, entstehen nicht zuletzt durch geschichtliche und politische Bildung. Etwas, was man insbesondere in diesem Land und vor allem in Bezug auf das Fach Geschichte in den letzten Jahren immer mehr vernachlässigt und sogar in Teilen gänzlich abgeschafft hat.

Gerade in Berlin, neben NRW DIE Hochburg muslimischer Zuwanderung, gibt es nicht einmal mehr ein extra Fach Geschichte. Sozialkunde heißt es dort und stellt eine Mischung aus Politik und Geschichte dar. Unterrichtet von Menschen, die entweder das eine oder das andere oder eben gleich an einer Berliner Uni Sozialkunde studiert haben. Wer beide Fächer kennt, weiß, was das schon allein aufgrund der unterschiedlichen Theorie und Methodik für ein unsäglicher Schwachsinn ist. Aber das Thema Bildungspolitik in Berlin ist an sich schon ein abendfüllendes Programm.

Unsere einseitige Konzentration auch in Bildungsfragen auf die Befindlichkeiten von muslimischen Migranten trägt auch hier ihre Früchte. So bräuchte es gemäß vieler rotgrüner Bildungsexperten mehr islamischen Religionsunterricht und mehr Lehrer, die kultursensibel agieren. Wir sind so damit beschäftigt, den gesellschaftlichen Herausforderungen und der direkten Gefährdung durch den Islam durch Symptombekämpfung Herr zu werden, dass wir die Wurzel, das Fundament unserer eigenen liberalen Gesellschaft dabei vollkommen vergessen. Es schlicht nicht mehr für wichtig erachten. Mit fatalen Folgen nicht nur für die migrantische Klientel, die keinerlei westliche Orientierungspunkte erhält, sondern auch für die Deutschen selbst, die vergessen, was ihre Gesellschaft wirklich im Inneren zusammenhält.

Neben diesen Soft Skills im Bereich Wertebildung gilt es unsere Werte aber auch ganz aktiv und energisch zu verteidigen. Vor allem angesichts eines demographischen Wandels, der die softeren Möglichkeiten der Wertebildung ohnehin schon bald obsolet machen könnte.

Zuvorderst von staatlicher Seite. Hier wäre eine starke, selbstbewusste Regierung erforderlich und keine Kanzlerin mit einem Tross von Ja-Sagern, die uns mit derlei Aussagen zum Gespött nicht nur vor der internationalen Gemeinschaft, sondern vor allem auch vor den Gegnern der Freiheit macht. Die damit nur einmal mehr offenbart hat, dass sie den Ernst der Lage überhaupt nicht imstande ist zu erkennen und die berechtigte Sorge vieler Bürger ins Lächerliche zieht. Der Salafismus und der IS, so viel steht fest, lassen sich nun einmal nicht mit Blockflöte und Weihnachtsliedern bekämpfen. Allein, dass man das überhaupt klarstellen muss, spricht Bände.

Das Schlimmste bei all dem ist jedoch, dass einen mittlerweile das Gefühl beschleicht, sie tue dies nicht einmal mit Absicht. Dass sie gar nicht verharmlost, sondern im wahrsten Sinne des Wortes tatsächlich nicht mehr alle Tassen im Schrank hat.

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