Barbie trägt jetzt Kopftuch

Im antirassistischen Bestreben alles per se gut und heilig zu finden, was der islamischen Kultur entstammt, hat die einst „progressive“ Linke ihren Kompass verloren und ist den Schulterschluss mit jenen eingegangen, die ihre Weltsicht zutiefst ablehnen.

Craig Barritt/Getty Images for Glamour
U.S. Olympic Medalist Ibtihaj Muhammad speaks onstage a new Barbie doll in her image during Glamour Celebrates 2017 Women Of The Year Live Summit at Brooklyn Museum on November 13, 2017 in New York City

Als Kind habe ich mit vielen verschiedenen Spielzeugen gespielt. Mit Matchbox-Autos und Carrera-Bahn genauso wie mit Barbie und anderen Puppen. Oft war ich auch draußen unterwegs, kletterte auf Bäume, schnitzte Holz oder spielte mit den Jungs Fußball auf dem nahegelegenen Bolzplatz. Anders als heute musste Spielzeug auch noch nicht gesellschaftliche Missionen, wie das Aufbrechen von Rollenklischees erfüllen und mich „empowern“. Bevor die Gender Studies uns mit ihren Weisheiten erleuchteten, „empowerte“ man sich selbst, indem man einfach mit dem spielte, wonach einem der Sinn stand. Niemanden interessierte es, ob ich gerade lieber Fußball oder mit Barbie spielte. Aber einfache Lösungen scheint es in einer Gesellschaft, die sich ihre Werte von Pseudo-Wissenschaften diktieren lässt, nicht zu geben. Self-Empowering bzw. wahrhaft emanzipatorisches Verhalten würde nur die Nutzlosigkeit der Gender-Ideologie offenbaren. Der Mensch muss Opfer der äußeren Umstände bleiben, um vom moralisch höherwertigen Menschen aus dieser Situation befreit werden zu können.

Nun hat es auch Barbie erwischt. Meine politisch inkorrekte Freundin aus der Kindheit, die stets alles war, was Feministinnen hassen: Außerordentlich hübsch, unnatürlich schlank, stets geschminkt und zurechtgemacht, erzürnte sie schon immer diejenigen, die der Ansicht waren, die Emanzipation der Frau manifestiere sich am Grad ihrer fehlenden optischen Attraktivität. Nur die Frau, der restlos egal ist, ob Männer sie hübsch finden, ist eine gute Feministin, was zugegeben erklärt, weshalb Hardcore-Feministinnen auch konservative Musliminnen mit Kopftuch sind, während viele emanzipierte attraktive Hetero-Frauen auf Abstand zu denjenigen gehen, die sie „empowern“ wollen.

Barbie war quasi unsere Heldin, die unseren Bedürfnissen nach klassischen Mädcheninteressen Rechnung trug. Die uns zeigte, dass man durchaus sexy aussehen und trotzdem ambitionierte Karrierefrau sein konnte, die sich manchmal sogar mit mehreren Kens auf einmal datete. Sie war so etwas wie die letzte Bastion gegen das verordnete Mittelmaß.

Folgerichtig war es nur eine Frage der Zeit, bis auch das letzte Bisschen Glamour im Kinderzimmer der political correctness geopfert wird. Denn Barbie trägt jetzt Kopftuch. „Hidschab“ nennt man das heute, damit es sich moderner und selbstbewusster von dem Tschador und der Burka abhebt. Orientiert hat man sich bei „Hidschab-Barbie“ stattdessen an der US-Säbelfechterin Ibtihaj Muhammad. Deren „Hidschab“ sieht ein bisschen moderner, ein wenig mehr nach H&M-Werbung aus. Genauso wie Barbies restliche Klamotte, die ein bisschen an einen langen Kaftan erinnert, was jedoch nicht darüber hinwegtäuschen sollte, dass Barbie auch unter diesem Kaftan noch eine Lage aus schwarzem Stoff trägt, die ihren kompletten Körper verhüllt. Denkt man sich den Kaftan weg, trägt Barbie quasi Tschador – eine Form der muslimischen Verhüllung, die sich von der Burka nur durch den Verzicht des Stoffs mit Fliegengitter vor dem Gesicht unterscheidet. „Die Barbie geht mit der Zeit.“, titelt Welt-Online kurz nach der Vorstellung.

Wie immer, wenn es um rückwärts gewandte islamische Bräuche wie das Tragen des Kopftuches geht, versucht man dies dem potenziell empörten westlich sozialisierten Leser als progressiven Akt im Rahmen eines modernen Weltverständnisses zu verkaufen. Rückschrittlich ist nicht etwa eine Religion, die Frauen in Schleier hüllt, um zur Selbstkontrolle unfähige Männer vor ihren Reizen zu schützen, sondern derjenige, der dieses übersexualisierte Weltbild ablehnt und eine „Hidschab-Barbie“ vor diesem Hintergrund nicht unbedingt als Akt der Emanzipation der Frau feiert.

ZEIT-Autor Ferdinand Otto bläst dennoch in dasselbe Horn. Trug die Spielzeugpuppe „mit den dünnen Hüften, dem Rehblick und den langen Beinen“ früher fast ausschließlich Minirock, Bikini, Hotpants oder Feenkleid, schwingt sie heute Säbel und trägt Hidschab. Während der Minirock von Otto quasi als unemanzipatorisch in Verbindung mit dem „Rehblick“ und der „dünnen Hüfte“ abgewertet wird, befreit sich Barbie ihrerseits durch das Kopftuch „von einem angestaubten Klischee“.

Vielleicht sollte jemand Herrn Otto einmal daran erinnern, dass es einst jener Minirock unter Federführung der britischen Modeschöpferin Mary Quant war, der Frauen weltweit „empowerte“. 1962 wurde das als skandalös empfundene Kleidungsstück erstmals in der britischen Vogue abgebildet und avancierte in den nächsten drei Jahren zum Verkaufsschlager. Er war zugleich Provokation und Ausdruck eines neuen Selbstverständnisses und Selbstbewusstseins von Frauen, die sich von überkommenden Zwängen befreiten. Mary Quant wurde für ihren Mut und ihre jungen, sinnlichen Kreationen 1966 mit dem „Order of the British Empire“ ausgezeichnet.

Während Frauen weltweit bewusst zum Minirock aus Ausdruck der weiblichen Emanzipation griffen, kämpfen andere noch heute gegen den Kopftuchzwang in ihren Heimatländern. Das Kopftuch ist eben kein Zeichen von Emanzipation und Selbstbewusstsein. Es ist Zeichen des konservativen Islams, der Unfreiheit von Frauen in islamischen Ländern und auch hier im Westen Trennlinie zwischen jenen, die nach islamischen Verständnis „Ehre“ besitzen und solchen, die keine haben. Es diskriminiert nicht nur die muslimische Frau, die es unfreiwillig trägt, indem es ihr im Grundgesetz verankertes Recht auf Gleichberechtigung untergräbt, es diskriminiert auch mich als westlich gekleidete Frau, weil es mich zur Schlampe degradiert.

Im antirassistischen Bestreben alles per se gut und heilig zu finden, was der islamischen Kultur entstammt, hat die einst „progressive“ Linke ihren Kompass verloren und ist den Schulterschluss mit jenen eingegangen, die ihre Weltsicht zutiefst ablehnen. Sie sind in diesem Sinne nichts weiter als nützliche Idioten für die Vertreter des konservativen Islams, die ohne die tatkräftige Unterstützung „toleranter und weltoffener“ Westler wohl nie auf die geniale Idee gekommen wären, ihr mittelalterliches Frauenbild als fortschrittliches „Empowerment“ von Mädchen zu verkaufen. Den muslimischen Frauen, die in islamischen Ländern um die Freiheit kämpfen, das Kopftuch ablegen zu dürfen sowie allen tatsächlich emanzipierten Frauen im Westen, die einst für ihr Recht kämpften, sich so kleiden zu dürfen wie sie wollen, erweist man damit einmal mehr einen Bärendienst.

 

 

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Kommentare ( 42 )

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Am freien Markt teilnemende Firmen wie Mattel, nehmen Produkte in ihr Sortiment auf, bei denen die Chance besteht Gewinn zu machen. Die kaufkrätige muslimische Kundschaft kommt inzwischen zunehmend auch aus Europa und konservative muslimische Eltern werden nun voraussichtlich begeistert die Hidschab-Barbie für ihre kleinen Töchter kaufen. Die traditionelle sexy und oberflächliche Tussi-Barbie mit der blonden Powemähne, dem gepimpten Atombusen, den zwanghaft High Heel tragenden mageren Endlosbeinen und der notorische Kaufsucht war zwar der feuchte Frauentraum des westlichen Kapitalismus-, für konservative muslimische Eltern aber wohl eher die Karrikatur einer zutiefst unmoralischen westlichen Ungläubigen. Also hat Mattel, wo die klassische 60er Jahre… Mehr

Ein Revival von „Big Jim“? 🙂

Ein YouTube-Kanal mit professionell produziertem Inhalt wäre billiger und damit realistischer. Und gibt es den nicht schon?

Youtube zensiert immer mehr unbequeme Kanäle.

Aber ein eigener TV-Sender wäre vermutlich ein/DER Stachel im Fleisch der etablierten Politik u. den interagierenden Ö.R.

Man stelle sich nur vor, F. Goergen verliest allabendlich (20.15) die tatsächliche(!) „Tagesschau“….

Die Linke ist weltweit im geistigen Koma. Wenn es nicht so unfreiwillig komisch wäre, man könnte fast Mitleid haben. Barbie mit Kopftuch? …
Das ist jetzt das Ergebnis von jahrzehntelanger Herrschaft über die intellektuellen Stammtische. Das Verhaltensmuster ist immer dasselbe:
Zwecks Herrschaft hat man die Ratio zugunsten der korrekten Gesinnung völlig vernachlässigt, jetzt ist man zu keinem rationalen, erwachsenen Benehmen mehr fähig. Es kommen von der Linken nur noch alberne, infantile Sottisen oder aber die verzweifelten Versuche, andere zu verleumden.
Der politische Kindergarten ist am Ende.

Die neue Muslima-Barbie ist neu für die westlichen Märkte und Mattel. In muslimischen Ländern gibt es ein stolzes Sortment eines Barbie-Pendants schon länger; hergestellt von einer syrischen Spielzeugfirma.

http://fulla.com/

Wenn dort schon eine Cola extra für Muslime auf den Markt kommt – weshalb sollte jemand Mattel bereichern?

Eine islamisierung der freien aufgeklärten und gleichberechtigten westlichen Welt, findet natürlich nicht statt?????????????????? Gebetsräume an Schulen, Universitäten und bestimmt demnächst auch bei allen Arbeitgebern nach Zwangsgesetz durch den Bundestag. Schwimmzeiten in öffentlichen Bädern natürlich nur für muslimische Frauen. Berücksichtigung und Duldung der geminderten Arbeitsleistung von muslimischen Arbeitnehmern, bei dem in der Regel 4 Wochen dauernden RAMADAN durch die Arbeitgeber. Einführung eines islamischen Feiertags. Nur noch Halalspeisen in Schulen ,Kindergärten etc etc. bei hohem muslimischen Migrantenanteil. Weihnachtsmärkte werden aus Rücksicht in Wintermarkt unbenannt. St. Martins Züge heißen jetzt schon teilweise Laternenzug. usw.usw.usw.usw Überall im öffentlichen Leben und Raum hält diese RELIGION??????… Mehr

Und eine Tageszeitung.

Und als wöchentliches Pendant zur „Heute-Show“, Tichy & Winter, ,moderiert von Blackbox-Spezialist Paetow

Fehlt nur noch eine blonde Barbie im Minirock auf dem Scheiterhaufen, den man real oder symbolisch anzünden kann.

Aber WARUM (zum Teufel)?!! Von elitärem Profitdenken kann es m. E. nicht kommen, da die vom „weißen Mann“ geschaffene, westliche Prosperität mit Moslems und Afrikanern ja weder ERHALTEN und schon gar nicht GESTEIGERT werden kann. Woher weht also der Wind??

Der Profit ist dann am größten, wenn failed states und aufgelöste, nicht mehr widerstandsfähige (ent-homogenisierte, vermischte) Bevölkerungen keinen Widerstand mehr gegen die Macht von Konzernen aufbringen können. Dann kann man ihnen beispielsweise die kommunale Wasserversorgung privatisieren, und das Wasser überteuert in kleinen Beuteln verkaufen. Sehen Sie sich „Bottled Life“ an, und dann denken Sie über EEG Umlagen nach, wer am Ende davon profitiert und weshalb Biodeutsche sich auf einmal Strom und Wohnen nicht mehr leisten können. Wir werden gezielt, äh, ja, „Grinding America Down“, sozusagen, auf deutsch… Und der Schlüssel dazu ist unsere milliardenschwer überzogene, grenzenlose Rettungs- und Willkommens-Kultur, die… Mehr

Sie bringen es auf den Punkt:

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