Sawsan Chebli: War es doch ganz anders?

Sawsan Chebli fühlte sich weniger als Frau sexistisch betroffen als vom Nichterkennen als Staatssekretärin, von der Missachtung als Obrigkeit.

Eine Vertreterin der Deutsch-Indischen Gesellschaft widerspricht den Aussagen Cheblis und gibt gegenüber der Berliner Morgenpost zu Protokoll, dass sie ebenfalls auf dem angeblich nur von Männern besetzten Podium saß. Chebli sei darüber hinaus zu spät gekommen und hätte sich auf einen Stuhl gesetzt, der kein Reservierungsschild hatte, was auch erklärt, weshalb der ehemalige Botschafter Hans-Joachim Kiderlen sie nicht gleich erkannt hatte. „Die dann gefallenen Worte des Vorsitzenden halte ich für zutreffend.“, so die Vertreterin der DIG in ihrer Mail. Der Kommentar Kiderlens sei „gut gemeint“ gewesen. Und sie ergänzt: Ihre Rede hätte Frau Chebli nicht frei gehalten, sondern vom Blatt abgelesen.

Sie könne Frau Chebli „nur empfehlen, bei künftigen Veranstaltungen pünktlich zu kommen und sich wie üblich mit dem Veranstalter vor Beginn der Veranstaltung bekannt zu machen“, heißt es weiter. Einmal mehr erscheint die Schilderung Cheblis vor diesem Hintergrund als bewusst überzeichnetes Szenario, das offenbar mit der Absicht verfasst wurde, bestimmte Stereotype in der Sexismus-Debatte zu bedienen. Hier die durch und durch männliche Welt der Politik und da die junge Frau mit Migrationshintergrund, die alle Klischees Lügen über hübsche Frauen und Intelligenz Lügen straft. Chebli selbst räumt gegenüber der Nachrichtenagentur dpa gänzlich unverhohlen ein: „Es ging mir darum, eine Debatte weiter anzustoßen, die noch nicht ausgefochten ist.“ Und auf Anfrage der Morgenpost heißt es:  „Es ist durchaus möglich, dass ich in dieser Situation als Gast so vor den Kopf gestoßen wurde, dass ich die Zusammensetzung des Panels falsch wahrgenommen habe. Sollte dies so sein, tut es mir leid.“

Einfach nur nett
Feminismus in der Sackgasse
Unabhängig von den Erwägungen, die bereits im gestrigen Kommentar zur Causa Chebli angestellt wurden, bleibt zu fragen: Wie weit darf jemand, noch dazu eine Staatsbedienstete wie Frau Chebli, gehen, um eine ihrer Meinung nach wichtige öffentliche Debatte erneut zu befeuern? Man stelle sich einmal vor, ein Kritiker der hiesigen Flüchtlingspolitik würde einen „Vorfall“ mit einem Asylbewerber derart verfälschen, in dem er Informationen weg- und andere dazu dichtet, um „eine Debatte anzustoßen, die noch nicht ausgefochten ist.“ Der Verfolgung der deutschen Presselandschaft könnte er sich gewiss sein. Wo bleibt also die mediale Empörung angesichts der Tatsache, dass Frau Chebli nicht nur einen verdienten Mann in Misskredit gebracht hat, sondern auch gleich alle Frauen, die sich zurecht in diesem Land über Sexismus beschweren und nun erneut für unglaubwürdig gehalten werden? Wer setzt dem offensichtlichen Narzissmus einer Frau, die es augenscheinlich nicht ertragen konnte, als Staatssekretärin nicht erkannt zu werden, Grenzen, indem er sie nicht einfach medial damit davonkommen lässt?

Immerhin ließen sich nicht wenige Presseorgane, darunter der Tagesspiegel und der Kölner Stadtanzeiger, zu einem Kommentar hinreißen, der Chebli verteidigte. Fühlt man sich da als weibliche Journalistin von Frau Chebli nicht verhohnepiepelt, oder ist die Scham so groß, dass man nun nicht zurückrudern will? Dabei liegt es doch gerade in der Verantwortung von uns Frauen, uns weiblichen Stimmen in der Öffentlichkeit, solche Dinge nicht durchgehen zu lassen, wenn wir in künftigen Debatten rund um das Thema Sexismus noch ernst genommen werden wollen.

Dazu kommt: Ich muss mit keiner Frau Solidarität zeigen, genauso wie ich Angela Merkel wählen muss, nur weil sie eine Frau ist. Frau sein ist kein Wert für sich. Und schon gar nicht rechtfertigt er das Verschweigen von Lügen der Sache wegen. Der deutsche Journalismus täte jedenfalls einmal mehr gut daran, die Verpflichtung gegenüber der wahrheitsgemäßen und kritischen Berichterstattung den ideologischen Wunschvorstellungen voranzustellen.

Ein weiterer Punkt ist, dass man angesichts des geschilderten „Vorfalls“ der Berliner Staatssekretärin, der sich durch die Darstellung der Vertreterin des DIG als noch größerer Popanz entpuppte, als er ohnehin schon war, auf die Idee kommen könnte, dem Feminismus gingen die Themen aus, weshalb er gleich welche erfinden müsse. Dies wage ich angesichts einer nie dagewesenen körperlichen Bedrohung für Frauen in diesem Land doch arg zu bezweifeln.

Hauptsache nicht bei der AfD
Das seltsame Verständnis von Integration einer Vorzeige-Muslima
Das Problem ist, dass gerade Frauen wie Sawsan Chebli, die sich an dieser Stelle gerne zur Vorreiterin gegen den Sexismus des „alten weißen Mannes“ stilisiert hätte, genau bei diesen wirklichen Bedrohungen die Augen verschließen. Stattdessen konstruiert man sich eigene durch und durch elitäre und abgehobene Zugänge zum Thema Sexismus, wie man es sonst vor allem von der politischen Linken in diesem Land kennt und die rein gar nichts mit den Empfindungen und der Lebenswelt der meisten Frauen in diesem Land zu tun haben. Denn deren Probleme liegen zumeist nicht in Komplimenten weißer Männer begründet, sondern im alltäglichen Kampf als alleinerziehende Mutter, als Opfer häuslicher Gewalt oder ganz neu im Angebot: Als Frau, die sich abends nicht mehr alleine vor die Tür traut, weil die Sicherheitslage durch mehrheitlich muslimische Asylbewerber derart prekär geworden ist.

Wem das zu praktisch ist, der kann sich auch auf theoretischer Ebene über die Frauenfeindlichkeit im Deutschrap informieren, der zum Großteil von jungen muslimischen Männern und ihrem Frauenbild geprägt wird. Der kann sich an den Schulen anschauen, was das durch den Rap verbreitete Frauenbild plus einer Mehrheit von muslimischen Jungs mit der Freiheit der Mädchen und dem Frauenbild der verbleibenden deutschen Jungs anstellt, die diese Schulen besuchen. Ferner könnte man an sich gesellschaftliche Debatten über den Jungfrauenkult im Islam stoßen und was das auch für viele hier geborene junge Frauen bedeutet, die kein wirklich selbstbestimmtes Leben führen können und sich stattdessen ihr Jungfernhäutchen wieder zunähen lassen. Wir könnten über das Kopftuch als Trennlinie zwischen den „ehrenhaften“ und „unehrenhaften“ Frauen sprechen, statt es als Symbol der Freiheit zu zelebrieren, über die 50.000 Opfer von weiblicher Genitalverstümmelung allein in Deutschland, über die Morde im Namen der „Ehre“ oder die vielen Frauen, die in Köln Opfer wurden und deren Täter zu einem ganz großen Teil nie eine Strafe dafür bekommen werden.

Ja, es gibt so viele Debatten, die es verdienen, angestoßen zu werden und für die man noch nicht einmal etwas dazu erfinden muss, weil die Realität schockierend genug ist. Bei denen es wichtig wäre, dass gerade Frauen Stellung beziehen. Nein, dem Feminismus gehen die Themen sicherlich nicht aus. Er muss nur den Mut finden, sie zu besetzen.

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Kommentare ( 81 )

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81 Kommentare auf "Sawsan Chebli: War es doch ganz anders?"

Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung

Die Provokationen von Chebli und Özuguz müsen aufhören.
Es wird Zeit, dass jemand in der SPD durchgreift.

Wozu…die schaffen sich gerade ab und das ist auch mal was gutes.

wie schwach ist doch das Selbstbewusstsein, wenn eine Frau ein Kompliment nicht einfach annehmen kann. Noch dazu eine Frau die die Sharia mit dem Grundgesetz für kompatibel erklärt und eigentlich auch liebend gern ein Kopftuch tragen würde, was aber nach ihrer eigenen Aussage nicht geht, weil man damit in Deutschland keine Karriere machen kann. http://www.zeit.de/2017/05/sawsan-chebli-berlin-senat-islamismus/seite-2 Wie auch immer, ich kann Komplimente von Männern völlig entspannt annehmen und danke sagen. Was mich aber wirklich stört, sind die Angebote zu sexuellen Abenteuern von jungen Migranten, meist aus Afrika. Diese „Angebote“ empfinde ich als entwürdigend und nicht nur aufgrund meines Alters. Leider würde… Mehr

Vor gar nicht langer Zeit waberte # Aufschrei durchs Land, weil ein alter weißer Mann(Brüderle)einer Journalistin vom “ Stern“ ein eher weinseliges Kompliment abends an der Bar gemacht hatte, dessen die Frau sich erst nach Aufforderung ihres Chefredakteurs ein Jahr später kurz vor der Bundestagswahl wieder empört erinnerte. Die Initiatorin(Name ist mir entfallen)des # Aufschreis erhielt für Ihre“Courage“ sogar einen Preis.Nach den Vorkommnissen in Köln Silvester 2015 und lfd. bis heute sind mir ähnliche Aktionen von feministischer Seite-ausgenommen die Kritik von Alice Schwarzer- nicht bekannt geworden…

Toxisch war er auch noch, der alte Lustmolch 🙂

Sawsan Chebli, doch zu Hoch gelobt und nur eine verkappte „Blondine“ ?
Zur Politik gehört es, Toleranz mit anderen Meinungen zu haben und nicht zu versuchen anderen Leute die „eigene Gutmenschen Meinung“ aufzuzwingen.

Frau Chebli hat der Sache, die sie eigentlich vertreten wollte, einen Bärendienst erwiesen. Diese Selbstdarstellung als Opfer, wenn nur eigene Befindlichkeiten verletzt sind, diskreditiert alle echten Opfer.

Ich finde es als Mann generell schwierig, mich zu feministischen Themen zu äußern, da ich mich am Ende nicht tangiert fühle. Einen konfrontativen, auf Männerhaß geeichten Feminismus lehne ich ab bzw. ignoriere ihn einfach, ansonsten verachte ich weder Frauen noch schätze ich sie gering, schlage sie nicht oder vergewaltige. Trotz allem fällt mir auf, insbesondere wenn ich die linksliberale, und hier noch mehr die angelsächsische Presse durchlese, wie dort der Skandal um den Filmproduzenten Weinstein hochgekocht wird, als sei man auf dem Mars gelandet. Abgesehen davon, daß ich auch nichts für Männer übrighabe, die ihre Machtposition zur Erniedrigung oder Nötigung… Mehr

Da haben Sie absolut recht! Aber ihr biologisches Alter ist 39, es sei denn die Geburtsurkunde wurde „verloren“, was in letzter Zeit ja häufiger passieren soll. Zeiten sind das!

you made my day!
Danke für den Lacher!

Ok verstanden, tut mir leid, dass ich Ihren Beitrag aus Versehen gelesen (dabei habe ich mir das Gegenteil so fest vorgenommen) und noch mehr leid, dass ich ihn, mit leichter Kritik, kommentiert habe. Insofern ist das Löschen gerechtfertigt.

Es gibt hier in Deutschland eine wenig hilfreiche Tradition, die Böcke zum Gärtner zu machen. Frau Chebli hat einen hierfür typischen Hintergrund familiärer Natur.
Zerissen zwischen der Attraktion der westlichen Welt und einem Loyalitätskonflikt mit den tradierten religiösen Maximen, kommt es quasi zur kompensatorischen „Beschimpfung“ der attraktiven Gastgesellschaft. Beispiele für diesen Mechanismus fallen mir spontan einige ein.
Darüber hinaus fühlte sich Frau Chebli aber vermutlich auch nur ertappt. Sie weiß, warum sie die Posten bekommt, Jedenfalls nicht, weil die Torte unter ihr besonders schön hell erstrahlt.

Komisch, bis zu diesem „Vorfall“ ist mir die Frau nicht untergekommen und ich lese viel Politisches. Da hat sie sich aber schön in die Öffentlichkeit vorgedrängelt. Macht sich aber selber zum Drops und merkt es nicht denn es gibt noch Menschen mit gesundem Verstand der ihr wohl abhanden gekommen ist. Nunja, jeder blamiert sich wie er kann. Schönen Mittwoch!

Also, Herbert, da haben Sie auch nichts verpasst – oder vielleicht doch?
Es gibt etliche Videos auf Youtube, die uns zeigen wie unübertroffen dumm und hochnäsig (dropsig) dieses Mädel ist, als die noch im Außenministerium war. Und man kann schon sagen, dass die sozusagen als Alibi-Muslimin in diesem Ministerium angeheuert wurde, so ähnlich, wie Hollywood in den meisten Filmen den guten Schwarzen eingebaut hat.
Wie so eine dann noch als Berliner Staatssekretärin verwendet und alimentiert wird, ist mir sehr unverständlich.

Naja, z. B. genau aus dem von Ihnen schon selbst genannten Grund für das AM. Und vielleicht noch ein paar anderen Gründen mehr.

Frau Chebli gibt sich offenbar sehr große Mühe meinen Sexismus – schöne Frauen einfach schön zu finden – zu bedienen. Vielleicht sollte an dieser Stelle eine Lanze für Sabatina James gebrochen werden. Auch eine schöne Frau, die im Gegensatz zu Frau Chebli gegen realen Sexismus aufgestanden ist, insbesondere gegen den islamischen. Ein Chapeau für Frauen wie Sabatina James. Da kann sich Frau Chebli doch ein Beispiel nehmen, das sicher in den Mainstreammedien nicht ganz verschwiegen werden könnte.