Ich bin guter Dinge

Berliner Clans freuen sich übers Anti-Polizei-Gesetz – jetzt können sie jederzeit die Diskriminierungs-Karte ziehen. In Kalifornien streichen sie derweil Anti-Rassismus-Gesetze, um offen Weiße zu diskriminieren. Warum schämen die sich nicht mal mehr?

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Einst, als die Jahrhundertzahl um ein Jahrhundert niedriger war, in jenen weiseren Tagen, als Kinder in der Schule noch Latein lernten und auch sonst klüger statt dümmer wurden, damals wurde die Geographie noch mithilfe großer, gerollter Weltkarten gelehrt – und wir verstanden die Welt und ihre Unterschiede messbar präziser als mancher aus der ach-so-vernetzten Generation Empörungsklicks.

Wenn ein Schüler zum Kartendienst zugeteilt war, dann oblag es ihm, vor der Klassenstunde die zum Thema passende Rollkarte im Kartenraum zu finden, diese durch die Schulflure zu manövrieren, in der Klasse zu entrollen und im Kartenhänger zu fixieren. Mit Hilfe seines hölzernen Lehrerkartenzeigestocks zeigte der Lehrer auf der Karte, welcher Umrisse sich das Land rühmte, das der Lehrplan aktuell durchzunehmen vorgab.

So weit ich es heute beurteilen kann, wurden wir damals mit den richtigen Karten gelehrt. Sicher, manche Ländergrenze von damals wurde inzwischen neu verhandelt, es kamen Länder dazu, und andere Länder gingen in größeren Ländern auf. Jugoslawien wurde zu mehreren Ländern mit etwas unfair verteiltem Mittelmeerzugang. Die Slowaken wollten sich von den Tschechen loslösen, und die Tschechen stimmten zu. Die Bundesrepublik Deutschland schloss sich der DDR an, und Leute von der Stasi, der SED und deren Vorfeldorganisationen fanden sich in Medien, Politik und spannenden Vereinen wieder. Von den bekannten Veränderungen abgesehen aber waren doch, so weit ich das beurteilen kann, die Weltkarten, die wir gelehrt wurden, weitgehend richtig.

Jedoch, als Gedankenexperiment, stellen wir uns einmal vor, dass die Weltkarte, die man uns beibrachte, komplett falsch gewesen wäre. Ich meine nicht nur die für die Mercator-Projektion typische optische Vergrößerung von Gebieten, je näher sie an den Polen liegen (siehe Wikipedia). Ich meine eine Weltkarte, in der einige Kontinente fehlen und andere Kontinente frei erfunden sind, die Grenzen alle ausradiert und Länder zufällig umbenannt. Was hätte es mit unserem Weltbild angestellt, was für Menschen wären wir, wenn wir eine vollständig falsche Weltkarte gelehrt worden wären? Wie erfolgreich würde unsere große Weltreise werden?

Ermittlungen im Clanmilieu

Im Text »Deutschland, ein deutschenfeindliches Land« erwähnte ich das sogenannte »Antidiskriminierungsgesetz«, dass die SED-SPD-Superdumm-Koalition dem Land Berlin schenkt (»Planet Berlin« wäre treffender). Es ist de facto ein offen anti-demokratisches Gesetz (und fügt sich gut in andere Angriffe auf den Rechtsstaat ein, etwa das sogenannte »NetzDG« und den »Migrationspakt«), es ist ein Gesetz, das nicht nur im Geist das rechtsstaatliche Prinzip der angenommenen Unschuld aufgibt, wonach der Ankläger die Schuld belegen muss, nicht der Angeklagte die Unschuld, und dubiosen, möglicherweise aus dem Ausland finanzierten NGOs die Möglichkeit gibt, Polizisten wegen angeblicher Diskriminierung anzuzeigen, woraufhin die ihre Unschuld beweisen müssen, wie die »Hexen« in den Hexenprozessen des Mittelalters.

Wenn ein Politiker vor seiner politischen Tat gewarnt wird, dass passieren wird, was dann auch passiert, wie kann man dann noch von etwas anderem als Vorsatz ausgehen?

Berlins Polizeipräsidentin warnt nun, Berlins euphemistisch »Antidiskriminierungsgesetz« genanntes Anti-Polizei-Gesetz könnte »Ermittlungen im Clanmilieu erschweren« (welt.de, 27.6.2020).

In debattenkritischen Kreisen wurde schon länger sarkastisch die sogenannte »Race-Card« zitiert, wonach angeblich Mitbürger mit dunklerer Hautfarbe als Trumpf jederzeit »Rassismus!« und »Diskriminierung!« rufen können, als Superjoker, mit der sie jedem Vorwurf begegnen können. Das sogenannte »Antidiskriminierungsgesetz« in Berlin ist die gesetzgewordene »Race-Card«. Schon jetzt hört man (etwa im obigen Artikel), wie selbst auf die simpelsten Bitten von Polizisten, sich an die Regeln öffentlicher Ordnung zu halten – etwa in Sachen Außenbestuhlung – reflexhaft mit dem Diskriminierungs-Vorwurf reagiert wird. Aber natürlich konnten Politiker üüüberhaupt nicht vorhersehen, dass die mit Geld und Anwälten ausgestatteten Clans die Berliner Anti-Polizei-Gesetze zu ihrem Zweck ausnutzen würden.

Jedoch, nicht in jedem linken Irrenhaus werden Gesetze gegen Diskriminierung erlassen – in mindestens einem Teil der Welt werden sie gestrichen.

In der Verfassung des US-Bundesstaates Kalifornien stand seit 1996 unzweideutig:

The State shall not discriminate against, or grant preferential treatment to, any individual or group on the basis of race, sex, color, ethnicity, or national origin in the operation of public employment, public education, or public contracting. (Sec. 31, via leginfo.legislature.ca.gov)

Übersetzt, etwa:

Der Staat darf Individuen oder Gruppen nicht aufgrund ihrer Rasse, ihres Geschlechts, ihrer Hautfarbe, ihrer ethnischen Zugehörigkeit oder ihrer nationalen Herkunft bei der Ausübung öffentlicher Beschäftigung, bei der öffentlichen Bildung oder bei öffentlichen Aufträgen diskriminieren oder ihnen eine Vorzugsbehandlung gewähren. (Sec. 31, via leginfo.legislature.ca.gov)

Jetzt soll diese Passage aus der kalifornischen Verfassung gestrichen werden – und kein einziger der US-Democrats stimmte gegen die Streichung, aber viele stimmten dafür (siehe etwa latimes.com, 24.6.2020).

Ja, das ist richtig. Die Partei, deren Rhetorik immer wieder Rassenunruhen anheizt, während sie Donald Trump immer wieder Rassismus vorwirft, dieselbe Partei, die das politische Zuhause des Ku Klux Klan ist, genau dieselbe Partei lässt Anti-Rassismus-Ordnung streichen.

Warum tut sie das? Es ist ein Zeichen der Zeit, dass die Politik vollständig offen sein kann mit ihren wahren Zielen. Man will wieder aktiv die Diskriminierung einführen – und diesmal gegen Weiße und wohl auch gegen Asiaten. Randnotiz: Ein Asiate verglich die Aufnahmeprüfungen an US-Universitäten mit einem Wettrennen: »Schwarze dürfen fünf Sekunden vor dem Startschuss loslaufen, Weiße beim Startschuss, und Asiaten fünf Sekunden danach.« (siehe latimes.com, 3.10.2019) Kalifornien macht sich ehrlich und beabsichtigt, in Form der »Affirmative Action« etwa an Universitäten offen gegen alle Bürger zu diskriminieren, deren Hauptfarbe »nicht dunkel genug« ist.

Die erlernte Weltkarte

Wer im Westen zur Schule ging und die Werte des Westens mit der sprichwörtlichen Muttermilch aufsog, oder auch wer erst später den Westen als Heimat annahm (also nicht wie jene Profi-Jammerer in Berlins Fluren, die ihr Geld damit verdienen, die Menschen, die sich für sie krummarbeiten, zu verhöhnen und zu beleidigen), wer im Herzen an die gleiche unveräußerliche Würde aller Menschen sowie den um Gerechtigkeit bemühten demokratischen Rechtsstaat glaubt, und wer dazu noch in der Annahme lebt(e), dass die Regierung und ihre Organe prinzipiell für das Wohl der Bürger und die Aufrechterhaltung des Rechtsstaates da sind, der fragt sich seit einiger Zeit, ob er noch mit der richtigen Weltkarte arbeitet – zu häufig passen unsere Weltkarte und das, was wir erleben und erdulden, nicht einmal zufällig zusammen.

Hahaha!

Unsere alte Karte funktioniert nicht mehr. Gleiches Recht für alle? Hahaha – darf ich Ihnen von einem Restaurant in Berlin erzählen, wo sich FDP und Weißrussland umarmen (n-tv.de, 26.6.2020), und wo sich auch ansonsten weniger an die gebotenen Abstandsregeln zu halten scheinen (checkpoint.tagesspiegel.de, 28.6.2020)? Amtseid? Hahaha – schon mal von 2015 gehört? Rechtsstaat? Hahaha – sagt Ihnen »NetzDG« etwas? Demokratie? Hahaha – von Merkels spezialdemokratischen Methoden in Thüringen haben Sie bestimmt gehört, oder?!

Jetzt aber genug bitter und bitter genug gelacht. – Unsere alte Weltkarte wirkt geradezu komisch falsch.

Während ich mir wünsche, dass die alten Karten noch gültig wären, fürchte ich, dass es klüger wäre, beizeiten selbst neue Karten zu kritzeln.

Gesteigertes Selbstbewusstsein

Philosophen kennen den Begriff der »pragmatischen Rechtfertigung der Wahrheit« – man könnte es auch die »Tschakka-Wahrheit« nennen. Wenn es praktisch ist, eine bestimmte Wahrheit anzunehmen, kann es durchaus gerechtfertigt sein, sie zu »glauben«, selbst wenn die Aussage zunächst nicht objektiv belegbar ist. (Beispiel: Wer zur Verhandlung oder zum Bewerbungsgespräch antritt, und dabei annimmt, dass seine Erfolgschancen gut stehen, der kann durch das also gesteigerte Selbstbewusstsein tatsächlich dazu beitragen, seine Erfolgschancen hoch zu halten.)

Die praktischere und präzisere Weltkarte, auch für unser »westliches« Stücklein der Realität könnte es heute sein, davon auszugehen, dass alle Entscheidungen der Regierenden dazu dienen, westliche Nationen und Wirtschaften zu schwächen – und also postdemokratisch agierenden Konzernen und weiterhin »aufstrebenden« Spielern wie Russland und China zur Macht zu verhelfen. (Afrika wird derweil zum Rohstofflager Chinas, siehe etwa forbes.com, 3.10.2019, aber auch thediplomat.com, 28.4.2020.)

Die Indianer wurden noch mit Glasperlen abgespeist – wir geben unser Land, unsere Wirtschaft und unserer Zukunft für ein moralisches Kopftätscheln her.

Gelassenheit, Mut und Weisheit

Es ist für unseren Erfolg im Leben entscheidend, von welcher Theorie wir ausgehen, nach welcher Weltkarte wir unser Schiff steuern.

Wer heute von der Theorie ausgeht, dass die-da-oben sich im Grunde ihres Herzens dann doch der Demokratie, der Wahrheit und ihrem Amtseid verpflichtet fühlen, der sieht realistischerweise wenig, dass seine Prämissen bestätigt – und vieles, das sie widerlegt. Wer sein Leben von einer falschen Prämisse ausgehend lebt, dessen Leben wird scheitern, dessen Mühe wird sinnlos, dessen Anstrengung werden ohne gute Frucht bleiben.

Die-da-oben erlegen uns Regeln auf, an die sie sich selbst im Traum nicht zu halten gedenken, wenn sie im Luxusrestaurant fressen und feixen. Die-da-oben heizen Rassenunruhen und offenen Rassismus an, und dabei gerät es nützlicherweise ganz aus dem Blick, dass die Reichen immer reicher werden, die Faulen immer dreister, die Fleißigen und Ehrlichen aber immer ärmer. Wenn die Ansprüche der EU, die Staaten Europas als Gemeinschaft in der Zeit des globalen Wettbewerbs stärken zu wollen, auch nur ein Gramm an ehrlicher Absicht enthielten, würde man dann eine der desaströsesten Politikerinnen Deutschlands an die Spitze der EU berufen?

Ein altes Gebet bittet den Allmächtigen um die Gelassenheit, die Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, um den Mut, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und um die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden – ich will versuchen, mich daran zu halten.

Die Menschen werden gegeneinander aufgewiegelt. Die Wirtschaft wird zerstört. Die Nationen werden geschwächt und mit ihnen die Demokratie. Und doch versuchen Sie und ich, unser Glück zu finden, eine Zukunft zu bauen.

Wenn nicht bald ein Wunder geschieht, dann sind unsere alten Weltkarten obsolet. Wenn nicht bald ein Wunder geschieht, dann war es das mit dem Westen, der Aufklärung, dem hehren Wunsch nach der Herrschaft der Vernunft. Ich sage: Hofft auf Wunder, doch plant ohne sie!

Am Ende gewinnt immer die Realität – und wer überleben will, wer nicht zwischen und unter die Räder der Geschichte geraten will, der sollte sein Denken der Realität anpassen.

Ich bin guter Dinge – nein, nicht mehr bezüglich der Demokratie und nicht was die Freiheit angeht, aber für uns, für Sie und mich.

Ich bin guter Dinge, dass Sie und ich einen Weg finden werden, uns und unsere Familien durch die Untiefen der unmittelbaren Geschichte zu steuern – und vielleicht sogar unterwegs ein wenig Glück zu finden.


Dieser Beitrag erschien zuerst auf dushanwegner.com

Dushan Wegner (geb. 1974 in Tschechien, Mag. Philosophie 2008 in Köln) pendelt als Publizist zwischen Berlin, Bayern und den Kanaren. In seinem Buch „Relevante Strukturen“ erklärt Wegner, wie er ethische Vorhersagen trifft und warum Glück immer Ordnung braucht.

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Kommentare ( 17 )

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17 Kommentare auf "Ich bin guter Dinge"

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@“dass alle Entscheidungen der Regierenden dazu dienen, westliche Nationen und Wirtschaften zu schwächen – und also postdemokratisch agierenden Konzernen und weiterhin »aufstrebenden« Spielern wie Russland und China zur Macht zu verhelfen“ Unter Chinas Vorherrschaft werden Asiaten (anders als in Kalifornien) sicher nicht diskriminiert… Das Wort Baizuo ist zwar rassistisch geprägt (s. Wikipedia), doch wenn jemand zeigt, trotz weißer Hautfarbe nicht absurden Weltrettungen zu verfallen, wird von den Chinesen respektiert – nun ja, immerhin haben wir die Zustände zugelassen, durch die die Asiaten uns für behämmert halten müssen. Das ist schon mal plausibler als ewiges Gegröhle allerlei „Gutmenschen“, die schon mal… Mehr

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