Asylindustrie in Kirchen-Hand

Wie gemeinnützig sind die kirchlichen Wohlfahrtsverbände wirklich? Von Ehrenamtlichkeit ist jedenfalls mehr Rede als Wirklichkeit. Es sind vielmehr gigantische Konzerne der sozialen Infrastruktur entstanden, deren Geschäftsinteresse dominiert.

@ Sean Gallup/Getty Images

Gerade in der Islamdebatte wird immer wieder auch die in Deutschland vollzogene Trennung von Kirche und Staat angeführt. Die hier im Laufe der Jahrhunderte vollzogene Säkularisierung hätte in islamischen Gesellschaften nicht stattgefunden. Eine Trennung von Kirche und Staat, wie wir sie kennen, gäbe es nicht und das sei eines der Hauptprobleme, wenn es um die Integration von Millionen von Muslimen in Deutschland gehe. Hierbei werden oft, wie man unschwer erkennen kann, Säkularisierung einerseits und Laizismus andererseits miteinander vermischt.

Der einzelne Bürger, die Mehrheit der Gesellschaft hat sich zu einem großen Teil vom christlichen Glauben emanzipiert. Unabhängig davon ob er nun überhaupt noch gläubig ist oder nicht, lebt er einen Glauben allenfalls nur noch sehr privat aus. Das Weltliche genießt eindeutig Vorrang gegenüber dem Religiösen. Die Gesellschaft ist säkular. Vom Laizismus, also der strikten Trennung von Kirche und Staat sind wir hingegen weit entfernt. An nichts ließ sich das in den letzten Wochen so gut erkennen wie an der Asylkrise. Wer nach der Ursache dafür sucht, dass die großen Kirchen hierzulande so unkritisch in Bezug auf den Islam und die Migration reagieren, der findet die Antwort zuvorderst in der nicht vollzogenen Trennung von Kirche und Staat. Müsste man in einem ehrlichen Wettbewerb mit dem Islam konkurrieren, sähe das Verhalten der christlichen Kirchen hierzulande anders aus.

10% Kosten des Katholikentags von der Kirche getragen

Insgesamt 9,9 Millionen Euro waren für den diesjährigen Katholikentag in Leipzig veranschlagt, der damit der teuerste aller Zeiten war. Bereits im Vorfeld war es wieder einmal zum Streit über die staatliche Subvention dieser Veranstaltung gekommen. Dröselt man diese Summe auf, ergeben sich Kosten von ca. einer Million Euro für die Stadt Leipzig, drei Millionen vom Freistaat Sachsen, einer halben Million direkt vom Bund, etwas über drei Millionen aus Spenden, Teilnehmergebühren und Projektmitteln und 2,1 Millionen direkt von der katholischen Kirche. Hierbei ist zu erwähnen, dass es fraglich bleibt, was genau der Begriff „Projektmittel“ meint . Darüber hinaus handelt es sich auch beim Anteil der katholischen Kirche von 2,1 Millionen natürlich um Steuergelder. Insgesamt lässt sich so feststellen, dass die katholische Kirche wohl maximal 10% der Gesamtkosten aus eigenen Mitteln bestreitet. Und dennoch sind die Kosten für den Katholikentag verglichen mit den sonstigen Subventionen des Staates eher Peanuts.

Allein die kirchlichen Wohlfahrtsverbände Caritas (kath. Kirche) und Diakonie (ev. Kirche) erhalten geschätzte 45 Milliarden pro Jahr vom Staat. „Mit keiner Lobby ist die Politik so eng verbandelt wie mit den Wohlfahrtsunternehmen. Rund ein Drittel aller Bundestagsabgeordneten hat zugleich eine Leitungsfunktion bei Diakonie oder Caritas inne, auf kommunaler Ebene sind die Verbindungen noch frappierender, mancherorts betreiben Staat und Wohlfahrt sogar gemeinsame Tochtergesellschaften.“ schreibt das Handelsblatt hierzu.

„Gemeinnützig ist an den meisten Wohlfahrtsunternehmen nur ihr steuerlicher Status“, wird der Wohlfahrtsskeptiker und Münchner Theologe Friedrich Wilhelm Graf hier zitiert. Denn eigentlich besagt der Status „gemeinnützig“ nur, dass am Ende jedes Jahresabschlusses eine schwarze Null stehen muss. Das heißt jedoch mitnichten, dass keine Überschüsse erzielt werden. Man muss die Gewinne lediglich reinvestieren. Worin reinvestiert wird, ob in Armenküchen oder eben einfach nur neue Geschäftsräume und anderes, bleibt jedoch den Wohlfahrtsverbänden selbst überlassen. Allein 65 Millionen hat die Hauptverwaltung der Diakonie in Berlin gekostet. Andernorts soll es Dienstwagen-Fuhrparks geben, die Politiker vor Neid erblassen lassen. Nun soll nicht verschwiegen werden, dass beide Einrichtungen auch viele wertvolle Leistungen erbringen. Krankenhäuser, Altenheime, Pflegeeinrichtungen – diese Infrastruktur haben die beiden kirchlichen Organisationen  mit aufgebaut – aber sie werden dafür auch sehr gut bezahlt. Es ist ausgelagerte Staatstätigkeit; ob es kommunale Einrichtungen oder private Heime besser und preiswerter hinkriegen könnten – das ist die eigentliche Frage. Sie wird überwölbt und beiseite geschoben vom vorgeblich und ausschließlich Wahren und Guten der kirchlichen Geschäftsbetriebe.

Gemeinnützig ist nicht gleich Gemeinnutz

Was so entstanden ist, ist ein trickreiches Geschäftsmodell unter der Prämisse des Gutmenschentums. Dabei werden nicht nur Millionenbeträge für Fuhrparks und Geschäftsstellen ausgegeben, sondern auch schlicht neue Aufgaben erfunden, die dann der Staat, also der Steuerzahler bezahlen darf. So findet der Münchner Theologieprofessor, der mit seinem Buch „Kirchendämmerung“ bereits viele Kleriker gegen sich aufgebracht hat und selbst jahrelang Wohlfahrtsverbände beriet, deutliche Worte: „Die Wohlfahrtsverbände sind erfolgreich darin, Krisenphänomene erst zu erfinden, um dann die Leistungen zu ihrer Lösung anzubieten“, fasst Graf zusammen.

Vor diesem Hintergrund sollte erneut die Frage gestellt werden, welche Interessen die Kirche und ihre Wohlfahrtsverbände in der Asylkrise verfolgen. Zwar musste man die Krise in diesem Fall nicht erfinden, besonders unglücklich scheint man jedoch nicht darüber zu sein. Die große Empörung, mit der man vor ein paar Tagen die Aussagen aus den Reihen der AfD zu den finanziellen Interessen der Kirche in der Asylkrise medial begleitete, erscheint vor diesem Hintergrund jedenfalls mehr als unangebracht. Denn natürlich verdient die Kirche kräftig mit an der Asylkrise und zwar viele Millionen im Jahr durch Heime und die Schaffung tausender neuer Stellen für Sozialarbeiter und Co.

64 neue Vollzeitstellen hat z.B. allein die Erzdiözese München und Freising e.V. im Sommer letzten Jahres geschaffen (also noch vor der ganz großen Krise). Auch an minderjährigen Asylbewerbern verdient man von kirchlicher Seite nicht zuletzt durch die vielen neuen Stellen für kirchliche Sozialarbeiter ordentlich mit. Die Sozialindustrie reproduziert und weitet sich durch die Krise somit immer weiter aus. Nein, man musste diese Krise in diesem Fall nicht erfinden, aber es erscheint ersichtlich, weshalb die großen Kirchen dem Ganzen auch nicht wirklich kritisch gegenüberstehen.

Der normale Bürger erlag in diesem Zusammenhang einem Trugschluss, wenn er sich fragte, weshalb die großen Kirchen der ganzen Asylpolitik, der Einwanderung von Millionen von Muslimen so unkritisch gegenüberstünden. Man argumentierte aus dem Glauben heraus. Mehr strenggläubige Muslime stünden, so die Argumentation, immer weniger gläubigen Christen oder gar nicht gläubigen Atheisten in Deutschland gegenüber. Man weiß, dass den Kirchen seit Jahren die Mitglieder weglaufen. Zwangsläufig, so die Annahme, bedeute die Einwanderung aus mehrheitlich islamisch geprägten Ländern einen weiteren Bedeutungsverlust der großen Kirchen hierzulande, den man doch von kirchlicher Seite nicht einfach so hinnehmen könnte.

Das Beispiel der Wohlfahrtsverbände zeigt als eines von vielen Fallbeispielen, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Die Wahrheit ist, dass genau aus dem Grund, dass die Trennung von Kirche und Staat in Deutschland faktisch nicht gegeben ist, die Asylkrise eher für eine weitere Ausdehnung des kirchlichen Einflussbereiches und sogar eine Revitalisierung der kirchlichen Gemeinden sorgt. Die Asylindustrie ist zu einem großen Teil in kirchlicher Hand. Freiwillige Helfer stören da nur und werden häufig abgewiesen – sie stören den Geschäftsablauf. Durch die enge Verstrickung von Staat und Kirche, die Versorgung der Kirchen aus dem Topf der Steuermittel, hat man mit der Asylkrise ein neues Standbein für sich entdeckt, wie man weitere Mittel abgreifen und zur Ausdehnung der eigenen Einfluss-Sphäre nutzen kann, wenn schon die spirituelle Leistung verblasst.

Flüchtlingsboot als Altar: Kirchen-PR

Natürlich löst das langfristig nicht das Problem einer zunehmenden Islamisierung und der Abkehr der Deutschen vom christlichen Glauben, dem die Kirchen gegenüberstehen. Auch wenn die vielen Ehrenamtlichen in der Krise temporär für neues Leben in den Gemeinden sorgen. Was zählt, ist jedoch der momentane Profit. Und der ist gigantisch. Da gibt man sich ganz opportunistisch. Und wenn das eben bedeutet, dass man Flüchtlingsboote zum Altar umfunktioniert, dann ist das so. Unter dem Deckmantel der Moral ließ sich schon immer ziemlich störungsfrei Geld und Macht anhäufen. Um die Folgen der Masseneinwanderung können sich ja dann auch die nachfolgenden Generationen kümmern.

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