Ein Video und seine Folgen – für den Polizeibeamten

In Berlin lagen beispielsweise allein 2017 55.290 Ermittlungsvorgänge in der Ablage, die nicht bearbeitet werden konnten, da die personellen Ressourcen fehlten. Diese gingen auch nicht in die Zahlen der offiziellen Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) ein. Auch ein Beitrag, die Kriminalität zu senken.

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Symbolbild

Ein junger Mann schreit einen Polizist an, bespuckt ihn, schlägt zu und bedroht ihn. So berichteten wir am 27. Januar 2019. Ein Polizist steht unter Verdacht, das Video illegal verbreitet zu haben, so die neue Lage.

Wir wissen nicht, welcher Umstand für den Beamten der konkrete Anlass gewesen sein könnte, aus einem polizeilichen Ermittlungsvorgang ein Video an die Öffentlichkeit durchzustechen.

„Erstaunlicherweise“ gilt auch für Polizeibeamte die rechtsstaatliche Unschuldsvermutung, solange die Beschuldigung nicht erwiesen ist. Öffentlich herbeiphantasierte Vorverurteilungen von Polizisten sind üblich und gängige Praxis, währenddessen man bei anderen Tatverdächtigen primär und regelmäßig an die Persönlichkeitsrechte des „armen Täters“ appelliert. Diese wären mit der Veröffentlichung der Bilder grundlegend verletzt, da eine Öffentlichkeitsfahndung unwahrscheinlich gewesen wäre.

Berliner Traditionen

Stichwort Fahndungsbilder, hier ist Berlin „traditionell“ sowieso deutlich langsamer als andere Bundesländer. Hasch mich, ich bin der Mörder, ist hier eher unwahrscheinlich, überlange Bearbeitungsvorgänge eher üblich. Öffentliche Fahndungsbilder werden nach einem halben Jahr veröffentlicht, da sind manche Täter längst in einem Meer der Anonymität untergetaucht oder schutzsuchend außer Landes geflüchtet.

Selbst Berliner Politiker üben Kritik an der späten Veröffentlichungspraxis:
FDP-Innenexperte Marcel Luthe: „Wenn sich nach einem Monat abzeichnet, dass der Täter nicht zu finden ist, müssen die Fotos sofort gezeigt werden.“ Burkard Dregger (CDU): „Lässt sich die Straftat auf den Videoaufnahmen klar erkennen, sollte die Polizei die Bilder sofort veröffentlichen. Dann zählt das Schutzbedürfnis für die gezeigten Personen nicht mehr.“

Freilich sollten erst alle anderen strafprozessualen Möglichkeiten ausgeschöpft werden, bevor es eine richterliche Bestätigung zur Veröffentlichung der Bilder gibt. Das typisch Berliner Problem ist jedoch ein anderes, eine überlastete und kaputtgesparte Justiz und Polizei kommt mit der zeitnahen Bearbeitung von Straftaten nicht mehr hinterher. Das ist politisch so gewollt, obwohl es zum einfachen Grundwissen der Kriminologie gehört, dass nur bei zeitnah verurteilten Tätern eine heilsame Wirkung erzielt werden kann.

In Berlin lagen beispielsweise allein 2017 55.290 Ermittlungsvorgänge in der Ablage, die nicht bearbeitet werden konnten, da die personellen Ressourcen fehlten. Diese gingen auch nicht in die Zahlen der offiziellen Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) ein. Auch ein Beitrag, die Kriminalität zu senken. Wieviele davon mit Fahndungsmaßnahmen verbunden gewesen wären, verbleibt im Dunkeln Berliner Kriminalgeschichte.

Ob ein Polizeibeamter die Videobilder aus der Berliner U-Bahn über den pöbelnden aggressiven Mann veröffentlicht hat, ist gegenwärtig nicht erwiesen. Sollte der Sachverhalt zutreffen, wäre die Frage nach dem Motiv zu stellen, warum er/sie jenes tat.

War es nur gedankenlose Fahrlässigkeit in guter Absicht für den betroffenen Kollegen, der das Opfer war? Vielleicht Verbitterung darüber, dass Polizeibeamte zu wenig Schutz und Anerkennung durch Vorgesetzte und Politik erhalten? Wollte er alltägliche Zustände aus dem Polizeialltag, die auch von Hass und Gewalt gekennzeichnet sind, der Öffentlichkeit aufzeigen? Hatte er kein ausreichendes Vertrauen mehr in den eigenen Ermittlungsapparat, siehe meine o.g. Zeilen?

Sebastian L. (23) wurde am 24.01.2018 auf dem Flur des Amtsgerichts Tiergarten festgenommen, wurde am Tag darauf dem Haftrichter vorgeführt – und daraufhin in die Freiheit entlassen. Alles andere hätte mich auch überrascht.

Nur eine Frage der Zeit, bis der junge Mann, der vom Jobcenter alimentiert wird, als Opfer des Polizeibeamten angepriesen wird, der die Bilder in Netz gestellt hat.
Wir haben aufgrund der neuen Erkenntnisse das Video gelöscht.

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Kommentare ( 46 )

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46 Kommentare auf "Ein Video und seine Folgen – für den Polizeibeamten"

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Liebe Polizisten! Ich fühle mit euch, echt. Aber ihr seid auch ein bißchen selbst schuld. Habt euch dezimieren lassen bis zum „gehtnichtmehr“, meckert nur still vor euch hin und kündigt entweder in echt oder innerlich, lasst euch behandeln wie den letzten Dreck an der Schuhsohle, eure Gewerkschaft ist so still wie die Aller, nur zu hören, wenn es mal um etwas mehr Besoldung geht, ihr zieht den Schw… oder sonstwas ein und ergebt euch in euer Schicksal. Ich weiß, Beamte dürfen nicht streiken, aber Schüler müssten Freitags beispielsweise auch in die Schule und gehen einfach nicht…jaja, die haben nicht so… Mehr

also, das finde ich in höchstem Maße ungerecht und es ist die gleiche Soße, die unsere Politiker über uns ausgießen: die Opfer sind angeblich selbst schuld!
Das können Sie doch nicht im Ernst so meinen?!?
Auch Polizisten haben ein Recht darauf, dass Politik ihnen den Rahmen schafft, dass sie arbeiten können. Ausserdem hat sich doch der Gewerkschaftsvorsitzende Wendt (Name?) immer schon zu Wort gemeldet und die Zustände angeprangert, also laut den Mund aufgemacht.

Schauen Sie doch auch hier, wer nur redet – und was dann tatsächlich getan wird.
Es ist zu viel heiße Luft, die dann ohne irgendwelche Folgen einfach erkaltet…

Und Polizisten als „Opfer“ darzustellen – das hat was.

Dass die Polizei im Bundeshauptslum überhaupt noch Mitarbeiter hat finde ich sehr verwunderlich. Ich an deren Stelle hätte schon lange nach Bayern rübergemacht.

Die berliner Polizei beklagt inzwischen per Twitter, dass keine „zivilen Helden“ geholfen haben… „Was die Situation angeht: #ZivileHelden hätten auf viele verschiedene Arten helfen können… Ein Video des Geschehens ins Netz zu stellen ist KEINE Hilfe.“ Das muss man sich mal bildlich vorstellen… Polizeibeamte in einem fortschrittlichen Industriestaat beklagen, dass in einer 1:1 Bedrohung eines Polizisten im öffentlichen Raum keine Zivilpersonen helfend eingeschritten sind und müssen danach eine Fahndung starten, weil der Straftäter – trotz ausgesprochener und gefilmter Morddrohung vor X Zeugen und direkt daneben stehendem Polizisten – „entkommen“ konnte. Eine Öffentlichkeitsfahndung nach diesem Staftäter schien aber auch nicht in… Mehr

Humor ist, wenn man trotzdem lacht…

\sarcasm off

Bei uns kann doch schon jeder machen, was er will. Auch über die Stränge schlagen.
Sogar den verlängerten Arm des Gesetzes angreifen. Nicht nur in Berlin.
Wie kann jemand, der gar nicht hier sein dürfte, 3 Klagen vor Gericht anstreben?
Und das wahrscheinlich alles mit Prozesskostenhilfe, vom deutschen Steuerzahler abgepresst. https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.grosseinsatz-in-der-lea-fluechtling-klagt-gegen-ellwanger-polizeirazzia.7d179b6d-f3ed-4828-9f85-aa8f062a25e0.html

Das ist nicht wahr. Ich habe neulich bei der Umsatzsteueranmeldung einen Fehler gemacht, der postalische Brief auf Antwort auf meine (fehlerhafte) digitale Meldung kam pünktlich zwei Tage später und hat nach der Anrede „Sehr geehrter Herr..:“ ziemlich deutlich gemacht, das ich nicht machen kann, was mein Programm gerade will. Sehr deutlich.

Ein Tollhaus!
Und der Steuerzahler zahlt und schweigt.

Wenn ich so über Berlin lese und höre, komme ich regelmäßig aus dem Kopfschütteln nicht raus und jedes Mal drängt sich mir der Gedanke auf;
wird da eigentlich aus einem sog. Shithole dieser Welt (ähh upps, ja Verzeihung, was für ein politisch unkorrekter Begriff) berichtet?!?
Und dann muss ich mit Entsetzen wieder feststellen, Holla die Waldfee;
das ist die Hauptstadt dieser Bundesrepublik.😱

Die bleierne Zeit ist gekommen.

Berlin ist ein linksgrünes shithole. Das gilt in jeder Hinsicht. Jetzt wird, wie bei der S-Bahn auch, der U-Bahn-Takt ausgedünnt- erst einmal nur auf einigen Strecken. Der Rest folgt dann kurzfristig sicher auch noch, denn es gibt nicht nur Personalmangel, sonder erhebliche technische Mängel. Mangelwirtschaft sozusagen. Oder in Politik ausgedrückt: Sozialismus. https://www.rbb24.de/wirtschaft/beitrag/2019/01/u-bahn-berlin-takt-u6-u7-u9-bvg.html

Wie gewählt, so geliefert. Diese Zustände sind nur deshalb so möglich. Einzelne sind die Leidtragenden. Dieser Moloch kann nur deshalb gut überleben weil dieser Sumpf dauersubventioniert wird. Der Regierende Müller passt gut zu dieser Stadt.

Zum Video
Das wurde eindeutig mit Abstand zum Geschehen gemacht. Es kann somit nicht vom gefilmten Polizisten selbst gemacht worden sein.
Hätte es ein anderer Polizist gemacht, so wäre die Frage angebracht, warum er sich statt u filmen nicht zu seinem Kollegen gestellt hat.

Ich vermute ja eher, dass das Video von einem Fahrgast gemacht wurde und dieser es ins Netzt gestellt hat. Die Vermutung, dass der Polizist sie ins Netzt gestellt hat dürfte von Links kommen. An Stelle des Polizisten würde ich Strafanzeige gegen unbekannt stellen wegen Rufschädigung, dann muss der Staatsanwalt dem nachgehen.

In Berlin funktioniert nur zweierlei perfekt:
1. der Drogenverkauf
2. die Prostitution

BER – wird wohl nie fertig – eher irgendwann abgerissen und komplet neu gebaut
Polizei und andere Behörden totgespart
Kitas schließen weil das Personal dauerkrank oder weggeht
dann die große Politik, die ja auch in Berlin sitzt und nicht funktioniert

BER abgerissen – gut. Neu aufbauen – bloß nicht!

@W aus der Diaspora
Sie meinen bestimmt den Flughafen, von dem aus keine Flugzeuge starten und landen dürfen und auf dem Autos abgestellt werden, die nicht fahren dürfen…!!
Ja, der wird wohl eher nicht so bald fertig.