Erziehungsjournalismus & Moralismusdiktatur

Hinter den Mustern der Moralismusdiktatur steht die volkspädagogische Fiktion eines beliebig formbaren Menschen. Wenn der nicht macht, was Moralisten wollen, kann es nur daran liegen, dass er "böse" ist.

Screenshot: Video "Kampflos", Silly

Jan Fleischhauer führte einst im Zusammenhang mit der Berichterstattung rund um die Vorfälle von Köln in der Silvesternacht den Begriff „Erziehungsjournalismus“ ein. Er steht stellvertretend für das ewige Bevormunden der Medien gegenüber der Gesellschaft, insbesondere wenn es um Themen wie Ausländer und Asylkrise geht. Geliefert werden nicht nur Informationen – und wie man an Köln gesehen hat, meist auch nur, wenn es keine andere Möglichkeit mehr gibt – sondern obendrein auch immer sofort die Anleitung, wie der deutsche Michel diese Informationen einzuordnen hat.

Vom Erziehungsjournalismus zur Moralismusdiktatur

Mittlerweile kann man sagen, dass der Begriff, so treffend er ist, dringend einer Erweiterung bedarf. Denn es ist längst nicht nur der Journalismus, der uns zu erziehen sucht. Es ist die Politik, es sind Vorsitzende von irgendwelchen Empörungsvereinen, Künstler – kurzum eine ganze Ansammlung von Menschen des öffentlichen Lebens, die dem blöden Deutschen seine „rechte“ Gesinnung oder wenn man es nett formuliert, „seine diffuse Angst vor dem Fremden“ nehmen will.

„Kampflos“ heißt der neue Song der Band Silly. Als ich gestern auf dem Weg zur Uni ausnahmsweise das Autoradio anhabe, wird er gerade als Song des Tages auf „Jump“, einem Ableger des Mitteldeutschen Rundfunks, vorgestellt. Es geht um Grenzen, die gesprengt werden sollen und eine bunte Welt. Alles sehr vage gehalten. Aber wenn man erst einmal den ganzen Pathos, mit dem der Song einen erschlägt, verarbeitet hat, dann weiß man trotz der ganzen Metaphorik ziemlich genau, worum es geht.

Es ist die Message, die uns auch Politik und Medien seit Jahren, und natürlich insbesondere seit der letzten Monate, verkaufen wollen: Wenn Anna Loos singt „Die Welt ist so bunt, lasst uns die Farben vermengen“, dann hat das was von einer lyrischen Übersetzung der Gedankenleichtfertigkeit einer Katrin Göring-Eckardt und anderer Grüner, die sich angesichts der vielen neuen Menschen mit schwer zu integrierender Kultur ganz doll darauf freuen, dass sich unser Land „drastisch“ verändern wird. Dass die Mehrheit hier im Land eigentlich ganz gut findet, wie es ist, dass man diese Art der Veränderung in immer mehr Teilen der Bevölkerung angesichts steigender Zahlen von Gewalt- und Sexualdelikten nicht wirklich als Bereicherung empfindet, ignoriert man in solchen Kreisen gerne. Der linke Weltverbesserer lässt sich eben nicht so einfach seine moralische Überlegenheit wegnehmen.

Liebe organisieren?

„Im Labyrinth steckt der Frieden, Liebe wird Hass besiegen. Liebe, die ist überall, ein freier Fall.“ singt Frau Loos weiter und ich denke an die Lieblingskopftuchträgerin der Öffentlich-Rechtlichen, Kübra Gümüsay und ihre „feministischen“ Kolleginnen, die sich nach #ausnahmslos eine neue Schwachsinnskampagne im Kampf gegen „Hetze“ im Netz ausgedacht haben. Man will jetzt „Liebe organisieren“ verkündet sie zusammen mit Anne Wizorek auf der Netzkonferenz re:publica. So will man den Hass im Netz „neutralisieren“ erklärt Gümüsay und man fragt sich unweigerlich, womit diese Frau eigentlich ihr Geld verdient bzw. ob sie allen Ernstes für solche geistigen Ergüsse bezahlt wird. Natürlich, niemand Normales hat etwas gegen Liebe, niemand Normales ist für Hass und Beleidigungen im Netz. Für diese Erkenntnis braucht es jedoch weder eine Kübra Gümüsay noch eine Anne Wizorek. Das sind Gemeinplätze unter einigermaßen gut erzogenen Menschen.

Aber Liebe „organisieren“? Ehrlich? Was hier irgendwie fast schon Hippie-mäßig daher kommt und Sillys „Kampflos“ in Sachen Pathos in Nichts nachsteht, offenbart insbesondere in Bezug auf den von Gümüsay ausgemachten „Rechtsruck“ in der Bevölkerung, ihr zweifelhaftes Verständnis von Meinungspluralismus in einer Gesellschaft. Denn damit sind nicht etwa nur die fremdenfeindlichen Mails gemeint, die Gümüsay mit Sicherheit auch bekommt. Es ist ihr Aufruf, ja ihre Anleitung, wie die „Gesamtgesellschaft“, zu deren Sprecherin sich Gümüsay offenbar ernannt hat, mit bestimmten Ansichten und insbesondere der Afd als Partei umzugehen hätte. Die AfD, generell Kritik am Islam, hat für Gümüsay, die sich selbst darüber beschwert, dass manche Menschen ihr gar die Existenzberechtigung absprechen wollen, keine Daseinsberechtigung und gehört schlicht abgeschafft.  Um das zu begründen schreckt sie dann auch nicht davor zurück, Religionskritik, Rassismus, Ressentiments und alles, was man noch so im Sprachrepertoire hat, um klar zu definieren, wer böse und wer gut ist, munter miteinander zu vermischen. Aber mit einer solchen Haltung ist man ja, wie zuletzt auch anhand Jakob Augsteins Aussagen zu bewundern, nicht alleine.

Moralismus kennt keine Fakten

Was bei all dem wie immer mitschwingt, ist die eigene Überhöhung gegenüber dem dummen deutschen Michel. Sie ist Ausgangspunkt des Erziehungsjournalismus und Ausgangspunkt der öffentlichen Erziehung insgesamt. Entweder haben die Menschen Sorgen und Ängste, die sie ganz unbewusst und unbeabsichtigt nach rechts treiben, oder sie sind sowieso alle rechts und tarnen ihre Gesinnung, indem sie diese als Sorgen und Ängste deklarieren. Beide Argumentationen werden immer wieder verwendet. Dabei offenbaren sie nicht nur, dass man die Menschen prinzipiell für dumm hält, sondern vor allem auch, dass man ihrer Kritik keine Daseinsberechtigung einräumt. Wer Kritik äußert, ist entweder ein unreflektierter Bürger, der diffuse Ängste und Sorgen hat oder eben direkt ein Nazi. Unbegründet sind seine Ansichten in jedem Fall.

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Aus einem Interview mit dem Psychologen Norbert Bischof im Schweizer Monat, Mai 2016

Bischof: Ich finde es unsäglich naiv, dass man erwartet, man müsse jemandem nur klar machen, etwas sei doch eigentlich moralisch hochstehend, um eine Verhaltensänderung zu erwirken.

Monat: Trotzdem wird die Methode sehr gern verwendet, zwischenmenschlich, medial und politisch.

Bischof: Und es ändert sich nichts. Es gibt ja im Moment über die Flüchtlingskrise eine Talkshow nach der anderen – die Argumantationsmuster dieser Talkshows sind fast durchgehend moralistisch und kaum je empiristisch … Hinter diesen Argumentationsmustern steht die volkspädagogische Fiktion eines beliebig plastischen Menschen. Wenn der dann nicht macht, was man sich wünscht, dann kann es nur daran liegen, dass er „böse“ ist.

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Als Autorin bekomme ich jeden Tag dutzende Mails, spreche mit vielen Leuten. Wenn mir eines in den letzten Monaten am allerwenigstens begegnet ist, dann verwirrte Menschen mit diffusen Ängsten, die zu blöd sind, ihre Ansichten zu reflektieren. Im Gegenteil: Unter den Islamkritikern befinden sich zu Hauf hoch gebildete Menschen in gesellschaftlich anerkannten Berufen. Ärzte, Unternehmer, Juristen, Lehrer. Allesamt sehr reflektiert, sehr bedacht auf ihre Äußerungen. Keiner weist auch nur annähernd eine rechte Gesinnung auf.

Die Wahrheit ist nämlich eine andere. Die Wahrheit ist, dass jene, die immer wieder auf die diffuse unreflektierte Gefühligkeit von Leuten verweisen, wenn es um Kritik an der Asylkrise oder dem Islam geht, am Ende diejenigen sind, die einzig auf Grundlage einer diffusen Gefühligkeit namens Pseudo-Moral und Political Correctness argumentieren. Während die „böse rechte Seite“, die angeblich so voller unbestätigter Ressentiments ist, sich um die Empirie bemüht, verzichtet man hier gleich gänzlich darauf. Zunahme von Gewalt- und Sexualdelikten? Bis zu 40.000 drangsalierte Christen in den Flüchtlingsheimen. Zweidrittel Analphabeten unter den Asylbewerbern? Bis zu 500.000 Unregistrierte im Land? Über 300 Hinweise zu eingeschleusten IS-Terroristen unter den Asylbewerbern? Zahlen haben nur eine Seite nie interessiert: Die der vermeintlichen moralischen Hoheit. Und wenn diese Seite von diffusen Ängsten und Sorgen spricht, dann spreche ich ab sofort von diffuser Romantisierung des Ist-Zustandes, die viel gefährlicher für die Sicherheit und Stabilität in diesem Land ist, als jeder herbeigeredeter Rechtsruck.

Wer kämpft gegen wen?

„Kampflos, lass‘ den Kampf los.“ plädiert Anna Loos immer wieder in diesem Song, der es sich wohl ebenso wie die Plädoyers von Politik und Medien zur Aufgabe gemacht hat, in das Hirn der „dummen“ Deutschen einzusickern. Aber wer kämpft hier eigentlich? Von uns kämpft jedenfalls keiner gegen Menschen. Man kämpft nicht gegen „den Moslem“, gegen Kübra Gümüsay oder gegen das diffuse Fremde, was man, wie immer unterstellt, nicht kennt. Es wird Kritik geübt. An einem politischen Islam, der unsere Grundwerte vollkommen infrage stellt und an einer taten- und positionslosen Politik in Bezug auf eben diesen politischen Islam und eine kopflose und naive Asylpolitik. Die Einzigen, die kämpfen, sind jene, die diesen Kritikern gegenüberstehen und sie am liebsten mundtot machen würden. Die über jede Kritik am Islam und der Asylpolitik mit einem „Rassismus“ oder „rechte Hetze“ drüber mähen. Die nicht erkennen wollen, dass der neue Faschismus nicht von rechts kommt, sondern aus der Religion heraus. Deren einziges Anliegen nach Terroranschlägen es ist, dass jetzt bloß niemand unter Generalverdacht gestellt wird, statt auch nur einmal einen Moment inne zu halten und die Opfer zu betrauern. Der Tagesspiegel kommentiert heute nach Grafing, es gäbe einen „Islamismus-Reflex“. Also den Reflex, dass die Menschen aus Angst immer sofort an Islamismus denken, wenn irgendwo etwas passiert. Ich sage, es gibt einen Rechts-Präventions-Reflex, der jedwede aufkommende Diskussion im Keim ersticken will und der den Hauptgrund dafür darstellt, dass wir heute eine AfD haben.

Er ist es, der jede sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema Islam und Asylpolitik unterdrückt. Der Menschen ins Abseits stellt und ihre Meinung als nicht ernst zu nehmen klassifiziert. Er ist es letztlich, der die Menschen immer weiter gegeneinander aufbringt. Er ist es, der kämpft und Hass sät, wo er doch eigentlich „Liebe“ und „bunte Vielfalt“ bringen möchte. Aber Ansichten, Grundhaltungen und Überzeugungen lassen sich eben nicht objektivieren. Es gibt keine Objektivität weder in Bezug auf „das Gute“, noch auf „das Böse“. Jene, die in der Geschichte versucht haben, diese Objektivität herzustellen, sind kläglich gescheitert oder haben die Menschen in sozialistischen Meinungsterror gestürzt, der das ganze Leben kontrolliert hat.

Die AfD ist die Strafe dafür, dass man davon nicht ablässt. Die Kritik lässt man sich nicht mehr nehmen. Wenn sie von anderen Seiten nicht geäußert wird, dann sucht man sich neue Plattformen. So dumm ist der deutsche Michel dann doch nicht.

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