Hannover setzt sich an die Spitze des Gender-Irrsinns

Hannover hat sonst keine Probleme und deshalb werden Wähler zu Wählenden, Wählerverzeichnisse zu Wählendenverzeichnissen, Rednerpulte zu Redepulten, Rednerlisten zu Redelisten. Und es wird hochdeutsch gestottert.

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Früher sagte man, das wahre, reine Hochdeutsche würde in Hannover gesprochen. Das mag so gewesen sein, auch wenn die Stadt an der Leine keineswegs Erfinder (pardon: Erfinderin) der Hochsprache war, denn dazu lag sie zu weit nördlich der von Aachen über Kassel ans ehemalige Posen verlaufenden Benrather Linie. Südlich (!) dieser Linie ist nämlich ab etwa 600 nach Christus durch die sog. zweite Lautverschiebung (p > f, t > s, k > ch) das Hochdeutsche entstanden, nördlich das Niederdeutsche.

Wenn es denn schon nicht mehr mit dem 96er Fußball klappt (Platz 17, punktgleich mit dem Schlusslicht FC Nürnberg), und wenn es denn schon keine Cebit mehr gibt, dann will Niedersachsens Landeshauptstadt doch wenigstens und endgültig in die Sprachgeschichte eingehen. Man setzt sich jetzt ganz oben an die Spitze der hyperprogressiven, (de)konstruktivistischen sprachlichen Genderei.

Die städtische Verwaltung mit ihren rund 11.000 MitarbeiterInnen/Mitarbeiter_innen/Mitarbeiterixen/Mitarbeitenden/ Mitarbeiter*innen (oder so ähnlich) dürfen zukünftig nur noch geschlechtsneutrale Texte schreiben. Die Anreden „Herr“ und „Frau“ sollen vermieden werden. Verbindlich sei das, so Stefan Schostok (SPD), Hannovers Oberbürger*innenmeister*in (oder so ähnlich), assistiert von seiner Dezernent*innenkonferenz und einigen seiner besonders wichtigen kommunalen Abteilungen: Beauftragte für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt; Referat für Frauen und Gleichstellung sowie Gesamtpersonalrat. Das Sprachdiktat gilt ab sofort schrittweise in E-Mails, Präsentationen, Broschüren, Presseartikeln, Drucksachen, Hausmitteilungen, Flyern, Briefen, Formularen und Rechtstexten. Es soll „ein wichtiges Signal und ein weiterer Schritt, alle Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht anzusprechen,“ sein. Statt der Anrede „Herr“ und „Frau“ sollen andere Formen der Ansprache wie „Guten Tag“ oder „Liebe Gäste“ genutzt werden. (Warum übrigens nicht Gäst*innen?)

Erst in zweiter Linie, wenn eine solche Formulierung nicht möglich sei, wird der „Gender Star“ (Bürger*innen) eingesetzt. A Star Is Born! Ein shooting star, der hoffentlich das ist, was die Deutschen in ihrer Anglomanie nicht wissen: nämlich ein verglühender Komet. Statt mit „Liebe Kolleginnen und Kollegen“ sollen offizielle Schreiben des Betriebsrats an die Belegschaft des Hannoveraner Rathauses künftig mit „Liebe Kolleg*innen“ beginnen. Wörtlich heißt es darüber hinaus: Das Sternchen* zwischen der maskulinen und femininen Endung soll in der Schriftsprache als Darstellungsmittel aller sozialen Geschlechter und Geschlechtsidentitäten dienen und hebt gezielt den Geschlechterdualismus auf. Beim Vorlesen wird der „Gender Star“ durch eine kurze Atempause (vulgo: Stottern) gekennzeichnet. Er ersetzt das bisher verwendete Binnen-I.“ „Diskriminierungsfrei“ und „geschlechtergerecht“ nennt sich dieser Unfug.

Dann folgt noch eine Broschüre mit umwerfenden Beispielen auf vier Seiten: Dort werden Wähler zu Wählenden, Wählerverzeichnisse zu Wählendenverzeichnissen, Rednerpulte zu Redepulten, Rednerlisten zu Redelisten, Teilnehmerlisten zu Teilnahmelisten, Erziehungsberechtigte zu erziehungsberechtigten Personen,

Wir haben uns hier bei TE immer wieder mit den Verrücktheiten der Gender-Sprache befasst, zum Beispiel mit einem Gender-Duden oder mit der Genderei in der „Süddeutschen“.

Was das amtliche Hannover nunmehr bietet, ist jedenfalls eine Fortsetzung auf der an Peinlichkeiten nach unten offenen Richterskala. Die Talsohle scheint freilich noch lange nicht erreicht. Bei einer solchen Skala ist das eben so. Und so harren wir weiterer Geniestreiche der Genderidiologen, die mit mittlerweile in Deutschland mehr rund 220 Professuren mehr solche Stellen besetzen, als es sie in der Pharmazie (190) gibt. Klar doch, die Pharmazie hat ja mit Chemie, mit Tierversuchen usw. zu tun. Da ist die Gender-„Forschung“ schon um einiges korrekter.

Da lob ich mir die Franzosen; dort achtet man auf die eigene Sprache. Deshalb haben Macron und sein Ministerpräsident diesen Gender-Irrsinn gestoppt. Premierminister Édouard Philippe verfügte im November 2017 für alle Behörden, dass sie gendersensible Schreibweisen nicht mehr benutzen dürfen. Angesagt war dort bis dahin der gendergerechte „point médian“ – also ein Punkt zwischen dem Wortstamm, der männlichen und der weiblichen Form, zum Beispiel sollte für Abgeordnete „les deputé•e•s“ geschrieben werden, aus Wählern wurden „les électeur•rice•s“.

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Kommentare ( 192 )

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192 Kommentare auf "Hannover setzt sich an die Spitze des Gender-Irrsinns"

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Da muss schon noch vorausgehen, dass die Reihenfolge zufällig ausgewählt ist, Männer aber prinzipiell am Ende stehen, sonst triggert mich das.

Die Frage bleibt ja schon noch:
wieso ist das *innen? Da wird die angeblich maskuline Endung eliminiert, ein debiler Stern (jetzt auch neu, Doppelpunkt, netzpolitik zeigt klar dass die Linksterroristen ihre Krallen drin haben) signalisiert eine Problemvergangenheit, aber die feminine Endung bleibt – das ist einfach nur Diskriminierung, weil explizit eine Lesart eliminiert wird während eine andere beibehalten wird. Das nennt man dann „Gleichstellung“?

Und schon haben wir das Unwort des Jahres 2019: „Wählendenverzeichnis“.

Eine Posse, mit oder ohne Gesang, jedenfalls in einer
nicht enden wollenden Zahl von Aufzügen:
„Einen Jux will er [wollen sie] sich machen“.
Besser: „Wer will noch Mal, wer hat noch nicht“.
Das alles darf natürlich auf keinen Fall mit dem
Dramatiker Johann Nestroy in Verbindung gebracht
werden. Denn der hatte ja vor allem eins:
N i v e a u !

Ich vergaß: Zu dem Thema hat die Autorin Birgit Kelle ein
sehr lobenswertes Buch geschrieben. Der Titel lautet
G E N D E R G A G A (wobei der zweite Wortteil druck-
technisch und damit optisch stark hervorgehoben ist).

Baba Wanga, Nostradamus, der Mühlhiasl oder der Alois Irlmaier, alles Amateure gegen George Orwell – der sah den ganzen Irrsinn schon 1949 exakt so voraus.

Genau und deswegen schreibe ich seit ein paar Monaten in internen E-Mails auch nur noch an die „verehrten Kollegen“. Bisher gab es noch keine Beschwerde, auch nicht von ner Emanze. Läuft…

Ich muss Sie enttäuschen, es muss Kolleg*_Innen heißen.

Warum, weil Sie den Schwachsinn Gender mitmachen?

Weil xir Humor hat natürlich. Oder heißt das jetzt auch Humus?

Wie gendert man eigentlich einen Bacchelor in Genderstudies?

Da das schönste Deutsch in Prag gesprochen wurde, dorten aber niemand mehr klaren Sinnes an seine deutschen Wurzeln erinnert werden möchte tun alle Preussen und Beutepreussen am besten daran, sich selbst aufzugeben.

Lernts doch alle Polnisch! (Arabisch oder Türkisch geht nur für Moslems.)

Wer so stark in die Sprache und damit das Denken der Menschen eingreift, muss entweder diktatorisch oder wahnsinnig sein. Wahrscheinlich beides. Ich möchte gerne wissen, wieviel dieser Irrsinn kosten wird und – viel wichtiger – ob er noch zu verhindern ist. Gerne würde ich sagen, dass diese „Aktion“ lächerlich ist, jedoch finde ich sie bedrohlich. Vielleicht sollte man/frau noch den Umlaut ä abschaffen, dieser könnte türkische Mitbürger irritieren und diskriminieren. Die Umlaute ö und ü sind ihnen ja aus ihrer eigenen Sprache geläufig, die bleiben natürlich. Manchmal hält man diese tägliche Idiotie einfach nicht mehr aus und sehnt sich nach… Mehr

Eine Haftpflichtversicherung sollte jede/r/s haben. Wer sich aber seines Geschlechts (nicht der Herkunft!!) nicht ganz sicher ist, sollte bei der BARMENIA nachfragen. Die bietet auf ihrer Webseite folgendes an:
„Haftpflichtversicherungsschutz für Mitglieder*innen des VSLP
(Verband für lesbische, schwule, bisexuelle, trans*, intersexuelle und queere
Menschen in der Psychologie (VLSP))“
Kurioserweise gibt es keinen Haftpflichtschutz für nichtmännliche Hunde, da hier die gebräuchliche Umschreibung fehlt:
„Haftpflichtversicherung für Halter*innen von Hunden – inkl. Therapiehund“

Yep. Der Schwachsinn treibt immer neue Stilblüten.

In Hannover wurde sogar „Mitglied“ als „Ausweichbegriff“ empfohlen.

„ersetzt wie der oder die Stimmberechtigte durch das stimmberechtigte Mitglied“

Und was ist mit den Stimmberechtigten ohne Glied? Oder die sich noch nicht so sicher sind, was das da so ist 80cm unterm Kinn. Ob „Glied oder Mumu“?

Ist ein nichtmännlicher Hund eine Rüdin ?

Yep. Und eine weiblicher Katze ist eine Katerin, während eine männliche Katze ein Katzerich ist.

Ein männliches Pferd ist ein Stuterich, und ein weibliches ebensolches eine Hengstin.