Friedrich Merz kann eigentlich gar nicht gewinnen

Die Merkel-CDU will keine scharfen Auseinandersetzungen mit anderen Parteien. Sie will regieren - mit allen außer den Linken und der AfD. Warum sollte diese Merkel-Union, warum sollten diese Delegierten sich mit ihrem Votum für Friedrich Merz selbst ein schlechtes Zeugnis ausstellen?

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Die Kandidatur von Friedrich Merz für den CDU-Vorsitz hat die Mitgliedschaft der Partei elektrisiert. An der Basis gilt er als Hoffnungsträger. Doch die Mitgliedschaft kann die Stimmung pro und contra von Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz und Jens Spahn allenfalls beeinflussen; entscheiden kann sie nicht.

Das tun am Freitag 1001 Delegierte auf dem Bundesparteitag. Etwa 70 Prozent davon sind Berufspolitiker im Bund, in den Ländern und in den Kommunen. Die sind demokratisch legitimiert. Aber sie sind weder für die mehr als 400.000 CDU-Mitglieder repräsentativ noch für die mehr als 60 Millionen Wahlberechtigten. Parteitagsdelegierte sind in allen Parteien eine Klasse für sich, Teil der Polit-Klasse. Und deren Mitglieder denken, ticken und handeln anders als „die Menschen draußen im Lande“.

In Hamburg ist alles möglich, aber ein Merz-Sieg ist nicht wahrscheinlich. Der Neu-Einsteiger dürfte deshalb scheitern, und zwar aus sieben Gründen.

1. Die Delegierten sind treue Arbeiter im Weinberg der Partei. Merz hingegen hat sich 2009 aus der Politik ganz ausgeklinkt. So etwas kommt bei Parteiaktivisten nicht gut an.

2. Merz hat während seiner politischen Auszeit ständig von der Seitenlinie aus die Partei und ihre Vorsitzende kritisiert. Das brachte ihm Schlagzeilen ein, aber nur bedingt Sympathien in der Partei.

3. Sein Geld verdient Merz in der Finanzwirtschaft, und das nicht zu knapp. Eine Million im Jahr kommt in der deutschen Neidgesellschaft nicht an – und auch die CDU ist Teil davon.

4. Merz sind im innerparteilichen Wahlkampf teilweise Anfängerfehler unterlaufen. Er stand da ohne vernünftige Antworten auf die Frage nach Geld und Vermögen, er verhedderte sich bei seinen starken Worten zum Thema Asyl. Zu allem Überfluss plädierte er noch für Steuererleichterungen beim Aktienkauf. Da hatten es seine Gegner nicht schwer, diesen vernünftigen Gedanken als Konjunkturprogramm für Blackrock zu diffamieren. Das alles hat die Delegierten „not amused.“

5. Merz strebt einen klaren Kurswechsel der CDU an, weg von Merkels indifferenter Modernisierung. Die Delegierten haben in den vergangenen Jahren die „Sozialdemokratisierung“ der CDU ebenso mitgetragen wie ihr Ergrünen, den gesetzlichen Mindestlohn wie den Atomausstieg und nicht zuletzt die Flüchtlingspolitik der offenen Tür. Wer das alles abgenickt hat, ist nicht prädestiniert für einen Aufstand.

6. Ein CDU-Vorsitzender Merz müsste vielleicht bis 2021 mit einer Kanzlerin Merkel gut zusammenarbeiten. Genau das können sich viele CDU-Kämpen nicht vorstellen. Schließlich ist Merz 2009 allein wegen Merkel aus der Politik ausgeschieden. Da fehlt vielen für ein harmonisches oder zumindest produktives Miteinander der alten Gegner die notwendige Phantasie.

7. Eine CDU unter Merz würde auf heftigen Gegenwind stoßen – bei den anderen Parteien und nicht zuletzt bei den meisten Medien, insbesondere in den öffentlich-rechtlichen. Das bedeutet Polarisierung und harter Kampf – und das mit ungewissem Ausgang. Da setzen die Delegierten wohl lieber auf „keine Experimente“.

Fazit: Angela Merkel hat die Partei nach ihren Vorstellungen geformt. Die Merkel-CDU will keine scharfen Auseinandersetzungen mit anderen Parteien. Sie will regieren – mit allen außer den Linken und der AfD. Warum sollte diese Merkel-Union, warum sollten diese Delegierten sich mit ihrem Votum für Friedrich Merz selbst ein schlechtes Zeugnis ausstellen? Täten sie es doch, wäre das die wahre Sensation: Die Selbst-Korrektur einer auf „20 Prozent plus“ geschrumpften Volkspartei.

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Kommentare ( 127 )

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Die CDU braucht alles, nur keine guten Ratschläge, um Friederich Merz zu verhindern. Wer nach 18 Jahren Merkel-Sozialismus unbedingt eine **-Republik Schland braucht, der muß AKK wählen. AKK ist das beste Konjunkturprogramm für die AfD!

Das ist der direkte Merkel Klon. Eine 1 zu 1 an dröger Ausstrahlung einer biederen Hausfrau und dem Charisma einer Eisenbahnschiene. Fürchterlicher Typ, Parteisoldat vom Feinsten. Passt glänzend zu dieser CDU, genau wie der Herr Altmaeier.

Kann mir mal jemand erklären, warum um dieses Theater auch hier so ein Brimborium gemacht wird? WAS bitte ändert sich wenn Herr Merz rankommt, oder Herr Spahn? Ändern wird sich erst etwas, wenn die Kohle nicht mehr reicht. Ohne Absturz wird es keinen neuen Aufbau geben.

Hast recht. Leider geht der Goldkurs gerade hoch, aber Absicherung für den Crash sollte man bendenken. Spätestens, wenn Italien aussteigt, ist Achterbahn und Geld futsch.

Ganz sicher wäre eine Nominierung von AKK als Vorsitzende und Kanzlerkandidatin, für das Wachstum der AfD als Partei und für die Arbeitsplätze deren Funktionsträger ein Segen. Mit dem verlängerten Arm von Merkel, wird die AfD in den nächsten Jahren – vor allem zur EU-Wahl – auf 20 – 25 Plus kommen.
So gesehen kann die AfD nur gewinnen, entweder beim Wachstum als Partei oder bei der Umsetzung ihrer politischen Ziele.

Da stimme ich wirklich mal mit Ihnen überein, Herr Müller-Vogg.
Ganz schön spannend trotzdem oder vielleicht auch gerade wegen Merz.

Merkel hat die CDU nach linksgrün geführt. Das Ergebnis war: 2013 hatte die Union bei der Bundestagswahl 42%, 2017 hatte die Union 32%, die Prognosen für 2021 liegen bei 26%. Warum sollten die CDU-Leute diese Politik weiterführen wollen? Merkel hatte vollkommen recht, jetzt die Segel zu streichen. Ihre Politik hat ausgedient. Die CDU-Leute müssten eigentlich bescheuert sein, wenn sie nach dem Motto „Keine Experimente“ diese Politik weiter fortführen wollten. Vielleicht sind sie es. Wir werden es erleben.

Der „keine Experimente“ der CDU führt zum politischen Schiffbruch.

Deswegen sollte die CDU doch mal über einen Kurswechsel nachdenken und das Personal austauschen.

Die CDU, „Sie will regieren – mit allen außer den Linken und der AfD.“ Wobei sie sich bei den Linken keineswegs so sicher ist.

HMV ist gebeten zu erklären, warum 1001 Parteitagsdelegierte zwar nicht repäsentativ für die 400,000 Mitglieder sind, und noch weniger für die 60 Millionen Wahlberechtigten, aber trotzdem ‚demokratisch legitimiert‘ sein sollen.. Ich stimme dem ’nicht repräsentativ‘ zu, bestreite aber jede demokratische Legitimität. Legitim sind sie nur nach den Parteistatuten. Dies erscheint in D vielfach als ausreichend, ich halte es für die politische Kultur für fatal. Ausserdem, wenn ca. 70% der Delegierten Berufspolitiker sind, dann sind mindestens 80% davon total abhängig, weil von denen niemand ausserhalb der Politik auch nur halb soviel verdienen könnte wie in der Politik. Von den 1001 wären… Mehr

Die Parteitagsdelegierten sind schon repräsentativ für die CDU. Das ist ihr gutes Recht.

Aber dann kommt irgendwann der Wähler. Die nächste Wahl ist wohl die Europa-Wahl. Dann werden wir sehen.

Ich beziehe mich auf den Text von HMV, 2. Absatz. Ich beziehe mich auf den Widerspruch von ’nicht repräsentativ‘ aber trotzdem demokratisch legitimiert. Formal werden zwar die Delegierten ‚irgendwie‘ gewählt, tatsächlich werden die allermeisten von den Partei-Granden, die auch auf andere existentielle Interessen der Delegierten entscheidenden Einfluss haben, ernannt. Im Sinne der Statuten formal legitim bedeutet für mich nicht ‚demokratisch legitimiert‘.

Sollte sich AKK durchsetzen, was aufgrund der ergrünten CDU am wahrscheinlichsten wäre, könnten sich Teile der Partei abspalten und eine neue Bewegung ins Leben rufen, oder sich der AfD anschließen.

AKK ist doch wunderbar da geht der Untergang der CDU schneller voran!

„Friedrich Merz SOLL eigentlich gar nicht gewinnen.“
Es wird viel über den zukünftigen CDU-Vorsitz spekuliert. Ich möchte hinzufügen, dass Merz aus strategischen Gründen installiert wurde, um Spahn zu verhindern und dadurch für AKK den Weg freizumachen. Trotz der Beziehungen Merz/Schäuble und Merz/ Merkel halte ich dies für möglich. Guckt man sich das politische Schmierentheater unserer Zeit an, kann selbst diese Vorgehensweise nicht ausgeschlossen werden.