Die Vertreibung aus dem Multikulti-Paradies ist in vollem Gange

Die meisten Türken sind formal integriert, leben und arbeiten hier und halten sich an die Gesetze. Die offene, freiheitliche Gesellschaft blieb ihnen fremd. Sie fühlen sich als Türken in Deutschland - mit Vorliebe für autokratische Strukturen.

© Sascha Steinbach/Getty Images
Supporters of Turkish President Recep Tayyip Erdogan rally at a gathering on July 31, 2016 in Cologne

So sollte wohl das moderne deutsche Paradies aussehen: Menschen unterschiedlicher Abstammung, Hautfarbe und Nationalitäten leben hierzulande zusammen. Die Nicht-Deutschen bereichern die Ureinwohner durch ihre Sitten und Gebräuche, durch ihre kulturelle Andersartigkeit. Das Zusammenleben ist geprägt von asymmetrischer Toleranz: Die Zuwanderer und ihre Nachkommen dürfen an allem festhalten, was nicht gegen das deutsche Strafrecht verstößt. Die Einheimischen zeigen dafür volles Verständnis. Zudem praktizieren die Bio-Deutschen ihre eigenen kulturellen und religiösen Rituale eher zurückhaltend. Niemand soll sich provoziert fühlen; schließlich haben es die Minderheiten im fremden Land ohnehin schwer.

Selbstverständlich bekommt jeder Zuwanderer, wenn er möchte, einen deutschen Pass als Zweit-Dokument, auf dass er mal als Deutscher, mal als Staatsbürger seines Heimatlandes auftreten kann – je nachdem, was gerade günstiger ist. Ach ja: Wer hier lebt, soll in der neuen als auch in der alten Heimat wählen und mitbestimmen dürfen. Je mehr Demokratie, umso besser.

Wirklichkeit geworden ist sie nicht, diese heile Multikulti-Idylle. Das zeigt sich im Alltag vor allem bei der größten hier lebenden Bevölkerungsgruppe mit ausländischen Wurzeln: den Türken. Jeder türkische Fahnen schwingende, „Erdogan, Erdogan“ skandierende und uns angeblich undemokratischen Deutschen als Nazi beschimpfende Türke mit und ohne deutschen Zweitpass ist der lebendige Gegenbeweis. Niemand kann beziffern, wie viele Milliarden in den letzten drei, vier Jahrzehnten in die Integration von türkischstämmigen Bürgern geflossen sind, wie viele Lehrerinnen und Lehrer sich abgemüht haben, Zuwandererkindern die deutsche Sprache und Grundkenntnisse über die Werte einer freien, demokratischen Gesellschaft beizubringen, wie viele Deutsche sich ehrenamtlich und in bester Absicht darum bemüht haben, den Zuwanderern hier das Eingewöhnen zu erleichtern.

Wer ein ehrliches Fazit zieht, muss ernüchternd zugeben: Die meisten Türken sind allenfalls formal integriert, leben und arbeiten hier und halten sich an die Gesetze. Doch von ihrer Mentalität her sind sie Türken und Muslime geblieben. Sie schätzen unsere wirtschaftlichen Chancen und die Großzügigkeit unseres Sozialsystems. Doch die offene, freiheitliche Gesellschaft ist ihnen ebenso fremd geblieben wie gleichgültig. Sie fühlen sich als Türken in Deutschland – und zwar als demokratieferne mit einer Vorliebe für autokratische Strukturen.

Das ehrliche Fazit: „Integration“ ist gescheitert

Viele von ihnen, die sich für die deutsche Staatsbürgerschaft entschieden haben, verstanden dies nicht als Bekenntnis zu den Werten des Grundgesetzes, sondern als Erleichterung ihres täglichen Lebens. Es ist es kein Zufall, dass Sultan Erdogan gerade bei den in Deutschland lebenden Auslandstürken um Stimmen für sein Ermächtigungsgesetz wirbt. Seine „deutschen“ Landsleute erscheinen ihm für seine Zwecke nützlicher, also undemokratischer zu sein als viele in der Türkei lebende Türken.

Die große türkische Parallelgesellschaft in Deutschland zeigt gerade mit Blick auf das Erdogan-Referendum, dass das Multikulti-Konzept krachend gescheitert ist – nicht am fehlenden Willen der meisten Deutschen, sondern am Unwillen der türkischen Mehrheit, sich hier nicht nur formal, sondern auch mentalitätsmäßig zu integrieren. Die Bereitschaft von Zuwanderern, sich der neuen Umgebung anzupassen, nimmt dem Maß ab, wie ihre eigene Zahl wächst. Warum sich eigentlich mit den Deutschen und Deutschland mehr abgeben, als unbedingt nötig, wenn man hier in vielen „Klein-Istanbuls“ leben kann wie zu Hause – nur besser.

Der Traum vom deutschen Multikulti-Paradies ist an der Wirklichkeit zerschellt. Umso schlimmer für die Wirklichkeit, folgern die grün-roten Integrationsapostel*innen, und suchen die Schuld bei den Deutschen. Wenn jeder Türke einen Zweit-Pass haben könnte, wenn auch Nicht-EU-Ausländer hier wählen dürften, wenn die Bio-Deutschen doch jedem Zuwanderer Tag für Tag mit einem fröhlichen „Wie schön, dass Du jetzt bei uns bist, wir hätten Dich sonst sehr vermisst“ zumindest verbal umarmten, dann wäre die Welt wieder heil – jedenfalls im „gutmenschlichen“ Sinn.

Man kann den Vorkämpfern für ein multikulturelles Deutschland (mit möglichst offenen Grenzen) nicht mit Fakten und den Erfahrungen aus drei Jahrzehnten gescheiterter Multikulti-Ideologie kommen; dafür sind Utopisten jeder Couleur nicht empfänglich. Doch bietet Erdogans Buhlen um in Deutschland lebende, nicht integrierte und zumindest Demokratie-skeptische Türken die Chance, bei den Themen Zuwanderung und Integration endlich die überfällige, ehrliche Debatte zu führen. Deutschland muss endlich Schluss machen mit der Praxis, lediglich passiv zu registrieren, wer zu uns kommt – ganz gleich, aus welchen Gründen, welchen Motiven und mit welchen Absichten auch immer. Deutschland muss endlich aussuchen, wen es als Zuwanderer haben will. In sechs Monaten wird gewählt. Wann, wenn nicht jetzt, sollen wir darüber diskutieren und streiten?

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Kommentare

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  • Chr Fre

    Das ist echt keine Überraschung. Es ist nur so, dass die neuen Asylbewerber den bestehenden unintegrierten Stadtteilen einen Bärendienst erwiesen haben, weil diese jetzt direkt mit im Fokus sind.
    In einigen Bereichen gibt es jetzt schon „No-Go-Area“ und Selbstjustiz. Das wird durch die schwache Führung und totales Ignorieren unserer bestehenden Gesetze noch schlimmer.

  • Duke

    Ich fürchte der Tag, an dem konservative Muslime in Deutschland nicht mehr willkommen sind, wird kommen. Man musste den Bogen ja unbedingt überspannen.

  • ludwig67

    Hätten wir ein Einwanderungsgesetz streng nach Nützlichkeitskriterien wäre der muslimische Bevölkerungsanteil gar nicht als Problem existent!

  • ludwig67

    Zudem denkt, spricht und handelt sein gesamter (ebenfalls direkt oder indirekt vom Statt lebender) Referenzraum genauso.

  • ludwig67

    Alles unterhalb von bürgerkriegsähnlichen Zuständen wird nichts ändern. Das wird nach bewährtem Muster mit Geld und Integrationsprogrammen zugeschüttet. Das geht noch maximal 5 Jahre gut….

  • ludwig67

    Müssen die nicht auch seit diesem Jahr eine Registrierkasse führen?

    • CG

      Digitalkasse, nicht nur einfach Registrierkasse. Sie glauben gar nicht, was für Dinge man fachspezifisch erfährt, insbesondere von Leuten aus der Finanzverwaltung, die häufig Fachseminare abhalten. Da wird von Hintertürchen in der Software berichtet, die es ermöglichen, den Umsatz regelrecht „anzupassen“, versteckt hinter Browserspielen, irgendwo auf Ebene 3 oder 5 des Spiels. Die kennen jeden Trick, und der Vorteil dieser Seminare ist, daß auch die Steuerberater ihren Mandanten damit klarmachen können: Versuch´s besser gar nicht erst!
      In Fällen, wo die Prüfer mit einem aggressiven Familienclan konfrontiert sein könnten, wird im allgemeinen gleich die Steuerfahndung geschickt, und zwar morgens um 4. Bis die den Clan aus dem Bett getrommelt haben, braucht´s Zeit, und bis dahin hat die Steuerfahndung längst alle Papiere eingesackt.

  • Linde

    Wenn sich ein Prüfer überhaupt hinwagt. Wir als deutsche Kleinunternehmer haben seit 40 Jahren alle 4Jahre Sozialprüfungen und mindestens alle 10 Jahre eine Btriebsprüfung. Unser libanesischer Nachbar, seines Zeichens Türsteher und seit 20Jahren selbständig als Bauunternehmer in Kooperation mit diversen Scheinselbständigen, wurde noch nicht einmal geprüft…

  • Karl Schmidt

    Sie haben Recht. Doch würden Sie auch einräumen, dass Ihre Positionen derzeit nur von der AfD politisch vertreten werden?

  • LasseRedn

    Grüne Mulrikulturalisten leben eben meistens in rein deutschen Enklaven, was man besonders an den Jusos sieht, die gerade eine „Zuwanderung für ALLE“ ohne Bedingungen fordern: Alles brave blonde Bürgerkinder aus gutem bis sehr gutem Hause mit hohen Bildungsqualifikationen.

  • Gerd Körner

    Natürlich leben unsere linkgutgrünen Traumtänzer in einer anderen Gedankenwelt. Sie wissen um die Folgen ihrer Lebenslüge, verweigern sich jedoch ihrer Wahrnehmung. Der multikulturellen Realität gehen sie insofern aus dem Wege, weil sie es sich leisten können, im durchgrünten und gentrifizierten Altbauvierteln zu wohnen. Auf deren Dachterrassen im solventen Rotweinrefugium ist man schließlich ganz unter sich, und da läßt es sich wohlfeil über Projekte „Gegen Rechts“, Armut und Elend dieser Welt parlieren. Die eigene Brut wird selbstredend auf Privatschulen unterrichtet, denn linksgrüne Bildungsbürger mit Pensionsberechtigung würden niemals zulassen, das ihr verwöhnt antiautoritär erzogener Nachwuchs die Konsequenzen der eigenen verqueren Multi-Kulti Ideologie zu spüren bekommt!