Ein Kampf um Glyphosat – die Hintergründe

Die Unterorganisation der WHO: IARC, die internationale Agentur für Krebsforschung in Lyon, hat Glyphosat in die Kategorie 2a eingestuft. Das bedeutet: Die Substanz ist grundsätzlich in der Lage, Krebs zu erzeugen. Rindfleisch, Lammfleisch und Ziegenfleisch befinden sich auch in dieser Kategorie.

IVAN PISARENKO/AFP/Getty Images
Glyphosat – das gilt derzeit als das Supergift, das alles Leben zerstört und die Menschheit ausrottet. Allein bei der Nennung des Namens kriechen Schauder über den Rücken, laut sind die Forderungen, das Teufelszeug zu verbieten.

Doch auch nach 40 Jahren weltweitem Gebrauch gibt es keinen Beweis dafür, dass Glyphosat schädliche gesundheitliche Folgen hat. Dennoch beginnen jetzt vor amerikanischen Gerichten wahre Schlachten um Glyphosat. Es geht um angebliche Gefahren – und um viel Geld, sehr viel Geld, das Bayer mit Monsanto als Schadensersatz bezahlen soll. Die Kläger behaupten, dass Glyphosat für ihre Krebserkrankungen verantwortlich sei. Da lohnt ein Blick hinter die Kulissen auf die Akteure.

Denn gerade steht eine erste Entscheidung vor einem amerikanischen Bundesgericht an. 9.300 andere Kläger stehen auf der Matte und führen ihr Krebsleiden auf Glyphosat zurück. Bayer als neuer Eigentümer jedenfalls rüstet sich für eine teure Klagewelle.

In San Francisco klagt jetzt Ed Hardemann, Glyphosat habe bei ihm Lymphdrüsenkrebs ausgelöst. Das Verfahren ist deswegen bedeutsam, weil es eine erste Sammelklage ist, in der Beweise erhoben und Zeugen vernommen werden. Damit bekommt es den Charakter einer Richtungsentscheidung, die zwar nicht bindend für die anderen Verfahren ist, aber dennoch eine Einschätzung über künftige Erfolgsaussichten zulässt. Offenbar befasst sich die Jury sehr genau mit den Argumenten; am Freitag vertagten sich die Geschworenen wieder und treffen jetzt am Montag erneut zusammen. Dann wollen die Geschworenen erneut die Aussage des Klägers hören.

Es geht um einen Industriekrieg, der mit härtesten Bandagen geführt wird. Ein Kampf, der mit voller Wucht tobt und gehöriges Vernichtungspotential birgt. Es stehen sich gegenüber:

  • der Hersteller von Saatgut und Pflanzenschutzmittel Monsanto / Bayer
    und
  • auf der anderen Seite finanzstarke NGOs. Hinter denen wiederum stehen ideologiegetränkte Firmen, die zum Beispiel Bioprodukte verkaufen wollen und Impfungen, Gentechnik und Chemotherapie ablehnen, über ihre Alternativmedizin viele Millionen Dollar verdienen. Sie sehen häufig auch Chemtrails als wahr an.

Da kommt ein Pflanzenschutzmittel wie Glyphosat als Hebel im Kampf um die Vorherrschaft gerade recht. Das wird zwar seit 40 Jahren weltweit erfolgreich angewendet, weil die Bauern Nutzpflanzen ernten wollen und keine Unkräuter. Ein anderes Mittel gibt es nicht. Nur mit Glyphosat können sie Saatgut ausbringen, ohne vorher die Böden umzupflügen. Das spart Fahrten mit dem Traktor über den Acker und schont die Böden.

Und es lässt doch Unkräuter verderben, also Leben, warum nicht auch menschliches Leben, so die bange Frage? Eine Steilvorlage, um eine Gefahr für alles Leben zu konstruieren. Einem unwissenden Publikum kann man vieles auftischen. Woher kommen Aussagen über die Gefährlichkeit von Glyphosat? Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sagt das ausdrücklich nicht. Doch deren Unterorganisation IARC, die internationale Agentur für Krebsforschung in Lyon, hat das Mittel in die Kategorie 2a eingestuft. Das bedeutet: Die Substanz ist grundsätzlich in der Lage, Krebs zu erzeugen. Rindfleisch, Lammfleisch und Ziegenfleisch befinden sich – nebenbei bemerkt – auch in dieser Kategorie. Von jedem Produkt gehen theoretisch beliebig viele Gefahren aus. Wie beim Salz. Zu viel davon kann auch tödlich sein.

Erst nach einer Bewertung des Risikos setzt man sich ins Auto oder isst Salz. Der Friseurberuf gilt in dieser Kategorie ebenfalls als »wahrscheinlich krebserregend«. Sonnenstrahlen und Alkohol gehören nach IARC in die Kategorie als »sicher krebserregend«.

Nach IARC Kategorien befindet sich in Gruppe 4 »wahrscheinlich nicht karzinogen« lediglich eine Substanz, Caprolactam, ein Ausgangsstoff für Kunststoffproduktion.
Das Vorgehen der IARC führt in die Irre. Denn grundsätzlich gehen von jedem Produkt beliebig viele Gefahren aus. Erst nach einer Bewertung lässt sich das tatsächliche Risiko einschätzen.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), einst von der damaligen Landwirtschaftsministerin Renate Künast ins Leben gerufen, fragte im August 2012, ob »Glyphosat möglicherweise schädliche Auswirkungen auf die Darmflora von Mensch und Tier?« habe. Antwort des BfR: Nein!

In seiner Stellungnahme Nr. 033/2012 stellte das BfR klar, dass weder »eine zeitweilige Beeinflussung von Bodenbakterien nachgewiesen werden« könne noch hätten die vielen tierexperimentellen Studien, die mit Glyphosat durchgeführt wurden, Störung der Darmflora, eine »Dysbiose«, angezeigt. Auch bei dem sogenannten »Ames-Test«, in dem Substanzen auf mögliche mutagene Wirkungen bei Bakterien hin untersucht werden, ergab sich für Glyphosat kein Anzeichen für eine krebsauslösende Wirkung.

Glyphosat gehört zu den weltweit toxikologisch am umfassendsten untersuchten Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffen. Auch in Langzeitstudien, bei denen Ratten und Mäusen über mehrere Generationen hinweg Glyphosat gegeben wurde, finden sich keine Anhaltspunkte. Das BfR: »In diesen Studien ist Glyphosat in verschiedenen Dosierungen verabreicht worden, die erheblich über der zu erwartenden Aufnahme von Glyphosat durch Rückstände in Lebensmitteln lagen … Es ergaben sich keine Hinweise auf Kanzerogenität, Mutagenität, Reproduktionstoxizität, fruchtschädigende Eigenschaften oder Neurotoxizität.«

»Auch bei Fütterungsstudien von Glyphosat an Rindern, Geflügel und Schweinen mit Dosierungen mit bis zu 400 mg pro kg Futter konnten keine messbaren Rückstände in der Milch sowie in Fleisch oder Fett nachgewiesen werden.«

Der Präsident des Bundesinstitutes für Risikobewertung, Andreas Hensel: »Die Wissenschaft wird als Kampfmittel missbraucht.« Und weiter: »Glyphosat ist seit 40 Jahren auf dem Markt. Es ist eine der am besten untersuchten Substanzen der Welt, es ist das wichtigste Pflanzenschutzmittel.« Es gibt keinerlei Hinweise, daß das Unkrautbekämpfungsmittel Gesundheitsschäden hervorrufen kann oder gar krebserregend sein soll.

Die Bauern würde ein Verbot von Glyphosat in erhebliche Schwierigkeiten bringen. Es gibt trotz intensiver Forschung bisher keine Alternative für Glyphosat. Sie könnten höchstens andere Herbizide verwenden, die nicht so umweltfreundlich wie Glyphosat sind. Und sie könnten ihr Anbauverfahren ändern. Sie müssten wieder mit dem Pflug über den Acker fahren, so wie sie das bis vor etwa 15, 20 Jahren getan haben. Damit werden die unerwünschten Unkrautpflanzen untergepflügt und der Boden für die Aussaat vorbereitet. Das kostet zusätzliche Fahrten mit Traktor und Pflug über die Äcker, damit auch mehr Verbrauch von Diesel. Außerdem hat dieses Verfahren erhebliche Auswirkungen auf den Zustand der Böden. Die Bauern sind stolz darauf, dass sie in den vergangenen Jahren mit ihren „pfluglosen Verfahren“ Bodenleben, Bakterienkulturen und Humusschicht stark verbessert haben. Diese Fortschritte wären hinfällig.

Die Studien zu Glyphosat sind durch die Bank alles sogenannte Korrelationsstudien. Sie kennen wir aus der leidigen Feinstaub- und NO2-Kampagne in Deutschland. Es sind dieselben Methoden. Witzigerweise wurde auch ein Zusammenhang zwischen Glyphosat und Krebs gefunden – allerdings in umgekehrter Richtung. Bei sieben Krebsarten behinderte Glyphosat das Zellwachstum. Wäre eigentlich der »Bringer«, erwiese sich Glyphosat auch als Mittel gegen bestimmte Krebsarten. Doch auch das ist ebenso »nur« eine Korrelationsstudie, mit der sich alles und nichts beweisen lässt.

In Verruf gekommen ist Glyphosat erst, als sich NGOs professionell der Sache annahmen und den Kampf gegen das vermeintliche Supergift als lohnende Einnahmequelle entdeckten. Eine davon ist »US Right to Know«, drei Mann, eine Website und eine Million Dollar Jahresetat. Damit kann man schon etwas anfangen.

Eine der Hauptaktivistinnen ist Carey Gillam. Gegen sie erscheint der Chef des dubiosen deutschen Abmahnvereines »Deutsche Umwelthilfe e.V.« Jürgen Resch wie ein Lehrling in Sachen aggressiven Ökogeschäfts.

Sie hat ursprünglich bei der Nachrichtenagentur Reuters gearbeitet, lebt heute in der Nähe von Kansas City mit Mann und drei Kindern und weist die Anschuldigung, eine Campaignerin zu sein, weit von sich: »Sie werden mich nicht auf einer Demonstration mit einem Schild sehen.« Sie bezeichnet sich selbst als »Glyphosat geek«, als Glyphosat Freak. Am 11. Oktober 2017 trat sie bei einer öffentlichen Anhörung »The Monsanto Papers und Glyphosate« des Ausschusses für Umweltfragen, öffentlich Gesundheit und Lebensmittelsicherheit und des Ausschusses für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung des EU-Parlamentes auf.

Sie arbeitet für das satte Gehalt von ungefähr 100.000 Dollar pro Jahr für die NGO »US Right to Know«. Diese militante NGO wurde im Mai 2014 gegründet und versucht, Stimmung für Bio-Erzeuger und Bio-Händler zu machen. Hauptangriffsziel: Hersteller von Saatgut und Pflanzenschutzmittel.

Hinter »US Right to Know« wiederum steht die größte Bio-Lobby-Gruppe, die Organic Consumer Association (OCA). Das wiederum ist eine aggressiv vorgehende »Verbraucherschutzorganisation«, die »US Right to Know« vom Beginn 2014 bis 2018 mit insgesamt 1,125 Millionen US-Dollar bezuschusste. Diese OCA bekämpft Gentechnik, Impfungen sowie Chemotherapie und hält sogar Chemtrails für real. Die Terrorangriffe vom September 2001 seien ein »Inside-Job« gewesen, also eine Verschwörung amerikanischer Geheimdienste. OCA ist übrigens auch der Meinung, dass man Ebola mit Vitamin C vorbeugen kann. Im Zweifel eine tödliche Auffassung.
Gründungsdirektor von »US Right to Know« ist Gary Ruskin, er hat Religionswissenschaften und Public Policy studiert und gleich anschließend als Campaigner mit dem berüchtigten amerikanischen »Verbraucheranwalt« Ralph Nader gearbeitet.

Eine ihrer wirksamsten Waffen: Anfragen nach dem »Freedom of Information Act« (FOIA). Damit können Behörden und öffentlich finanzierte Einrichtungen gezwungen werden, zum Beispiel alle Emails herauszugeben, in denen bestimmte Personen, Firmen und Medien vorkommen. Diese Mails werden ausgewählt und veröffentlicht. So lassen sich selbst Reisekostenerstattungen, Vortragshonorare und die Teilnahme an Symposien skandalisieren und als Beleg für die fehlende Unabhängigkeit von Forschern darstellen. Effektiv Misstrauen kann so gesät werden, während die NGOs als die »Guten« dastehen, die gegen die böse Forschung kämpfen.

Sogar dem Wissenschaftsmagazin »Nature« kommen solche Praktiken etwas seltsam vor: »Im PR-Krieg um gentechnisch veränderte Pflanzen hat sich eine neue Front eröffnet. Vierzig US-Wissenschaftler wurden von Aktivisten mit FOIA-Anfragen konfrontiert … Diese Wissenschaftler wurden ins Visier genommen, weil sie unbequeme Wahrheiten über die Gentechnik aussprechen.«

Denn, so Nature weiter, zwischen den Ansichten von Öffentlichkeit und Wissenschaftlern über gentechnisch veränderte Lebensmittel liegen Welten: »Ein Bericht des Pew Research Center vom Januar 2015 zeigte, dass nur 37% der Öffentlichkeit glauben, dass gentechnisch veränderte Lebensmittel sicher sind (89% der Wissenschaftler tun es). Anti-Wissenschaftsaktivisten wollen diesen Zwist aufrechterhalten.«

Die Aktivisten von »US Right to Know« (USRTK), wollten von bestimmten US-Forschern deren e-Mails aus dem Jahre 2012. »Auf diese Weise sollte festgestellt werden, ob ihr »Messaging« mit 14 Unternehmen koordiniert wird, darunter Monsanto, Syngenta, DuPont, Dow und andere Biotechs, Handelsgruppen der Lebensmittelindustrie und deren Kommunikationsfirmen. Die Wissenschaftler hatten alle zu einer von der Industrie unterstützten Website namens GMOanswers.com beigetragen und/oder sich gegen das kalifornische Angebot zur Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Lebensmitteln ausgesprochen.«

Die Aktivisten schossen sich in ihrer öffentlichen Kampagne danach auf Kevin Folta ein, einen Forscher der University of Florida, dessen e-Mails die USRTK-Aktivisten an drei Journalisten weitergegeben hatten.

»Zwei von ihnen haben einen PLOS-Blog mitgeschrieben (der jetzt entfernt wurde), während der dritte eine Nachrichtenstory der New York Times schrieb, die eine Spende von 25.000 Dollar von Monsanto an Folta’s Institution hervorhob. In beiden Fällen wählten die Reporter Sätze aus mehreren tausend E-Mails aus und hoben Folta’s Kommunikation mit Monsanto hervor, oft aus dem Zusammenhang gerissen, um anzudeuten, dass er industriehörig sei – und damit vermutlich ungeeignet, mit der Öffentlichkeit zu sprechen.«

Nature stellte fest: »Folta hat keine Gesetze gebrochen. Die Monsanto-Mittel waren eine Spende für das Outreach-Programm der Foundation seiner Universität. Sie waren weder an ihn direkt noch an seine Forschung gebunden. Seine Offenlegung von Interessenkonflikten entsprach vollständig den Regeln seiner Universität. Er benutzte nie Industriegelder für persönliche Zwecke. Ja, er hatte Interaktionen mit Unternehmen, und er ist an einem Kommunikationsprogramm beteiligt, das von der Industrie (sowie von zahlreichen Privatpersonen, Stiftungen, Bauernbüros und dem US Pork Board, etc.) finanziert wird. Nichts davon ist schockierend oder gar ungewöhnlich.«

Folta, so die Zeitschrift Nature weiter, sei ein begabter Kommunikator – einer der wenigen Wissenschaftler, der sich in der Öffentlichkeit engagiert habe: »Er ist keiner, der nur über öffentliches Engagement diskutiert, sondern auch mit einem Nicht-Fachpublikum direkt kommuniziert – auf Wissenschaftsmessen, in Schulen, Altenheimen, in Blogs und Podcasts.«

»Auf diese Weise gelingt es Demagogen und Anti-Wissenschafts-Fanatikern, hohen Schaden für die freie Meinungsäußerung anzurichten, die Informierten zum Schweigen zu zwingen und ein feindliches Umfeld zu schaffen.«

Das Resümee von Nature: »Desinformationspropaganda fliegt nun ungehindert mit Lichtgeschwindigkeit um den Globus.«

Die Aktivistentruppe von OCA schießt zum Beispiel gegen Michelle Mcguire. Die ist Biochemikerin und hat sich auf Muttermilch spezialisiert. Sie las Meldungen über alarmierend hohe Rückstände von Glyphosat in der Muttermilch. Daraufhin untersuchte sie in einer ausführlichen Studie die Muttermilch von 41 Frauen aus einer ländlichen Gemeinde auf Glyphosat-Spuren. Ihr eindeutiges Ergebnis: Die Proben enthielten kein Glyphosat und ebenso kein AM-PA – auch dann übrigens nicht, wenn sich im Urin der Frauen Spuren von Glyphosat nachweisen ließen. Das bedeutet auch, dass die Natur eine wirksame Barriere eingebaut hat, um Säuglinge vor kritischen Stoffen zu schützen.

Drei Tage, nachdem eine Pressemeldung mit dem Ergebnis der Studie von Michelle Mcguire erschienen war, stellte die NGO »US Right to Know« eine FOIA-Anfrage an sie und ihre Universität.

Mcguire rief den USRTK-Aktivisten Gary Ruskin an und sagte, dass sie ihm alle Informationen und Unterlagen, die er wünschte, geben würde. Aber Ruskin, so berichtet sie, verglich »gönnerhaft« die FOIA-Nachfrage mit einer Zwischenprüfung. »Wir testen dich, um zu sehen, wie gut du warst«, beschimpfte er die Wissenschaftlerin und legte dann auf.«

Ruskin schrieb über seine Taktik auf der USRTK-Website: »Es geht darum, inwieweit Unternehmen wie Monsanto und ihre Spitzengruppen unsere öffentlichen Universitäten und die Wissenschaftler, die dort arbeiten, als Werkzeuge nutzen, um ihre Agenda und ihre Gewinne zu fördern.«

Mcguire wirft sich Naivität vor: »Es ist mir jetzt klar, dass ich unterschätzt habe, wie giftig diese ganze Anti-GVO-Propagandawelt geworden ist.« Sie ahnte nicht, wie ihre E-Mails aus dem Zusammenhang gerissen werden könnten. »Ich sehe nun diesen von der FOIA getriebenen akademischen Terrorismus als das, was er ist: eine absolut disruptive und abschreckende Bedrohung für öffentliche Universitätswissenschaftler, die in den Bereichen Landwirtschaft, Ernährung und Ernährung tätig sind.«

In einem anderen Fall berichtet die Agrarwissenschaftlerin und Tiermedizinerin Alison L. Van Eenennaam über ihre Erfahrungen mit einer »US Right to Know« Anfrage nach dem Freedom Information Act. Sie forscht und lehrt an der University of California-Davis über Tiergenetik und Biotechnologie, aus Sicht der Aktivisten eine unmögliche Forschung. Sie hat viele Preise für ihre Spitzenforschung erhalten.

Am 5. Februar 2015 erhielt sie ein Schreiben vom Chefaktivisten der USRTK, Gary Ruskin:

»Ich stelle diesen Antrag im Namen von U.S. Right to Know, einer 501(c)(3) gemeinnützigen Lebensmittelforschungseinrichtung. Die gemäß diesem Antrag offenbarten Aufzeichnungen werden bei der Erstellung von Artikeln für die öffentliche Verbreitung verwendet. Dementsprechend bitte ich Sie, auf alle Gebühren im öffentlichen Interesse zu verzichten, da die Bereitstellung der mit diesem Antrag verlangten Informationen in erster Linie der Öffentlichkeit zugute kommt.«

„Die Anfrage betraf alle Korrespondenz (Briefe, E-Mails), die seit dem 1.1.2012 an mich oder von mir und an oder von Mitarbeitern oder Mitarbeitern einer der folgenden Organisationen geschrieben oder erhalten wurde: Monsanto, Syngenta, Bayer oder Bayer Crop Science, BASF, DuPont oder Pioneer, Dow oder Dow AgroSciences, Ketchum, GMO Answers, Biotechnology Industry Organization, Council for Biotechnology Information, Grocery Manufacturers Association, Fleishman Hillard, Ogilvy & Mather, Winner & Mandab-ach, Bicker, Castillo&Fairbanks und die NGO „No on 37“. Das sind mehr als 3 Jahre E-Mail-Verkehr.«

Im Fokus waren offenbar vor allem prominente Wissenschaftler, die mit Universitäten in den Vereinigten Staaten zusammenarbeiten, die in der öffentlichen Diskussion über gentechnisch veränderte Lebensmittel stehen. NGOs wie „US Right to Know“ scheinen fast ihr Ziel zu erreichen, denn Wissenschaftler fragen sich mittlerweile: Lohnt sich öffentliches Engagement?

Van Eenennaam: »Der politische Diskurs und die Social Media zum Thema Biotechnologie und genetic engineering sind vergiftet.« Immerhin kommt sie zu dem Schluss: »Ich halte es für unerlässlich, dass Wissenschaftler des öffentlichen Sektors einen Platz am Tisch einnehmen und sich nicht zum Schweigen bringen lassen, über bestimmte Technologien oder davor zurückschrecken, über kontroverse Themen zu sprechen.«

Die Organisation USRTK wertet ihre e-Mails aus, veröffentlichte sie teilweise im Netz und kommt zum Schluss: Alison Van Eenennaam sei eine Schlüsselfigur und Lobbyistin für die »Biotechnologie- und Gentechnik-Industrie«.

Sie wird als Propagandistin an den Pranger gestellt.

NGOs und ihre Hilfstruppen mit Heerscharen von Anwälten verheeren mehr und mehr den öffentlichen Raum, treiben Wissenschaft und sogar teilweise Politik vor sich her. Deren Grundlage: Angstmacherei. Mittlerweile glauben viele, es muss doch krankmachen. Religion ersetzt Wissenschaft. Sie verkaufen ihr »Bio« umso besser, je mehr sie vorher Angst vor der »industriellen Landwirtschaft« geschürt haben.

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Kommentare ( 38 )

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38 Kommentare auf "Ein Kampf um Glyphosat – die Hintergründe"

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Wo ist die rote Linie? Energiewende – Biogasanlagen – Maiswüsten – Hybridsaatgut+Glyphosat aus einer Hand – Bayer kauft Monsanto, und nun schlüpft aus dem Kuckucksei die nächste Multi-Milliardenklage? Nach VW wird die nächste „Blöde Kuh“ geschlachtet?
Da wird Finanz-Olaf wohl die Strafmilliarden – Verlustabschreibung in sein „Steuermilliarden-Sprudel-Tableau“ aufnehmen müssen, und die bereits jetzt fehlenden 85 Milliarden bald Schnee von Gestern sein.

Strafmilliarden, wie sie es nennen sind steuerlich nicht abzugsfähig. Nachzulesen unter § 4 Abs. 5 Nr. 8 EStG. Über § 8 Abs. 1 Satz 1 KStG gilt das auch für Körperschaften. Also: die Kohle ist bei der Firma zwar weg, mindert aber nicht das zu versteuernde Einkommen.

Noch in den 80´er Jahren gehörte es zum Credo der Ökogemeinde, dass Pflügen etwas ganz Böses sei. Dann gab es plötzlich Glyphosat und die konventionellen Bauern konnten vielfach auf das phöse Pflügen verzichten, was sehr positiv für den Boden, für den Geldbeutel sowie für die Verbraucherpreise ist. Die Öko´s waren allerdings zu schnell mit der Verteufelung des Pflügens gewesen. Denn sie durften Glyphosat nicht anwenden, was dazu führte, dass der Krankheits-und Unkrautdruck auf ihren Flächen unerträglich zunahm. In der Not fangen sie wieder an zu Pflügen und fahren 10 mal mit der Egge oder Sonstigem durch die Bestände, was nicht… Mehr

Was wirklich kritisch ist an Glyphosat, ist die in der Vergangenheit kaum erforschte Wirkung auf die Insektenwelt – über das eliminieren der dafür ganz entscheidenden pflanzlichen Ernährungsgrundlagen und über die direkte Wirkung auf den Organismus der Insekten (neueste Studien haben z.b. in Spinnen sehr kritische Konzentrationen gefunden).
Wir müssen die Landwirtschaftlichen Erträge unbedingt sichern und mit den rapide fallenden Zahlen von Insekten wird das bald immer schwieriger.

Es ist zu erwarten, dass die Robotertechnik in Zukunft in der Unkrautbekämpfung massiv wachsen wird. Deutschland sollte sicher stellen, sich dort eine führende Rolle zu erarbeiten statt den Zug auch schon wieder zu verpassen.

Zur „Insektenwelt“ gabs hier(?) erst kürzlich einen ganz interesanten Beitrag.
Aus dem deutlich wurde, dass, was die Insektenpopulation angeht von „interessierter Seite“ (Krefelder Zahlen betreffend) ganz deutlich A) die Daten „frisiert“ und B) die Daten-GRUNDLAGE „verpfuscht“ wurde. –

Also wenn die Felder wieder gepflügt werden statt mit Glyphosat die Altplanzen nur abzuspritzen und da direkt zu sähen, dann finden dort Insekten danach auch nicht mehr Nahrung. Gepflügte Felder haben recht wenig Blütenpflanzen und Glyphosat hat keine Dauerwirkung. Es gibt höchsten eine indirekte Wirkung. Direktsaat führt zu weniger Erosion und damit zu weniger Nährstoffeintrag in die Gewässer (was sich die Ökos immer wünschen!). Das reduziert dann dort den Pflanzen- bzw. Algenwuchs und über die Nahrungskette die Insekten. Ansonsten zeigt Glyphosat bei den praxisrelevanten Konzentrationen keine Auswirkungen auf Insekten. Wenn aber „Ökos“ von kritischen Konzentrationen sprechen, so beginnen diese bei… Mehr

Man darf auch nicht vergessen, dass die GESAMTE Honigernte in Habeck´s SH mit Pyrrolizidinalkaloiden in bedenklicher Höhe kontaminiert ist. Hauptursache (neben vielen anderen sich im im Ökogefolge ausbreitenden Giftpflanzen) ist die massive Ausbreitung von Jacobskreutzkraut. Ursächlich für die Verbreitung sind die Ausweisung von Naturschutzgebieten, Beschränkungen in der Nutzung von Dauergrünland, sowie die grüngesetzlichen Einschränkungen der Düngung.

Nachzulesen u. a. hier:

https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=2&ved=2ahUKEwiVm7er84jhAhWIw6YKHbSqDbEQFjABegQIBRAC&url=https%3A%2F%2Fwww.laves.niedersachsen.de%2Fdownload%2F70330%2FPyrrolizidin-Alkaloide_Honig_Pollen_Bienen.pdf&usg=AOvVaw2-uWonXafWST6xDiU44fUx

Das Problem mit Kräutertees und Pyrrolizidinalkaloide ist ja gut genug bekannt. Sollte natürlich sehr ernst genommen werden. Bestimmte Produkte wie Glyphosat, die in riesigen Mengen ausgebracht werden, aber von kritischen Bewertungen auszunehmen obwohl wir eindeutig ein massives Problem mit den Trends in Landwirtschaft und Insektenwelt haben, ist aus meiner Sicht keine schlaue Strategie. Damit schneiden wir uns letztendlich ins eigene Fleisch.

Es stimmt einfach nicht, dass Glyphosat nicht umfangreich und krirtisch untersucht wurde. Auch die von den Grünen gegründete BfR hatte bei diesen Stoff keine Bedenken. Nicht ohne Grund haben Rechtsanwaltskanzleien (mit Verschwiegenheitsklausel) den bei der IARC federführenden C. Portier ein schsstelliges „Beraterhonorar“ gezahlt um entlich eine negative Bewertung zu bekommen, die man für die Prozesse brauchte. Dabei war C. Portier schon als Ökoaktivist bekannt. Nicht ohne Grund wurden bei der IARC aus fadenscheinigen Gründen aussagekräftige Untersuchungen bewusst nicht berücksichtigt (ist dokumentiert), welche der negativen Einstufung wiedersprachen. Erstaunlicherweise forderte man bei dem chemisch eng verwandeten Kalimphosphonat keine derartige Untersuchungen, als dies… Mehr

Sehr gut erforscht hingegen ist die Wirkung von Windkraftanlagen auf die Insektenwelt:
Allein die Windräder in der BRD töten pro Jahr 1200 Tonnen (!) Insekten!
Aus den von Ihnen genannten Gründen müssten alle Windkraftanlagen sofort stillgelegt werden.
Aber ach, ich vergaß: Wir müssen ja die Welt retten, da sind die paar Milliarden Insekten natürlich nur ein Kollateralschaden…

Ich kann mir gut vorstellen, dass solche Menge ein ernsthaftes Problem darstellen. Leider kenne ich die Relationen nicht.

qed

CDU-Agrarministerin Julia Klöckner bricht das Recht für große Chemiekonzerne. Sie lässt 18 neue Ackergifte zu – ohne die Zustimmung des Umweltbundesamtes. Der Alleingang bringt Glyphosat und andere Bienenkiller auf unsere Felder..„Was der Biene schadet, muss vom Markt“, versprach CDU-Agrarministerin Julia Klöckner vor einem Jahr. Jetzt bricht sie ihr Wort: Eine ihr unterstellte Behörde hat 18 neue Ackergifte zugelassen. Darin stecken Glyphosat und Cyantraniliprol – tödliche Stoffe für Bienen. Klöckner schafft einfach Fakten. Ohne die benötigte Zustimmung des Umweltbundesamtes. https://blog.campact.de/2019/03/kein-rechtsbruch-fuer-bienengift/

Das Bundeslandwirtschaftsministerium benötigt die Zustimmung einer nachgeordneten Behörde eines anderen Ministeriums?

Könnte es sein, dass campact hier das macht, was campact immer macht: Hyperventilierende Tatsachenverdrehung?

Es geht um das ganz große Geld. Diese Sammelklagen dienen nur einem Zweck, Geld zu erpressen, Geld was nach deren Glauben die Konzerne unendlich zur Verfügung haben. Deshalb gibt es auch nicht sowas wie ein schlechtes Gewissen oder eine moralische Grenze alles ist erlaubt. Ich bin kein Fan von Glyphosat und weis auch nicht genug darüber aber wenn man sich das Unterpflügen von Unkraut und Ernteresten spart umgeht man damit die Vierfelder Regel die Jahrhunderte galt? Vier Felder auf denen drei jedes Jahr bestellt wurden und die Fruchtfolge wechselte. Ein Feld wurde brach gelassen nach dem Unterpflügen und der Biostoff… Mehr

Erst wenn die neue Ikone der Grünn*innen, die psychisch schwer gestörte Autistin, systematisch verdummte und von ihren Eltern für Publicity missbrauchte heilige Greta Glyphosat schuldig spricht, ist für Bayer die letzte Messe gelesen. Dann werden sich Millionen ebenfalls verdummter Schulkinder mit ihrer neuen Göttin solidarisieren und fortan donnerstags gegen das „teuflische Gift“ auf unseren Äckern demonstrieren. Wie die Gerichte in den USA entscheiden, ist schwer vorherzusagen – die deutschen Richter werden Bayer ganz bestimmt zur Höchststrafe verurteilen. Unter dem beifälligen Nicken der Gott-Kanzlerin…

Nun stellen wir uns doch einfach mal vor, es dürften nur noch BIO-Lebensmittel verkauft werden. Die logische Folge wäre, dass ein guter Teil der schlecht Verdienenden im Westen schlicht verhungern müsste. Dass junge Frauen wieder Jobs wie Dienstmädchen und junge Männer wieder Jobs als Knecht, gegen freie Unterkunft, Verpflegung und kleines Taschengeld annehmen würden.

Das Leben für die „Elite“ wäre endlich wieder lebenswert. Fürs Grobe die Chantal und fürs Feine die Alexa. Schöne neue Welt!

Es spart also Diesel ein.Und der Diesel lässt doch angeblich die Menschen sterben wie die Fliegen.Ist doch ein super Argument für die Glyphosatverteidiger,dankt den NGOs!

„NGOs und ihre Hilfstruppen mit Heerscharen von Anwälten verpesten mehr und mehr den öffentlichen Raum,…“

Es wäre an der Zeit, ein NGO-Schutzmittel zu entwickeln. Obwohl, das gab es ja früher. Hieß naturwissenschaftliche Bildung und Vernunft. Leider völlig aus der Mode gekommen.

Also ich wohne schon immer auf dem Land und früher wurden solche gigantischen Mengen an Spritzmitteln nicht eingesetzt. Es war auch nicht nötig, weil es diese schädigenden Monokulturen nicht gab.

Überall nur noch rießige Mais-und Rapsfelder zur Biogasgewinnung und als Futtermittel. Diese kommen natürlich nicht ohne Glyphosat aus.

Gerade der Mais war auch am stärksten von dem heißen Sommer betroffen.

Monsanto zerstört alles und ich bin mir sicher, Bayer hat sich da ein richtig faules Ei ins Nest gelegt. Ohne Not sogar.

Wir alle kennen die amerikanischen Schadenersatzurteile. Gute Nacht Bayer.

Komisch auch, dass man mit den Klagen bis nach der Übernahme gewartet hat!

Früher hat man das Unkraut im Kartoffel- und Rübenacker mit der Hacke und Zupfen entfernt – vom Rücken am Abend nach aufrichten möchte ich nicht reden. Mögen Sie noch mit der Hacke auf den Acker gehen? Heute gibt es in meinem Heimatort noch zwei Vollerwerbslandwirte, früher waren es 10 und bestimmt 30 Nebenerwerbsbetriebe. Und wohlgemerkt, Handarbeit ist teuer.