Gegen „Rechts“: Narzissmus und Pseudo-Aktionismus

Kaum ein Engagement hierzulande wird so wenig hinterfragt, wie der Phantomkampf gegen die imaginierte "braune" Mehrheitsgesellschaft. „Hand in Hand gegen Rassismus – für Menschenrechte und Vielfalt“ – so ein Titel kann alles, gerade weil er eigentlich nichts aussagt.

Flyer "Hand in Hand gegen Rassismus"

Angesichts des omnipräsenten Rassismus in Deutschland, der mittlerweile sogar auf die „enthemmte Mitte“ übergesprungen ist, wie die Heinrich Böll-Stiftung jüngst herausfand, ist erneut Eile im Kampf gegen „rechte Hetze“ geboten. Dabei genügt allein ein Blick auf die vergangenen Monate, um sich ein Bild vom grassierenden Rassismus hierzulande zu machen. Ein Rassismus, der sich nicht zuletzt an den vielen Flüchtlingshelfern, der generellen Hilfs- und Spendenbereitschaft der Zivilbevölkerung in den letzten Monaten sowie den vielen Einwandergruppen, die Deutschland als durchweg nicht-rassistisches Land begreifen, ablesen lässt. Da ist es mehr als verständlich, dass jetzt einmal wieder ein klares Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit gesetzt werden muss.

„Hand in Hand gegen Rassismus – für Menschenrechte und Vielfalt“ heißt das hierfür neu aus dem Boden gestampfte Bündnis gegen „rechte Hetze“, welches für den 18. bzw. 19. Juni zu bundesweiten Menschenketten aufruft. Unterstützt wird das Bündnis – na klar – vom Who-is-Who der deutschen Asylprofiteure, Gutmenschen- und Empörtenvereine. Darunter „linke“ Utopiegruppierungen wie ProAsyl und Campact, genauso wie staatliche Profiteure wie der DGB und die Diakonie und diverse Entwicklungshilfe-Organisationen wie Brot für die Welt und Misereor. Daneben selbstverständlich der Expertenverband für Toleranz, Zentralrat der Muslime, aber auch der deutsche Lesben- und Schwulenverband sowie die Union progressiver Juden, wobei man sich insbesondere bei Letzteren fragen könnte, für welche „bunte Vielfalt“ man da eigentlich zusammen mit den anderen auf die Straße geht. Für jene, die in Frankreich mittlerweile dafür sorgt, dass Juden aufgrund eines zunehmend antisemitischen Klimas durch die arabische Masseneinwanderung der letzten Jahrzehnte zu Hauf auswandern, oder vielleicht doch für jene „Vielfalt“, die kürzlich in Orlando, Florida 50 Menschen das Leben kostete, weil man es als Moslem (vielleicht auch unterdrückt schwuler Moslem) dann doch nicht so gerne mitansieht, wenn schwule Männer ihre Sexualität frei ausleben.

Gegen Rechts macht sich immer gut und verlangt nichts außer Sprüche-Klopfen

Das Thema „Rassismus“ und „Kampf gegen Rechts“ ist und bleibt eben ein politisch korrekter Dauerbrenner. Da kann man einfach nichts falsch machen. Kaum ein Engagement hierzulande wird so wenig hinterfragt wie der Phantomkampf gegen die imaginierte braune Mehrheitsgesellschaft. „Hand in Hand gegen Rassismus – für Menschenrechte und Vielfalt“ – so ein Titel kann alles, gerade weil er eigentlich nichts aussagt. Man kann es sich richtig vorstellen, wie die Begründer der Aktion am Tisch saßen. „Hey, lass uns mal irgendeine Aktion gegen Rechts machen. Titel? Ja irgendwas mit Menschenrechten und Vielfalt. Das geht immer! Au ja, das ist gut!“

Nichtssagende, ewig gleiche Satzbausteine, denen jeder erst einmal zustimmen kann und hinter denen dennoch so viel Irrglaube, so wenig Gedanken über die Konsequenzen stecken, dass einem schon beim Lesen die Augen schmerzen. Aber genau das Nichtssagende macht es so erfolgreich. Es ist so unverbindlich, dass sich einfach jeder anschließen kann ohne ein Risiko dabei einzugehen. Die unmittelbaren Konsequenzen dieser dargestellten Political Correctness, der zur Show-Stellung dessen, wofür man in Deutschland zu sein hat, können ja dann auch andere tragen. Wichtig ist, dass man sich unverbindlich und mit wenig Aufwand erst einmal auf die gute Seite stellen konnte. Nützliche Initiativen? Wirkliche Lösungsansätze für das, was in den nächsten Jahren durch genau diese Haltung noch auf uns zukommen wird? Wer braucht die schon!

So ist es nur Folgerichtung, dass die Absurdität einer Partizipation bestimmter Verbände bei so einem Thema gar nicht erst hinterfragt wird. Selbst als Schwulen- und Lesbenverband oder jüdische Union müsste man sich trotz evidentem und weit verbreiteten islamischen Antisemitismus und Homosexuellenhass am Ende für kritische Worte gegenüber dem Islam mehr rechtfertigen, als wenn man bei irgendeiner dämlichen Menschenkette gegen das Gespenst des Rassismus mit Aiman Mazyek Händchen hält. Ja, es ist so einfach „gut“ zu sein in Deutschland, wenn man nur irgendwas gegen Rassismus und für Menschenrechte macht.

Aber was bedeutet das im Umkehrschluss? Dass alle Menschen, die nicht mit Aiman Mazyek Händchen halten wollen, Rassisten sind? Dass Deutschland immer noch ein zutiefst rassistisches Land ist, dem mal wieder auf’s Butterbrot geschmiert werden muss, wie rassistisch und böse seine Gesellschaft ist und was man eigentlich zu denken hat? Worum geht es hier eigentlich genau? Darum, dass wir uns weigern, solidarisch mit Fremden zu sein, dass wir z.B. etwas gegen Farbige oder jüdische Mitmenschen hätten? Oder geht es vielleicht vor allem um die zunehmende Kritik an der Asylpolitik der Kanzlerin, an der Masseneinwanderung aus vor allem islamisch geprägten Ländern, die Vielen Sorge bereitet. Geht es wirklich darum, dass der Deutsche ein Rassist ist oder darum, dass die Kritik am Islam immer lauter wird und dass man diese Diskussion mal wieder im Keim mit politisch korrekten Menschenketten ersticken will? Keine Frage, dass es in Deutschland, wie in jedem anderen Land, rechtsradikale Spinner gibt, aber die Mehrheit ist weder rassistisch, noch bräuchte es irgendwelche Menschenketten im Kampf gegen Rechts, die der Mehrheitsgesellschaft genau das suggerieren wollen. Kritik, Skepsis gegenüber dem Islam sind, auch wenn das bei einigen Teilzeit-Moralisten noch nicht angekommen ist, kein Rassismus. Religionskritik gehört zum festen Bestandteil einer aufgeklärten, modernen Gesellschaft. Und es ist wichtig, dass es sie gibt und dass die Diskussion über den Islam und die massenweise Einwanderung von Muslimen geführt wird. Wenn sie nicht jetzt geführt wird, dann auf härtere Art und Weise später.

Die Konflikte werden immer mehr zutage treten und man kann nichts auf ewig durch political correctness und eingeredetes schlechtes Gewissen unterdrücken. Der Linke wird den Menschen auch heute nicht vollends in seinem Sinne erziehen können. Es ist und bleibt den Menschen ein Bedürfnis, über das weitere Zusammenleben hier zu sprechen. Verpasst man das, weil man damit beschäftigt war, noch ein paar Menschenketten für die „Vielfalt“, auf die viele nicht mehr wirklich Bock haben, zu veranstalten, dann wird es früher oder später richtig ungemütlich. Die Deutschen lassen sich viel gefallen, aber nicht alles.

Niemand ist böse, nur der Deutsche

Und damit ist auch geklärt, wer hier eigentlich gegen wen andemontriert. Denn hier wird nicht gegen die paar Nazis aus dem Osten demonstriert oder gar gegen intolerante und rassistische Muslime, die es auch oft genug gibt. Stattdessen demonstriert hier wie so oft der selbsternannte antirassistische Deutsche gegen den nicht rassistischen anderen Deutschen, der für den antirassistischen Deutschen lediglich nicht gutmenschlich genug ist, weil er Kritik am Islam und der Asylpolitik der Kanzlerin übt. Mitnichten richtet man sich hier an jene, denen ein wenig mehr Toleranz tatsächlich einmal ganz gut zu Gesicht stehen würde. An die bereits angesprochenen vielen deutsche Muslime auf islamischen Facebookseiten z.B., die regelmäßig Juden als Hunde, Deutsche als Kuffar und Schwule als Perverse titulieren. Nein, der Adressat ist und bleibt der böse Deutsche und seine rassistische Grundhaltung. Fundamentalistische Muslime gilt es unter dem Deckmantel hohler Phrasen wie „Menschenrechte und Vielfalt“ zu beschützen, auf dass sie weiterhin ihre intoleranten Ansichten auf allen möglichen Plattformen des WWW absondern können. Darüber hinaus würde man ja auch ernsthaft etwas riskieren, wenn man sich plötzlich gegen jene stellen würde, die tatsächlich gegen Menschenrechte und Toleranz für jeden sind. Da ist so ein Phantomkampf gegen die vielen „rechten“ Deutschen schon deutlich einfacher. Die wehren sich nämlich nicht. Man will ja nicht Pegida sein. Und so behalten uns die Apologeten der Political Correctness weiterhin fest im Griff. Sinn und Absurdität solcher Aktionen bleiben wie immer unhinterfragt.

Dabei ist genau das die Bankrotterklärung der freien Gesellschaft. Die Tatsache, dass wir die Ideologen und ihr Engagement nicht hinterfragen, während wir die Kritiker mit der allgegenwärtigen Political Correctness versuchen, mundtot machen. Dass wir hohle, nichtssagende Phrasen einfach schlucken, während wir uns nicht mehr trauen, unsere eigentliche Meinung öffentlich preiszugeben. Dass wir uns instrumentalisieren lassen gegen einen zum Großteil imaginierten Kampf gegen Rechts, dass wir Händchen halten mit Aiman Mazyek, statt ihm endlich genau jene Hand zu entziehen. Dass wir uns wieder einmal Schuld auferlegen und mehrheitlich als Rassisten titulieren lassen, während die wahren Schuldigen, die Rassisten, Schwulenfeinde und generell Intoleranten zu Hause vor dem Fernseher sitzen und über unsere Menschenketten lachen.

Es sind jene Scheindebatten, jener Pseudo-Aktionismus, der die eigentliche Probleme umschifft, die uns schlussendlich mit voller Wucht treffen werden. Ob es dann eine Menschenkette für uns geben wird, bleibt jedoch fraglich.

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