Im grünen Paradies sind wir alle arm – aber klimaneutral

Umverteilung hat jetzt eine grüne Begründung: Wohlhabende verursachen einen höheren ökologischen Fußabdruck. Müssen wir ärmer werden, um das Klima zu retten?

Tobias Schwarz/AFP/Getty Images

Klimapolitik hat Konjunktur. Das hat den Grünen einen Aufschwung beschwert wie vor acht Jahren nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima. Grüne Themen sind jetzt „der heiße Scheiß der Republik“, um eine wenig damenhafte Formulierung von Katrin Göring-Eckart aufzugreifen.

Die Grünen waren nie nur eine Öko-Partei; sie legten stets auch Wert auf ihren sozialen Impetus. Umverteilung nahm auf ihrer Prioritätenliste stets einen Spitzenplatz ein. Bei der Bundestagswahl 2013 kämpften sie heftig mit der Linken und den Sozialdemokraten darum, wer „den Reichen“ am meisten wegnehmen werde. Das grüne Umverteilungs-Rezept enthielt damals folgende Zutaten: Ein Steuersatz von 49 Prozent von 80.000 Euro an, Abschmelzen des Ehegattensplittings, eine Vermögensabgabe von 1,5 Prozent von der der ersten Million an und eine Verdoppelung der Erbschaftssteuer. Da wendete sich ihr aus vielen Besserverdienenden bestehendes Wählerklientel mit Grausen. Die Grünen landeten bei bescheidenen 8,4 Prozent, nachdem sie zwei Jahre zuvor in den Umfragen noch weit über 20 Prozent gelegen hatten.

Von Umverteilung reden die Grünen heute nicht mehr so offen wie damals. Robert Habeck ist da smarter als der frühere Grünen-Vorkämpfer Jürgen Trittin. Gleichwohl bietet das Klima-Thema jetzt die große Chance für eine neue grüne Umverteilungspolitik. Die kommt aber nicht so brachial daher wie einst, sondern geschickter. Da Menschen mit höheren Einkommen in der Regel größere Autos fahren als Otto Normalverbraucher, größere Häuser und Wohnungen bewohnen, beruflich wie privat häufiger fliegen, mehr natürliche Ressourcen verbrauchende Konsumgüter erwerben, die Segnungen der Digitalisierung wie Sprachassistenten oder das Streamen von Videos auf hochwertigen Handys häufiger genießen und auch sonst wenig preissensibel sind, bieten sie sich als ideale Opfer der kräftigen „Bepreisung“ von Energie geradezu an. Wenn die „Reichen“ auf dem Öko-Alter ein besonders großes Opfer bringen müssen, dann nutzt das nach grüner Lesart nicht nur der Umwelt, sondern dient zugleich der Umverteilung. Der Charme dieser Strategie: Die Partei muss potentielle Wähler mit dem U-Wort nicht einmal erschrecken.

Natürlich spielen die Grünen unverändert mit der Idee, die obere Hälfte der Steuerzahler auch ohne ökologische Begründung zur Kasse zu bitten. Auch wenn sie dies nicht mehr so lauthals wie früher herausposaunen: Manche Pläne der Grünen ließen sich ohne höhere Steuern ohnehin nicht finanzieren. Das gilt zum Beispiel für eine Grundsicherung à la Habeck, die deutlich höher sein soll als die aktuellen Hartz IV-Sätze. Der besondere Clou: Wer auf diese Weise abgesichert ist, muss nur dann noch arbeiten, wenn er wirklich will. Hat er dazu keine Lust, ernährt ihn das Kollektiv der Steuerzahler bis zum Lebensende. Seriöse Schätzungen sprechen von einer jährlichen Belastung in Höhe von 60 Milliarden Euro. Da kommt dann bei denen, die noch arbeiten, sicher Freude auf.

Die Grünen weisen gerne darauf hin, dass der „ökologische Fußabdruck“ der sogenannten Reichen größer ist als bei den Beziehern kleiner Einkommen. Das ist auch richtig. Da stellt sich freilich die Frage, ob es für die Umwelt nicht am besten wäre, wenn wir alle ärmer würden. Ob die Grünen schon darüber nachgedacht haben? Aber vielleicht steuern die Grünen ja genau das an. Wenn der Industriestandort Deutschland durch immer höhere Energiepreise, ökologische Auflagen oder Energieengpässe seine Wettbewerbsfähigkeit verliert, wenn Schlüsselindustrien wie die Automobilbranche zu einer Schrumpfkur gezwungen werden, wenn die Produktivität und Effizienz von Leistungsträgern beispielsweise durch Flugverbote beeinträchtigt wird, dann könnte Deutschland bald ein ökologisches Paradies sein – arm, aber klimaneutral.

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Kommentare ( 87 )

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Ich glaube, die Grünen versuchen umweltpolitisch einen anderen Ansatz, nämlich Deutschland lediglich statistisch klimaneutral zu bekommen. Eritrea ist für 0 % des weltweiten CO2-Konsums verantwortlich. Infolge der Politik der offenen Grenzen können wir vielleicht bald auch in Verbindung mit der Geburtenrate der Eritreer hierzulande als Kolonie von Eritrea angesehen werden. Schon reduzieren sich unsere CO2-Werte auf Grund der Zusammenrechnung mit den CO2-Werten von Eritrea. Kein schlechter Ansatz.

Der Eritreer hat hier sehr schnell den gleichen CO2-printer drauf wie alle Anderen auch.

Die Grünen haben trotz aller ihrer logischen und unlogischen Vorstellungen recht.
Die Zukunft kann nicht mehr Wohlstand sichern, sondern nur Auskommen.
Und das heißt gerechtere Verteilung der Ressourcen, der Arbeit und der Erträge.
Das heißt mehr Bescheidenheit, Vernunft und Bewusstsein im Umgang mit der Umwelt und miteinander. Das schaffen aber bisher nur die wenigsten Menschen in diesem Land, wenn man sieht, wie bei den meisten der Wohlstand, die Gier und die Rücksichtslosigkeit gegenüber anderen gedankenlos ausgekostet werden.

Da werden unsere Urenkel ihre Brötchen wohl als Schafhirte oder als Fremdenführerin für reiche chinesische Touristen verdienen müssen.

Man könnte es auch positiv sehen : so würde schlussendlich der Morgenthau-Plan
verwirklicht und die Welt hätte endlich Ruhe vor spinnerten,größenwahnsinnigen
Deutschen.

Das erinnert dann an Wowereit über Berlin: Arm aber sexy.

Verehrter Herr Müller-Vogg, Sie wollen sich mal hinter die Ohren schreiben, dass die größte Umverteilungs- und Überwachungsmaschine ever gerade von Ihrer CDU/CSU gemeinsam mit der SPD und dem Wohlwollen aller anderen Parteien im Deutschen Bundestag – mit Ausnahme der AfD – gerade auf’s Gleis gesetzt wird. Die so genannten Grünen sind vielleicht bedeutender „Umwelt-Taktgeber“, aber die Schwarzen unter Führung der Person, die sich genaugenommen in der Parteitür geirrt hat, sind ideolisch gleichgeschaltet, zu 100 % willig und stehen mit an der Spitze der neuen Gerechtigkeitsbewegung in der Mitte der Gesellschaft, die genau genommen die Elonge derjenigen ist, wie sie jetzt… Mehr

Naja die Merkel-CDU kopiert doch alles von den Grünen, und da die Merkel-CDU in der regierung ist, sollte Herr Müller-Vogg vielleicht auch einmal das kritisieren. **

Herr MV wer und ab wann ist man bei Ihnen reich? Um wen sorgen Sie sich? Um die wenigen Reichen – sagen wir zehn Prozent mit immensem Vermögen und Sachwerten oder um das gehobene Drittel des Mittelstandes? Es trifft nicht die „Reichen“, die werden sich sehr wahrscheinlich, insgeheim lächelnd auf die Schenkel klopfend darüber freuen, dass Krethi und Plethi in Zukunft nicht mehr mit dem Auto fahren oder fliegen können. Wachen Sie mal auf. Gerade das obere Drittel des Mittelstandes gehört zu den verdummten Grünwählern, die weiter fahren und fliegen werden, aber ein gutes Gewissen haben, wenn es deutlich teurer… Mehr
es sind die Kinder der höheren bis gehobenen Einkommensbezieher, die Freitags Schule schwänzen, ihren Eltern und Großeltern Forderungen Vor die Füße werfen und deren Eltern jubelnd die Grünen wählen. Also wäre es nur recht & billig, wenn diese Einkommensbezieher mehr bezahlen würden. Müssen sie aber nicht. Wer genauer hinschaut, auch bei Habeck, so schonen gerade die Grünen diese Einkommen. Die Grünen wissen ganz genau, dass die großen Autos überwiegend Firmenwägen sind und die Häuser mit steuerlicher Förderung energetisch saniert sind. Und Konsumverzicht ist kein wirkliches Opfer, sorry. Die Forderung von K. G.-E. Milliarden für einen Urwald, heißt doch im Klartext,… Mehr

Die Kommunisten haben immer schon lieber die Armen ärmer gesehen, als die Reichen reicher!