Sexualerziehung: die schizophrene Republik

Die Schizophrenie der Republik schreitet weiter voran: Propagiert und vorangetrieben von Instanzen, die keinerlei Diskrepanz zwischen Grundschulunterricht in „sexueller Vielfalt“, Unisex-Toiletten und korrektem Gendern einerseits und Burka, Burkini, Kinderehe und anderen kulturellen "Bereicherungen" aus islamisch geprägten Ländern andererseits sehen.

https://www.echte-toleranz.de/files/Dokumente/Methodenschatz_EVA_Echte_Vielfalt_von_Anfang_an.pdf

„Schleswig-Holsteins Unterrichtsmaterial zu „sexueller Vielfalt“ ist verfassungswidrig.“ Heißt es in der am 5. September 2016 erschienenen Pressemitteilung des Vereins echte Toleranz e.V., der sich den Schutz und die Förderung der Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt auf die Fahnen geschrieben hat. Der Verein bezieht sich hierbei auf das Ergebnis eines Rechtsgutachtens, welches der Hamburger Verfassungsrechtler Prof. Dr. Winterhoff just am selben Tag veröffentlichte.

Das Unterrichtsmaterial, das Sozialministerin Alheit im April 2014 beim Lesben- und Schwulenverband Schleswig-Holstein (LSVD SH) in Auftrag gegeben hatte, und das seitdem mehrfach überarbeitet wurde, sei demnach verfassungswidrig, da es gegen das Verbot der staatlichen Indoktrination verstoße, wird Winterhoff in der Mitteilung des Vereins zitiert. Es würde den Schülern die Wertvorstellung vermittelt, dass homosexuelle und heterosexuelle Verhaltensweisen gleichwertige Ausprägungen menschlicher Sexualität seien. Zwar dürfe diese Auffassung durchaus an staatlichen Schulen vorgestellt werden, jedoch nicht als „einzig wahre und richtige Sicht der Dinge“. Vielmehr müsse auch die gegenteilige Auffassung behandelt und als ebenso vertretbar dargestellt werden. Nur so sei das Neutralitätsgebot des Staates gewährleistet.

Winterhoff bezieht sich hierbei auf die Grundsatzentscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum Thema Sexualerziehung, wonach der Staat im Rahmen schulischer Sexualerziehung für die verschiedenen Wertvorstellungen auf diesem Gebiet offen sein und jeden Versuch einer Indoktrinierung zu unterlassen hat: „Das bedeutet: Unterrichtsmaterial an staatlichen Schulen darf nicht darauf ausgerichtet sein, Schüler zu veranlassen, ein bestimmtes Sexualverhalten zu befürworten oder abzulehnen. Gerade das sei aber beim Methodenschatz der Fall.“

Der Staat darf nicht indoktrinieren

Der Staat dürfe demnach den Schülern zwar den Eindruck vermitteln, dass Homo- und Heterosexualität gleichwertig seien, allerdings dürfe er in der Schule lediglich darauf hinwirken, dass jeder Bürger Homosexualität toleriert. – so wie jede andere Form legaler Sexualität auch.

Lange wurde über die Sinnhaftig- oder Sinnlosigkeit dieser neuen Unterrichtsinhalte zum Thema Sexualität diskutiert. Denn Schleswig-Holstein ist längst nicht das einzige rotgrün regierte Bundesland, in dem man künftig auf die einseitige Propagierung der „sexuellen Vielfalt“ setzen will. So sind neben Schleswig-Holstein u.a. auch Berlin, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg von der rotgrünen Indoktrination betroffen.

Dabei geht es keinesfalls darum, Homosexualität abzulehnen. Vielmehr besteht die Problematik, wie so oft, wenn es um rotgrüne Ideologie geht, in der Einseitigkeit, mit der ein bestimmtes Weltbild vermittelt werden soll. Im öffentlichen Diskurs, in den mehrheitlich rotgrün besetzten Medien, hat man diese einseitige Propagierung bestimmter Weltbilder bereits erfolgreich und nahezu flächendeckend durchgesetzt. Das Gutachten jetzt ist ein wichtiger Schritt, dieser Indoktrination zumindest in den Schulen Einhalt zu gebieten.

Und dennoch muss man sich fragen, inwiefern es für solche Vorstöße nicht längst zu spät ist und ob bei unterschiedlichen Themen die Forderung nach Neutralität des Staates innerhalb der Schule in gleichem Maße Rechnung getragen wird. Was nützt ein Lehrplan mit vernünftigen Unterrichtsmaterialien, wenn die Schüler von linksgrünen Ideologen unterrichtet werden? Jeder, der einmal zur Schule gegangen ist, kennt vermutlich diese Art von Lehrer. Den Politiklehrer, der gerne mal gegen den Kapitalismus wettert oder den Ethiklehrer, der vor allem seine eigenen Wertvorstellungen vermittelt. Schule – das ist leider viel zu oft nicht nur Vermittlung von Wissen, sondern vor allem auch Kommentar von Seiten des Lehrers. Und das ist die Crux. Denn Lehrer wird in diesem Land ganz oft derjenige, der bereits tendenziell links ist. Der es sich im Beamtentum bequem machen und sich der Leistungsgesellschaft dadurch entziehen will. Der eine besondere Liebe zum Staat pflegt und gerne auf Nummer Sicher geht.

Bloß keine Konkurrenz

Konkurrenz ist unter Lehrern genauso verpönt wie unter Schülern. Der linksgrüne Traum von Schulpädagogik wird hierbei von der Uni auf direktem Wege an die Schulen getragen. Seit Jahrzehnten ist die Schulpädagogik an den Universitäten schon auf links gepolt. Tendenz in Sachen Absurdität steigend. Das Ergebnis sind Gleichheitsdogma und bedingungslose einseitige Toleranz für alle – vermittelt von einer Lehrergeneration, die die 68er in Sachen Ideologie nicht selten um Längen übertrifft. Längst ist die Ideologie nichts mehr, was man wie eine Monstranz gegen ein System, welches diese ablehnt, vor sich herträgt. Längst ist sie eingewebt, zum festen selbstverständlichen Bestandteil des Staates und der Gesellschaft geworden und wird als solche von vielen gar nicht mehr wirklich erkannt. Auffallen tut sie lediglich noch, wenn man es wie im jetzigen Fall der Erziehung zur „sexuellen Vielfalt“ mit der einseitigen Indoktrination übertreibt.

Der Amtsmichel mach sich lächerlich
Kulturwechsel mit Piktogrammen im Erklärbärstil
In Bezug auf andere Themenbereiche ist diese einseitige Vermittlung einer bestimmten Weltanschauung indes bereits in einer solchen Art und Weise vorangeschritten, dass nicht einmal mehr bemerkt wird, dass man hierbei gegen das staatliche Neutralitätsgebot verstößt. Oder würde irgendjemand ernsthaft in Bezug auf die einseitige Propagierung der „multiethnischen Toleranzgesellschaft“ darauf pochen, dass auch die andere Seite in Form der Islamkritiker und kritischen Migrationsforscher zu Wort kommt? Längst ist die einstige Ideologie von Multikulti und bedingungsloser Weltoffenheit und Toleranz zum gesellschaftlichen Gemeinplatz avanciert, der als unantastbar gilt – zumindest so lange man nicht als Nazi oder Rassist beschimpft werden möchte.

Witzig wird all das dann, wenn die Indoktrination nur beim autochthonen Teil der Gesellschaft wirkt, während der Rest sich auf diese Form der Erziehung nur allzu oft ein Ei pellt. Während Thorben und Jannis in Kindergarten, Schule, von Eltern und Co. auf bedingungslose Weltoffenheit, Toleranz und Angst vor’m „Nazi-Sein“ gepolt werden, die ihre Probleme gefälligst mit Worten zu lösen haben, denkt sich Mohammed nicht selten, dass seine Lehrerin ihm ganz und gar nicht zu sagen hat, wie er Juden und Homosexuelle zu finden hat.

„Guten Rassismus“ im Tolerieren reaktionärer fremder Anschauungen?

Denn ja, auch das ist die multikulturelle Gesellschaft: Eine fundamentale Asymmetrie in Bezug auf Toleranz und Weltoffenheit zwischen autochthoner Mehrheitsgesellschaft und muslimischer Minderheitsgesellschaft, die sich nicht zuletzt daraus ergibt und dadurch steigert, dass von den einen noch jede Absurdität bis zum korrekten Gendern gefordert wird, während man unter dem Vorzeichen des, wie Gideon Boes es jüngst nannte, „guten Rassismus’“, dem anderen der Erhalt seiner Mittelalter-Anschauungen unter der Prämisse der kulturellen Toleranz zugestanden wird.

Unter diesen Vorzeichen könnte man gespannt sein, wie Mohammed und Osman und vor allem ihre Eltern reagieren würden, wenn ihnen in der Schule beigebracht werden soll, dass „sexuelle Vielfalt“ etwas ganz Wunderbares und jede sexuelle Ausrichtung als gleichwertig angesehen wird. Vermutlich würden sie noch erfreuter sein als die Eltern von Jannis und Thorben. Vor allem, weil man sich ja schon in der Vergangenheit in Bezug auf Klassenfahrten und gemischten Sport- und Schwimmunterricht stets als überaus tolerant und weltoffen erwiesen hat. Aber die Erziehung gilt ja gar nicht so sehr Mohammed und Osman.

Und so wird die Schizophrenie der Republik weiter voranschreiten. Stets propagiert und vorangetrieben von Menschen, die keinerlei Diskrepanz zwischen Grundschulunterricht in „sexueller Vielfalt“, Unisex-Toiletten und korrektem Gendern einerseits und Burka, Burkini, Kinderehe und anderen kulturellen „Bereicherungen“ aus islamisch geprägten Ländern andererseits sehen. Wo man auf der einen Seite einen großen Bogen um die „Erziehung“ und Forderung zur Anpassung von Migranten mit islamischen Migrationshintergrund macht, kann der Deutsche selbst gar nicht genug zurechterzogen werden. Letztlich hinterlässt das, unabhängig von der Angst, sonst als intoleranter Rassist zu gelten, nur eine mögliche Antwort auf die Frage nach dem Warum? zu.

Diese liegt in der Wehrhaftigkeit gegenüber der staatlichen Erziehung. Denn während sich Jannis, Thorben und ihre Eltern nicht dagegen wehren, sich noch jede Absurdität gefallen lassen, spielen Mohammed, Osman und ihre Eltern da nicht mit. Es ist die Tatsache, dass man sich unter der Prämisse der unabdingbaren Toleranz in jede noch so absurde sprachliche Konstruktion verheddert, während der andere sich einfach kurzerhand dem gesellschaftlichen und schulischen Miteinander entzieht. So verliert man sukzessive an Deutungshoheit und Durchsetzungskraft in Bezug auf die eigenen Werte. Dies gilt es zu verhindern, in dem man sich wie jetzt Räume der Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt erhält. Denn diese gilt nicht nur für Mohammed und Osman, sondern auch für Thorben und Jannis.

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