Windkraft: Die Rotoren von heute werden der Sondermüll von morgen

Die Windkraft birgt noch reichlich Potential für Enttäuschungen. Denn allmählich spricht sich herum, was nie ein Geheimnis war: Der Abbau der Anlagen, vor allem der Rotoren, wird zu einem großen Umweltproblem. Da werden Jahrzehnte alte Erinnerungen wach.

In manchem Detail wiederholt sich die Geschichte vielleicht doch. Die Ignoranz vor den Nebenwirkungen energiepolitischer Grundsatzentscheidungen jedenfalls scheint eine historische Konstante zu sein. Man glaubt, die große Lösung zur nachhaltigen Deckung des Energiebedarfs zu haben, während man ganz nebenbei dadurch neue, künftige Probleme verursacht. Diese Zukunftslasten sind keine Geheimnisse – werden aber verdrängt. Das geschieht nun zum zweiten Mal in der jüngeren deutschen und globalen Geschichte der Energiewirtschaft. 

Vor sechzig Jahren glaubten Wissenschaftler, Ingenieure, Wirtschaftsführer und Politiker die Lösung für alle Energieprobleme gefunden zu haben: Kernkraft. Und die regierende CDU war sich mit der opponierenden SPD zumindest in der Euphorie für dieses „Geschenk des Himmels“ völlig einig. Die Energiekonzerne hätten vielleicht damals längst nicht so schnell und so viele Atomkraftwerke gebaut, wenn nicht die Politik ihnen finanziell und nicht zuletzt auch durch öffentliche Kampagnen den Weg bereitet hätte. In dieser Euphorie war zunächst weder von möglichen Unfällen viel die Rede, noch von dem großen Problem der Entsorgung strahlender Abfälle. Die Endlager-Suche ist bekanntlich noch immer nicht endgültig geklärt. 

Die euphorische Blindheit vor den schwerwiegenden langfristigen Nebenwirkungen der Kernenergie kann man den damaligen Entscheidern durchaus vorwerfen. Das geschieht ja auch reichlich. 

Doch auch der Eifer der Energiewende-Politik hat solche mehr oder weniger bewusste Blindheit im Gefolge. Windkraftanlagen bringen nicht nur eine ästhetische Verschandelung der Landschaft mit sich, sondern sie sind zum großen Teil zukünftiger Sondermüll. 

Zu Risiken und Nebenwirkungen
Der Beton des Fundaments und der Stahl des Masts sind  relativ problemlos zu verschrotten und wieder zu verwerten. Anders die Rotorblätter. Sie bestehen aus einem Kunstoff, der entweder mit Glasfasern (bei älteren Anlagen) oder Carbonfasern verstärkt ist. Die Art und Weise, wie die Materialien im Rotorblatt miteinander verbunden sind, macht die Wiederverwertung extrem schwierig bis unmöglich. Man kann sie nicht einfach verbrennen und deponieren auch nicht, da der Verbundstoff nicht verrottet.

Allmählich spricht sich das Problem, dass den Herstellern und Betreibern natürlich von Anfang an bekannt war, jetzt auch in der Öffentlichkeit herum. Zum Beispiel hier  und hier. 

Da stehen also laut Bundesverband Windenergie 30 518 riesige Windräder in Deutschland (Stand 2018) – es sollen nach politischem Willen bekanntlich noch sehr viel mehr werden – und niemand weiß, was künftig aus den Ungetümen wird, wenn sie nach rund 20 Jahren abgebaut werden müssen. In den kommenden Jahren erreichen Tausende Windräder das Ende ihrer Lebensdauer. Und das wird nicht wieder aufhören – solange jedenfalls wie Windräder neue aufgestellt werden, werden sie irgendwann auch wieder abgerissen und irgendwohin verschwinden müssen, nachdem sie nicht mehr rentabel oder baufällig geworden sind. 

Zu Risiken und Nebenwirkungen
Aber ein funktionierendes Entsorgungssystem gibt es bis heute nicht. Kein Wunder also, dass die Betreiber ihre abgebauten Anlagen oft ins weniger vorschriftenstrenge Ausland bringen. Dann verschandeln sie eben dort die Natur. Bezeichnend ist, was der Bayrische Rundfunk aus den Landesministerien für Wirtschaft und Umwelt berichtet: „Man vertraue auf die Innovationskraft der Abfallwirtschaft, heißt es aus der bayerischen Politik, und darauf, dass diese mit der Verschrottung alter Anlagen in den nördlichen Bundesländern Erfahrungen sammeln und diese dann dem Freistaat nutzen werden.“

Ein Unternehmen in Stade namens CFK Valley Stade Recycling, über das die Wirtschaftswoche berichtet, hat ein Verfahren entwickelt, um aus den Rotoren wieder verwendbare Carbonfasern zu gewinnen. Aber mehrfach wieder verwerten könne man das Material nicht. Also ist nur Zeit gewonnen. Ein einziges Unternehmen, die Firma Neocomb in Bremen, so berichtet der Deutschlandfunk, kann die Rotoren zu einem Baustoff schreddern. Dann steckt der unverrottbare Kunststoff eben in Straßen und in Häuserwänden. Für manchen Häuslebauer dürfte interessant sein, dass bei gescheiterten Versuchen, den Rotoren-Verbundstoff zu verbrennen, sogar Asbest in den Rückständen festgestellt wurde, wie die Wirtschaftswoche berichtet. Wenn sich das herumspricht, dürften Baubetriebe vielleicht weniger begeistert von entsprechendem Material sein.

Der Glaube jedenfalls an die vermeintlich grüne, saubere, erneuerbare Windkraft dürfte nicht nur mit dem weiteren, Landschaften und damit auch Lebensqualität zerstörenden Ausbau sondern eben auch mit dem künftig anstehenden umweltbelastenden Abbau der Altanlagen immer weniger aufrecht zu erhalten sein. Die bevorstehende Enttäuschung darüber hat vielleicht durchaus ein ähnliches politisches Empörungspotential wie das seit den 1970er Jahren erwachte Bewusstsein über die Gefahren der Kernenergie. Aber Kernkraftwerke liefern im Gegensatz zu Windkraftanlagen wenigstens verlässlich und bezahlbar Elektrizität.

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Kommentare ( 59 )

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59 Comments
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Pegg Ida
10 Monate her

Klar kann man die verbrennen, GFK bzw CFK brennt „wie Sau“. Wie bei PVC dürften dabei allerdings giftige Nebenprodukte entstehen, aber hey, wozu gibt es Filter? Nee im Ernst, ich (Chemieingenieur) sehe darin kein Problem, sondern eher in den Betonfüßen.

TransgenderRechtspopulist
10 Monate her
Antworten an  Pegg Ida

Richtig, natürlich kann man das verbrennen. Entstehen halt kanzerogene CFK Reste etc. und wenn dann bei hohen Temperaturen verbrannt und gefiltert wird, verbraucht die Entsorgung wahrscheinlich mehr Energie als so ein Windrad in Jahr(en) erzeugt.

Der Beton wird ewig in den Wälder bleiben wie alte Militäranlagen.

Hannibal Murkle
10 Monate her

@“Der Abbau der Anlagen, vor allem der Rotoren, wird zu einem großen Umweltproblem.“ Bis dahin sind die Gewinne aus den „Grünen Energien“ abgezogen und woandershin gesteckt. Erst mal wird aber investiert – u.a. Bill Gates investiert in „grüne Energien“: https://qz.com/1693546/breakthrough-energy-ventures-expands-its-portfolio-to-19-startups/ Lustigerweise heisst eine der Firmen, an den sich der Fund beteiligt, „Kobold Metals“ mit Sitz in San Francisco. In der EU wird ebenso investiert: http://www.climateaction.org/news/eu-and-bill-gates-launch-100m-clean-energy-innovation-fund Wer in der IT etwas länger ist, erinnert sich sicherlich, mit welchen brachialen Methoden Microsoft zuerst den Markt für Betriebssysteme beherrschte und dann die Position dort nutzte, um auch den Markt für Anwendungen (MS Office)… Mehr

Arminius
10 Monate her

Hauptsache keine Plastiktüten an der Kasse

Sherry
10 Monate her

Ach ja, was sind wir „grün“ und umweltbewusst. Wir propagieren E-Autos, die so giftig sind, dass sie niemand mehr entsorgen kann. Wir gewinnen Windkraft mit PVC-Sondermüll, der die Umwelt belastet. Und weil die Energie zur Deckung des Bedarfs dann nicht reicht, kaufen wir den Strom bei polnischen Kohle-Dreckschleudern und unsicheren französischen Atomkraftwerken während wir unsere sicheren Kernkraftwerke stilllegen. So wird die Umwelt sauber. Bravo!!!

Maja Schneider
10 Monate her

Macht alles nichts, um die Entsorgung kümmert sich auch liebevoll der deutsche Steuerzahler, nachdem er vorher der Zerstörung der Landschaft zugeschaut und klaglos etliche Blackouts hingenommen hat sowie eine radikale Änderung seines Lebensstandards verkraften musste (und zwar nicht nur durch die Energiepolitik). Unsere in der Hinsicht sehr einfallsreiche Politikerkaste weiß immer, wo das Geld für die Konsequenzen ihrer Politik einzutreiben ist.

bfwied
10 Monate her

Den Grünen und der SPD fehlt es schlicht an Bildung, Sachverstand und bloßer Vernunft! Sie kommen mir wie Kinder vor, die etwas ganz unbedingt haben wollen, um damit zu spielen. Von allem Drum herum haben sie als Kinder keine Ahnung. Aber die Grünen/SPD sind keine Kinder, ich halte sie jedoch für hirnlos. Was haben die schon für einen kindischen Unsinn von sich gegeben! Wenn die „Netz ist doch ein Speicher“-Frau in ein Regierungsamt kommt, kann man nur fliehen, denn dann läuft der Unsinn zur Hochform auf – und die Überwachung mit härtester Bestrafung eines jeden Vernünftigen, der sich äußert! Etwas… Mehr

Gert Friederichs
10 Monate her

Wärmedämmung: Konrad Fischer !

RNixon
10 Monate her

Statt zu jammern sollten wir darin eine Geschäftsidee erkennen. Die Entsorgung darf sicherlich etwas kosten.
Die einfachste Lösung ist wohl häckseln und „thermisch verwerten“ wie man das so schön nennt – mit ein paar Filtern im Schornstein und einer integrierten Kraftwerkseinheit zur Stromproduktion. Immerhin geht es hier ja letztendlich um ein Erdöl-Produkt.

Endstadium0815
10 Monate her

Alle hochentwickelten Industrieländer können nicht ohne Probleme, die sich auch auf die Umwelt und Menschen asuwirkt, existieren. Grundsätzlich sollte man sich dessen bewusst sein. Also geht es nur um darum intelligente Technologien zu entwickeln, die den Schaden aufs geringste minimieren. Man kann nicht emissionslos ein solchen Land betreiben oder man verzichtet auf alle Annehmlichkeiten und Wohlstand, lebt dann aber wieder in Höhlen oder Hütten. Die Grünen denken das es möglich ist und sind auch dafür, aber nicht wenn es sie betrifft und dieser Umwelthype entlarvt sich am Ende eh nur als Abkassiermaschine.

Cojo Tee
10 Monate her
Antworten an  Endstadium0815

Es ist ein Grundmissverständnis, dass genannter Mechanismus nur dem Menschen oder seiner Industriellen Form der Existenz zu eigen wäre. Jedes System verdriftet die Bedingungen anderer Systeme in ganz bestimmter Weise. Bei Systemen der Biosphäre spricht man von Ökologie (aber nicht im üblichen trivialen Sinn.) Der Mensch alleine war und ist jedoch die einzige Art, die diese Verdriftungen korrigieren kann. Er hat das bisher auch immer ganz gut geschafft. Wenn man ihn gelassen hat. Daher stehe ich sowohl einer weiteren Erforschung der Kernenergie, als auch der Rotorblattentsorgung positiv gegenüber.

Peer Munk
10 Monate her

Kein Problem mit den Betonfundamenten? Es geht hier wohl um 1400 Kubiqmeter hochfesten Beton, ca 3500 tonnen schwer,für ein 200m hohes Windrad.
Der Kostenvoranschlag einer Firma für den Abbau pro Windrad: 345 000 Euro (siehe eike, teure hinterlassenschaft).
Ganz schön viele Eiskugeln kommen da noch auf uns zu…

RNixon
10 Monate her
Antworten an  Peer Munk

Wo ist denn eigentlich ökologisch der Unterschied zwischen einem Betonblock und einem großen Findling?

Armin V.
10 Monate her
Antworten an  RNixon

In der Armierung und den Zuschlagsstoffen.

Außerdem ist der Findling natürlich gewachsen. Deshalb nennt man ihn auch Naturstein.

Bill
10 Monate her
Antworten an  Armin V.

Nachfolgende Generationen werden die Klötze kaputtkloppen um an das Eisen zu kommen. Die werden nicht mal wissen wass Beton ist/war.
Leseempfehlung:
Lobgesang auf Leibowitz (Walter M. Miller, Jr.)