Corona verschärft die Asymmetrie beim Generationenvertrag Rente

Schon die Gesetzgebung der Großen Koalition hat die Lasten der Rentenversicherung vor allem den Jungen aufgehalst. Die Corona-Rezession verschärft die Lage.

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Kurz nachdem der Bundesarbeitsminister für rund 21 Millionen Rentner die gute Nachricht verkündete, dass ihre Renten am 1. Juli im Westen um 3,45 Prozent und im Osten um 4,2 Prozent steigen, vereinbarte die IG-Metall für die Beschäftigten in der deutschen Metallindustrie eine Nullrunde für das laufende Jahr. Ähnliches gilt für die Chemieindustrie, wo ein Not-Tarifvertrag statt auf Lohnsteigerung ebenfalls auf Kurzarbeit und Beschäftigungssicherung setzt. Wegen der schon rund ein Jahr dauernden Rezession in der Industrie, die jetzt durch den Corona-Shutdown extrem verschärft wird und auf alle Sektoren unserer Volkswirtschaft ausstrahlt, gehören Lohnzuwächse der Arbeitnehmer der Vergangenheit an. Wer in Kurzarbeit kommt, dem blühen Einkommensverluste. Boni wegen erfolgreicher Unternehmensabschlüsse wird es nicht mehr geben. Steigende Arbeitslosigkeit wird dem Shutdown folgen – allen Politikerversprechungen zum Trotz. Denn der Staat wird niemals die brutalen Folgen der jetzt bevorstehenden starken Rezession auffangen können.

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An diesem Freitag präsentiert die zu Beginn dieser Legislaturperiode von der Bundesregierung eingesetzte Rentenkommission ihre Reformvorschläge für die Zeit nach 2025. Doch weil diese Kommission zur Hälfte mit Sozialpolitikern der Union und SPD besetzt ist, kann von echten Reformvorschlägen keine Rede sein. Denn eine der wichtigsten Stellschrauben im Generationenvertrag der Rentenversicherung durfte die Kommission überhaupt nicht anfassen: eine Erhöhung des Renteneintrittsalters. Das wussten die Kommissionspolitiker aus den beiden Regierungsfraktionen abzublocken. Fast wäre darüber vor einem Monat die Kommission geplatzt. Dabei ist das Renteneintrittsalter eine entscheidende Größe für die faire Lastenverteilung zwischen Beitragszahlern und Leistungsempfängern.

Sowohl die höchste Rentenerhöhung seit fünf Jahren als auch die Reformverweigerung der Rentenkommission wirken angesichts der aktuellen Lage des wirtschaftlichen Absturzes wie aus der Zeit gefallen. So sehr sich die Rentnergeneration in diesem stürmischen Jahr über eine signifikante Rentenerhöhung freuen mag: Bei ihren Kindern und Enkeln, die als Arbeitnehmer sinkende Einkommen, wenn nicht gar Arbeitslosigkeit erleben müssen, dürfte das eher auf Unverständnis stoßen. Dabei haben nahezu alle Rentenbeschlüsse der Großen Koalitionen unter Angela Merkel – bis auf die GroKo I mit der damaligen stufenweisen Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre – die Lasten der Rentenversicherung einseitig der jüngeren Generation aufgehalst: die abschlagsfreie Rente mit 63 nach 45 Beitragsjahren, die Mütterrenten I und II oder die Grundrente. Die Folgen für die Beitragszahler und zunehmend auch die Steuerzahler sind gravierend. Doch sowohl für die Union wie auch die SPD sind die Rentner-Kohorten die wichtigste Wählergruppe. Und die wird gern bedient.

Im zehnjährigen konjunkturellen Aufschwung, der auch mit einem bis dato nicht dagewesenen Beschäftigungsaufwuchs und entsprechend steigenden Beitragseinnahmen verbunden war, ließen sich diese Wohltaten für die Rentenversicherung und den Bundeshaushalt scheinbar leicht verschmerzen. 2018 hatte die Bundesregierung noch schnell beschlossen, das Rentenniveau bis 2025 nicht unter den heutigen Wert von 48 Prozent fallen zu lassen. Der Beitragssatz sollte in der gleichen Zeit nicht über 20 Prozent steigen. Doch genau dieses Rententableau der Bundesregierung wird angesichts der bevorstehenden „Corona“-Rezession zur Makulatur.

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Das zeigt eine Analyse des Munich Center for the Economics of Aging (MEA). Dessen Direktor Axel Börsch-Supan gehört der aktuellen Rentenkommission der Bundesregierung an. Weil die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Rezession aufgrund sinkenden Lohnniveaus und steigender Arbeitslosigkeit unerwartete Löcher in die Rentenkassen reißen, droht nun schon im kommenden Jahr ein Anstieg des Rentenbeitragssatzes von 18,6 Prozent des Bruttolohns auf bis zu 20 Prozent. Der jungen Generation wird also schneller als gedacht die Beitrags-Zeche präsentiert. Die Rentnergeneration dagegen wird durch die in der Vergangenheit beschlossenen zusätzlichen Absicherungen die Rezessionsfolgen voraussichtlich nur stark abgeschwächt und verzögert spüren. Selbst wenn die Bruttolöhne auf breiter Front sinken, greift eine Schutzregelung für die Rentner, die während der Finanzkrise 2009 eingeführt, damals aber letztendlich doch nicht gebraucht wurde. Sie verhindert, dass die Renten sinken. Ausgefallene Rentenabsenkungen müssen zwar mit eventuellen Erhöhungen der Folgejahre verrechnet werden, aber eine nominale Rentensenkung ist gesetzlich ausgeschlossen.

Das MEA errechnet auch, was für Folgen ein rezessionsbedingt sinkendes Lohnniveau für das Rentenniveau bedeuten könnte, das derzeit bei knapp über 48 Prozent liegt. Im aktuellen Rentenbericht der Bundesregierung wurde noch damit gerechnet, dass die „Haltelinie“ beim Rentenniveau als erstes greifen würde und notfalls durch steigende Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt oder beschleunigte Rentenerhöhungen sichergestellt werden müsste. Weil die Renten aber durch die oben erwähnte Schutzregelung nicht gekürzt werden können, selbst wenn das Lohnniveau signifikant sinkt, könnte das Rentenniveau kurzfristig auf mehr als 52 Prozent steigen. Deutlicher als mit dieser Zahl lässt sich kaum belegen, dass sich die gesellschaftliche Verteilungsposition der aktuellen Rentner in der Krise klar verbessert.

Andererseits war mit einem Beitragssatzanstieg auf 20 Prozent des Bruttolohns frühestens im Jahr 2024 gerechnet worden. Jetzt könnte dieser Beitragsanstieg bei einer dramatischen Corona-Rezession bereits 2021 nötig werden. Um die „Haltelinie“ beim Beitragssatz nicht zu reißen, sind nach den MEA-Berechnungen bereits im gleichen Jahr zusätzlich 5 Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt an Rentenzuschuss fällig. Diese Summe würde sich bis 2025 dann schrittweise auf zusätzlich 19 Milliarden Euro jährlich erhöhen. Das für die Rentnergeneration erfreuliche Fazit fasst MEA-Direktor Börsch-Supan so zusammen: „Rentenempfänger werden finanziell weniger von der Corona-Krise betroffen sein als die Erwerbsbevölkerung.“ Zurecht kritisiert er allerdings eine „Asymmetrie“ zu Lasten der Zahler. Die Erwerbsgeneration muss die Suppe auslöffeln, die ihnen vor allem die GroKo II und III eingebrockt hat.

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Kommentare ( 71 )

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71 Kommentare auf "Corona verschärft die Asymmetrie beim Generationenvertrag Rente"

Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung

Herrn Metzgers finanzpolitische Betrachtungen finden in einem Raum jenseits der aktuellen Realitäten statt, sind von der üblichen Anbiederei an die „junge Generation“ geprägt, und führen im Grunde genommen nirgendwo hin.

Sorry, Herr Thiel, das führt schon wohin.
Nützt aber nicht den Rentnern, den jetzigen Einzahlern= zukünftigen Rentnern, der Gesellschaft. Es nützt den Versicherern, allen möglichen Tricksern und Täuschern in dem Metier, welche sich gern am Geld der Einzahler – bzw. an dem Ertrag daraus – bedienen möchten!
Also, Reibungs- und Substanzverluste bei Einzahlern und Empfängern, ein tolles Geschäftsmodell unserer Neoliberalen! Warum spekulieren die nicht mit ihrem eigenem Geld? No risk, no fun!

Es gibt keine Neoliberalen.

„Schon die Gesetzgebung der Großen Koalition hat die Lasten der Rentenversicherung vor allem den Jungen aufgehalst. Die Corona-Rezession verschärft die Lage.“ S O N N E N K L A R! A u c h hierbei ist deutlich erkennbar wohin der nächste Schritt, der Weg der „Sozialakrobaten“ führt. – Zur Eineitsrente. – Weg von ALLEM was auch nur irgendetwas mit „Leistungsbezogenheit“ zu tun hat. – Wie ekelhaft, Leistung! Womöglich des Einzelnen! Es zählt doch das grandiose „Wir“! Die letztlich nichts Anderes ist als die Normierung immer weiter nach unten und ins Beliebige. Selbstverständlich in links-grün-gutmenschlichem Anstrich. Ohne Zynismus weiter: Einerseits… Mehr
Damit wir weiter das Sozialamt der Welt spielen können, sollen die paar Nettozahler (Steuern und Sozialleistungen) arbeiten bis sie umfallen. Am besten gleich Rentenanspruch erst nach Vorlage des Totenscheins, oder wie? Die Erhöhung des Renteneintrittsalters dient doch ohnehin nur dazu, Gründe zur Rentenkürzung zu schaffen. Grad Menschen, die ihr Leben lang körperlich gearbeitet haben, sind nach 40 Jahren platt und gehen schon vorher in die Berufsunfähigkeit. Bei „Geisteswissenschaftlern“ oder Politikern siehts vielleicht anders aus. Die können in jedem Alter belangloses tun und sagen. Wir sind doch angeblich ein soo reiches Land. Da können wir uns doch wohl noch ein paar… Mehr

Die Rentenerhöhung läuft der wirtschaftlichen (Lohn-) Entwicklung um ein Jahr hinterher. Legen sie diese dumme Idee einfach ein Jahr in die Mottenkiste.

Herr Metzger, Sie wissen aber schon, daß sich die Rentenerhöhung ab Juli auf die Lohnabschlüsse des letzten Jahres bezieht, also rückwirkend. Wie vorauszusehen ist, wird die Rentenerhöhung im nächsten Jahr niedriger ausfallen, also rückwirkend. Was soll diese ständige Aufwiegelung Jung gegen Alt ? Eröffnen Sie lieber eine Debatte Renten – Pensionen. Eine Reform ist dringend notwendig, eine Reform die auch diesen Namen verdient hat. Alle und ich meine wirklich alle müssen einzahlen, nur so kann Gerechtigkeit entstehen und nicht diese Zweiklassengesellschaft wo Beamte gepampert werden.

Der Staat wollte schon vor Jahren keine Nachversicherung der Beamten, weil diese den Steuerzahler überfordern würde.
So wie die Beamten finanziert worden sind bzw. werden ist laut Fachleuten der preiswerteste Weg.
Wir sollten die Menschen, die nicht in unser Sozialsystem eingezahlt haben
außerhalb des Landes lassen.

Was meinen Sie? Soll es beiden Gruppen (Beamten, Rentern) gleich gut oder gleich schlecht gehen?

Corona ist nicht das Problem. Es ist der Problemlöser…………….für unsere Politiker und Eurokraten. Große Probleme (deutsche Politik / EU-Politik) können eben sehr einfach von einem noch größeren Problem überdeckt werden. Die katastrophale Gelddruckmaschine der EZB und Draghi erhält jetzt Absolution. Das war noch gar nicht`s. Jetzt werden wir die „Schleusen“ erst so richtig öffnen. Alles wegen Corona, ist doch klar. Migration, Umweltschutzhysterie, Abschaffung der deutschen Industrie, Infrastruktur, Rentensysteme, Energiewende, Bildungssystem etc.pp (man könnte ohne Ende weiter schreiben). Alles nur noch Nebensache. Doch die Problem sind noch da und werden von Tag zu Tag größer. Also muss Plan B her. Wir… Mehr
Mal so gesehen, ich freue mich jedes Jahr über eine kleine Erhöhung. Etwas über 30 Euro mehr, haben oder nicht haben. Auch ich muß mehr für den Strom bezahlen und die Lebensmittel und Dienstleistungen werden auch nicht billiger. Ab nächtes Jahr wird die CO² Steuer voll auf alle durchschlagen, dann wird heizen, Warm und Kaltwasser, die Umlagen der Wohngesellschaften auf den einzelnen Mieter also die kompletten Nebenkosten teurer werden. Bei vielen sind diese eh schon fast die zweite Miete und das ende der Fahnenstange ist nicht erreicht. Man hat sich ja zu einer ständig steigenden CO² Steuer entschlossen. Jetzt könnten… Mehr
Sorry, aber ich kann das Gejammer „zu Lasten“ der jüngeren Generationen einfach nicht mehr lesen. Derzeit werden die gesetzlichen Renten Kassen zu Lasten der älteren Generation für gesamtgesellschaftliche Aufgaben geplündert. Immer mehr versicherungsfremde Lesitungen werden der gRV auferlegt und dann nicht Kosten deckend bezuschusst. Mehr dazu hier: https://www.adg-ev.de/index.php/publikationen/publikationen-altersvorsorge/1387-versicherungsfremde-leistungen-2015?showall=1 Zur „großen“ Rentenerhöhung: die mit den r ü c k w i r k e n d e n Lohnabschlüssen verbunden und die waren nun einmal überwiegend gut. Auch die Rentner konnten Corona nicht vorhersehen und im vorauseilendem Gehorsam auf Erhöhungen verzichten. Und damit das auch wirklich nicht wieder vorkommt:“Arbeitsministerium bremst RentenanstiegDie… Mehr

Interessant – auch für Rentner – wäre doch, was die Migrationskosten sind; detailliert aufgeschlüsselt und dann noch die Kosten für Jugendliche Migranten aus Lesbos und anderswo. Kosten, die zusätzlich zu den ohnehin frei Weg kommenden Migranten auch auf die Rentner zukommen. Ich glaube, dann könnte sich so mancher Politiker diese ganze unsägliche Rentendiskussion, bzw. das heuchlerische Gesülze um die „Respektrente“ sparen.

Es ist klar, dass die Wahlentscheidung der Renter stark an der Rentenpolitik hängt. Anstatt, dass man das ehrlich und fair diskutiert, wer wie unterstützt werden muss und sollte, bestechen sich Rentner und Politiker gegenseitig.