Ich bin wertlos.

Sind wirklich wir, die wir dagegen anschreiben, die Hetzer und Scharfmacher oder sind es jene Medien- und Politikvertreter, die ihnen das Gefühl geben, niemand zu sein, die schlussendlich dafür sorgen, dass sich die Menschen abwenden?

Wertlos im menschlichen Sinne. In Bezug auf meine Herkunft. Meine Weltanschauung. Meine einfache Meinung. Weil ich Deutsche bin. So ganz ohne politisch korrekten Talkshow-tauglichen Migrationshintergrund und ohne Religion, die angeblich andauernd diskreditiert und ich damit diskriminiert werde.

Nicht wertlos bin ich in Bezug auf mein Geld. Denn der linke Traum von Multi-Kulti will ja finanziert werden. Dafür bin ich gut genug, aber ich habe satt, nur gut genug zu sein, wenn man mein Steuergeld für jene haben will, die uns angeblich so bereichern. Die uns am Ende oft nicht dankbar gegenübertreten, sondern als Menschen zweiter Klasse, wie Idioten behandeln, die man ausnehmen kann. Die eben nicht uns, sondern vor allem sich selbst bereichern.

Wir sind Deutsche.

Allein so weit reicht unsere political correctness schon, dass wir das Aussprechen dieses Satzes als komisch empfinden. Unsere Meinung, sofern nicht pro Multi-Kulti, zählt nicht. Menschen, die sie für mich aussprechen könnten, werden entweder gar nicht erst gehört oder als Rechtspopulisten medial niedergemacht. Man möchte keine Vertreter von uns und wenn, dann nur die komischen Kauze, damit man sie ins Lächerliche ziehen kann. Wir sollen eben nicht denken, dass wir viele sind. Dass es ok ist, so zu denken und dass unter uns die Vernünftigen mehr sind als die Unvernünftigen. Stattdessen müssen wir uns belehren lassen. Von Kopftuchaktivistinnen, Aiman Mazyek und Lamya Kaddor. Uns sagen lassen, was unsere Bringschuld ist und was wir doch für rassistische Arschlöcher seien.

Und ich bin Frau.

Deren Freiheit der Flüchtlingskrise als Erstes zum Opfer fiel. Nicht immer offensichtlich, sondern meist ganz subtil. Als ich mir nach Köln das Pfefferspray holte oder andere Frauen davon erzählten, wie sie bestimmte Kleidung oder Orte meiden. Es sind viele von uns, die in die innere Emigration gehen, weil wir zum lieb und nett sein erzogen wurden. Weil wir oft unsicher sind in Bezug auf unsere politische Meinung. Weil wir gefallen, gemocht werden wollen und Politik so schrecklich polarisierend ist. Aber wann ist der Zeitpunkt gekommen, sich zu wehren und wieder für die eigenen Rechte, die viel zu vielen selbstverständlich erschienen, zu kämpfen? Wann muss ich den politischen Gemeinplatz verlassen und Position beziehen? Jetzt. Genau jetzt. Der Ausverkauf der Freiheit hat längst begonnen und wir sind die Ersten, die direkt davon betroffen sind. Praktisch der Seismograph für das, was noch kommt. Aber ich will nicht Seismograph und ich will und wollte nie lieb und nett sein und allen gefallen. Ich will auch etwas wert sein.

Ich bin Polizist.

Wenn ich tagtäglich die Knochen hinhalte, interessiert es keinen. Wenn ich mich von linken Antifas mit Flaschen und Steinen bewerfen lasse, wird hinterher die Polizeigewalt beklagt. Wenn unsere rotgrünen Landesregierungen die Polizei kaputtsparen, sind wir am Ende Schuld, wenn nicht genug von uns in Köln präsent waren. Wir erleben die Konsequenzen der merkelschen Flüchtlingspolitik jeden Tag hautnah. Wir sind es, die machtlos den afrikanischen Drogendealern gegenüberstehen, weil man hier in Deutschland einen Falschparker eher zur Rechenschaft ziehen kann als einen Kriminellen. Wir müssen ausgebüchste Terrorverdächtige einfangen, die Merkel erst ins Land gelassen hat und mit denen wir vorher nie zu tun hatten. Wir kriegen kein Bundesverdienstkreuz für unsere Arbeit. Das kriegen die Syrer, die ihn gefasst haben. Weil es auch beim Bundesverdienstkreuz nicht mehr um tatsächlichen Verdienst, sondern um die gute Sache dahinter geht. Die Vermittlung, dass Multi-Kulti eben doch eine Bereicherung ist, auch wenn unser Alltag tagtäglich etwas anderes sagt.

Ich bin Lehrerin.

Ich muss in meiner Klasse jetzt nicht nur behinderte Kinder inkludieren, sondern auch Flüchtlinge. Muss jedem gerecht werden und kann es nicht, weil das Personal und das Geld für all das fehlen. Am Ende leiden alle, vor allem aber die guten Schüler, die nicht mehr entsprechend gefördert werden können. Aber Leistung ist ja eh verpönt. Lieber alle gleich und wenn es eben gleich dumm ist. Deutschland kann es sich erlauben. Wir haben ja außer Bildung noch so viele andere Ressourcen und wenn ich Burnout habe, dann fällt eben der Unterricht ganz aus.

Anabel Schunke kündigt
Ich muss gar nix
Ich bin Arzt. Ich bin Richter. Ich bin Unternehmer. Hartz-4-Empfänger und alleinerziehende Mutter. Ich bin Mensch, der gegen all den Wahnsinn anschreibt und dafür ausgegrenzt und bedroht wird. Am Ende steht die gute Sache, derer wir uns unterzuordnen und für die wir zu zahlen haben. Finanziell, kulturell und menschlich.

Aber ich will nicht mehr zahlen für etwas, was mich nicht bereichert. Für Menschen, die mich ob meiner Naivität und des guten Willens auslachen. Ich will keine Rücksicht auf kulturelle und religiöse Befindlichkeiten von Muslimen mehr nehmen müssen. Nicht in der Kantine. Nicht in der Schule. Stattdessen will ich endlich, dass man Rücksicht auf mich nimmt. Dass ich kritisieren und fordern darf, ohne Rassist zu sein. Dass die Mehrheit und nicht nur die Minderheit gehört wird. Dass ich auch wieder etwas wert bin.

Wie lange kann man Menschen so behandeln, ehe sie sich wehren? Sind wirklich wir, die wir dagegen anschreiben, die Hetzer und Scharfmacher oder sind es jene Medien- und Politikvertreter, die ihnen das Gefühl geben, niemand zu sein, die schlussendlich dafür sorgen, dass sich die Menschen nach rechts abwenden?

Ihr bestimmt vielleicht das Bild von Öffentlichkeit, aber die Öffentlichkeit seid ihr nicht. Und ich, ich bin nicht wertlos.

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Kommentare ( 113 )

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