Mitläufer lassen sich von Idioten bestimmen

Beim Wiederkäuen der derzeit genehmen Meinungen sollten die Mitläufer daran zu denken beginnen, dass auch die gesellschaftliche Akzeptanz einem Wandel unterliegt, den zu gestalten, sie selbst in der Lage wären.

© Sean Gallup/Getty Images

Siebzehn Männer aus Gambia, schreibt der Berliner Kurier, haben Ende Oktober in Freiburg zwei Frauen sexuell belästigt. Nach einer Behauptung des Polizeipräsidiums waren es nur drei. Ob es das besser macht? Unbestritten: Nahe des Bahnhofs sollen sie die jungen Frauen überrascht, ihnen an die Brüste und in den Genitalbereich gefasst sowie versucht haben, sie zu küssen. Der Vorfall erinnert nicht ohne Grund an die Silvesternacht in Köln. Seit die Kanzlerin im September 2015 die Grenzen öffnete und das deutsche Asyl für Millionen von Menschen entgegen geltenden gesetzlichen Verordnungen zugänglich machte, verging kaum ein Tag ohne eine solche Meldung über sexuelle Übergriffe durch jene, die Merkel so großzügig zu uns eingeladen hat.

Zu sexuellen Übergriffen gesellen sich andere Delikte. Diebstähle und Sachbeschädigungen genauso wie Schlägereien und Messerstechereien. Und während einige grabschen oder Diebstähle und Körperverletzungen begehen und sich immer mehr Frauen und Männer aus Unsicherheit und Angst von öffentlichen Orten zurückziehen oder im Falle der Frauen nicht mehr ohne männliche Begleitung abends vor die Tür gehen, nehmen unsere Sicherheitsbehörden mittlerweile beinahe wöchentlich mutmaßliche IS-Terroristen unter den Migranten fest.

Ja, es ist ein beklemmendes Gefühl, zu erfahren, was mittlerweile tagtäglich in diesem Land vor sich geht und zeitgleich zu wissen, dass die Mehrheit nichts dagegen unternehmen, dass sie nicht einmal ein wenig Wut entwickeln wird. Dass für die meisten alles gut ist, so lange sie selbst nicht davon betroffen sind.

Dabei kommen die Einschläge mit rasender Geschwindigkeit näher, scheinen aber dennoch für die meisten immer noch weit genug entfernt, um nicht das geringste bisschen Sorge zu verspüren. Nicht den Hauch eines kritischen Gedankens gegenüber der Einwanderungspolitik der Kanzlerin oder dem Islam an sich zu entwickeln.

Journalismus ist Neuigkeit, nicht Wahrheit
Postfaktisch: Kampfbegriff der Linken?
Dennoch heißt es nach wie vor für den Großteil business as usual. Aufgeregt wird sich nur dann, wenn irgendein Nazi-Schwachkopf irgendetwas Fremdenfeindliches gesagt hat oder mal wieder ein Asylheim brennt – selbst wenn sich hinterher herausstellt, dass es ein Asylberwerber selbst war, weil es nicht genug Nutella zum Frühstück gab. Mit Islamkritik und Benennung der harten Fakten in Bezug auf eine vollkommen desaströse Einwanderungs- und Asylpolitik (was in Deutschland de facto das Gleiche ist) macht man sich eben nicht unbedingt beliebt. Mit großer Empörung gegenüber und Distanzierung von der angeblich schier grenzenlosen Nazi-Gefahr in diesem Lande jedoch sehr wohl. Und anscheinend ist es das, was für einen Großteil der Deutschen immer noch mehr zählt als die Probleme, die durch diese gefährliche Gefallsucht und das dadurch resultierende Tabuisieren bestimmter Diskurse entsteht. Eine Gefallsucht, die so weit geht, dass man sich selbst jenen anbiedert, die uns ganz offen für unsere Naivität ihnen gegenüber verhöhnen.

Dabei ist es nicht zuletzt jene Gefallsucht, die eine ganze Reihe anderer Konsequenzen mit sich bringt: Einen überbordenden moralischen Dünkel und damit einhergehend ein schädliches Maß der Vermischung von humanistischem Anspruch und Politik, der sich in einer Politik des undurchdachten Wahnsinns äußert genauso wie unser selektives Mitgefühl und damit einhergehend eine Verweigerung gegenüber der Erkennung und Benennung des Bösen, der wirklichen Bedrohung für die freie Gesellschaft. Alles letztlich verursacht durch eine linke Deutungshoheit, die allenfalls in der Theorie Bestand und mit der Realität des Alltags nichts viel gemein hat.

Promi-Selbstbeweihräucherung

Um sich den Grad der Verblendung unserer „geistigen Elite“ mit ihrer linken Deutungshoheit bewusst zu machen, reicht allein schon ein gelegentlicher Blick auf jene Promi-Selbstbeweihräucherungsveranstaltung wie den Bambi. Denn der Bambi, das ist so etwas wie die Königin der öffentlichen Beliebtheitswettbewerbe um die Frage, wer am meisten im vergangenen Jahr irgendeine Politisch-korrekte-Pseudo-Ware fabriziert hat. Er steht im Kleinen stellvertretend für das Verhalten eines Großteils einer Gesellschaft, die verlernt hat, sich mit harten Fakten zu konfrontieren. Die die Existenz des Bösen schlicht mangels eigener Erfahrung negiert oder nur im Deutschen sieht und die Mitgefühl mehrheitlich nur noch für jene empfindet, die ihr fern sind. Die von der linksintellektuellen Elite zu bloßen Opfern erklärt wurden und die die westliche Gesellschaft zur Tätern ernannt haben. Ja, Politik, Journalismus, Publizismus und selbst die banale Diskussion unter Freunden ist längst keine Frage mehr von Überzeugung, von tatsächlicher Nutzung des eigenen Verstandes und des Bedienens von Logik. Es ist ein Showkampf, den derjenige am Ende gewinnt, der es am Besten verstanden hat, irgendwelche inhaltslosen politisch-korrekten Worthülsen der Toleranz und Anpassung von sich zu geben. Der nicht mehr nur den Kulturrelativismus beherrscht, sondern die Kulturüberhöhung unter umgekehrten Vorzeichen. Für den der Fremde sakrosankt ist und der eigene Mitbürger irgendwie immer Teil dieser schuldigen Gesellschaft.

Dabei ist festzustellen, dass Mitgefühl natürlich immer etwas Selektives ist. Andernfalls würden wir verrückt werden. Übermannt von unseren eigenen Gefühlen und schlussendlich gelähmt von unserem Weltschmerz. Wir können nicht jeden Tag in gleichem Maße die hungernden Kinder in Afrika, die Abholzung des Regenwaldes, die Ausrottung der Wale und unsere eigenen Obdachlosen beklagen. Wir selektieren und priorisieren. Setzen eigene Schwerpunkte auf Grundlage von Fakten und noch öfter aufgrund individueller Emotionen, die sich selten rational erklären lassen, die uns jedoch helfen zu überleben. Pathologisch wird es erst dann, wenn eine Mehrheit der Gesellschaft kollektiv einseitig ein pauschales Mitgefühl gegenüber bestimmten Menschengruppen entwickelt, während ihr das Mitgefühl gegenüber den Nächsten abhanden kommt. Das jedoch, ist die linke Deutungshoheit, die aus Gründen der Anpassung und Gefallsucht übernommen wird, und keine individuelle Priorisierung.

Diese Ursache von Priorisierung und Nicht-Priorisierung sowohl in Bezug auf Mitgefühl als auch in der grundsätzlichen Schwerpunktsetzung bzgl. bestimmter Themen gilt es, sich bewusst zu machen. Die fast schon automatische Bambi-Verleihung an Schauspieler, die irgendeinen Nazi in irgendeinem Nazi-Film gespielt haben oder an Jogi Löw für die bloße Tatsache, dass in der deutschen Nationalmannschaft nicht nur blonde autochthone Deutsche spielen, ist nicht einem übermäßigen Fremdenhass der Deutschen, einem exorbitanten Problem mit Rechtsradikalen geschuldet, dem man entgegen wirken muss und welches alle anderen gesellschaftlichen Probleme in Ausmaß und Qualität in den Schatten stellt, sondern einzig der linken Deutungshoheit, die das Böse nur im Deutschen erkennt und die Mitgefühl nur noch pauschal für Ausländer oder Menschen mit Migrationshintergrund empfindet, weil diese in ihrer Vorstellung schon von sich aus benachteiligt sind. Die auch dann noch mehr Mitgefühl erhalten, wenn sie vergewaltigen und stehlen. Weil sie als bloße Opfer der angeblichen äußeren Umstände deklariert werden, während der Deutsche sich als Objekt des Mitleids aufgrund der Privilegierung qua Geburt im Vergleich als ungeeignet erwiesen hat.

Wohlwissende und Intellektuellen-Idioten

Darüber hinaus gilt es, sich gewahr zu werden, dass jene Priorisierung und Selektion von Themen, Problematiken und Mitgefühl ein Luxus ist, den wir uns nur so lange erlauben können, wie wir nicht hautnah mit der Realität in Berührung kommen. Jogi Löw den Bambi für Integration zu verleihen, ist ein Luxus, den sich Menschen erlauben können, die keine Ahnung haben, was Integration im Alltag bedeutet, was sie eigentlich ausmacht und wie schwer sie sich insbesondere mit Menschen aus der islamischen Kultur gestaltet. Menschen zu einer Armlänge Abstand zu raten, ist ein Luxus, den man sich nur erlauben kann, wenn man selbst nicht ungeschützt am Bahnhof entlang laufen und fürchten muss, begrabscht zu werden. Die Ermutigung zum gemeinsamen Musizieren mit der Blockflöte? Ein Luxus, den man sich lediglich erlauben kann, wenn man nicht jeden Moment fürchten muss, von einem Islamisten überrascht zu werden. Die Aufforderung, offen auf Menschen einer so fremden Kultur zuzugehen? Ein Luxus, den man sich nur erlauben kann, wenn man in seinem behüteten Stadtteil keine Berührungspunkte mit dem Fremden hat. Wenn man Distanz und Nähe zu dem Fremden selbst festlegen kann. Wenn das eigene Zugehen auf die andere Kultur lediglich im wöchentlichen Besuch des türkischen Gemüsehändlers besteht.

Nassim Nicholas Taleb nennt diesen Menschentypus in seinem Essay „Die Wohlwissenden“ Intellektuellen-Idiot. Jemand, „der von Rassengleichheit und Chancengleichheit spricht, aber nie mit einem nichtweißen Taxifahrer ein Bier gekippt hat.“

Jener Typus ist es auch, der die mangelnde Differenzierung innerhalb der Gesellschaft in Bezug auf Islam und Flüchtlinge beklagt und dabei selbst am wenigsten differenziert. Der ganz betroffen von sich und seiner vermeintlichen Moral, seines Besser-Mensch-Seins den Zeigefinger gegenüber den anderen, weniger guten Menschen erhebt und dabei nicht einmal bemerkt, dass sein pseudo-moralisches Meinungsdiktat die Gesellschaft mehr spaltet als jeder angebliche geistige Brandstifter, den er zuvor aus dem elitären Bambi-Kreis der Selbstbeweihräucherung ausgeschlossen hat.

Emanzipation beginnt mit Erkenntnis

Nun: Warum müssen wir uns dessen bewusst werden? Weil erst dann die eigentliche Emanzipation beginnt, wenn sich ein immer größerer Teil der Gesellschaft bewusst wird, dass eine von der Alltagsrealität vollkommen entfremdete Kaste die geistige Führung im jeweiligen Land in ekelerregender Hybris für sich beansprucht, dass es sich nicht um eine tatsächliche intellektuelle Elite, sondern vielmehr um jene Intellektuellen-Idioten, die Taleb beschrieben hat, handelt.

Die Emanzipation von vorgekauten Gedanken und der Anspruch an irgendeine Zugehörigkeit zu diesen Kreisen, ebenso wie das grundsätzliche Ringen um Akzeptanz und Beliebtheit in einer Öffentlichkeit, die längst nicht mehr die tatsächliche Mehrheitsmeinung wiederspiegelt. Ja, an dem Punkt, an dem wir erkennen, dass jene, die derzeit noch die Deutungshoheit innehaben, nichts weiter als Idioten sind, beginnt das selbstständige Denken. Die Emanzipation. Die Freiheit im eigentlichen Sinne.

Dann erkennen wir wieder, dass auch das Fremde böse sein kann und dass Mitgefühl sich nicht nach der bloßen Zugehörigkeit zu einer Bevölkerungsgruppe bemessen sollte, sondern nach tatsächlichen Taten. Dass Beliebtheit und Zugehörigkeit nichts bedeuten, wenn jene, zu denen man gehören will, dümmer und weltfremder sind als man selbst. Dass individuelle Befindlichkeiten, der Drang auf der guten Seite stehen zu wollen, ein Luxus ist, den man sich in guten Zeiten erlauben kann, aber nicht in jenen, die eine faktenorientierte, pragmatische Politik erfordern. Dass die gute Seite selbst dem zeitlichen Wandel unterliegt und im Falle der linken Deutungshoheit nichts weiter als eine Modeerscheinung darstellt, die auf dem Boden der Wohlstandsverwahrlosung gedeihen konnte.

Wird sich eine Mehrheit in der Gesellschaft dessen bewusst, ist alles möglich. Was das bedeutet, sehen wir am Wahlsieg Trumps genauso wie am Brexit. Wir sehen aber auch, dass Deutschland noch nicht so weit ist. Dass ein großer Teil der deutschen Gesellschaft sich immer noch nicht im Klaren darüber ist, was für Idioten eigentlich die öffentliche Meinung prägen. Welch weltfremde Theoretiker und Bessermenschen darüber entscheiden, was gesagt werden darf und was nicht. Dass sie als Teil der Mehrheitsbevölkerung beim Wiederkäuen dieser Meinungen tatsächlich weniger ihre eigenen Ansichten und Überzeugungen kund tun als vielmehr das, von dem sie denken, dass es deren Gefallsucht Rechnung trägt. Eben das, was gesellschaftlich akzeptiert ist – nicht wissend, dass auch die gesellschaftliche Akzeptanz einem Wandel unterliegt, den zu gestalten sie selbst in der Lage wären.

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