Von Kinderkreuzzügen, Klimarettung und dem Unvermeidlichen

Der Mensch der Gegenwart hat 100 Generationen ohne geistige Weiterentwicklung hinter sich. Wer den Kinderkreuzzug der Klimaretter noch befördert, macht sich schuldig. Er verspricht ein Heil, dass es nicht geben wird.

© Alexander Gerst / ESA via Getty Images

Fast schon regelmäßig, wenn wir in unseren Diskussionsrunden den Blick auf weit zurück liegende Ereignisse werfen, kommt die Frage auf: Waren die Menschen früher dümmer, weniger intelligent als heute? Unser Experte für Statistik und Haplogenetik beantwortet diese Frage regelmäßig mit einem Ja. Für ihn steht fest: Die Fortschritte in Philosophie, Wissenschaft und Technik waren nur möglich, weil sich die Fähigkeiten des menschlichen Gehirns kontinuierlich weiterentwickelt haben.

Ich räume ein: Auch ich war früher dieser Auffassung. Schließlich müssen die 100 Generationen, die zwischen uns und den Menschen der Eisenzeit liegen, ja für irgendetwas gut gewesen sein. Bis ich mich intensiv mit dem Tanach beschäftigte und feststellen musste: Jenes Konzept, das ein Tandem aus dem Hohepriester der Anath und dem weltlichen Herrscher Jerusalems in den Dreißigerjahren des siebten vorchristlichen Jahrhunderts entwickelt hatten, um ihr Volk zum Aufstand gegen die Hegemonialmacht Assyrien zu bewegen, war von einer Genialität, der kein einziger der aktuell agierenden Politiker auch nur ansatzweise das Wasser würde reichen können. Sie waren weder dümmer noch weniger intelligent. Sie lebten nur in anderen gesellschaftlichen Umfeldern, unter Lebensbedingungen, in die einzutauchen uns heute fast unmöglich ist. Hier nutzten sie ihre Intelligenz – und waren durchaus damit erfolgreicher, als die meisten von Heute es jemals sein werden.

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Im Jahre des Herrn 1212 hatte Papst Innozenz III angesichts der zunehmend fatalen Lage der christlichen Befreier im Heiligen Land die Christenheit zu Prozessionen aufgefordert. In ganz Westeuropa folgten die Gläubigen dem Aufruf – und aus welchen Gründen auch immer gerieten die Prozessionen – heute würden wir von Demonstrationen sprechen – aus dem Ruder. Der Vatikan und seine Vollzugsbeamten verloren die Kontrolle über das Geschehen. In Frankreich sollen es bis zu 30.000 Menschen gewesen sein – vor allem junge, arme, verwirrte – die durch die Lande zogen und sangen „Domine deus, exalta Christianitatem et redde nobis veram crusem!“ (Herr Gott, erhöhe das Christentum und gebe uns das wahre Kreuz zurück). Die Versuche der Herrschenden, die Bewegung, in den Griff zu bekommen, scheiterten. Die Zigtausende hatten sich geschart hinter einem jungen Hirten namens Etienne, der von sich behauptete, Jesus persönlich sei ihm erschienen und habe ihm den Auftrag gegeben, für das hehre Ziel des Christentums zu kämpfen.

Im Herbst des Jahres hatte sie ihr Demonstrationszug bis an den deutschen Rhein geführt. Dort vereinigten sie sich mit einer gleichgearteten Bewegung unter einem jungen Kölner namens Nikolaus. Ihm war nicht Jesus, sondern ein Engel des Herrn erschienen, um ihm den Auftrag zu geben, das Heilige Grab von den muslimischen Sarazenen zu befreien. An Stelle eines Kreuzes habe er, so berichten Chronisten, ein geflochtenes Tau am Kopf getragen, welches als Zeichen seiner Auserwähltheit stand.

Gemeinsam zogen diese Beladenen einer traurigen Zeit als „Kinderkreuzzug“ gen Jerusalem – doch schon die Überquerung der Alpen forderte unzählige Opfer. 7.000 sollen es noch gewesen sein, die den Weg bis nach Genua schafften. Doch anders, als von Nikolaus versprochen, weigerte sich Gott, wie einst für Mose das Wasser zu teilen um den Weg ins Heilige Land zu bahnen. Wer es nun noch bis nach Brindisi schaffte, fand dort die Schiffe gewiefter Händler, die ihnen die Passage nach Palästina versprachen. Ankommen sollten sie dort nie. Wer den Weg über das Mittelmeer überlebte, wurde als Sklave an die Muslime verkauft. Einem Bericht zufolge sollen noch 1230 nc über 700 dieser Verwirrten allein in Alexandria als Christensklaven ihr Leben gefristet haben.

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Im Jahre des Herrn 1429 stand im vom ewigen Krieg mit den Engländern verheerten Frankreich eine Jungfrau auf. Die damals vielleicht 17-jährige Jeanne aus bildungsfernen Schichten hörte seit ihrem 13. Lebensjahr auf Stimmen, die ihr den göttlichen Auftrag gaben, das Land von den Feinden zu befreien. Gerüstet stellte sie sich Ende April des Jahres im belagerten Orleans gegen die Engländer – und befeuerte mit ihrem fanatischen Heldenmut die Franzosen in einer Weise, dass die Feinde den Rückzug antraten. Ihre göttlichen Stimmen sollen den damals 26 Jahre alten Prinzen bewogen haben, sie an die Spitze einer kleinen Streitmacht zu stellen, hatten sie doch die Jungfrau wissen lassen, dass der Dauphin demnächst das Königsamt übernehmen werde. Sie wurde vom König empfangen und als Heldin gefeiert, stand bei der Krönung an dessen Seite. Doch dann wandte sich ihr Gott von ihr ab. Der Versuch, das englisch besetzte Paris zu befreien, scheiterte. Sie selbst wurde am 30. Mai 1431 in Rouen nach zwei Schauprozessen auf dem Scheiterhaufen als Ketzerin verbrannt.

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„Gottes Wege sind unergründlich“ heißt es in Anlehnung an das Römerbuch 1.33 der Bibel. Und doch treibt es immer wieder Menschen, sich mit göttlichen Visionen auf den Weg zu machen, um dieses Bibelwort zu hintertreiben. Hat dann der alte Gott ausgedient, dann muss es ein neuer sein, dessen Wege unergründlich sind und dessen Wege dennoch ergründet werden sollen. Einer, der in den Zeitgeist passt. Der die Ängste, Hoffnungen und Sehnsüchte der Beladenen auf sich vereint; für den es sich lohnt, den heldenmütigen Kampf gegen Heiden und Ungläubige aufzunehmen. Denn die Köpfe der Menschheit sind so. Sie brauchen die Vision von etwas Höherem, Besserem, dem sie sich mit all ihrer Kraft verschreiben können. Sie brauchen etwas, das sie „Sinn“ nennen – und je ferner dieser Sinn sich in unerfüllbarer Hoffnung findet, desto mehr spornt er die Menschen an. Nein, sich intellektuell in den vergangenen dreitausend Jahren weiterentwickelt haben die Menschen nicht.

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Gott ist etwas, das über uns allen thront. Das in seiner Güte wie in seinem Zorn unser Leben bestimmt. Uns belohnt, wenn wir ihm folgen – und bestraft, wenn wir gegen seine Gebote verstoßen. Folgen wir seinen Geboten, so stimmen wir ihn gnädig und er erleichtert uns das Leben. Ketzern wir wider ihn, so wird uns sein göttlicher Zorn treffen – uns und unsere Kinder und Kindeskinder. Am Ende steht Armageddon, die Schlacht des Ewig-Guten gegen das Ewig-Böse, und sie wird unsere Welt vernichten um zu strafen die Ungerechten und zu belohnen die Gerechten. Wer auf Gottes Wegen schritt, dem ist das Paradies. Wer Gottes Wege ohne Reue und Sühne verließ, dem ist das ewige Feuer. So will es der Glaube – so ist sagen es uns die von Gott erleuchteten.

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Im Alter von acht Jahren kam es über die Jungfrau Greta, dass sie die Teufel auszutreiben habe, die der ihr eingegebenen Vision einer besseren Welt durch ihr frevelhaftet Tun entgegen standen. Sie schaltete das Teufelswerk Strom in ihrem Hause aus, beschloss, das Satans Kanaille namens Flugzeug zu meiden. Ihr Autismus zeige ihr die Welt aus einer besonderen Perspektive, sagte sie. Greta flocht ihre Haare zu zwei gebundenen Tauen, die rechts und links an ihrem Kopfe hingen. Sie beschloss, sich von den Banalitäten des Alltags zu verabschieden, mit vollem Einsatz für die ihr eingegebene Sicht der Welt zu kämpfen. Sie scharte hinter sich Tausende von Menschen – vor allem junge und manch einen, der verwirrt auf die Kapriolen des Wetters schaute, Mit und für Greta zogen sie durch die Lande und riefen: Wacht auf! Rettet das Klima!

Die Panik vor einer Hölle, die der Mensch sich selbst geschaffen habe und die Greta Tag für Tag zu spüren behauptete, brachte sie bis an die Seite der Herrschenden, die ihre lauschten. Die Herolde der Medienschaffenden lagen ihr zu Füßen, die Herrscherin der Deutschen, die dem faktischen Zeitalter abgeschworen hatte, feierte Gretas Kinderklimazug, denn es sei ihr Glaube, dass „das eine sehr gute Initiative“ sei.

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Klima ist etwas, das seit Anbeginn der Atmosphäre ist. Als der erste Mensch durch die Savannen Afrikas zog, war es fast so alt wie die Erde selbst, auf der der Mensch ging. Es sorgt mit höchst komplexen Prozessen dafür, dass es regnet oder trocken ist, wie die Winde wehen und wo Stürme entstehen. Lange bevor es Menschen gab, hatte es Warmzeiten ebenso geschaffen wie Kaltzeiten. Es soll dafür gesorgt haben, dass einst dieser gesamte Planet mit Eis überzogen war – und dass in einer Zeit der Wärme die Lebewesen so groß wie Häuser wurden. Klima ist einem ständigen Wandel unterlegen. Von Tag zu Tag, von Jahr zu Jahr, von Zeitalter zu Zeitalter.

Das Klima ist unergründlich, so hieß es über Jahrtausende, als der Mensch hilflos seinen Kapriolen ausgesetzt war. Nicht zuletzt deshalb beteten Menschen in früheren Zeitaltern die es bestimmenden und von ihm bestimmten Phänomene an, baten ihre Götter, sie vor allzu misslichen Konsequenzen aus Klimaphänomenen zu bewahren. Nein, das Klima war kein Gott. Aber es gab keinen Zweifel: Diejenigen, die es machen, mussten Götter sein.

Irgendwann entdeckten die Menschen dann, dass es zahllose Einflüsse gab, die auf das Klima Einfluss nahm – und die selbst wiederum durch das Klima beeinflusst wurden. Große Vulkanexplosionen konnten dafür Sorge tragen, dass Schwebteile die Sonneneinstrahlung verringerten. Das Klima wurde kälter, die Menschen hungerten, weil ihre Ernten nicht reiften. Wenn das Klima die Ozeane aufheizte, entstanden Stürme, die ganze Inseln und Küstenregionen verwüsteten. Gab es in der Atmosphäre zu viel gefährliche Gase, dann konnte ein Ozonloch entstehen und den Schutz vor Weltraumstrahlung verringern. Und die Menschen meinten zu begreifen, dass sie selbst die Schuld daran trügen, dass sich das Klima wandle.

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Die Erde ist in gewisser Weise ein geschlossenes System. Doch es funktioniert nur, wenn es einer ständigen Energiezufuhr durch ihr Zentralgestirn ausgesetzt ist. Die Energiezufuhr machte, dass Pflanzen wuchsen, Tiere lebten. Sie machte auch, dass es warme und kalte Zonen auf dem Planeten gab. Sie machte mit den dadurch verursachten Luftschichten, dass das Gasgemisch der Atmosphäre sich in ständiger Bewegung befand und das schuf, was der Mensch Wetter nennt. All dieses zusammen bestimmt das Klima – ein komplexer, fast chaotischer Ablauf unter den unterschiedlichsten Einflüssen.

Klima, geologische Plattentektonik und damit verbundene Ausbrüche des flüssigen Erdinneren in die Atmosphäre, selbst Meteoriteneinschläge nahmen ständig Einfluss auf das, was Klima ist. Bei all dem speicherten die natürlichen Abläufe Teile der ständig zugeführten Energie unter der Erdkruste. Als Kohleflöze, als Öl- und Gasfelder. Darunter brodelt die Hitze des Planetenkerns – eine unvorstellbare Menge an Energie. Der Planet gleicht einer riesigen Batterie, deren eingelagerte Energie so lange schlummert, bis jemand sie abruft. Und irgendwann begann der Mensch, diese Energie abzurufen. Zuvor hatte er den Energiebedarf, den er nicht unmittelbar durch die Sonneneinstrahlung nutzen konnte, erst durch das Abholzen von Wäldern, dann durch das Abschlachten von Walen und anderen stark fetthaltigen Tieren gewonnen. Kam es zum Ausbruch der in der Batterie Erde gespeicherten Energie, dann galt dieses aber zumeist als Katastrophe und die daraus folgenden Kapriolen des Klimas als unabwendbar.

Irgendwann begriffen die Menschen, dass sie mit der Nutzung der aus fossilem Leben entstandenen Energie Großes bewirken konnten. Sie begannen mit der Freisetzung dieser Energien – und ja: Auch diese Freisetzung von Energie, die über Jahrmillionen Jahren gespeichert war, wird Einfluss nehmen darauf, wie die komplexen Vorgänge des Klimas sich konkret entwickeln.

Doch wie will eine Wissenschaft, die keine hundert Jahre und als interdisziplinäre von Physik, Meteorologie, Geologie, Geografie und Ozeanografie agiert, allen Ernstes die Komplexität eines Phänomens wie dem Klima erfassen? Und wenn sie das kann – auf Grund welcher Erkenntnisse will sie zuweisen, welcher Einfluss welchen Anteil an Veränderungen hat? Wir wollen nicht abstreiten, dass auch der Mensch Einfluss auf klimatische Ereignisse haben kann. Aber hat schon einmal jemand untersucht, wie hoch daran allein der Anteil der Wärmeabstrahlung von bald acht Milliarden Menschen ist? Welchen Einfluss die tagtägliche Gasproduktion allein dieser Biomasse hat?

Die sogenannte Klimaforschung machte sich auf, Schuldige für Phänomene zu finden, die sie statistisch erfassen konnte. Und der sie statistisch Ursachen zuwies. Dabei aber fand sie – und hier wird es fragwürdig – ausschließlich vom Menschen gemachte. Denn da hatte sie etwas, auf das sie mit dem Finger zeigen konnte. Wer diesem Fingerzeig nicht folgen wollte, wurde zum „Klimaleugner“.

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Massenphänomene des Menschen zeichnen sich dadurch aus, dass sie fiktive Vorstellungen dessen entwickeln, was gut ist und was böse. Gut und Böse sind die moralisierenden Schwestern von richtig und falsch. Was richtig ist, das muss gut sein. Was falsch ist, das ist böse. Wer wie einst die Mitläufer des Kinderkreuzzuges sich einer Idee verschreibt, der tut dieses, weil er meint, das richtige zu tun. Er wird damit zum Verfechter des Guten. Das gibt ihm das Recht, jeden, der sich dieser Idee nicht verschreibt, zum Bösen zu erklären. Wer das Richtige leugnet, der kann niemals ein Guter sein. Er wird immer der Böse bleiben. So lange, bis das Gute das Böse vernichtet hat.

Das, was der Mensch als Religion bezeichnet, könnte ohne diese klare Trennung nicht existieren. Für den wahren Christen ist einzig der unverbrüchliche Glaube an Gott richtig – und deshalb ist er gut. Für den Moslem ist einzig der Glaube an Allah richtig – und deshalb ist er gut. Die menschliche Geschichte ist voll von Gemetzeln, in denen die Guten über die Bösen herfielen oder die Bösen über die Guten. Wer dabei obsiegte, war am Ende immer der Gute, denn der andere musste der Böse gewesen sein, weil er sonst nicht verloren hätte.

Doch die Trennung in Gut und Böse hat niemals etwas mit Wissenschaft zu tun. Es ist etwas, das man als einen Irrsinn bezeichnen könnte, der sich im Kopf abspielt. Die Teilung der Welt in Gut und Böse ist ein Instrument, welches dem Gehirn beim Sortieren der eigenen Unzulänglichkeit hilft. Es erleichtert es dem Menschen, sich selbst positiv zu definieren, weil es ihm ein Gerüst gibt, seine Triebe und Gedanken in Schubladen zu packen. Was in der Schublade des Bösen landet, gehört eingesperrt. Was in die Schublade des Guten kommt, muss nicht mehr geistig reflektiert werden.

Deshalb erst wurden Religionen möglich. Sie nehmen dem Menschen das Denken ab. Der Preis, den die Menschen dafür zahlen, ist ihre Individualität. Das Schlimmste, was dem Menschen als Rottentier geschehen kann, ist das Alleinsein. Die Menge der Guten gibt zu dem Gefühl des Guten diese Geborgenheit. So darf sich niemand wundern, wenn es vor allem Pubertierende sind, die sich dem Zug der Guten anschließen. In dieser Entwicklungsphase ist der Mensch auf der Suche nach sich selbst und nach seinem Platz in dieser Welt. Die Entscheidung für das gedachte Gute gibt ihm das Recht, alles zu tun, alles zu fordern, was er im Kampf für das Gute für geboten hält. Und sie gibt ihm das Gefühl der Gemeinschaft in unendlicher Geborgenheit, dass er vielleicht in seinem Elternhaus nie hatte.

Das war anno domini 1212 so. Es ist nicht anders im Jahr 2019.

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Der Kampf gegen das Böse erfolgt im ersten Schritt mit Worten. Wer „das Klima“ leugnet, der leugnet Gott. Die Frage, wie ein kleiner, unbedeutender Mensch, der nur einen Bruchteil eines Wimpernschlags auf diesem Planeten weilt, ein ewiges Phänomen „leugnen“ kann, wird nicht gestellt. Sie darf nicht gestellt werden, denn allein schon diese Frage ist Häresie.

Wer die Frage nach Allah stellt, der ist verdächtig. Wer Allahs Existenz infrage stellt, des Todes. Wer im europäischen Mittelalter die Frage nach Gott stellte, war es auch. Was ist derjenige, der die Frage nach dem Klima stellt? Der Leugner Gottes stärkt die Überzeugung der eigenen Fiktion. Und wozu braucht der Klimagläubige den Klimaleugner?

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Glauben ist von gestern. Unmodern. Die europäische Aufklärung hat die Menschen gelehrt, dass es einen Gott als alten Herrn mit weißem Bart auf der Wolke nicht gibt. Die Kirchenvertreter selbst haben es gelernt. Sie verwalten nur noch ihre Pfründe von vorgestern, hängen sich auf an mittelalterlichen Ammenmärchen, haben den Zug verpasst, den Suchenden Ideen zu geben, in denen die Vorstellung des Göttlichen mit der Moderne versöhnt werden. So schufen sie den Raum für jene, die nach neuen Göttern suchen.

Doch Götter sind out – Glauben ist es auch. So wird aus dem Klimagläubigen der Klimaretter. Denn Retter sind gut. Sie ziehen nach Jerusalem, um das heilige Grab vor den Barbaren zu retten. Alles, was sich dem in den Weg stellt, ist böse. Wer nicht rettet, der tötet. Klimatöter sind die Feinde. Autos sind Klimatöter. Fabriken sind Klimatöter. Kraftwerke sind Klimatöter, Mastbetriebe sind Klimatöter … was sind die Menschen?

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Wie aber tötet man einen Gott? Und wie rettet man einen Gott vor dem Tod?
Wie rettet man das Klima – ist es doch etwas, das ewig ist, solange es die Erde geben wird? Etwas, das es länger geben wird als Gott, der nur ist, weil der Mensch ist?

Begriffe lügen. Begriffe sollen lügen. Klimaretter hören auf Stimmen, die ihnen etwas erzählen, das es nicht geben kann. Was ewig ist, bedarf keiner Rettung. Es existiert in der Veränderung, im ständigen Wandel. Aber es bleibt bei all dem immer, was es ist. Klima ist auch, wenn der Mensch mit ihm nicht leben kann.

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Wenn es so sein sollte, dass die Freisetzung der über Jahrmillionen von Jahren gespeicherten Energien aus der Kruste der Erde die Ursache dafür sind, dass die Durchschnittstemperaturen auf dem Planeten steigen, dann wird der Klimakreuzzug von heute enden wie der Kinderkreuzzug des Hochmittelalters. Denn dann ist es längst zu spät selbst dann, wenn über Nacht jegliche Umwandlung der gespeicherten Energie in nutzbare beendet würde. Dann ist längst viel zu viel Energie freigesetzt worden, die ihren Einfluss auf das Klima nimmt. Dabei wissen wir: Genau dieses Ende wird nicht geschehen. Und geschähe es, wäre die daraus entstehende Menschheitskatastrophe jener des biblischen Armageddon würdig.

Wenn die von den Menschen zusätzlich in die Atmosphäre eingebrachte Energie sogar die Hauptursache einer Änderung des Klimas sein soll, dann dürfte die Menschheit sich nicht auf Einsparungsziele und Ersatzvornahmen konzentrieren – und vor allem nicht mit Klimakreuzzügen ablenken. Dann müsste sie all ihre technischen, geistigen und innovativen Möglichkeit darauf ausrichten, diesen von ihr produzierten Energieüberschuss aus der Atmosphäre zurück in Energiespeicher zu überführen. Ob und wie das technisch möglich ist, wäre eine Aufgabe, die Ingenieure angehen müssten. Bislang hat der menschliche Geist gezeigt, dass er in der Lage war, für jede Situation einen Weg zu ermöglichen – hatte er das Problem erst einmal als solches erkannt.

Doch statt unsere hochqualifizierten Industrien, die hierzu vielleicht ebenso in der Lage wären wie dazu, andere Weg aufzuzeigen, entsprechend zu fordern und zu fördern, vernichten wie sie. Eine um die andere. Am Ende bleibt das Brachland der Klimagläubigen, die sich selbst um ihr Leben gebracht haben. Die feststellen werden, dass ihr Gott ihnen ebenso wenig den Weg gebahnt hat, wie es der ihre jenen Kindern in Genua tat.

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Der Mensch der Gegenwart hat 100 Generationen ohne geistige Weiterentwicklung hinter sich. Wer den Kinderkreuzzug der Klimaretter noch befördert, macht sich schuldig. Er verspricht ein Heil, dass es nicht geben wird.

Papst Innozenz III hätte, gäbe es einen Gott, im ewigen Fegefeuer schmoren müssen. Er trug die Schuld daran, dass tausende von Kindern einer Wahnidee folgten und im Untergang endeten.

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Kommentare ( 110 )

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Wenn die Strafe nur immer so prompt folgte wie beim Kinderkreuzzug. Damals bestraften sich die Idioten selbst. Heute werden wir alle unter den Verheerungen der kindischen Klimafanatiker zu leiden haben – und Schuldigen sitzen auf den besten Positionen, um der Gesellschaft das verbliebene Mark auch noch auszusaugen.

WICHTIGTUEREI MIT TUNNELBLICK Bei Themen wie „Klimarettung“ oder „Feinstaub“ geht es mehr um Mode, Eitelkeit, Selbstinszenierung und Wichtigtuerei als um die vermeintliche Sache. Die bei näherem Hinsehen gar keine ist. Feinstaub ist, wenn überhaupt, nur in Großstädten einer von sehr vielen Faktoren (und vermutlich noch dazu ein sehr nachrangiger), die dazu beitragen, dass Städter eine kürzere Lebenserwartung haben. Das war schon immer so, selbst im Mittelalter, als ein Mehr an Kanalisation und Abwässern Schädlinge wie Ratten anlockten, die dem mensch dann zum Verhängnis wurden. Wenn man Fässer wie „Feinstaub“ und ähnliche erst aufmacht, dann findet der Intelligente immer neue, von… Mehr

Greta ist „out“, Izabella ist „in“! ALLEZ LES JAUNES!!!

Ein nachdenklich machender Artikel, Herr Spahn. Ein Dank auch dafuer, dass ich mal wieder meine grauen Zellen beim Lesen anstrengen durfte. Es ist schwierig, in diesen Zeiten Hoffnung und Zuversicht zu haben, im Privaten, Beruflichen und anderweitig. Ein Todesfall in der Familie diese Woche hat da noch einmal hineingewirkt, aber neben der Trauer war auch ein Moment, der mir viel Trost gegeben hat, als noch ein Gebet fuer die Sterbende mit der Familie gesprochen werden konnte. Der Glaube, hier der katholische, ist in meiner und meiner Verwandten Region immer noch tief verwurzelt, zumal bei der aelteren Generation. Und dieser Glaube,… Mehr
Sie gehen mit Ihren schönen Sätzen in die Tiefe der menschlichen Existenz, was den Klima- und allen sonstigen Ideologien und ihren Nachläufern abgeht. Dies wird nach dem aktuellen Zeitgeist nicht mehr wahrgenommen, vielleicht ist das Bewusstsein dafür abhanden gekommen und wird weiter abhanden kommen. Aber die Grundfragen bleiben auch dann, wenn die wiederkehrend wechselnden Themen von Klimaveränderung, von Waldsterben, der atomaren Bedrohung, des Ozonlochs, der ungerechten Verteilung der Güter, der Globalisierung u.a. keine Bedeutung mehr haben. Anders als Sie denke ich, dass es der Religion und der Kirche – mit allen den Schwächen eines Teils ihrer menschlichen Mitglieder – bedarf,… Mehr

Richtig, der Klimawahn ist allein eine Glaubensfrage und der Vergleich mit den Kinderkreuzzügen trifft dem Nagel auf den Kopf! Auch mit Allah und Gott!

Den Klimawandel gibt es schon viel länger als die Menschheit.

Das Klimagedöns ist heute ein goldenes Kalb!

Gut recherchiert, gut analysiert, gut geschrieben, aber in ein paar Punkten kann man Kritik anführen. Erstens, wir bleiben nicht seit 3.000 Jahren stehen, wir degenerieren. Wer fällt noch heute im Kampf aufgrund von Kurzsichtigkeit, wie der Schwedenkönig Gustav Adolf und wird dadurch an der Fortpflanzung gehindert? Auslesende Kinderkrankheiten werden weggeimpft. Der Humanismus bedingt logischerweise auch geistige Degeneration. Sie, Herr Spahn, haben den wichtigsten, den elementaren Degenerationsfaktor außer Acht gelassen. Die in der Herkunft umstrittenen Phönizier führten vor ca. 100 Generationen das Geld ein, zuvor bildeten Rinder die Währung im mediterranen Raum, pecunia = Geld, pecus = Rindviecher. Die hellenistische Philosophie… Mehr
Interessanter Beitrag. Ein paar Anmerkungen: Degeneration ist wertend. Ich teile die Wertung zwar, aber nüchtern betrachtet gibt es in der Evolution so etwas wie Degeneration gar nicht. Evolution wertet nicht und verläuft nicht teleologisch. Evolution ist Überleben der Art durch Anpassung an die Umwelt. Degeneration in Bezug auf eine bestimmte Umwelt (z.B. die rauhe Natur) ist einfach nur Anpassung an eine andere Umwelt. Besser oder schlechter ist immer eine ex-post Bewertung. Besser war, was überlebt hat. Punkt. Wer hat heute mehr Überlebens- und Fortpflanzungschancen: Ein weisser Junge, kraftstrotzend und mit beinhartem Immunsystem? Oder ein schwuler Autist mit einem Haufen Zivilisationskrankheiten… Mehr

Eine Meisterleistung der Dialektik, Herr Spahn, was Sie hier uns zu lesen gegeben haben!
Freimütig gebe ich zu: Solch geschliffenen Denkens fällt mir schwer zu antworten. Denn Sie haben ja nichts ausgelassen.
Aber eines: Gott existiert. Nur nicht so, wie Menschen sich im Hirn sich vorstellen. Nicht Kirche, nicht Religion haben mich das so eindringlich erkennen lassen, sondern die Naturwissenschaft. Merkwürdig, nicht wahr?
Hier schreibe ich das, ich kann nicht gegen diese Erkenntnis anschreiben.

Würde ich es tun, würde ich mit dem Versuch die Wahrheit zu verleugnen scheitern.
So wie die Klimasekte scheitern wird…in Tradition der Kinderkreuzzüge.

Witzigerweise sind viele Naturwissenschaftler gläubig. Viele sind auch knallharte Atheisten. Alle machen sich Gedanken darüber.
Quantenphysiker sind die Philosophen und Theologen der Moderne. Und wenn sie ihre Gedanken mit Normalbürgern mitteilen, tun sie das Gleiche wie die Altvorderen: Sie benutzen Bilder, Vergleiche und Metaphern.
Und plötzlich entdeckt ein You Tuber erstaunliche Ähnlichkeiten zwischen Quantenphysik und Bhagavadgita und verkauft das als Erkenntnis und zigtausende Halbkretins glauben es.

Germanen nannten sowas „die Göttliche Allmacht“, die Macht, die alles macht und zwar im Weltall, also der Welten alle. Unsere Altvorderen waren sich also der Tatsache bewußt, daß „Gott“ mit uns wenig zu tun hat. Wir sind nichts weiteres als ein billiger Test. Und Gott ist fehlbar, schon viele Tests sind auf unserem Planeten gescheitert.

Wieso denn fehlbar? Wenn ich ein System aufsetze, das mittels try-and-error ein Ergebnis ausknobeln soll, dann sind die zahllosen Fehler von meiner Metaebene aus betrachtet richtig. Jeder einzelne Fehler bedeutet, das System läuft insgesamt korrekt.

Sie haben den Sinn sterblichen Lebens für die Göttliche Allmacht nicht begriffen. Die Wikinger, wie auch andere frühere Kulturen, beschrieben diese universelle Macht als den großen Adler, der die Seelen der Sterblichen bei Ihrem Tode frißt. Es geht hier also um die Selbstbewußtseinswerdung des Universums. Wir, wie wohl auch andere Spezies, sind die Sinneszellen dieser Wahrnehmung. Es ist halt blöd, auch für eine göttliche Allmacht, wenn man wieder eine weitere Milliarde von Jahren im übertragenen Sinne blind oder taub ist.

Stimmt. Von Göttlicher Allmacht habe ich keinen Plan. Leider. Ich hätte gern ein bisschen Göttliche Allmacht. Ich wünsche dem Universum, dass es seine Bewußtwerdung rechtzeitig schafft. Bevor alle Sterne erloschen sind und so. Was passiert eigentlich, wenn das Universum es nicht schafft? Neuer Knall und das ganze von vorne?

Wenn ichs mir recht überlege, für Göttliche Allmacht fehlt mir die Geduld. Aber es ändert sich nichts daran, dass das System offenbar korrekt läuft. Die lästigen zeitraubenden Fehler gehören dazu. Und sie sind für den/die/das Getestete , sprich für uns Menschen, ärgerlicher, als für den Tester.

Wie ich schrieb: Die Kirchen haben versäumt, das Göttliche mit der Moderne zu versöhnen. Da halte ich es mit Rumi und der Alcheringa.

Noch ein Nachtrag: Sie schreiben, daß Greta dafür gesorgt hat, daß in ihrem Haus der Strom abgeschaltet wird. Im letzten Jahr war aber zu lesen, daß ihr Vater sie „klimaschonend“ mit einem Elektro-Auto kutschiert. Woher bekommt er den Strom?

Der schwedische Reichstag hat 7 neue Kernkraftwerke abgesegnet.

Wenn man an die Co2-Dämonologie glaubt, ist das nur folgerichtiges Handeln. Bei unseren Politikern reicht es nicht mal dazu.

aus der Steckdose. Ganz bestimmt.

Dieser Glaube scheint zu besagen, dass das Klima umso mehr gerettet wird, je mehr technologische Entwicklungsstufen rückabgewickelt werden. Wenn die Errungenschaft „Unabhängigkeit vom Wetter“ zurückgestuft ist, könnten die Menschen aber auf die Idee kommen, zur Abwehr von Hunger und Kälte zur Selbsthilfe zu greifen und sich mit einem individuellen Feuer zu behelfen, wie es die Menschen auch früher im wetterabhängigen Zustand taten. Das ließe sich durch Strafe nicht verhindern, also wäre es doch am besten, dem Volk die Technologie „Feuermachen“ gänzlich wegzunehmen und als Geheimwissen an die Gretapriesterinnenschaft zu übertragen. Aber was ist eigentlich, wenn dann Millionen Ungläubige an ihrem… Mehr

Sie vollziehen hier einen sehr anschaulichen Kreisschluss.
Leider zeigt dieser, dass sich die Geschichte immer wiederholt. Die Technologie mag sich weiter entwickeln. Der Mensch nicht. Zumindest nicht bis zum nächsten Evolutionssprung.
Man kann sich darüber aufregen, oder einfach akzeptieren, dass es von der Natur wohl so gewollt ist und seinen Sinn hat.