Burka, Burkini & Co. – Ausgrenzen statt verbieten

Zwei Begleiterinnen von Andreas Backhaus im Kosovo empfanden, dass die Burka-Trägerin, der sie begegneten, nicht nur ihre Identität als Frau, sondern auch als Albanerin verraten hatte.

Was tun mit Burka, Burkini und dergleichen – an dieser Frage scheiden sich momentan die deutschen, aber auch die französischen Geister. Den einen erscheint die Idee der Komplettverschleierung so derartig abwegig und menschenverachtend, dass sie sie lieber gleich per Verbot auf den Müllhaufen befördern würden. Den anderen, wie Jan Fleischhauer, graust es dagegen beim Gedanken daran, Gesetze gegen bestimmte Erscheinungsbilder zu erlassen, da sie sich an totalitäre Gesellschaften erinnert fühlen.

Ich tue mich ebenfalls schwer mit einem Burka- oder Burkiniverbot, aber vorrangig aus dem Grund, dass ich derartige Verbote für wenig effektiv halte. In der Türkei, in Ägypten und im Iran gab es Kopftuch- bzw. Verschleierungsverbote, aber genützt haben sie langfristig nichts. Teilweise sind aus ihnen sogar Gegenbewegungen gegen säkulare, wenn auch autoritäre Regime erwachsen. Zudem ist die Burka, wie so viele Erscheinungen, nur eins der letzten und deutlichsten Symptome einer viel früher in Moscheen und im Internet begonnenen Indoktrinierung und Absonderung. Wer also als erstes die Burka gesetzlich zurückdrängen will, zäumt das Pferd von hinten auf. Andererseits ist ebenso offensichtlich, dass allein mit Beliebigkeitsliberalismus gegen die Burka nicht anzukommen ist. Die Hoffnung, dass man sie nur lange genug ignorieren und tolerieren müsse, damit ihren Trägerinnen ein Licht aufgehe, wie toll doch unsere Gesellschaft und wie grundlos daher ihre eigene Verschleierung sei, dürfte sich mittlerweile erledigt haben.

Keine moralische Rechtfertigung für Burka, Burkini & Co.

Eine moralische Rechtfertigung lässt sich für Burka, Burkini & Co. jedenfalls an keiner Stelle finden. Angenommen, der Burkini wäre wirklich nur ein anderer Badeanzug, wie es diese gut vermummelte bento-Autorin behauptet. Es gibt wenig Gründe, ihr das abzukaufen, aber selbst dann wäre dieser Badeanzug schon ein in Richtung deutscher Gesellschaft ausgestreckter Mittelfinger: ‚Wir wissen, dass ihr den Burkini in eurem Land unnatürlich und abstoßend findet und deshalb tragen wir ihn – damit ihr euch mies fühlt.‘ Nicht wenige Jugendbewegungen der westlichen Hemisphäre handelten aus ähnlichen Motiven. Rechtlich ist das legal, aber feiern oder legitimieren muss man es sicherlich nicht.

Interessanterweise stellt die gleiche Autorin im gleichen Beitrag jedoch heraus, dass der Burkini eben doch religiös motiviert ist, womit bento.de mal wieder seinen Ruf als Online-Magazin für den jungen Intellektuellen unterstreicht: „Das Prinzip des Burkinis ist nämlich ganz einfach: Frau zieht es an und verbringt einen schönen Tag am Strand oder im Schwimmbad. (Was sie ohne Burkini wahrscheinlich nicht getan hätte.)“ Sprich, ihr religiöses Empfinden hätte ihr keinen Strandbesuch ohne Burkini gestattet. Auch damit wird der Burkini zu einem moralisch verachtenswerten Objekt, denn wenn eine Frau – warum auch immer – wirklich glauben möchte, dass sie qua ihrer Existenz ein unreines Wesen ist, das durch sein Antlitz die Männer zum Ehebruch versucht, dann sollte sie konsequenterweise als Buße auch ein freudloses Leben unter einer Burka führen und auf Vergnügungen wie Strandtage verzichten.

Der Burkini dagegen ist Ausdruck der stillen Erkenntnis, dass dieses religiös geformte Selbstbildnis im Grunde doch ziemlich beschissen und traurig ist. Weil frau aber nicht den Mumm oder die Möglichkeit hat, die religiöse Doktrin zu überwinden, versucht sie, die stringenten Vorschriften zu beschummeln, indem sie trotz Ganzkörperverhüllung noch etwas Spaß und Freude am Menschsein empfindet. Offensichtlich widerspricht dies aber völlig der religiösen Grundintention, weshalb die betreffende Frau im Grunde eine verlogene Heuchlerin ist. Man muss nicht lange in der Geschichte der katholischen Kirche zurückgreifen, um ähnliche Beispiele zu finden – wenn Weltanschauungen Unmenschliches von den Menschen verlangen, werden sie entweder zu Unmenschen oder zu Heuchlern. Dies kann man bedauern, aber man muss nicht am laufenden Meter Stellungnahmen verhüllter Muslima drucken, in der sie sich für ihre angebliche Pietät im Schwimmbad selbst loben.

Letztlich gibt es noch die Burka-Trägerinnen, die das Programm tatsächlich unverwässert durchziehen. Das heißt, ihre Glaubenswelt sieht so aus, dass Gott all ihr Verhalten wahrnimmt, registriert und im Falle unzüchtiger Übertretungen entweder sofort oder in der Nachwelt Unheil und Qualen auf die Frau und ihre Mitmenschen herabregnen lassen wird. Man kann diese Gedanken nicht verbieten, aber man kann sie als das bezeichnen, was sie sind: Schwachsinn. Bestenfalls kann man noch die Thesen Sigmund Freuds zur Zwangsneurose der Religion sowie eine anschließende Verhaltenstherapie empfehlen.

Wenn man Vollverschleierungen aber einerseits nicht verbieten kann oder will, sie andererseits aber eindeutig verurteilen muss, welche Konsequenz soll dies dann für den Umgang mit ihnen haben? Eine Lektion darin erhielt ich vor einigen Jahren während eines Besuchs im Kosovo, einem Land mit immerhin 90-95% muslimischer Bevölkerung. Dort habe ich ganze zwei Mal Frauen mit Kopftüchern gesehen: Einmal war es eine Großmutter und ein anderes Mal eine Gruppe türkischer Touristinnen.

Eine albanische Lektion im Kosovo

Als an einem Sommerabend in Prizren die Gebetsrufe aus den vielen kleinen Moscheen erklangen, blieben die Menschen lieber in den Straßencafés sitzen und tranken ihr Bier. Natürlich feiern die Albaner islamische Feiertage wie das Opferfest und das Fastenbrechen – diese gehören schließlich zu ihrer Kultur. Aber sie feiern sie im Schnitt nicht ernster, als Deutsche Weihnachten und Ostern feiern. Die späte und autoritäre Islamisierung durch die Türken sowie die Jahrzehnte der kommunistischen Religionsfeindlichkeit haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Da fiel mir wieder einmal auf: Genauso sollte es eigentlich sein. Religion hat ihren Platz im Privaten, aber in der Öffentlichkeit sollte sie bestenfalls als ein Kulturgut in Erscheinung treten. Das gilt für den Islam nicht weniger als für das Christentum und ist auch im Fall des Islam genauso möglich – wenn man es denn will.

Nun haben sich auch im Kosovo aus Arabien finanzierte Moscheen eingenistet, die die Gesellschaft umkrempeln wollen. Eine säkulare Gesellschaft ist leider noch nicht per se immun gegen Radikalismus. Ein komplett verburkates Produkt dieser ausländischen Einflüsse begegnete mir und zwei albanischen Begleiterinnen auf den Straßen Pristinas. Ich fiel sofort in die auf der Münchner Kaufingerstraße zu Genüge eingeübte Technik des Ignorierens und Drüberhinwegsehens zurück. Jedoch kam ich mir damit augenblicklich ziemlich blöd vor, denn die Mienen meiner Begleiterinnen verzogen sich im gleichen Moment unverkennbar zu Ausdrücken des Ekels und der Abscheu angesichts ihrer verhüllten Landsfrau. Dies wiederum fühlte sich für mich instinktiv richtig an: Es kann eigentlich keine andere Reaktion eines zivilisierten Menschen auf eine Burka geben und die einzige Frage, die eine Burka verdient, ist: Frau, was zum Teufel ist bei dir schiefgelaufen?

Meine beiden Begleiterinnen würden zwar aus Sicht einer gendergeschulten deutschen Linken bestenfalls zu den „edlen Wilden“ zählen, denn sie wussten weder, dass die Burka Emanzipation bedeutet, noch, dass sie sich kein Werturteil über mittelalterliche Glaubensvorstellungen erlauben durften – aber immerhin wussten sie, dass diese Burka-Trägerin nicht nur ihre Identität als Frau, sondern auch als Albanerin verraten hatte. Ich würde liebend gerne die doppelte Anzahl an Burkas in Deutschland hinnehmen, wenn sich im Gegenzug wenigstens der Rest der Gesellschaft und insbesondere die Frauen unmissverständlich darüber im Klaren wären, dass die Burka eine bösartige, verachtenswerte Idee ist, die nicht in die Gesellschaft integriert, sondern aus ihr ausgegrenzt werden muss und dass die Warnung vor ihr und dem Glauben, der sie propagiert, eines jeden Pflicht ist.

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