»Naturschutz ist der neue Kolonialismus«

Der Universitätsdozent und Autor Dr. Mordechai Ogada hat 18 Jahre lang als Biologe in Diensten von NGOs gearbeitet und kennt die sogenannten »Umweltschützer« und deren Vorgehen in Afrika aus der Innenperspektive.

imago images / Cavan Images
Symbolbild

»Piraten« und »Prostituierte« – sehr deutlich sind die Worte, die der kenianische Biologe Mordecai Ogada wählt. Damit bezeichnet er NGOs und Wissenschaftler, die Naturschutz in Afrika betreiben würden. Motto: »Haltet schwarze Menschen fern von der Natur, damit weiße Menschen sie genießen können.« Umweltschutz in Afrika – ein verlogenes Machtinstrument. Wie Kolonialisten führten sich vorgebliche Umweltschützer auf: »Ich habe in Kenia gesehen, wie NGOs in eine Gemeinschaft kommen, und alles gerät durcheinander. Sie bringen Geld mit, sie kaufen sich Zustimmung, sie verteilen Posten. Dann gehören einige dazu und andere nicht. Und plötzlich ist jemand tot.«

In einem eindrucksvollen Gespräch mit der Zeitschrift Geo erklärte er, dass sich der Naturschutz »bei seinen Spendern im Westen als friedlich und linksliberal« präsentiere. Im Süden aber trage er grüne Uniformen, sei elitär, gewalttätig und oft rassistisch. Ogada: »Eine rechte Agenda, die mit Geldern von Linken durchgesetzt wird: Das ist die größte Lüge.«

Der Universitätsdozent und Autor Dr. Mordechai Ogada hat 18 Jahre lang als Biologe in Diensten von NGOs gearbeitet und kennt die sogenannten »Umweltschützer« und deren Vorgehen in Afrika aus der Innenperspektive. Die meisten »Umweltschützer« seien weiß und würden meist Führungspositionen einnehmen und bestimmen. Zwar würden in Kenia Schwarze Banken, Wirtschaft und Bildung kontrollieren, doch in Sachen Naturschutz herrschten die Weißen.

Die Jagd in Kenia sei seit mehr als 40 Jahren verboten, dennoch dürften weiße Tourismus-Investoren für teure Restaurants Tiere schießen. Ogada: »Aber es ist doch verrückt, dass jemand es für politisch tragfähig hält, den Touristen Impala-Steak zu servieren, während ein schwarzer Dorfbewohner erschossen wird, wenn er bloß den Nationalpark betritt.«

Seit 2010 würden freilich viele Menschenrechte von der neuen Verfassung garantiert: »Aber wenn jemand verdächtigt wird, ein Wilderer zu sein, erschießt man ihn einfach.« Naturschutz lasse Rechtsbrüche normal werden, beklagt Ogada. Denn: »Naturschutzorganisationen geben Millionen dafür aus, ihre romantische Botschaft an die Leute zu bringen: die Geschichte von weißen Heilsbringern, die die Tierwelt in Afrika retten – und zwar vor den Afrikanern. Diese Erzählung stammt aus dem 19. Jahrhundert.«

Ogada, der übrigens im vergangenen Herbst Deutschland besuchte, sei in Kenia vor kurzem selbst von Wachleuten eines privaten »Schutzgebietes« bedroht worden. Er fuhr nach einem Bericht des Vereins »Survival« auf einer öffentlichen Straße in der Nähe des Mount Kenya, als bewaffnete Wachleute ihn der Wilderei bezichtigten. Das »Schutzgebiet« ist eines von 60 privaten Gebieten und mit Luxusunterkünften sowie eigener Landebahn ausgestattet.

Stephen Corry, Direktor der Organisation »Survival« kennt den Bereich und meint: »Viele so genannte ‘Conservancies’ sind Lehnsgüter für die Ultrareichen, die als Naturschutzgebiete getarnt sind. Sie sind nur die jüngsten Manifestationen eines Ökofaschismus, der seit einem Jahrhundert im Zentrum des kolonialen Naturschutzes in Afrika steht.« Die großen Naturschutz-NGOs würden 30 Prozent der Erde in ‚Schutzgebiete‘ umwandeln wollen, das führe zu einem weiteren Landraub.

Als die vielleicht »erfolgreichste Lüge« bezeichnet Mordecai Ogada, dass sich internationale Terroristen durch Elfenbeinhandel finanzierten. »Es gibt keinen Beweis dafür«, sagt Ogada deutlich. »Aber Naturschützer haben die Regierung der USA davon überzeugt, und das hat die Schleusentore geöffnet.« So fließe Geld aus Anti-Terror-Töpfen in den Naturschutz. Heute würden »Typen, die vorher für das amerikanische Militär im Irak oder in Afghanistan gearbeitet haben« für private Sicherheitsunternehmen nach Afrika kommen, ohne für die Polizeiarbeit ausgebildet zu sein. Ogada: »Alles, was sie können, ist töten. Sie kommen nach Afrika, um Menschen zu töten. Weil es zu viel Geld gibt.«

Tieren komme der Naturschutz nicht zugute. Denn das Geld fließe in die Taschen einiger Leute: »Diese Organisationen zahlen hohe Gehälter. Sie kaufen Waffen, Munition und Helikopter. Sie bauen eine Art Parallelregierung auf, inklusive Sicherheitsorganen. Manche NGOs in Ost- und Zentralafrika unterhalten bewaffnete Milizen, die über Grenzen hinweg operieren. Etwas, was staatliche Behörden nicht dürfen. Und damit haben sie die Großspender in eine Falle gelockt.«

So müssten in den kommenden Jahren diese Milizen weiter bezahlt werden und die Spender weiter Millionen Dollar geben. »Die Spender haben ein Monster erschaffen und müssen es füttern. Wenn man denen einfach das Geld streicht, dann werden einige von ihnen kriminell, werden Räuber, Wilderer, Viehdiebe. Sie haben jetzt Waffen und eine taktische Ausbildung.«

Kein gutes Haar lässt er an Jane Godall, jener berühmt gewordenen britischen Schimpansenliebhaberin, die jahrelang unter den Primaten gelebt hatte und »für den Schutz der Arten« werben wollte, und der »Gorillaversteherin« Dian Fossey, die ermordet aufgefunden wurde: »Als junger Student haben mich diese Leute auch inspiriert. Aber im Laufe der Jahre habe ich erkannt, dass ihr Vermächtnis vor allem eines der Eigenwerbung ist. Dian Fosseys Milizen haben Menschen getötet, die sie als Wilderer verdächtigten. Sie wurde aus Rache ermordet, weil sie die Rechte anderer Menschen verletzt hat. Die Gorillas sind 34 Jahre später übrigens immer noch da.« Und alle Helden in Afrika seien weiß.

Ogadas Bilanz: »Die große Organisationen versuchen, eine permanente Krise herbeizureden, um ihre Arbeit zu rechtfertigen.« Er wundert sich: »Naturschutz ist das einzige Gebiet, auf dem wir Versagen belohnen. Wir verehren die, die sagen: Seit 40 Jahren kämpfe ich für diese Tierart. Wenn Sie als Ingenieurin 40 Jahre lang an einem Problem arbeiten, ohne es zu lösen, dann verlieren Sie Ihren Job. Aber Naturschützer bewundern wir für ihre Ausdauer. Dabei haben sie 40 Jahre lang nichts gemacht oder das Falsche.« – Das kennen wir hierzulande auch.

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Kommentare ( 32 )

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32 Kommentare auf "»Naturschutz ist der neue Kolonialismus«"

Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung

Ich habe das Gefühl der Mann erzählt nicht die ganze Geschichte. Wie die Natur unter dem „Schutz“ von nicht-Weißen aussieht kann sich jeder selbst ansehen. Stichwort Ganges. Stichwort Wilderei.

Interessante Formulierung: „Eine RECHTE Agenda, die mit Geldern von LINKEN durchgesetzt wird.“

„»Die große Organisationen versuchen, eine permanente Krise herbeizureden, um ihre Arbeit zu rechtfertigen.« „. Die Methode kennen wir doch: Kampf gegen „Rechts“ und jetzt Corona.

Scheinbar leidet die ganze Welt unter den „Weltenverbesserern).

In einem irrt Herr Ogada:»Eine rechte Agenda, die mit Geldern von Linken durchgesetzt wird: Das ist die größte Lüge. Es ist keine rechte Agenda, sondern eine Agenda der Kulturmarxisten. „Umweltschützer“ im allgemeinen fühlen sich diesem Lager zugehörig und, was am wichtigsten ist, sie hassen Menschen, leben angeblich für das Wohl der Tiere und was sie machen ist IMMER richtig. Kulturmarxisten waren und sind immer die eigentlich Rassisten, die anderen Menschen immer wieder erklären, wie sie zu leben haben, egal ob nun in Afrika oder Europa bzw. der USA. Nur an arabische Staaten trauen sie sich nicht heran, weil sie wissen,… Mehr
Die Chinesen habe dafür einen treffenden Ausdruck – Baizuo. Afrika ist in der Tat der geknechtete Kontinent. Im Moment rollt die dritte Sklavenwelle nach Europa ausgelöst durch Werbevideos der deutschen Regierung. Der Anteil der aus Afrika kommenden Migranten, die hilfreich für die europäische Wirtschaft sind, ist überschaubar und nur in der Landwirtschaft zu verwenden. Es kommen Männer, die eigentlich dringend für die innerafrikanische Entwicklung gebraucht werden, da nur Frauen und Kinder vor Ort übrig bleiben. Wir zerstören nahezu mutwillig die Landwirtschaft und die mittelständische Produktion, da wir unsere Hühnerkleinteile und abgetragene Kleidung nach Afrika exportieren und auch unsere Altfahrzeuge und… Mehr

Die Losung der Sklavenhalter:“Wir bekommen Menschen geschenkt!“

Im Prinzip haben sie recht. Nur, die Landwirtschaft ist Sache der Frauen. Kein afrikanischer Mann macht sie die Finger mit so etwas schmutzig. Wenn man wirklich mal einen dabei sieht, ist es die große Ausnahme. Männer hüten Ziegen, klapprige Kühe usw., weil man da so schön faul sein kann. Okay, jetzt war ich mal so richtig rassistisch, aber die vormals im ÖR gezeigten Dokus, die jetzt nicht mehr gezeigt werden, sagen gerade das aus.

Jane Godall hat immerhin erkannt, dass die Wurzel allen Übels die Überbevölkerung ist.

In den nächsten Jahrzehnten verdreifacht sich die Bevölkerung südlich der Sahara.
Wer glaubt, dass das „im Einklang mit der Natur“ funktionieren kann ist ein Narr.

Hochinteressanter Artikel, vielen Dank!
Leider ist der Link auf GEO nicht erreichbar.
Wahrscheinlich gerade überlastet

Ähnlich verhält es sich mit Regenwaldschützern. Ich habe mal ein Projekt in Brasilien besucht. Kleines Resort, in dem gutwillige Studenten mithalfen, ein paar hundert Hektar zu betreiben und Geld einzusammeln, was der damalige Besitzer , durch Bilder im Frack vor Ort belegt, in Münchens Schickeriakreisen ausgeben konnte. Mit Orden und Titel versehen. Ein wohlklingender Name des Projektes als e.V. in der Bundesrepublik wird wohl für ein gutbezahltes Dasein des Herren gesorgt haben.

Herrje, schon wieder. Faschismus ist links. Das war noch nie anders. Und die reichen Faschisten sind Salonsozialisten. Die linken Agenda war noch die etwas anderes als destruktiv und konnte auch nie etwas mit Bestand aufbauen. Immer nur Blut, Tränen und Trümmer. Linksliberal= Kommunist.

„Schutzgebiete für Ultrareiche.“

Und wer sind diese Leute? Weiße, ja, aber woher? Reiche Russen, US-Börsianer, Waffenschieber?

Und warum kommt mir gerade der Fall Zuckerberg in den Sinn, der sich auf einer der Hawaii-Inseln ein riesengroßes Grundstück kaufen wollte (gekauft hat?), das teils noch den Indigenen gehört? Da war viel Trara, er ist angeblich davon abgerückt etc. Auch da war von einer neuen Form von Kolonialismus die Rede…

…und ich darf mir nicht einmal ein „Tiny house“ auf’m Grundstück bauen… Aber ich bin halt in keiner NGO, und ’s Allgäu ist nicht Afrika. Vielleicht sollte ich nach Afrika in Brandenburg?

Meine Überzeugung ist ganz einfach: Lasst andere Länder in Ruhe. Ganz egal, worum es geht. Wenn die in einem Land Männer und/oder Frauen beschneiden wollen, sollen sie es tun. Wenn sie in einem anderen Land Tiere quälen, ist es ihre Sache.
Dieser „Kolonialismus“ entsteht direkt aus dem westlichen Weltrettungsanspruch. Ist ja auch gar nicht anders möglich. Wenn ich die Welt retten will und ich weiß wie, muss ich irgendwem in diesen Ländern meinen Willen aufzwingen. Und das kommt nie so gut an.

„Wenn die in einem Land Männer und/oder Frauen beschneiden wollen, sollen sie es tun. Wenn sie in einem anderen Land Tiere quälen, ist es ihre Sache.“ Zustimmung – Sie vergaßen zu erwähnen: aber baut einen großen Zaum um Europa und lasst keinen mehr rein.