Blackout II: Agenda für den Notfall

Intensive Vorbereitung ist das A und O des Schutzes vor unliebsamen Folgen eines Blackouts. Sie umfasst eine Fülle von Maßnahmen, die rechtzeitig in Angriff genommen werden müssen. Denn sobald der Notfall eingetreten ist, geht erst mal nichts mehr.

© Sean Gallup/Getty Images

Prepper, abgeleitet vom englischen Verb prepare = vorbereiten, so nennen sich Leute, die vorhaben, allen Katastrophen zu trotzen, von einem längeren Stromausfall bis zur Überschwemmung ganzer Städte und Regionen, von der Plünderung der Geschäfte bis zum Zusammenbruch des Internets, von Epidemien bis zu Millionenschäden durch Wölfe und Wildschweine.

An Ratschlägen mangelt es den Preppern nicht gerade: Medikamente bereithalten (besonders solche, die zum Überleben notwendig sind), Wasser- und Lebensmittelvorrat anlegen, an Hygieneartikel denken, warme Kleidung und Decken, Kerzen, Batterien und Werkzeug einpacken, einen Gaskocher kaufen, Bargeld zur Seite legen, Erste Hilfe-Material, wie Desinfektionsmittel, Heftpflaster und Mullbinden, vorrätig halten, Notstromaggregat besorgen und so weiter.

So viel überschlägig zur Grundausstattung. Im Detail kommt mehr dazu. Personen, die zum Beispiel auf lebensrettende Medikamente angewiesen sind, benötigen oft die Hilfe anderer. Das gilt erst recht für gebrechliche oder auf den Rollstuhl angewiesene Menschen.

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Genug Wasser und Lebensmittel vorzuhalten, erscheint selbstverständlich. Doch wer hält sich daran? Rechtzeitig den häuslichen Hahn aufdrehen, um ganze Eimer zu füllen, fällt den wenigsten Menschen ein, zumal das Wasser bereits nach kurzer Zeit ausgetauscht werden sollte. Supermärkte verkaufen Trinkwasser unter anderem in Fünf Liter-Kanistern. Von denen kann man im Fall des Falles nicht genug zu Hause haben, und das Austauschen ist nur nach mehreren Monaten nötig. Aber im Zweifel wird der Kanisterkauf vor sich her geschoben.

Welche Lebens- und Genussmittel kommen infrage? Auf jeden Fall haltbare, wie Knäckebrot, Haferflocken, Nüsse, Trockenfrüchte (zum Beispiel Datteln und Feigen), Schokolade und H-Milch. Ergänzt werden sollten sie um Konserven aller Art; die Auswahl ist in Supermärkten schier grenzenlos.

Von Preppern kann man viel lernen. Doch wer hält sich daran? Im Zweifel eine klitzekleine Minderheit, uns geht es ja so gut, was soll da schon passieren? Glaubhafte Statistiken dazu gefällig? Fehlanzeige. Alles in allem Grund genug, eine Katastrophen-Agenda zu entwerfen, aufgehängt an einem längeren intensiven Stromausfall, Blackout genannt.

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Das ABC von Energiewende- und Grünsprech 83: Blackout
Den ersten Schwerpunkt der Agenda bildet die rechtzeitige intensive Vorbereitung, denn sobald der Blackout eingetreten ist, verläuft nichts mehr wie gewohnt. Doch bereits daran hapert es. Stromausfälle gibt es zwar täglich irgendwann und irgendwo, aber die meisten bleiben zumindest in Mitteleuropa ohne nachhaltige Folgen. Also werden sie von der Bevölkerung im Zweifel ignoriert.

Der Überraschungseffekt eines Blackout ist nicht zu unterschätzen. Schon in den ersten Stunden danach kann es zu panischen Reaktionen in der Bevölkerung kommen, wegen mangelnder Vorbereitung mit unabsehbaren Folgen. Dann folgt der zweite Schwerpunkt der Agenda, die Reaktion auf den Blackout.

Gegenmaßnahmen sollten so früh wie möglich beginnen, am besten sofort. Aber nach über sieben Jahrzehnten Frieden herrscht in dieser Hinsicht der Schlendrian vor. Folglich empfiehlt es sich, mehr als üblich der Generation der über 80-Jährigen zuzuhören und sie von ihren früheren Erlebnissen erzählen zu lassen, von der Flucht aus den Ostgebieten bis zum Kohlenklau im Rheinland. Es gilt, die jüngeren Generationen für die rechtzeitige Prophylaxe zu sensibilisieren.

Teil 2 von 2
Das ABC von Energiewende- und Grünsprech 83 (2): Blackout
Ob jung, ob alt, Katastrophenschutz ist in der Regel keine Angelegenheit von Einzelgängern, sondern von Gruppen (Familien, Freundeskreise, Betriebe, Verbände, Erste Hilfe-Organisationen, Vereine, Kommunen, Landkreise, Bundesländer, Bund).

Wer eine Gruppe allein oder gemeinschaftlich leitet, sollte von der Gemeinschaft früh genug festgelegt werden. Das lässt sich bei Familien, Freunden und Betrieben leicht arrangieren, darüber hinaus jedoch nicht mehr.

Wer weit vorausdenkt, kommt nicht an einem rechtzeitigen Erste Hilfe-Kurs vorbei. Dafür bieten sich unter anderem an: das Technische Hilfswerk, das Deutsche Rote Kreuz, der ASB, Malteser und Johanniter. Diese Organisationen sind über ganz Deutschland verbreitet. Außerdem veranstalten viele Unternehmen entsprechende Kurse.

Als nützlich erweist sich in vielen Fällen die Mitgliedschaft in einer freiwilligen Feuerwehr. Daraus können gut vernetzte Seilschaften entstehen, in denen sich alle gegenseitig helfen.

Kurz vorm Blackout
Deutschland (fast) ohne Strom
Egal, ob Haus oder Wohnung, für beide sind rundum Schutzmaßnahmen zu empfehlen, wie der Einbau von Lichtschranken, und genehmigten Anlagen zur Videoüberwachung und gegebenenfalls Alarmanlagen – bei Stromausfall vergebene Mühe. Es bleibt bei starken Schlössern und Türen. Rechtzeitig sollte ein Versicherungsspezialist herangezogen werden, damit im Schadensfall keine gravierenden finanziellen Verluste zu beklagen sind. Dazu gehört auch die wiederholte Überprüfung der Versicherungskonditionen.

Alle wichtigen Dokumente (Personalausweis, Pass, Geburtsurkunde, Heirats- und Sterbeurkunden, Verträge aller Art, Zeugnisse, EC- und Kreditkarten, Grundbuchauszüge, aktuelle Konto- und Depotauszüge, Führerschein u.a.) gehören zunächst als Kopien an eine Stelle, die nur dem engsten Familien- oder Freundeskreis bekannt ist. Später, wenn der Katastrophenfall eintritt, sollten die Originale in einem Rucksack verstaut werden, falls man sich, aus welchen Gründen auch immer, für eine gewisse Zeit von den eigenen vier Wänden verabschieden muss.

Energiereligion
Die hermetische Energiewende
Darüber hinaus empfiehlt sich das Anlegen eines Fotoalbums in Papierform und am besten auch elektronisch. Als Motive kommen Innen- und Außenansichten eines Hauses oder einer Wohnung infrage. Das erweist sich später als nützlich, wenn es gilt, der Versicherung Schäden nachzuweisen.

Wer für den Fall des Falles vorsorgt, legt sich Werkzeuge zurecht und nutzt sie hin und wieder übungshalber. Am besten ist ein ganzes Set einschließlich Universalmesser mit mehreren Funktionen, darüber hinaus Dosenöffner, Löffel, Taschenlampe, Schere, Gaskocher, Batterien, Brustbeutel, Kerzen und Lesestoff, damit Erwachsene und Kinder zwischenzeitlich auf andere Gedanken kommen. Da im schlimmsten Fall Funkuhren nicht mehr funktionieren könnten, erscheint es ratsam, mindestens eine Uhr mit Handaufzug oder Batteriebetrieb zur Verfügung zu haben.

In Zeiten der Not blüht der Tauschhandel. Er setzt in der Regel erst dann ein, wenn Not am Mann oder an der Frau ist. Dann heißt es: eine Tafel Schokolade gegen ein Paar Socken, eine Aspirintablette gegen zwei Kerzen, ein Satz Batterien gegen zwei Rollen Toilettenpapier, und so weiter – der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Republik der Kommissare
Notfallpläne bei Strom-Blackout für drei Tage - und dann?
Schwierig wird der Tauschhandel, wenn es um höhere Werte geht, wie bei Generatoren, Möbeln, Schmuck, Antiquitäten oder Barren und Münzen aus Gold und Silber. Denn zum einen, wie bei Schmuck und Antiquitäten, handelt es sich um nur grob schätzbare Liebhaberwerte. Zum anderen weichen alle Werte mehr oder weniger stark voneinander ab, sodass die Tauschpartner die Differenzen irgendwie ausgleichen müssen. In den vorliegenden Fällen haben nur Barren und Münzen täglich im Handel ermittelte Preise.

Wer sich besonders gründlich auf die Folgen eines Blackout vorbereiten will, erweitert die Überlebens-Agenda früh genug um Maßnahmen, die zwar ins Geld gehen, aber vor allem bei den in Zukunft möglicherweise häufiger zu erwartenden längeren Stromausfällen zu empfehlen sind. Dazu gehört zum Beispiel ein Generator. Entsprechende Angebote gibt es im Internet genug, zum Teil schon im hohen vierstelligen Bereich. Und wer sich mit Nachbarn zusammenschließt, sollte vorzeitig über ein Blockheizkraftwerk nachdenken, das unabhängig vom offenen Stromnetz macht, Preise beginnend im fünfstelligen Euro-Bereich.

Passiert der Blackout, heißt es: Türen und Fenster verriegeln, möglichst keinen Fuß vor die Tür setzen, mit dem Handy nur schonend umgehen und Nachrichten aus dem batteriebetriebenen Radio verfolgen. Das gilt gleichermaßen für Haushalte und Arbeitsstätten. Und wer gerade unterwegs ist? Der oder die macht sich am besten so schnell wie möglich auf den Weg nach Hause oder zurück zur Arbeitsstätte.

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Kommentare ( 71 )

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Wir sollten uns alle für eine dezentrale Energieversorgung einsetzen – das US-Militär hat das schon vor längerer Zeit erkannt. So wie das Internet nur schwer tot zu bekommen ist, ist auch eine dezentrale Energieversorgung sehr viel widerstandsfähiger. Also: Kleines Blockheizkraftwerk in den Keller, Batterie in den Keller, evtl. Solarenergie aufs Dach.

Im Winter gibt es kalte Getränke und im Sommer Warme! Meine Familie und ich leben seit ca 20 Jahren mit unseren Tieren auf einem selbstgebauten Bauernhof am Rande Berlins …ohne E – Anschluss und ohne sonstige kommunale Ver- und Entsorgung, völlig autark. Und das nicht etwa aus grün – religiöser Verblendung sondern weil wir damals quasi das letzte Anwesen vor der Stadt waren. Lang ist es her! Und nach den Jahren können wir versichern „es geht“ es geht sogar „gut“ Allerdings ist das kein Leben für Weicheier! Im Winter im Wohnbereich Temperaturen im einstelligen Bereich und in den Neben gelassen… Mehr

Die typisch deutsche Reaktion auf diese Artikel-Hinweise wäre dann wohl das Achselzucken und höchstens noch der gezeigte Finger an die Stirn.
Aber spätestens nach dem ersten großen Blackout wären die Leute sensibilisiert und die Grünen forever erledigt. Fast wünsche ich so was herbei, denn hier in Deutschland geht das nur mit: Wer nicht hören will, muss fühlen.

Ich befürchte, selbst das können die Grünen zu ihrem Vorteil nutzen. Mit Hilfe der wohlgesonnenen Medien wird der wahre Grund verschleiert und ersetzt durch wahlweise: Die Kohlekraftwerke haben das Netz verstopft – Die Russen haben das Netz gehackt – Die Industrie hat zuviel Strom verbraucht.
Daraus wird unter allgemeiner Zustimmung gefolgert: Sofortige Abschaltung aller! Kohlekraftwerke und Vervierfachung der Windradanzahl – Verbot von energieintensiven Industrien.
Erst beim nächsten Crash werden diese Ablenkungsmanöver nichts mehr nützen, da die Sündenböcke dann nicht mehr da sind.
Man wird also viel Lehrgeld zahlen müssen.

Wer es bautechnisch machen kann (gut belüfteter Nebenraum), sollte sich einen Generator mit 2-3KW anschaffen. Am besten einen Inverter, wichtig geringe Lautstärke und geringer Verbrauch. Da gibt es sehr gut getestete Geräte um die 600€ herum. Dazu ein paar Kanister Benzin/Diesel. Damit sind die meisten Probleme erschlagen, die meisten Heizungen dürften funktionieren, Kühlgeräte können am Laufen gehalten werden, externe Kochplatte genügt, Akkus können aufgeladen, TV und Satanlage, PC und Router können betrieben werden. Für fliegende Verkabelung gute Kabelrolle mit ca. 4 Steckdosen verwenden, zu betreibende Geräte müssen normale Steckeranschlüße haben, was bei Heizungen, Kühltruhen usw. meistens der Fall ist. In… Mehr

Eine Schreckschußwaffe mit Signalmunition ist evtl. die einzige Möglichkeit den Nachbarn einen Notfall zu signalisieren.
Ein Wechselrichter 12V-230V macht das Auto zum Stromaggregat. Solange Benzin vorhanden ist.
Vielleicht ist auch ein Katadyn-Filter ganz hilfreich.

Ich versuche schon seit längerer Zeit darauf vorbereitet zu sein. Als Tauschobjekte habe ich Kernseife gekauft. Damit kann man sich selbst von Kopf bis Fuss waschen, aber auch die Kleidung. Ebenso habe ich Salz zum Tausch vorgesehen, aus nostalgischer Familientradition sozusagen. Meine Oma hatte einen Sack Salz im 2. WK, gegen dessen Inhalt sie alles Mögliche tauschen konnte. Mitte Januar kam mein Mann erbost aus dem Keller, weil er in dem entsprechenden Vorrat einige Büchsen Wurst gefunden hatte, die im August 2018 abgelaufen waren. Sonst kümmert er sich nicht um die Krisenvorsorge. Ich habe erst einmal nachgelesen, wie lange Dosenwurst… Mehr
Stromausfall ist gar nicht so schlimm, wenn es nur paar Stunden sind. Ich bin aus Neugier mal zum Laden gefahren. Da die Kühlanlagen ausgefallen sind, mussten die Lebensmittel alle entsorgt werden. Da das Massen an Lebensmitteln sind, die auch noch in der Entsorgung Geld kosten, konnte jeder sich was mitnehmen. Kassen funktionierten ja auch nicht mehr. Grill an Perfect. Wenn der Strom für länger ausfällt, kann man immer noch mobile Aggregate an die Stromhäuschen stellen. Oder man hat idealer Weise selber ein Stromaggregat, und kann die Heizung dran anschliessen. Nur ob dann noch Gas kommt aus der Leitung, ist die… Mehr
Es gibt eine Reihe von Katastrophenmythen https://www.saurugg.net/strom-blackout/auswirkungen-eines-blackouts/katastrophenmythen Wenn wir sofort mit Anarchie rechnen und auch noch den Tipp befolgen, sich sofort einzubunkern, wird das vielleicht auch zur selbsterfühlenden Prophezeiung. Natürlich hängt es auch davon ab, wo man lebt und wie die soziale Situation bereits im Alltag ist. In Paris würde ich mich auch nicht wohl fühlen. Daher sollten wir versuchen, möglichst lange im Gespräch zu bleiben und die Krise gemeinsam zu bewältigen. Denn wir wollen ja auch wieder zu einer Normalität zurück kehren. Ein Hauptproblem ist natürlich die fehlende Vorsorge. Aber noch haben wir Zeit, uns darauf vorzubereiten und auch… Mehr

Werden die Prepper denn nicht vom Verfassungsschutz beobachtet? In linken Kreisen werden sie den „Reichsbürgern“ assoziiert.

Nach den neuesten Ergebnissen des Verfassungsschutzberichtes ist das Gros der Prepper harmlos und unverdächtig. Daß sich in deren Reihen vereinzelt komische Gestalten finden ist in jeder Gesellschaftsgruppe so.

Gestern bei „Kontraste“ zwei Filmchen zum Thema:

31 Stunden Blackout Berlin
https://www.rbb-online.de/kontraste/archiv/kontraste-vom-28-02-2019/31-stunden-ohne-strom-berlin.html
(über den Ausfall in Köpenick)

Hacker greifen Energieversorger an
https://www.rbb-online.de/kontraste/archiv/kontraste-vom-28-02-2019/hacker-greifen-energieversorger-an.html
(ist erschütternd, auch wenn man meint, es wird nur eine Hacker-Legende vorbereitet)

Es war nur ein sehr begrenzter Stadtteil einer 4 Millionenstadt, da gibt es Ausweichmöglichkeiten – Geschäfte, Apotheken etc., Bekannte. Die Wohnungen kühlen nicht so schnell aus und im Kühlschrank verdirbt nichts. Kerzen und Campingutensilien bekommt man noch – tanken kann man ebenfalls noch – das war noch kein Katastrophenfall etwa wenn ganz Berlin vom Netz geworfen wird. Bedenklich war der Zustand des Notstromaggregats – entweder zu alt oder schlecht gewartet – gibt es keinen TÜV dafür oder nur sexy Berlin.

Es mag sein, dass die Waren im Kühlschrank nach 31 Stunden noch in Ordnung sind. Die waren im Gefrierschrank kann man unter Umständen entsorgen.