Medien lassen ihre Wut an Lindner aus

Medien und die Grünen blasen gemeinsam zum Angriff auf Christian Lindner und die FDP. Ihre Wut kennt keine Grenzen.

© Odd Andersen/AFP/Getty Images

Heribert Prantl von der „Süddeutschen Zeitung“ kann seine Wut kaum zähmen. Lindner sei eine „Irrlichtgestalt“, seine FDP habe das „Odium der Verantwortungslosigkeit“, er halte sich für den deutschen Sebastian Kurz und habe die „Sondierungsgespräche dazu missbraucht, um sich nach Vorbild des ehemaligen FPÖ-Chefs zu ‚haiderisieren’“. Die „Frankfurter Rundschau“ bläst ins gleiche Horn: „Die Härte in der Ausländerpolitik zeigt das Ziel: Fischen am rechten Rand der Union und am gemäßigten Rand der AfD.“

Medien schäumen

Ein Skandal
Polit-Aktivist Slomka
Jakob Augstein schreibt auf „Spiegel-Online“: „Er (Lindner) sucht sein politisches Heil darin, die FDP auf nationalliberalen Kurs zu drehen. Sein gefährliches Vorbild ist klar: der Erfolg des noch jüngeren Österreichers Kurz. In einer gar nicht so fernen Post-Parteien-Zukunft, in der endgültig das Primat des Persönlichen obsiegt hat, könnte er, Christian Lindner, der erste gleichsam überkonfessionelle Kanzler der Republik werden. Was für eine grauenhafte Vorstellung.“ Die „taz“ meint, man wisse jetzt, wer Christian Lindner sei, nämlich „ein Plastik-Politiker“. „Wer wird diesem Mann jetzt eigentlich noch vertrauen?“ Das „Neue Deutschland“ titelt: „Der Buhmann steht fest“ – gemeint ist Lindner.

Lindner hat wohl einiges richtig gemacht

Wenn die vereinigte Linke mit so viel Wut über Lindner herfällt, dann hat er offenbar einiges richtig gemacht. Lindner ist kein Nationalliberaler. FDP-Gründer Thomas Dehler war einer. Aber Lindner ist eben auch kein sogenannter „Linksliberaler“ à la Sabine Leutheusser-Schnarrenberger oder Gerhard Baum. Das sind die einzigen „Liberalen“, die von den Linken akzeptiert werden. Alle anderen sind für sie „Marktradikale“ oder Rechte. Erinnern Sie sich noch, wie sie über Guido Westerwelle herfielen?

Lindner passt den Linken nicht, weil er sich dem linksgrünen Konsens widersetzt. Merkel hat die Union konsequent vergrünt. Deshalb haben sich Union und Grüne bei den Sondierungsgesprächen so blendend verstanden. Die CSU hat, anders als zunächst erwartet, diesen Konsens nicht ernsthaft gestört. Das liegt an Seehofer. Er ist eine lächerliche Figur, weil er ständig unsicher und orientierungslos zwischen Attacken auf Merkel und unterwürfiger Anbiederung an die Kanzlerin hin- und herschwankt. Gestern war mal wieder Anbiederung bei ihm angesagt. Ihn nimmt niemand mehr Ernst – weder seine Freunde noch seine Feinde. Seehofer hat nicht verstanden, was Peter Gauweiler ihm zurief: „Horst, es ist Zeit.“ Zeit, zu gehen.

Frustrierte Grüne

Wütend sind auch Grüne wie Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckhardt. Sie wollten um jeden Preis regieren, wirklich um jeden Preis. Dazu waren sie sogar bereit, fast alle ihre Überzeugungen an die CSU zu verkaufen. Vielleicht hätte nicht einmal Jürgen Trittin sie aufhalten können. Und dann hält ihnen jemand den Spiegel vors Gesicht, dem Überzeugungen wichtiger sind als ein Ministerposten. Lindner hat ihnen den Traum vom Mitregieren vorerst kaputt gemacht. Sie dürfen jetzt nicht an der De-Industrialisierung Deutschlands weiterarbeiten, dürfen keine Kohlekraftwerke stilllegen und der Autoindustrie nicht vorschreiben, was sie produzieren soll. Sogar aus dem von Merkel zugesagten 12-Milliarden-Projekt für „faire Energie“ wird nichts werden. Ihre Wut kennt keine Grenzen, denn das hatten sie sich alles so schön ausgemalt. Dieser Traum war „zum Greifen nahe“, wie sie seit dem Jamaika-Ende ständig beteuern. Und Lindner hat ihn kaputt gemacht, weil er bei dem Spiel nicht mitspielen wollte.

„Der Spiegel“ bringt es auf den Punkt

Wohltuend von dem allgemeinen Aufschrei unterscheidet sich ein Kommentar des „Spiegel“-Reporters Ulrich Fichtner. Dort heißt es:

„Mit dem Scheitern der Jamaika-Verhandlungen ist Deutschland eine Regierung ohne Richtung, eine Koalition ohne Projekt erspart geblieben. Vier Jahre Leerlauf hätten dem Land und dem ganzen Kontinent bevor gestanden, mit einer deutschen Regierung, in der die Fliehkräfte größer gewesen wären als das Verbindende und Konstruktive. Union, Grüne und FDP hätten sich nicht auf interessante Weise ergänzt und gegenseitig befruchtet, sie hätten sich blockiert. Auch wenn in den vergangenen Wochen des Sondierens in Berlin häufig anderes behauptet worden ist: Es war nicht der Wille der Wähler, dass da etwas zusammenwächst, was offenkundig nicht zusammengehört. Niemand außer den Beteiligten selbst hat sich eine Regierungsbank erträumt, auf der Joachim Hermann neben Claudia Roth und Wolfgang Kubicki Platz nimmt. Dass darüber überhaupt verhandelt wurde, verdankt sich der Tradition, „rechnerisch mögliche“ Koalitionen im Nachhinein als vom Wähler gewünscht hinzustellen. Es gab aber für ein Jamaika-Bündnis im Ernst keinen Auftrag.“

Dem ist nichts hinzuzufügen.

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Kommentare ( 67 )

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Das ist auch für mich genau der Knackpunkt. Ständig jammert die Linksmischpoke wie sie kurz vor der Einigung gestanden hätten, aber es gibt keine Fakten. Ergo muß ich das alles als Schutzbehauptung oder Lüge bewerten. Das aber genau machen die Medien und ihre grünaffinen Mitarbeiter nicht.

Vielflieger mit Bonusmeilensammelwut und Klimaretter?

Dann wäre die Stellung als Oppositionsführerin aber dahin, oder?

In das ganze Jubeln über Christina Lindner stimme ich auf weiterhin nicht ein. Und auch Sebastian Kurz ist mal als „Linksliberaler“ gestartet. Lindner hat das getan, was er kann – gut angezogen und telegen in die Kamera zu schauen und das aufzusagen, was man ihm im Hintergrund souffliert. Das Land steckt mehr in der Klemme, als es viele wahrhaben wollen – egal ob links, rechts, oder gar nix. Rechnen wir einfach einmal: Rot-Rot-Grün (das linke Lager): 38,6 %. Liegt im Rahmen, ca. 40 % der Deutschen sind links, immer schon seit 1968 CDU-FDP-AfD (das bürgerliche Lager): 56,2%. Diese Zahl kann… Mehr

Ja, obwohl ich FDP-Mitglied bin: Gauweiler ist immer noch mein Lieblingspolitiker. Ein hochintelligenter Mensch, den ich persönlich schon vor vielen Jahren kennenlernen dürfte und der mir sehr imponiert hat durch die Unabhängigkeit seiner Meinung und durch seinen Mut. Schade, dass er nicht mehr aktiv ist in der CSU. Er würde dringender gebraucht denn je….

Ich war als Schüler Maoist und hatte ein Lieblingszitat aus der Mao-Bibel: „Wenn der Feind uns bekämpft, dann ist das gut und nicht schlecht“….

O, yes, I remember it well.

Oh, oh, was ist denn da schief gelaufen…

Ja, die FDP hat viele Fehler gemacht, vor allem die Zustimmung zur Eurorettung. Wie in jeder Partei gibt es unterschiedliche Kräfte. Und ich bin erstmal froh, dass Leute wie Schnarrenberger und Baum keinerlei Rolle mehr in der FDP spielen. Das ist schon ein Fortschritt.

… ich hoffe, Sie haben Recht. Ich bin ja eher jemand, der stets für Angriff ist… 🙂 Aber damit muss ich nicht Recht haben.

Doch! Angriff ist die beste Verteidigung.

So wie Ihnen geht das manchen Menschen, die mir jetzt sagen: Ich werde das erste Mal FDP wählen. Die Medien merken gar nicht, dass sie oft das Gegenteil dessen bewirken, was sie wollen (das war schon bei der AfD oder bei Trump so).
Und Sie haben vollkommen Recht: Wäre Lindner in die Koalition eingestiegen, hätte man die FDP kritisiert, weil sie ihre Wahlversprechen nicht hält.

Ein solches (Wähler-)Verhalten nennt man Reaktanz.
Nicht 1:1 mit Trotz zu vergleichen (da noch andere, kognitiv höhere Prozesse eine Rolle spielen), kommt dem aber sehr nahe und sollte nicht zu unterschätzen sein.
Genau so wenig, wie man die Wähler, die man an die AfD verloren hat, gerne zumindest implizit als ‚Antidemokraten‘ bezeichnet (da sie ja eine Partei gewählt haben, die nicht zum ‚demokratischen Spektrum‘ gehört).
Das dient nicht dazu, diese verlorenen Wähler zurückzugewinnen – ganz im Gegenteil.
Man wird sie damit weiter verprellen und dadurch noch mehr Reaktanz gegenüber den ‚wahren demokratischen Parteien der Mitte‘ erzielen, als denen lieb sein kann.

Ich bin richtig stolz auf Christian Lindner!