Der alte Maoist und der Mercedes

Habt Mitleid mit dem Fahrer einer S-Klasse von Mercedes! Auch das größte (räumlich) und teuerste (in diesem Fall für den Steuerzahler) Auto ist zu klein für den größten Ministerpräsidenten aller Schwaben.

© Axel Schmidt/AFP/Getty Images

Da mault der alte Maoist, dass ihm auch ein Mercedes als kommode Staatskarosse nicht mehr genügt. Zu eng, zu klein: »Ich hocke da wie eine Sardine in der Büchse«, klagte am Dienstag Winfried Kretschmann gegenüber dem Stuttgarter Zeitungsmann Andreas Müller. Der hatte ihn gefragt, wozu er eigentlich einen Dienstwagen mit 441 PS benötige:

»Das ist mir jetzt neu. Da kann ich jetzt nichts dazu sagen. Die PS-Anzahl meines Dienstautos ist jetzt nicht das, was mich besonders plagt oder beschäftigt.«, formulierte Kretschmann, früher KBW-Mann und Mao-Bejubler, heute Ministerpräsident des Autolandes Baden-Württemberg.

»Ich komme mit dem Auto gut voran, es ist ein Plug-in-Hybrid, und man kann mit ihm auch überholen. Aber ich sag Ihnen mal ganz ehrlich: besonders fürstlich hock‘ ich da nicht drin. Sie müssen ja sehen, vorne, vor mir, hockt ein Personenschützer, der braucht ja auch Platz, den kann ich auch nicht irgendwie so reinklemmen, dass er nachher Kniebeschwerden bekommt. Und alle denken, wunder, wie komfortabel ich in der Gegend rumfahre – es ist leider nicht so. Ich hock‘ da wie ’ne Sardine in der Büchse. Wir haben meistens noch ’ne Tasche, weil ein Mitarbeiter neben mir hockt, die muss ich auch noch mit an meine Füße klemmen. Also glauben Sie jetzt nicht, dass ich da besonders komfortabel durch die Gegend kutschiere. Ich nehm‘ das alles gern in Kauf.«

Früher mit dem rostigen Fahrrad unterwegs – heute mit der größten und luxuriösesten Limousine, die deutsche Autobauer im Angebot haben. Und es ist immer noch nix. Einer seiner Amtsvorgänger, Erwin Teufel, ist bescheiden morgens und abends mit dem Zug von seinem Wohnort Tuttlingen zur Arbeit in die Villa Reitzenstein gefahren, dem Sitz des baden-württembergischen Ministerpräsidenten in schöner Stuttgarter Halbhöhenlage.

Gut, Kretschmann ist groß. Ihn treffen heftig die Folgen des grünen Ideals: Alles dem Ökodiktat unterwerfen. Niedriger Verbrauch, niedriger CO2 Ausstoß ist Staatsziel, und der geht mit niedrigem Verbrauch einher.
Deswegen bauen die Designer ihre schönen Autos immer niedriger. Damit sinken Luftwiderstand und auch Verbrauch ein wenig. Ein Adenauer hätte keine Freude mehr. Er zog, so die Legende, seinerzeit Mercedes gegenüber dem bayerischen Konkurrenten BMW vor, weil der Mercedes höher war. Er konnte mit Hut drin sitzen.
Heute undenkbar.

Ältere Menschen kommen kaum noch in die niedrigen Gefährte hinein. Mit künstlicher Hüfte gar geht da kaum noch was. Die Fahrer sitzen auf Höhe eines Formel 1-Piloten. Sie retten zwar damit das Klima und die Welt vor dem Untergang. Großartig. Aber dann zwickt wieder die Hüfte, oder das Kniegelenk macht die Verrenkungen beim Einsteigen nicht mehr mit. Dann fällt die Wahl auf einen so viel gescholtenen SUV. Der ist hoch, da kommt man wenigstens gescheit hinein und auch wieder heraus, ohne Turnmeisterschaften absolviert zu haben.

Der Herr Kretschmann läßt sich in einem Hybrid-Fahrzeug chauffieren. Glaubte er seiner eigenen grünen Propaganda, hätte es ein reines Elektroauto sein müssen. Ein Tesla zum Beispiel, wie ihn der frühere NRW-Umweltminister Johannes Remmel kaufen ließ. Remmel, von den Grünen, wollte sich unbedingt mit dem normal mehr als 110.000 Euro kostenden Gefährt ablichten lassen. Elektroauto – so sieht die Zukunft aus.

Nicht lange allerdings.

Denn nach den vielen tollen Pressebildchen – Minister mit Tesla – trat die große Enttäuschung auf: Weite Strecken konnte der grüne Minister darin nicht zurücklegen.
»Für Fahrten über mehrere hundert Kilometer habe sich die Batterieleistung des Fahrzeugs als »noch nicht ausreichend herausgestellt«, sagte ein Sprecher des Umweltministeriums auf Anfrage des Kölner Stadt-Anzeiger. Das Auto sei als Dienstlimousine nicht ausreichend geeignet«. Auch seine Nachfolgerin im Amt, Christina Schulze-Föcking, will den Wagen nicht haben.

Ladeaufenthalte mußten eingeplant werden. »Können Sie doch bequem mal eine Kaffeepause einlegen«, wird dem gemeinen Autofahrer immer eingetrichtert. Nix Kaffee – nächster Termin, auf dem er wieder Elektroantrieb predigt und vom Jahrmarkt im Himmel erzählt. Geht nicht mit Tesla, also weg damit und ein anständiges Auto her mit Kohlenwasserstoffantrieb vulgo Benzin. Wer zahlt den Schaden?

Bei Kretschmann sollte es wenigstens ein bißchen grün angehaucht sein. Daher fiel die Wahl auf ein Hybrid-Fahrzeug. Schon der Begriff ist Banane.
Hybrid – das bedeutet zwei Antriebe in einem Auto – damit technisch sehr aufwendig, teuer, kompliziert und schwer. Zudem wird viel mehr Energie benötigt, um diese Masse in Bewegung zu setzen. Und Abbremsen – Herrje! – der höhere Feinstaubanteil, den die Bremsen und Reifen abgeben! Von vorn bis hinten also umweltverheerend.

Der Elektromotor ist im Prinzip nur ein verbesserter Anlassermotor und leistet bei der Hybrid-S-Klasse 27 PS, etwas weniger als früher der VW Käfer-Motor. Nur hatte der keine zweieinhalb Tonnen zu bewegen. Der Elektromotor soll den Riesenschlitten vor allem im Stop and Go-Verkehr vorwärtsschieben. Gut, von dem gibt es reichlich in Stuttgart. Die eigentliche Arbeit meistern die 441 PS im Motor. Hybrid nutzt nix – außer zu der Behauptung: Alles öko!

Wir wissen jetzt: Kretschmann also quetscht sich im harten Dienste fürs grüne Ländle mühsam in eines der besten Autos, das die deutsche Autoindustrie baut. Puh! Wenn man erst einmal drin ist, ist alles gut. Bis man wieder aussteigen muß. Hybrid ist für den grünen Grüßaugust.

Er bemerkt bei seinen Fahrten zum potentiellen Wähler immerhin die eklatanten Infrastrukturmängel im Ländle: »Aber was mich mehr ärgert: dass man in diesem Land keine ordentlichen Dienstgespräche führen kann. Wenn Funklöcher sieben mal das Gespräch verhindern, das ist eigentlich das, was mich plagt. Das andere nehm‘ ich alles in Kauf.« Sagte er weiter. Nun, darunter leiden Bürger und Wirtschaft schon seit Jahren.

Wie heißt es doch so schön: »Midd guade Absichda gohd mr aus’am Haus, ond midd dräggiche Schuah kommd mr widdr hoim.«

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Kommentare ( 134 )

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134 Kommentare auf "Der alte Maoist und der Mercedes"

Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung
Herr Kretschmann sollte doch auf seine bisher bewährte Reisemethode zurückgreifen: er selbst fliegt im Hubschrauber und die viel zu kleine, unbequeme Achtzylinder-Limousine fährt parallel dazu auf der Autobahn die gleiche Strecke (so geschehen bei einer Reise von Stuttgart nach Lübeck am 27. Okt. 2011, Mehrkosten 16.000€). Da ja bekanntlich nichts alternativlos ist, empfehle ich Herrn Kretschmann die Anschaffung eines Mercedes-Benz S600 Guard. (Zwölfzylinder-Biturbo-Motor mit 380 KW / 517 PS, höheres Dach, pneumatisch anhebbare Karosserie, Preis ca. 920.000 €). Um Geld zu sparen, könnte man ja anstatt der Panzerung eine giftgrüne Lackierung vorsehen. Wer würde schon einem katholischen, grünen, ehemals kommunistischen,… Mehr

Der grösste Witz an der Sache ist, dass die EU schon jetzt eine so kleine CO2-Emissionsmenge im Durchschnitt vorschreibt, die unter der eines Fiat 500 liegt! Und dann ist der Herr Kretschmann, dessen Partei immer noch mehr Einschnitte und ein Zusammenstreichen von bis zu 95% der Industrieemissionen (= fast 95% der Industrieproduktion/Arbeitsplätze!) fordert, nichtmal mit so einem fast 450 PS Luxusgefährt zufrieden, wo ein Helmut Kohl über
das wesentlich schwächere Vorgängermodell nie gemault hat?
Was für eine Staatskarosse braucht der Herr Kretschmann? Einen Mercedes 600 Pullmann mit langem Radstand und fast 3.6 Tonnen Leergewicht?

Für den grün-ideologischen Klimaschutz sollte diese Witzfigur lieber zu Fuß gehen oder Radfahren, wie unter Mao.
Aber so ists halt auch bei diesen grünen Möchtegern-Politikern: Wasser predigen aber Wein saufen!
Charakter- und ehrlos eben.

Als Grüner kann man nichtganz frisch sein sonst wäre man nicht in soeiner Partei.. In Bayern hat ein Volksbegehren der Grünen das Ziel, den weiteren Flächenverbrauch stark zu begrenzen. Gleichzeitig fordern sie neue Wohnungen für sogenannte Flüchtlinge und natürlich unbegrenzten weiteren Zuzug von „Schutzsuchenden“

Wie wäre es denn mit einer V-Klasse? Man könnte außen einen Hermes-Aufkleber draufpappen und so inkognito durch‘s Ländle sausen. Spart die Panzerung und spart vor allem Sprit. Spaß beiseite. Sich über eine S-Klasse zu beschweren ist schon dekadent.

Nö, mir könnte man so ein Teil auch schenken, ich würde es sofort verkaufen und mir eine normales Auto kaufen, zu eng, zu tief und zu wenig Platz.

Würde dann nicht ein Sprinter, Caravelle Transporter und dergleichen besser zu seinem Nutzerprofil passen?

Und ich hab`die grüne Lösung dieses grünen Problems! Dass ihr alle nicht darauf gekommen seid, liegt wohl daran, dass ihr nicht grün könnt. Oder wollt! Also: Man beschaffe, immer schön aus Steuergeldern, einen zweiten Tesla. Den lasse man immer die geplante Route vorfahren, bis zum ersichtlichen „Tank“stop und immer eine halbe Stunde vor dem Tesla mit Minister drin. Beim Stop dann treffen sie sich, der Minister steigt in den frisch geladenen Tesla um und hat nur einen minimalen Aufenthalt. Reicht noch nicht? Na dann den 3. und 4. Tesla angeschafft! Der letzte Tesla fährt immer einen Tag früher los… Ja,… Mehr

Wikipedia:
Maos „1957 Great Leap Forward“ allein 45 Millionen Opfer, dann 1966 „Cultural Revolution“.
Kretschmann: „Sohn katholischer Eltern, die aus dem heute zu Polen gehörenden Ermland, einer katholischen Diaspora im damals mehrheitlich protestantischen Ostpreußen, vertrieben wurde.“
Man kann also heute problemlos ehemaliger Maoist sein (Kretschmann: „politischer Irrtum“), die Eltern wurden aber 1945 nicht von Polen sondern bösen Protestanten aus dem Ermland vertrieben. Da haben wir doch wieder etwas dazugelernt…

Etliche Alt-Grüne sehen ja auch mittlerweile ihre Pädophilie als Irrtum an, oder nicht?

Zumindest sagen das einige …

Für die Opfer, die Kretschamen täglich erbringt, wenn er sich auf Staatskosten irgendwohin verfrachten lässt, hat dieser Herr das Bundesverdienstkreuz verdient.

Das passt auch zu Künast/Trittin während Rot-Grün:
Medienwirksam mit der Linie nach Brasilien aber fürs Inland den leeren Jet der Flugbereitschaft nebenher fliegen lassen.
Der Spiegel! hat das damals aufgedeckt – heute undenkbar!

http://www.sueddeutsche.de/politik/flugbereitschaft-union-kuenast-und-trittin-sollen-fuer-stornierten-flug-zahlen-1.310241

Die Lösung für Herrn Kretschmann ist doch eindeutig Bahnfahren. Da kommt man entspannt an. Oder so.