Juhuu, der Ölpreis steigt!

Noch nie ist es der Politik gelungen, mit Steuern das Verhalten von Bürgern zu steuern und mit anderen Eingriffen ihr Verhalten auf Märkten. Was Politiker nicht daran hindert, es immer wieder zu versuchen.

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Fridays for Future, Greta Thunberg und Robert Habeck werden die Konsequenzen ganz gut finden. Sobald es im Nahen Osten kracht, steigt der Ölpreis unmittelbar. Jeden Tag kann man das in den Nachrichten sehen. Der Angriff auf die größte Ölproduktionsanlage in Saudi-Arabien lässt den Ölpreis in die Höhe schnellen. Prompt verschärft Donald Trump die Sanktionen gegen den Iran und sorgt wahrscheinlich für eine weitere Eskalation der Situation. Erste Experte gehen schon davon aus, dass der Ölpreis auf 80 Dollar pro Barrel steigen kann. Anfang dieses Jahres lag er noch bei rund 50 Dollar – aktuell bei rund 64 Dollar. Endlich erreichen externe Ereignisse das, was die deutsche Politik nicht hinbekommt: Öl wird teurer, und zwar richtig. Je größer die Zerstörung der Ölproduktionsanlagen, desto höhere Preise. Das ist doch im Sinne des Klimaschutzes, oder? Das mag zynisch klingen, ist aber die Logik der Weltuntergangsapologeten. Die Logik dahinter ist: Wenn die Preise steigen, wird weniger verbraucht und Alternativen werden attraktiver. Umgekehrt bedeutet das: Wird ein Rohstoff billiger, dann wird mehr verbraucht und das Klima mehr geschädigt.

Dieser Umstand erinnert sehr an die Abhandlung „Die zerbrochene Scheibe“ des französischen Ökonomen Frédéric Bastiat. Bastiat beschrieb 1850 sehr anschaulich, wie der Sohn des Hans Biedermann eine Scheibe zerschlägt und die umherstehenden Passanten Biedermann trösten, indem sie auf den ökonomischen Nutzen dieser Zerstörung hinweisen. Davon würde doch die Glasindustrie profitieren und der Glaser hätte dadurch Arbeit. Eigentlich müsste man „das missratene Kind von Herzen segnen“, schreibt Bastiat und fügt gleichzeitig hinzu: Dies ist, „was man sieht“.

Bastiat zeigt aber auch die andere Seite: „was man nicht sieht“. Weil Biedermann die Scheibe reparieren musste, kann er seine abgelaufenen Schuhe nicht ersetzen oder ein Buch kaufen. Er hätte mit dem Geld etwas gemacht, was er nunmehr nicht mehr machen kann, da er ja die Scheibe reparieren musste. Insgesamt führt die Zerstörung eines Gutes also nicht zu mehr Wohlstand, sondern verhindert ihn.

Wenn jetzt die Regierung in ihrem Klimapaket auf finanziellen Anreize setzt, um Ölheizungen durch andere Heizungen zu ersetzen, dann verhält sich die Regierung wie die Passanten in Bastiats Abhandlung. Sie schafft zwar Arbeit für die Heizungshersteller und für das Installationshandwerk, aber die Mittel, die dort verwandt werden, können nicht mehr anderweitig eingesetzt werden. Das Geld kann nur einmal ausgegeben werden. Vielleicht ist die Ölheizung ja noch funktionsfähig und gut. Vielleicht könnte sie auch mit einfachen Mitteln modernisiert werden. Und vielleicht nutzen die Hersteller und Installateure der neuen Heizung die Situation aus und erhöhen ihre Preise.

Markteingriffe des Staates haben viele negative Effekte, die man auf den ersten Blick nicht sieht. Woher sollen Regierungen und Politiker auch dieses Wissen haben. Dieses Wissen hat niemand. Doch die Fehler werden immer wieder gemacht. Während der Finanzkrise 2009 finanzierte der Bund eine Abwrackprämie für ältere Autos in der Größenordnung von 5 Milliarden Euro, um den darniederliegenden Neuwagenverkauf in Deutschland anzukurbeln. Alte Autos sollten durch neue ersetzt werden. Die Kollateralschäden waren vielfältig. Der Gebrauchtwagenmarkt strauchelte, die Preise für Autoschrott brachen ein und viele dieser Autos fuhren anschließend in Osteuropa oder Afrika.

Jetzt stehen wir wieder vor diesen absurden Markteingriffen der Regierung. Man stelle sich einmal vor, der Ölpreis würde tatsächlich auf 80 Dollar pro Barrel steigen und die Regierung hätte zuvor eine CO2-Steuer eingeführt. Es wäre eine doppelte Belastung für die Bürger. Es träfe Pendler, Häuslebauer, Mieter – kurz: die Mitte der Gesellschaft. Die Regierung verspricht dann eine 1-zu-1-Rückgabe der Einnahmen aus der CO2-Steuer. Doch Vorsicht an der Bahnsteigkante. Weder bei der Sektsteuer, die 1902 eingeführt wurde, noch beim 1991 ersonnenen Solidaritätszuschlag ist dies gelungen. Warum sollte es bei einer CO2-Steuer gelingen?

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Kommentare ( 48 )

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48 Kommentare auf "Juhuu, der Ölpreis steigt!"

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Planwirtschaft hat noch nie funktioniert. Unsere politischen Gaukler haben nur ein Ziel, vom eigenen Versagen abzulenken und neue Geldquellen zu erschließen. Nur so kann das Staatsversagen kaschiert werden. Es gibt keinen Neuanfang, nur ein Weiter so. Schlimm nur, daß Kinder und Jugendliche für den Machterhalt des politischen Kastensystems mißbraucht werden. Keine Maßnahme, die das Klimakabinett beschließen soll, so es denn dazu kommt, wirddas Siegel der Nachhaltigkeit für die nächsten Generationen tragen. Die Merkelregierung hat bisher nichts vorzuweisen, was dem Land Nutzen bringen würde, warum sollte diese Regierung – beim Klima – dazu in der Lage sein. Die Urvölker haben den… Mehr
Naja, in der DDR immerhin 40 Jahre. China ist im Grunde auch eine Planwirtschaft, komplett private freie Unternehmen gibt es dort ja nicht, aber sie haben sich eben dem Weltmarkt geöffnet und überschwemmen die Märkte mit ihrem Billigschrott. Aber wir haben aus Selbstzufriedenheit und in der Gier nach schnellen Geschäften China einfach gewähren lassen, und nun greifen sie eine der letzen westlichen Bastionen an, den Automobilmarkt. Da haben sie es nämlich auch in 30 Jahren nicht geschafft, konkurrenzfähige Produkte zu entwickeln. Mithilfe des Schildbürgerstreiches „Elektroauto“ sind die Chancen nicht schlecht, dass die Chinamänner auch diesen Wirtschaftszweig des Westens noch kaputt… Mehr

Vielleicht sollten wir dem Klimagott Politiker opfern. Wir fangen an mit einem pro Woche und erhöhen langsam die Dosis.

Egal wie man es dreht und wendet, ich komme immer wieder zu dem gleichen Schluß: Ich bin der betagte Frosch im stetig heißer werdenden Wasser. Ich muss hier dringend weg. Bitte liebes Universum, schick mir einen Lottogewinn.

Und meine Equinor-Aktien (Statoil) sehen auch schon viel besser aus. 🙂

Ölpreis? Was ist das?
😉 Und wenn die Fahrbereitschaft gerade von den „Grünen“ voll ausgelastet ist, nutze ich eben die „Flugbereitschaft“. Die Emmissionsrechte sind ja bereits vom „Bund“ bezahlt worden. Also alles im ruhigen Gewissensbereich.

„Noch nie ist es der Politik gelungen, mit Steuern das Verhalten von Bürgern zu steuern und mit anderen Eingriffen ihr Verhalten auf Märkten.“

„Insgesamt führt die Zerstörung eines Gutes also nicht zu mehr Wohlstand, sondern verhindert ihn.“

Geht‘ s nicht mal eine Nummer kleiner?

Das Beispiel mit der Glasscheibe ist bereits klein, sehr klein im Vergleich dazu, was hier in Dummland gerade bewusst zerschreddert wird – und Sie scheinen das auch gut zu finden?

Politik nach dubiosen Umfrage – Werten ! Heute morgen in auf NTV 68% sind für neue Steuern und Abgaben für den Klimaschutz. Bisher habe ich aber noch keinen getroffen, der diesen Steuererhöhungen zustimmen würde. Hört sich irgendwie nach „gelenkter Demokratie“ von Merkel & Co. an.

Die entsprechende Fragestellung liefert einfach das gewünschte Ergebnis. Das ist Psychologie.
Du kannst fragen:
a)Sind sie dafür, dass dieser Planet vor dem Untergang gerettet wird und die Schöpfung für die Nachwelt erhalten bleibt, auch wenn die Steuern dafür angepasst (klingt besser als erhöht) werden müssten?
b)Wollen sie persönlich deutlich höhere Steuern bezahlen, damit man damit Jürgen Resch von der deutschen Umwelthilfe für seinen wichtigen und kräftezehrenden Job auch zukünftig noch die First Class der Lufthansa querfinanzieren kann?

Noch nie ist es der Politik gelungen, mit Steuern das Verhalten von Bürgern zu steuern. Aber es gab auch noch nie eine derartige hohe bereitschaft in weiten Teilen der Bevölkerung mehr und neue Steuern zu bezahlen. Das ist eine historisch einmalige Gelegenheit, die sich diese Regierung nicht entgehen lassen will und kann. Und wer den Worten glauben schenkt, das alles würde sozial ausgewogen geschehen, der glaubt auch noch an das Einhorn. Niedriglöhner, Armutsrenter finanzieren mit ihren Steuern die e-Autos der Wohlhabenden, den Austausch der alten Heizungsanlage in den Vorortvillen mit. Sie selbst dürfen sich auf Mietsteiegerungen freuen. Aber die Leute… Mehr
Die Aussage, dass Steuern das Verhalten von Bürgern noch nie geändert haben, stimmt nicht so ganz. Einer der jüngsten Trends ist der Umsatzsteuerbetrug über den CO2-Emissionshandel. Für die Zertifikate sind Umsatzsteuer zu entrichten oder die Cum-Ex Geschäfte. Waren und Zertifikate, Aktien und Derivate, werden in einen Kreislauf geschickt, sind angeblich nicht mehr zu kontrollieren und die Firmeninhaber werden letzendlich mit Steuernachzahlungen für ihr Verhalten belohnt. Ich behaupte mal, dass das Betrugssystem, also das Netzwerk aus Politikern, Wirtschaftsbossen und Anwälten, dass genauso gewollt haben und gesetzliche Hintertüren eingebaut haben (Lobbyisten), damit durch Umverteilung, die Reichen noch reicher werden und die Armut… Mehr

„ir selber, die einfachen Bürger, dieses Lumpenpack zur Rechenschaft ziehen.“
Und wie können wir das bewerkstelligen?

Na, Herr Schäffler, für unsere Politiker ist es nicht das gleiche, ob der Preis für Brennstoffe durch Verknappung oder durch Steuererhöhung steigt.
Im Gegenteil, das Rohöl sollte möglichst billig sein, damit der Finanzminister richtig hinlangen kann.

Ich verstehe nicht, wieso der Ölpreis steigen sollte, weil da ein paar Bohrlöcher in Saudi Arabien brennen. Öl bekommen wir auch massenweise aus dem benachbarten Russland, wenn wir wollen. Ich denke, man wollte, dass der Ölpreis steigt und hat zur Begründung ein paar Bohrlöcher angezündet. Angezündet hat der, der wollte, dass der Ölpreis steigt. Oft muss man gar nicht in der Ferne suchen, denn das Gute liegt ganz nah *lach*

Von Saudis kommt bei uns 1,4 % vom Gesamtbedarf.
Das ist vernachlässigbar.

Juhu, der Ölpreis steigt! Das gilt zumindest seit einigen Jahren für die Fiananzmärkte. War aber früher genau andersrum. Da galt: Hilfe, der Ölpreis steigt! Denn wenn der Ölpreis steigt, steigt die Inflation. Und wenn die Inflation steigt, erhöht die Notenbank den Zins. Und steigende Zinsen sind schlecht für die Wirtschaft und für die Börse. Die Logik heute: Gigantische Staatsfonds in den Ölförderländern, deren Einnahmen aus den Ölverkäufen finanziert werden, investieren in den Industrieländern in Wirtschaft und Finanzmärkte. Ergo bedeuten steigende Ölpreise steigende Einnahmen für die Staatsfonds und damit steigende Investitionen in den Industrieländern. Und deswegen steigen bei steigenden Ölpreisen auch… Mehr