Extinction Rebellion: Eine Bewegung in Selbstzeugnissen

Schrill zeigen sie sich nicht nur auf ihren Demonstrationen. Auch in Texten und Interviews offenbaren die Aktivisten von Extinction Rebellion eine Mischung aus gefühlsduseliger Schwärmerei und kompromissloser Härte.

Wiktor Szymanowicz / Barcroft Media via Getty Images

Extinction Rebellion will nicht einfach nur eine politische Bewegung sein. Das wird  schon beim Anblick vieler Aktivisten offenkundig. Einerseits ist die „XR“ ganz offensichtlich ein willkommenes Forum zur kollektiven Selbstdarstellung von Performance-Gruppen und Künstlern aller Art, wie etwa jene, die in roten Fantasie-Gewändern mit maskenhaft weiß geschminkten Gesichtern durch Berlin und London ziehen. 

In London schwenkten zum Beispiel Aktivisten riesige Batik-Tücher am Trafalgar Square, der „von Autos befreit“ wurde, wie einer der Anführer der Bewegung, der Philosophiedozent und Grünen-Politiker Rupert Read über Twitter schwärmte.

Künstler oder Menschen, die es gerne wären, auf der Suche nach Publikum (und Kameras!) gehören zur modernen Folklore der globalisierten Demo-Szene. Der Peinlichkeit sind da vermutlich keine Grenzen gesetzt.

Besonders auffällig bei Extinction Rebellion ist das esoterische bis quasi-religiöse Element. Das wird sichtbar, wenn in London und in Berlin ebenso wie in anderen Städten rund um den Globus XR-Aktivisten meditieren – öffentlich und allmittäglich bis zum 20. Oktober von 13:30 bis 14 Uhr. Auf der XR-Website heißt es dazu: „Wir können in Kontakt kommen mit unserem Atem, unseren Körpern, zu uns kommen und dann eine liebende mitfühlende Energie erzeugen für alle Rebellen und alles Leben um uns herum“. Holistische Zurück-zur-Natur-Schwärmerei kommt auch in Plakaten zum Ausdruck. Etwa wenn in Lausanne XR-Aktivisten unter der Parole demonstrieren: „Nous sommes la nature , qui se defend“ – „Wir sind die Natur, die sich verteidigt.“       

Mit klassischem linkem Programm hat das nicht mehr viel zu tun. Die frühere Grünen-Politikerin Jutta Ditfurth hat sich daher öffentlich distanziert von der „esoterischen Sekte“.

Ditfurth ist nun selbst in gewisser Weise eine Sektenanhängerin – wenn auch keiner religiösen, sondern einer marxistischen namens „ÖkoLinX“. Aber ihre Beobachtung lässt sich doch schnell erhärten, wenn man Publikationen, Interviews und Aktionen von Extinction Rebellion ein wenig durchforstet. Das beginnt schon mit dem Logo: Eine stilisierte Sanduhr in einem Kreis. Es soll die sechste, und nach XR-Verständnis wohl endgültige Aussterbewelle symbolisieren. Der Kreis ist die Erde, die Sanduhr steht dafür, dass die Zeit zur Rettung abläuft. Die Sanduhr war schon im Mittelalter das Symbol der Vanitas, der Vergänglichkeit und des bevorstehenden Lebensendes schlechthin. Auf Totentanz-Darstellungen fehlt sie nie.

Gefühlige Schwärmerei und eine quasi-religiöse, eschatologische Endzeitlehre inklusive drohender Apokalypse gehören bei Extinction Rebellion offensichtlich zusammen. Und sie bieten vielen Anhängern wohl eine Ersatzkirche der neuen Art – inklusive öffentlich zelebrierten Karnevals, der bekanntlich auch religiösen Ursprungs ist. Unmittelbare Anleihen bei katholischer Ikonographie nimmt ein auf der britischen Website veröffentlichtes Plakat mit zum Gebet gefalteten Händen und Herz. 

Das schwärmerische Element trug eine Vorgängerorganisation der XR schon im Namen: „Compassionate Revolution“ hieß sie, „Mitfühlende Revolution“.

Einer der Organisatoren, der Musiker Michael Dinesh, sagte 2015 in einem Interview, bei dieser Revolution, gehe es „genauso um inneren Wandel wie um äußeren. Wir können keine wirkliche Veränderung in der gesamten Gesellschaft erwarten, wenn wir uns nicht auch darum kümmern, wie wir uns selbst und einander auf individueller Ebene begegnen.“

Diese Betonung kollektiver guter Gefühle zeigt auch der deutsche Ableger von XR auf seiner Website: „Wir spüren unsere Verbundenheit, wir akzeptieren uns mit unserer Liebe, unserer Trauer, unserer Verzweiflung und unserer Wut. Alle unsere Gefühle gehören zu uns und fließen ein in unser gemeinschaftliches Handeln. Gerade aus diesem Grund wächst die Rebellion: weil unsere Gefühle in ihr Platz finden und die Rebellion ihnen Ausdruck verleiht. Unsere Bereitschaft, unsere Emotionen angesichts der drohenden Katastrophe wahrzunehmen und anzuerkennen, ist ein entscheidender Aspekt von Extinction Rebellion.“

Bezeichnend auch: Der deutsche Ableger von Extinction Rebellion empfiehlt auf seiner Website die Organisation „Sustaining all Life“. Deren Botschaft ist eine Art postchristliche Super-Bergpredigt: „Tausende Jahre des Kampfes ums Überleben waren schmerzhaft für unsere Art. Sie hinterließen uns unfähig, gut zu denken über alle Menschen und die Erde.“ Dagegen behauptet nun „Sustaining all Life“ Heilmittel anbieten zu können, um diese jahrtausendealte Menschheitsgeschichte abzuschließen. Nämlich: „Methoden der gegenseitigen Unterstützung, des engagierten Zuhörens, und einen Prozess, der Menschen befreit von den Effekten der Verletzungen und der Unterdrückung. Wir können diese Methoden auch benutzen, um Schwierigkeiten auszuräumen, die uns daran hindern zusammenzuarbeiten. Diese persönliche Arbeit heilt die emotionale Verletzung und im Ergebnis sind die Menschen in der Lage, klarer über die Umweltkrise zu denken, Bündnisse aufzubauen und zu stärken und die Zusammenarbeit zu genießen, um die Welt richtigzustellen.“ Was für eine Aufgabe! 

Unendliche Geschichte
Limburg, Hoffnung und das Nichts
Die Betonung auf Mitgefühl, Liebe zu allen Menschen und zur ganzen Welt hindert die XR allerdings nicht daran, ihre Botschaft mit großer Entschlossenheit und der für Sekten typischen Kompromisslosigkeit zu vertreten. Rupert Read hat in einem Interview in der Süddeutschen Zeitung unmissverständlich klargestellt, dass er und seine Mitstreiter keine halben Sachen machen. Vom Interviewer angesprochen auf die„Gefahr der Radikalisierung“ antwortet Read: 

„Wenn nach unseren Protesten immer noch kein Wandel einsetzt, fürchte ich, dass einige Teilnehmer zu drastischen Maßnahmen greifen werden, wie etwa Hungerstreiks. Ich fände das furchtbar, also lasst uns jetzt handeln“. Eine kaum verhohlene Form der Drohung. 

Zu dieser Drohung kommt eine ebenfalls kaum verhohlene Ablehnung der repräsentativen Demokratie, die bekanntlich auf Kompromissfähigkeit angewiesen ist: „Lebt eine neue Form von Politik“, fordert Read seine Leser auf, „indem Bürgerversammlungen einberufen werden. Wir möchten dass die Bürger miteinbezogen werden in den ökologischen Transformationsprozess. Schließlich ist unsere repräsentative Demokratie schlichtweg daran gescheitert, auf den ökologischen Notstand zu reagieren.“ Das ist letztlich das alte kommunistische Konzept der „Räte“, auf russisch „Sowjet“ genannt.

Und es geht noch weiter: „Jeder weiß“, sagt Read, „dass man manchmal Dinge tun muss, die wider das Gesetz sind, um Gerechtigkeit zu erringen, wenn die Gesetze selbst falsch sind.“ Auch Martin Luther King habe das schließlich getan. Es gehe doch darum, „dass die Menschheit sich nicht selbst zerstört.“ Und darum müsse „sich alles extrem schnell ändern, damit nicht Millionen, wenn nicht Milliarden von Menschen sterben“. 

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Kommentare ( 103 )

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Ein Fall für Ursula Caberta.

Alles bezahlte Traumtänzer. Die leben gut davon. Man müsste nur dem Geldfluss folgen und würde sich wundern. Ist nicht allzu schwer für einen guten Hacker.

Auch Histrioniker wollen sich ausleben…

Also die FfF-Kinder sind ja aufgrund ihrer mangelnden Lebenserfahrung und der mangelnden Bildung eher naiv-harmlose, nervige Schulschwänzer, die sich von Klima-Gretels PR-Abteilung und den GrünInnen vor deren Karren spannen lassen. So weit, so doof. Aber diese sektenhafte Esoterik-Truppe von Extinction Rebellion scheint mir da schon anders gestrickt zu sein. Da vermischen sich eine totalitär-antidemokratische Grundhaltung mit spinnerter Esoterik-Pantomimen-Folklore und (bis jetzt „nur“) gefährlichem Eingriff in den Straßenverkehr. Auch Leute wie die Flüchtlingsschlepperin Rackete haben da eine neue Heimat gefunden. Eine krude Mischung von Radikalen, Esoterikern und Spinnern, die zu 99% von staatlichen Transferleistungen leben. Solchen Leuten ist alles egal, auch… Mehr

Na klar ! Irgendwann fällt der Mars auf die XR Typen und sie begrüßen das mit einem schrillen Happening . Alles fürs Klima und weil der Planet gleich untergeht !
Wie blöd darf man eigentlich sein ,ohne mit einer Dämlichkceitsampel ausgestattet zu werden ?
Spinner Allerorten ! Ein wenig Arbeit würde helfen ! Beim Straßenbau,in der Landwirtschaft,da gibt es viele Selbstverwirklichungen .
Aber dort wird eben nicht der Name getanzt und die Spumanteflasche im Sitzkreis herumgereicht. Unzumutbar ein solches Leben für die Typen .

Das erinnert mich an die Bücher von Deschner und C. Nixey (Heiliger Zorn) über die Christen im Römischen Reich. Wer nicht Christ sein wollte, wurde mit „Liebe“, sprich, mit Gewalt, Denunzierung, Zerstörung von Haus und Grund und Zerstörung heidnischer Kultur konvertiert. Danach erließen die Kaiser die entsprechenden Gesetze, um die „Liebes“ Religion zu unterstützen. Heute waren in Jena solche komischen Ex blabla Typen da. Standen am Ernst Abbe Denkmal. Hatten so komischer Zeugs an, was wohl auf Mittelalter oder Venedig Karneval schließen läßt. Und keinen aus Jena hats interessiert. Die waren sehr schnell still. Hat denen in London keiner gesagt,… Mehr

Ob deren Vorstellung von Gesellschaft eine komplett alimentierte, bunte, ökologisch einwandfreie, happy people Folkloretruppe ist? Sieht so aus.
Wir sollten zunächst mal Berlin aus dem „Bund“ rausschmeißen. Natürlich ohne Alimentierung der anderen Bundesländer. Dann können die üben, ob sie das nach ihrem Gusto hinkriegen.
Mich übeln diese Vögel mit ihrer bipolaren Welt: bist du dafür oder dagegen? jedenfalls an und ich bin mir sehr sicher, dass der Neosozialismus / Ökosozialismus uns kein Stück weiter bringt.

Dieser Mummenschanz wurde doch von diesen Leuten nicht selbst bezahlt, sondern vom Greta-Imperium: Extinction Rebellion und Fridays For Future wurde von Trever Neilson auf Anregung von Greta Thunberg gegründet. Finanziers sind u.a.: – Richard Branson, Unternehmer mit geschätzten 5 Milliarden Vermögen – Ileen Getty, Tochter des Getty Ölmagnaten – Rory Kennedy, Tochter von Robert F. Kennedy – Bill Gates ist Ex-Klient von Neilson und hängt vermutlich auch mit drin. Trevor Neilson kündigte an, Spenden von bis zu 500 Millionen an Extention Rebellion und Fridays For Future zu spenden. Das alles ist nur einer der drei Unternehmen, die um Greta Thunberg… Mehr

Die Sponsoren sind überwiegend Amis, während die Bewegungen sich hauptsächlich auf Europa konzentrieren. Zufall?

XR besorgt mich weniger als FFF. Die von XR haben einfach so einen an der Waffel dass es auch der Ottonormal kapiert. FFF dagegen sind methodischer, seriöser und professioneller, drängen in die Kommunalpolitik anstatt mit affigen Kostümen auf Kreisel und Straßen. Dabei sind die Motive und Ziele dieselben: CO2-Stopp – Reduzieren des Prokopf Brutto-Energieverbrauchs auf Drittewelt-Niveau.

Sorry, aber wenn ihr die entscheidenten Folgerungen meines Postings und das ich dem Autor nicht zustimme nicht veröffentlichen könnt, ziehe ich meinen Post zurück.
Mir ist schon klar woran Sie sich Stören. Als „Beweis“ ziehe ich für Punkt 1 z.B.: die Waco-Sekte und für Punkt 2. z.B. die Wiedertäufer in Münster dar.