Wo Donald Trump Recht hat

Der US-Präsident attackiert bei den Themen Migration und globaler Handel Missstände, über die - politisch korrekt - jahrzehntelang hinweggesehen wurde.

© Chip Somodevilla/Getty Images

Donald Trump als Person will ich nicht gerecht werden. Er ist ein twitternder Narzisst, oft genug von jeder Sachkenntnis frei und in seiner Irrationalität für die Aufgabe als Staatsmann der stärksten Wirtschafts- und Militärmacht der Welt denkbar ungeeignet. Nichtsdestotrotz hat er bei einer Reihe von Megathemen recht, die er in seinem Wahlkampf und in seinen 16 ersten Amtsmonaten in den Fokus gerückt hat. Das Thema illegale Masseneinwanderung und seine Parole „America First“, die sich vor allem gegen unfaire Handelspraktiken Chinas richtete, brachten ihn als politischen Außenseiter durch Wahl an die Macht. Er nannte offenkundig Probleme beim Namen, die das politische Establishment nicht nur in den USA nicht mehr beim Namen nannte, aber einer schweigenden Mehrheit auf den Nägeln brannte.

Unvereinbarkeit von offenen Grenzen und Wohlfahrtsstaat

Einer der einflussreichsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts, Nobelpreisträger Milton Friedmann, formulierte vor Jahrzehnten fast apodiktisch: Der moderne Wohlfahrtsstaat ist mit offenen Grenzen unvereinbar. Mit verbaler Brachialgewalt und einem Schutzzaun-Bauversprechen, um die Grenze zu Mexiko vor illegaler Masseneinwanderung zu sichern, rückte der US-Präsident das Migrationsthema in den Fokus. In Deutschland können wir seit dem Spätsommer 2015 ein Lied davon singen, welch eine große Attraktivität offene Grenzen und ein großzügiger Sozialstaat entfalten. Die Einwanderung in den Sozialstaat auf dem Ticket des Asylantrags ist in vollem Gang. Wer das immer noch leugnet, verkennt die statistischen Fakten. Von Monat zu Monat werden die Fallzahlen im Hartz IV-Bezug weiter steigen, weil immer mehr Migranten mit Bleibestatus jahrelang nicht von Erwerbsarbeit, sondern von Sozialhilfe leben werden. Seriöse wissenschaftliche Studien gehen davon aus, dass erst nach sieben Jahren etwa die Hälfte der Migranten durch Erwerbsarbeit auf eigenen Füßen steht. Eine mehr als unerfreuliche Perspektive auch für die vielen Steuerzahler, die mit ihren Sozialabgaben und Steuern für diese Folgen einer falschen Asylpolitik geradestehen müssen.

Einwanderung in die Sozialsysteme statt Produktivitätssteigerung

Historisch gründet die wirtschaftliche Prosperität von ganzen Kontinenten – Amerika etwa oder Australien – auf Migration. Die Zuwanderer erschlossen das Land, steigerten die Zahl der Erwerbsbevölkerung und die Produktivität. Die segensreiche Wirkung dieser althergebrachten Form von Migration ist aber in Zeiten des Wohlfahrtsstaats längst abgelöst worden durch eine Einwanderung in die Sozialsysteme. Statt weitere Wohlfahrtsgewinne für Einheimische wie Zuwanderer zu bewirken, ist die neue Wanderungsbewegung mit einer Umverteilung des Einkommens von Einheimischen an Migranten verbunden. Der politische Preis dieser unproduktiven Lastenverschiebung lässt sich am Erfolg von Protestparteien und Politikern messen, die von frustrierten Wählern in die Parlamente und manchmal bereits in Regierungsverantwortung gewählt werden.

Fairen Freihandel in der WTO durchsetzen

Das zweite Megathema, mit dem der US-Präsident zuhause punktet, ist die von ihm eingeforderte Fairness im globalen Handel. Natürlich generiert ein fairer Freihandel globalen Wohlstand. Jeder spezialisiert sich auf die Güter und Dienstleistungen, die er am besten kann, und erwirbt dafür im Tausch die Produkte anderer. So entsteht mehr Wohlstand und die Fakten belegen die gewaltigen Wohlfahrtsgewinne der vergangenen Jahrzehnte für Hunderte von Millionen Menschen auf diesem Globus.
Wenn allerdings ein Staat, insbesondere die inzwischen zweitstärkste Wirtschaftsmacht China, systematisch für die eigenen Unternehmen ausländische Märkte und Technologien erobern will und sich bei diesem Kampf einen Teufel um die Eigentumsrechte anderer schert, verstehe ich gut, dass sich die USA gegen diesen geistigen Diebstahl zur Wehr setzen. Den von Trump gewählten Weg über protektionistische nationale Maßnahmen halte ich allerdings für falsch. Um solche elementaren Streitigkeiten zu lösen, gibt es die Welthandelsorganisation WTO. Ein Handelskrieg mit immer neuen bilateralen protektionistischen Maßnahmen mündete in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts in wirtschaftlichem Elend und im II. Weltkrieg.

Unterbewerteter Euro befördert deutsche Exporte

Auch Deutschland wird für Trump immer stärker in den Fokus rücken. Die Berliner Republik verlässt sich gern auf die militärische Schutzmacht Amerika, steuert aber im Verhältnis zu ihrer wirtschaftlichen Stärke nur einen bescheidenen Anteil zu ihrer äußeren Verteidigungsfähigkeit bei. Die in vielen Bereichen nicht einsatzfähige Bundeswehr gibt dafür ein beredtes Zeugnis.

Gleichzeitig führt der für Deutschland massiv unterbewertete Euro zu historisch einmaligen Handelsüberschüssen – zu Lasten anderer Volkswirtschaften, aber auch zu Lasten deutscher Konsumenten. Ursache dafür ist die Europäische Währungsunion, die allein durch die Geld- und Anleihekaufpolitik der Europäischen Zentralbank noch zusammengehalten wird. Deutschland würde ein Zinsniveau von drei und mehr Prozent vertragen, während Italien ohne die EZB Staatsbankrott anmelden könnte.

Thomas Mayer: „Verteidigungsausgaben erhöhen, Exporte besteuern!“

Um den absehbaren Vorwurf aus dem Weißen Haus zu kontern, Deutschland sorge mit Währungsmanipulationen zu Lasten der USA für Vollbeschäftigung zuhause, machte Thomas Mayer in seiner Sonntagskolumne in der FAS einen interessanten Vorschlag.

Wenn die deutsche Bundeskanzlerin demnächst Donald Trump träfe, rät ihr Mayer zu folgender Doppelstrategie: Erstens solle sie eine Erhöhung der deutschen Verteidigungsausgaben konkretisieren und die Materialbeschaffung vorwiegend bei amerikanischen Herstellern in Aussicht stellen. Und zweitens könnten deutsche Exporte mit einem reduzierten Mehrwertsteuersatz belastet und Importe von der Mehrwertsteuer befreit werden. Davon würden nicht nur ausländische Anbieter, sondern auch deutsche Konsumenten profitieren, so Mayer. Dass Angela Merkel auf Thomas Mayer hört, ist allerdings nicht zu erwarten.

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Kommentare ( 49 )

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Wenn die Deutschen irgendwann einmal genau so verzweifelt sind, wie es die Amerikaner vor der Wahl Trumps waren, dann ist auch bei uns eine Zeit nach Merkel denkbar.

Die „Zeit nach Merkel“ ist schon da, es hat nur noch keiner Laut gesagt …

Die Alt-Parteien glauben irgendein Polithansel aus dem Hut zaubern zu können und sich weiter an der Macht halten zu können.

Der allgemeine Bürger schielt aber schon längst zur AFD und wird damit das Pendel in die andere Richtung schlagen lassen. Es wird auch langsam Zeit!

Jeder Politdepp, der irgendwie linksdummgrünes Zeugs geschwurbelt hat, wird sich schnell „Wendehals“en oder das Weite suchen.

Das Volk hat es auszubaden …

Ich schließe mich ihren Ausführungen an Herr Metzger!

Vielleicht sollte man sich über Trump besser direkt informieren:
https://www.whitehouse.gov/news/

Und twitter oder sogar die MSM hier und anderswo lieber meiden.

Bundeskanzler Trump wäre besser für uns alle. als die Unaussprechliche.

Wäre Trump ein Idiot, hätte er das Startkapital seines Vaters in den Sand gesetzt, und ganz sicher kein Milliardenvermögen aufgebaut. America First ist da eben nur die logische Folge, und allemal besser als sich in den hiesigen immer das Solidaritätsgedöns anzuhören. Wenn man heute morgen aus dem Radio erfahren muss, dass man sich bereit erklärt 10000 Nordafrikaner umzusiedeln, dann hat das schon eine ganze Menge mit Dummheit zu tun. Die Rechnung dafür zahlt der Bürger, sei es durch steigende Mieten, Kaufkraftverlust, steigende Abgaben, und Unsicherheit.

Obama ist ueberschaetzt worden, grandios, und von echter Kritik verschont geblieben, weil er das linke Weltbild (Luegenmaerchen) praesentierte. Objektiv laesst sich feststellen, Obama war ein Versager und wird als solcher in die nicht politisch geschoenten Geschichtsbuecher auch so eingehen muessen. Trump hingegen verkoerpert an Werten alles, was den Linken verhasst ist. Das ist bereits alles. Der Rest Desinformation um Trump seinen Waehlern madig zu machen. Trump ist alles andere als ein „Idiot“. Dann waere Obama eine Amoebe. Trump wird grob unterschaetzt. Das ist auch eine Folge der linken Arroganz. Die, die es mit ihm zu tun haben duerfen, werden sehr… Mehr

Fuer mich sieht es os aus, das D. Trump oft aus falschen Motiven das Richtige tut.
Auch wenn er das richtige tut, tut er es oft nicht raehrt er richtig, aber immer faehrt er jemanden in der Parade, der meint, dass es nicht nicht und beweisst: Geht doch.

Privat wuerde ich ihn allerdings nicht auf 100 Meter an die weiblichen Mitglieder meiner Familie ran lassen.

Ich würde ihn wählen.

Aber Bill Clinton würden Sie ranlassen, wie?

Einerseits will der Ex-Grüne Metzger den amerikanischen Präsidenten nicht bewerten, andererseits hält er ihn für ungeeignet, eine Weltmacht zu führen. Auch die ehemalig Grünen haben eine seltsame Logik ! Hinzu kommt, dass er doch einige Verdienste des Präsidenten auflistet. Diese Punkte beweisen, dass Trump nicht von jeder Sachkenntnis ungetrübt ist. Jedenfalls weiß er, dass ein Sozialstaat von Grenzen abhängig ist und keine ungeregelte Einwanderung zulässt. Was haben wir in Deutschland für eine politische Führung? Der twitternde Narziss und kinderreiche Amerika first- Trump ist mir jedenfalls lieber als die kinderlose DDR-Physikerin und Propagandafunktionärin, für die es keine Grenzen gibt und für… Mehr

Alexander Brandenburg,
das sehe ich ebenso.

Warum die Ausgaben für Verteidigung erhöhen? Für Herrn Trump? Es muss doch einen Sinn haben zu rüsten. Gegen wen denn? Die Russen? Albern!

Es gibt auch sinnvolle Verteidigungsausgaben. Unsere Wehr-Uschi hat gerade 800.000 Euro für den TEST (!) von Umstandskleidung für schwangere Soldatinen ausgegeben. Ich glaube Putin hat sofort den Verteidigungsrat einberufen.

Der inzwischen ganz normale Wahnsinn!

Ich bin überräscht Herr Metzger, Sie kommen bzgl. Ihrer Artikel in unserer Realität an. Fakten kommen u. keine Fake News. Positive Entwicklung, meine ich jetzt ernsthaft. Bzgl. der Umverteilung, die Lage ist viel schlimmer, denn wenn niemand mehr da ist derdies finanziert, auch Abwandern von „brain“ also brain-drain ist ein Thema, kann das Land unter den Lasten zusammenbrechen, siehe auch neue Entwicklungen…. Stichworte UN, Dublin-Abkommen, Öffnen der eh nicht verschlossenen Grenzen im Schengenraum (Bayern), Anti-semit. Angriffe oder gegen Juden, wie immer man es sagt etc., etc. (einige Aufsätze hier bei Tichy binnen 48 Stunden hierzu) An der Regierung ist nach… Mehr

Na und?
Sie wissen das, wir wissen das (zumindest die in dieser Echokammer der Reflektierenden), womöglich etliche Politiker – aber wen der Handlungstragenden kratzt das?
Trump handelt als Person, das ist seit Ewigkeiten ein Ausnahmefall. Nicht, daß ich alles für gut befinden würde, aber „anders“ ist schonmal anders als das ewige „weiter so“, das ihm das Establishment aufzudrücken versucht. Die „Fire“- Quote mag als Beleg dienen, weniger als Bashing- Argument.
Und hier? Es geht ewig so weiter und wenn einer versehentlich abtritt, kommt aus der gleichen Riege der nächste nach.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Merkel weg muss.

Der typische Deutsche geht morgens aus dem Haus. Dann arbeitet er irgendwas und dann kommt er nach Hause zurück. Aus kaum nachzuvollziehenden Gründen schafft er so unglaublichen Wohlstand. Was er aber von der übrigen Welt weiß, hat er meist aus den Medien. Die skandalisieren den Alltag, die Nahrungsmittel, den Arbeitgeber, fossile Energien, Versicherungen, Medizin, Technologie, Chemie, das Auto, Plastik, Amazon, Mc Donalds, Zucker, Hormone, Glyphosat, Stickoxide, das Trinkwasser, Welthandel, Handystrahlen und vieles mehr. Die Medien, allen voran das Gebühren-TV, produzieren sinnlose Ängste. Gut ist nur, was sozial und grün ist. Bio, Jute, aus der Region, Wind und Sonne, Zuwanderung, Wildbienen,… Mehr

Alles schön erkannt.

Einer Ihrer persönlichen Fehler liegt darin nicht konsequent sein zu wollen (vor lauter Bäumen den Wald nicht sehen!!) und Dinge nicht bei deren richtigen Namen zu bezeichnen. Mit fatalen Folgen. Auch Sie schaffen es noch nicht, über Ihren eigenen beschränkten Tellerrand hinauszusehen.