Je mehr Staat, desto weniger Recht

Bis es die Herrschaft des Rechts gibt, das unabhängig vom Staat die Freiheit der Bürger garantiert, ist noch ein weiter Weg.

Deutschland ist ein freies Land - und doch ist die Meinungsfreiheit zunehmend unter Druck

Wolfgang Herles ist ein waschechter Bundesrepublikaner. Ich nur ein Hineingeschmeckter. Gemeinsam ist uns, dass uns die Bonner Republik fehlt. Wir wissen, es gibt sie nie wieder. Aber schön wär’s schon. Wie es allerdings dort weiter gegangen wäre ohne die irreführend Wiedervereinigung genannte Einverleibung der DDR durch die BRD-Polit-Bürokratie, wissen wir beide nicht.

Die Auseinandersetzung zwischen den damaligen Erben der Achtundsechziger, der bundesdeutschen Linken, die sich hauptsächlich bei SPD und Grünen niederließ, aber auch in CDU und FDP, wäre zweifellos weitergegangen. Als die Mauer überraschend fiel, wurde dieser Prozess, der in der Tiefe noch mehr innerhalb der Bonner Parteien stattfand als zwischen ihnen, unterbrochen und gebrochen. Die Implosion der Sowjetunion und der ihr folgende Mauerfall traf die bundesdeutsche Linke kalt, kälter noch als die Kohl-Union und die Lambsdorff-FDP.

Die schwarzgelbe Regierung Kohl-Genscher wäre bei der regulären Bundestagswahl 1991 glatt abgewählt worden, die FDP aus dem Bundestag geflogen. Kohl und Genscher blieben nur im Amt, weil große Teile der Bürger der DDR sie im Vertrauen auf die Macht ihrer Ämter wählten, statt nach politischen Kriterien ihre Stimmen abzugeben (aus dem selben Grund landete übrigens Frau Merkel bei der CDU statt bei den Grünen).

Anmerkungen zur „Inneren Einheit“
Warum Chemnitz?
Den Instinkt gegen eine Vereinigung der Bundesrepublik, die damals nur Linke BRD nannten, mit der DDR, die alle so nannten, teilte damals zunächst die Mehrheit der politisch aktiven Bundesrepublikaner, sofern sie jünger waren als Brandt, Kohl und Genscher. Doch bald ließen sich auch viele von ihnen anstecken von der Euphorie der Alten. Die handelnden Personen in der DDR stolperten in den Beitritt, weil sie den Mut und die Geduld nicht hatten, einen eigenen Weg zu finden und zu gehen. Das DDR-Volk zog sie mit Macht zur in Wahrheit einzigen Identität der Bonner Republik magisch hin: zur Deutschen Mark. Dass diese von der Bonner Spitze der Berliner Republik bald preisgegeben werden sollte als politisch wahrer Preis der Einverleibung des Beitrittsgebietes, ahnte da noch kaum jemand.

Mit der bundesdeutschen Linken und ihren nicht wenigen Gleichgesinnten in den so genannten bürgerlichen Parteien kamen die Staatsgläubigen West mit den Staatsgläubigen Ost aus den DDR-Kadern zusammen, die schnell in die Westbürokratien hineinfanden: da musste nichts zusammenwachsen, das passte.

Wolfgang Herles schreibt, dass es in den neuen Bundesländern mehr Rechtsradikale gibt als im Westen. Ob der offizielle Antifaschismus der DDR eine Aufarbeitung der Naziverbrechen eher verhindert hat, lässt er dahingestellt. Ich denke, das ist nur die Oberfläche. Das darunter sehe ich in mehrerlei Hinsicht anders.

Eine wirkliche Aufarbeitung der NS-Zeit hat in der alten Bundesrepublik nicht stattgefunden, nach ein paar Prozessen gegen NS-Verbrecher ging die Bonner Republik zum Wirtschaftswunder der DM über – sub auspiciis Americanensis. In der DDR war keine nötig, da der Oststaat ja als Antithese zu Hitler etabliert wurde – sub auspiciis Sowjetensis. Die DDR als positives Gegenteil des NS-Staats war Staats- und Gesellschaftsdoktrin.

Kollektiv lenkbar
Die Deutschen: Einzeln klug, gemeinsam dumm
Parallel war es in beiden deutschen Staaten möglich, dass das Volk sein gewohntes Leben vor 1933 nach 1945 wieder aufnehmen konnte. Der Unterschied war: Im Osten genügte es politisch, nicht gegen die neue Ordnung zu sein. Im Westen wurde die Abkehr vom NS-System auf die Verurteilung des Holocaust konzentriert. Wer das gesetzliche Verbot der Holocaust-Leugnung akzeptierte, hatte damit seine Einstufung als Mitläufer, seine Entnazifizierung in der Tasche. Dass damit nur tabuisiert wurde, das NS-System aber keineswegs aufgearbeitet, fiel in der Eile des Marsches ins Wirtschaftswunder nur wenigen auf. Dass auch die Achtundsechziger Hitlers Ideologie nicht aufgearbeitet oder gar bewältigt haben, beweist schon deren Einordnung des NS-Systems als Faschismus: Faschismus wie der bei Mussolini und Franco ist für das, was Hitler im NS-Staat verbrach, eine Verharmlosung (Stoff für ein paar eigene Geschichten).

Mit dem gewohnten Leben des Volkes nach 1945 wie vor 1933 erinnere ich daran, dass der NS-Staat Einstellungen nutzte, die schon da waren. Herles schreibt über Biedenkopf in Sachsen: „Die Fortsetzung des sozialistischen Obrigkeitsstaats mit anderen, freundlicheren Mitteln. Der Staat regelt alles, das war die neue, alte Botschaft.“ Nun, Hitlers NS-Staat könnte hier anknüpfend heißen: „Die Fortsetzung des monarchischen Obrigkeitsstaats mit anderen, unfreundlicheren, ganz und gar rücksichtslosen und skrupellosen Mitteln. Der Staat diktiert ausnahmslos alles, das war die neue, alte Botschaft.“

Obrigkeitsgläubigkeit, Kadavergehorsam – setzen Sie ein, was Ihnen noch einfällt – waren schon da, als Hitler und die Seinen hochkommen konnten auf dem Hintergrund der wirtschaftlich und sozial katastrophalen Zustände in einem durch den Ersten Weltkrieg selbst und seine Folgen materiell und moralisch darnieder liegendem Land. Nach Hitlers 12 Jahren Diktatur fand sich das Volk noch weitaus schlimmer wieder als 1918. In der DDR sprach das System das Volk frei von Schuld, weil es sich ja mit der DDR von diesem Erbe ganz und gar abwandte. In der Bonner Republik wurde das Volk nach der quasi Freisprechung durch die Westmächte in den DM-Wohlstand entlassen.

Ehrlich machen
Bedingungslose Einwanderung: Ohne Legitimation an den Bürgern vorbei
Der Traum der politischen Bundesrepublikaner von der Auflösung des bis heute unbewältigten NS-Erbes in einem vereinigten Europa scheitert vor unseren Augen an der Frage der Masseneinwanderung, hinter der die Illusion von der gemeinsamen Währung als Motor der politischen Einigung so lange zurücktritt, bis der Verschiebebahnhof beider Großprobleme, die Wachstumsblase aus gedrucktem Geld ohne ausreichenden Gegenwert, mit einem lauten Knall platzt.

Mit der dann offen zu Tage liegenden deutschen Lage ist dann das ganze Land, das ganze Volk gefragt, sich eine andere politische Führung zu suchen als jene, die heute halt da ist. Denn diese, der Parteienstaat, kann es nicht. Und glaube bitte niemand, dass dafür andere Pareienkonstellationen die Antwort wären. Nein, nachdem nach 1945 auch im Westen keine stabile Demokratie entstand, in der Freiheit durch Recht nachhaltig verwirklicht wurde, steht diese Aufgabe neuen Generationen bevor.

Wie auch immer das Land mit dem Megathema Einwanderung zurecht kommen wird, danach wird ein Staat zurückbleiben, in dem die Freiheit der Bürger unter die Räder von viel zu viel Staat gekommen sein wird. Bis es die Herrschaft des Rechts gibt, das unabhängig vom Staat die Freiheit der Bürger garantiert, ist noch ein weiter Weg. Ich denke, er kann nur in neuen Strukturen gefunden werden, die auf den in der globalen Welt einzig stabilen beruhen, den lokal und kleinregional gewachsenen (auch das Stoff für viele Geschichten).

Unterstützung
oder

Kommentare ( 175 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Andere bringen wir ungekürzt.
Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

----

Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung
Werter Herr Goergen, als Zeitzeuge erinnere ich mich noch gut an die Bonner Republik und die damalige Presselandschaft. Man konnte noch den „Spiegel“ lesen und auch andere ( heute linkslastige ) Publikationen gehörten zu meinem (regelmäßigen) Lesestoff. Auch gab es im TV mindestens ein stolzes konservatives Magazin. Ich meine das „ZDF-Magazin“ ( 1969-1987), geleitet und moderiert von dem unvergessenen Gerhard Löwenthal. Gut erinnere ich mich noch, das Herr Löwnthal vehement gegen die damals aufkommende Abkürzung „BRD“ für die Bundesrepublik Deutschland wetterte und als eine Bezeichnung der DDR Politikermischpoke ansah, die hier keine amtliche Entsprechung besitze und auch nicht in den… Mehr
Die deutsche Natur weist einen Merkmal auf, der in ruhigen Zeiten die Entwicklung und den Wohlstand fördert (und von uns oft chaotischen Polen beneidet wird), in rauen Zeiten aber oft die Katastrophe herbeiführt. Es ist die Nachhaltigkeit, Gründlichkeit und die Art, Dinge nicht unerledigt lassen, die Neu-Möblierung zu vollenden, um erst dann zu erkennen, dass einige Schränke falsch stehen und den Ausgang versperren. Seien es Marx & Engels, sei es die braune Utopie der Nationalsozialisten, sei es jetzt der staatlich geförderte Regenbogen-Multikulturalismus, der zu vereinen versucht, was sich aufgrund gegensätzlicher Kulturauffassungen nie Vereinen lässt. Eine brandgefährliche Utopie mehr, leider wieder… Mehr
Ja, das ist eben auch leider typisch deutsch… der Glaube, man müsse unbedingt 1 Lösung für die ganze Welt finden. Darunter geht’s nicht. Es wird auch nicht darüber nachgedacht, was geschieht, wenn andere NICHT diese 1 Lösung haben möchten. Die Herrenmenschenmentalität sitzt im Grunde noch immer ganz tief in vielen von uns. Schauen Sie sich mal an, wie viele junge Leute sich nach dem Abi für eine Weile „sozial“ im Ausland, gern Entwicklungsländer, betätigen. Die Überlegenheit, die sie dann spüren, wenn sie die „niedlichen kleinen Kinder“ am Straßenrand zum Empfang stehen sehen… die Selbstverständlichkeit, mit der sie davon ausgehen, dass… Mehr
Man kann nur noch erschrecken, dass ganz normale Chemnitzer Bürger in der Tagesschau noch nicht einmal mehr interviewt werden. Das überlässt man alles Phoenix. Wenn die Politik und die MSM so weiter machen, haben wir in zehn Jahren Polizisten, die im Untergrund heimlich gegen verfassungsfeindliche Politiker kämpfen. Nur weil Versager bzw. Ideologen wie Bundespräsident Steinmeier offen Werbung für linke Bands auf Facebook machen, die der Verfassungsschutz beobachtet, damit er nicht in den Dialog mit den Leuten gehen muss. Da ragt ja selbst der blasse und merkeltreue sächsische Ministerpräsident Kretschmer durch Mut, Geduld und Resten von Eigenständigkeit noch positiv heraus, wenn… Mehr

Zwar nicht in der Tagesschau – aber neugierig bin ich , ob Hayali darüber ins Nachdenken kommt:
https://twitter.com/OnlineMagazin/status/1036213523678982144

Die Obrigkeitshörigkeit der Deutschen hat schon sehr viel Leid über die Menschheit gebracht, und es geht weiter: Unserer oberste Obrigkeit, der schnelle Steinmeier hat uns mal wieder gezeigt wo es lang geht: Mit einer recht grossen Ölkanne giesst er linkes Benzin auf den in Chemnitz schwelenden Territorialkonflikt. Mal sehen wo das hinführt.

Der kennt anscheinend die Texte der Songs der eingeladenen Bands nicht.
Wenn doch – au weia.

Journalisten sollten ihn zu seiner Empfehlung von „Feine Sahne Fischfilet“ über Facebook zur Rede stellen. Der Bürger hat ein Recht zu wissen, ob der höchste Repräsentant dieses Staates radikale Einstellungen toleriert.

Aus dem Artikel: „Im Westen wurde die Abkehr vom NS-System auf die Verurteilung des Holocaust konzentriert.“ Das klingt überzeugend: Die „Vergangenheitsbewältigung“ wurde auf die Holokaust-Schuld reduziert, das Fehlen der psychologischen Grundlagen von Demokratie und Rechtsstaat hielt an.

Die Wurzeln des NS-Regimes: falsch verstandene Romantik, Wandervögel, Lebensreformer, Ablehnung der Moderne, Naturvergötterung, Wahrheitsglaube, blieben unbearbeitet. Diese deutschen Grundströmungen kommen jetzt wieder. Zu viele Deutsche glauben, weil sie recht haben, brauchten sie das Recht anderer nicht zu achten.

Werter Marcel Seiler, können Sie den zweiten Absatz etwas ausführen ? Die Thematik interessiert mich brennend, da mir mein „Bauchgefühl“ seit langem irgendwie mitteilt, dass zwischen dem Nationalsozialismus und der grünen Ideologie irgendein Zusammenhang besteht, oder wenigstens beide gemeinsame Wurzeln haben. Woher kommt diese Naturvergötterung und die Ablehnung der Moderne ?

Naturvergötterung und Naturschutz, dazu fällt mir einiges ein. Blut- und Boden-Romantik, früher eher rechtsbürgerlich. Jetzt links verkleidet? Als ich mal am Westwall wanderte, hatte mich diese Umwidmung sehr zwiespältig berührt und ich fing an nachzugoogeln. https://mueef.rlp.de/en/themen/naturschutz/arten-und-biotopschutz/westwall/ http://gwiw.bund-rlp.de/historisches/stiftung_gruener_wall_im_westen_mahnmal_ehemaliger_westwall/ Schon die Nazis legten Wert auf die schöne Umgebungsgestaltung von KZs. Krass! http://www.taz.de/!5203719/ Die Künstlerhalbinsel Höri hatte ja den Naturschützer Finckh, der zum Namensgeber eines Naturschutzpreises und etlicher Wege schaffte, bevor seine braune Vergangenheit bekannt wurde. https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Finckh Lebensreformer, monte verita, echt krude Typen zum Teil. Waren die rechts oder links oder Anarchisten? Auch Pädophiles findet man da, wie ich mich erinnere. Auf jeden… Mehr

Lieber schaefw: Außerdem Gordon Craig, Über die Deutschen. Beim Autor Fritz Stern könnte man auch etwas finden, aber ich wüsste nicht in welchem Buch.

Die kommunistische Geschichtsschreibung hat die Nationalsozialisten immer als Extremform des Kapitalismus beschrieben. Das ist falsch. Diese kommunistische Geschichtsschreibung hat die kulturellen Wurzeln der Nazis in den romantischen, irrationalen Ideen des 19. Jh. (die z.T. auch Vorläufer der heutigen grünen Ideen sind) leider lange Zeit zurückgedrängt. Der Kommentar von Hummel gleich hier neben meinem ist auch sehr treffend.

Lieber schaefw: Mir fällt dazu sofort ein: Wolfgang Prabel, Der Bausatz des Dritten Reiches, als e-Buch (ePub), z.B. bei thalia.de. Nicht immer leicht zu lesen, aber mit den richtigen Gedanken.

@schaefw Nun, diese Ideen stehen nicht in der Tradition der Aufklärung. Es gilt nicht Logik und Empirie sondern der Glaube. Es sind quasi Religionen. Es wird ein Ziel angestrebt, das es zu erreichen gilt. Dieses Ziel ist absolut gesetzt und nicht verhandelbar. Aus Sollen wird auf Sein geschlossen. Zweifel, Hinterfragen, Versuch und Irrtum wird nicht als Lernprozess sondern als Chaos oder Unheil wahrgenommen. Dies erzeugt Unsicherheit. Man glaubt daher, im Besitz der absoluten Wahrheit zu sein. Schon die Furcht zu irren, könnte der Irrtum selbst sein (Hegel). Man beachte, dass die Deutschen auch stark zu Esoterik neigen. Es gibt wohl… Mehr

Dieser Kommentar gefällt mir außerordentlich. Vielen Dank, Hummel!

Die „Herrschaft des Rechts“ ist ein zweischneidiges Schwert. Es kommt darauf an, wer Recht setzt und wie. Zwischen den Varianten eines Erdogan, der per Gesetz jeden Kritiker als Terroristen einstuft, eines H. Maas, der per NetzDG die Meinungsfreiheit und damit auch die kritische Auseinandersetzung mit der Regierungspolitik einschränkt und dies dann von ehemaligen Stasi-Spitzeln vollstrecken lässt, und einer bisher weder definierten, noch umgesetzten freiheitlichen Rechtsordnung ist noch viel Luft. Die Schaffung einer Herrschaft des Rechts, die vom Volk als gerecht empfunden wird, hängt m.E. von einer gemeinsamen Identität und gemeinsamen Wertvorstellungen ab, die an den vorherrschenden Ideologien unserer Zeit scheitern… Mehr
Lieber Herr Goergen, seit langem rätsele ich, was Sie mit der von Ihnen immer wieder beschworenen Ablösung des Parteienstaates meinen. Das es so nicht weitergehen kann und soll, ist völlig richtig, aber was könnte die Alternative sein? Sie hüllen sich da regelmäßig in Schweigen, woraus normalerweise folgt, daß etwas nicht ausgesprochen werden soll. Sie stellen fest, daß die Nazi-Zeit in der alten BRD nicht aufgearbeitet worden ist. Daß dies, in der DDR doch allemal nicht erfolgte, findet keine Erwähnung, lediglich die DDR Sichtweise. Es fehlt zudem der Blick auf die deutsche Vergangenheitsbewältigung, insgesamt. Das man Geschichte überhaupt „bewältigen“ kann, glaube… Mehr

In jedem Artikel fehlt das nicht auch noch geschriebene eines dicken Buches. Europa der Regionen ist eine verbrauchte Formel. Einen Traum beschreiben, heißt nicht ihn mitzuträumen. Und der Aufforderung, auf Klischee-Fragen Klischee-Antworten zu geben, komme ich nicht nach. Es wird sich schon die Zeit finden, radikal dezentrale Ordnungsvorschläge zu formulieren.

Vermutlich meint Herr Georgen mit radikal nicht gewalttätig, brachial, sondern im Sinne des Wortes „an die Wurzel gehen“. Ich halte weder in Hinblick auf das Recht noch auf Regierungen oder die von ihnen Regierten Verdinglichung, Fokussierung/Einseitigkeit oder Absolutierung für wünschenswert. Im Sinne des großen Zusammenhanges von „Naturrecht und Würde“, bin ich sehr für die immer wieder Restituierung des Souveräns in einer verfassten und lebendigen Demokratie, also einer, die auch auf ihr jeweiliges Über-kommen/gehen achten muss. Nur deshalb wandte ich mich gegen Ihre Formulierung „Herrschaft des Rechts“, Herr Georgen. Ich mag das Schwert nicht überbetonen und ehre die Waagschale. Mein Vater… Mehr

Sehr geehrter Herr Goergen, auf ein „dickes Buch“ von Ihnen würde ich mich freuen, freue mich schon, dass es seit langer Zeit mal wieder einen etwas längeren und komplexeren Text von ihnen auf Tichy’s gab. Nicht dass ich Ihre Kurzkommentare nicht auch gerne lese, aber mehr wäre manchmal auch mehr.

Willy Wimmer: Deutschland im Umbruch https://www.youtube.com/watch?v=38-RTaWQD3g Vom Diskurs zum Konkurs – eine Republik wird abgewickelt. So beschreibt Willy Wimmer die desolate Lage in unserer Republik. Es kamen bei diesem Vortrag viele Themen zu Wort: die fortschreitende Abschaffung des Sozialstaates, das Versagen der Staatsmedien, die eigentlich eine Kontrollinstanz als vierte Macht im Staat zur Aufgabe hätten, die desaströse Flüchtlingspolitik und Politiker, die den Anschein erwecken, als würden sie sich zur Wahl stellen, um hinterher achselzuckend nach Schuldigen ihrer versagenden Politik zu suchen. Wir haben den Vortrag für Euch in Bautzen aufgezeichnet. Willy Wimmer war von 1985 bis 1992 Verteidigungspolitischer Sprecher der… Mehr

Eines der wichtigsten Bücher des Jahrzehnts von einem Insider der deutschen und internationalen Politik, der aus erster Hand berichtet. Aber suchen Sie mal im Mainstream nach einer Rezension. Das sagt alles über unsere heutigen Medien, die weitgehend als Verkünder von Verlautbarungen der Regierung erscheinen.

Vor wenigen Tagen die Phoenix Runde zu Chemnitz. Nachvollziehbar dort die Aussagen des ungarischen und des israelischen Journalisten. Der Moderator wirkt dagegen wie der Pressesprecher von Merkel:
https://www.phoenix.de/sendungen/gespraeche/phoenix-runde/ausschreitungen-in-chemnitz—wie-schaut-die-welt-auf-deutschland-a-418662.html

Herr Herles greift zu kurz. Die Obrigkeitsgläubigkeit ist im Westen Deutschlands nie überwunden worden. Hegels Staatsvergötzung ist hier weitaus lebendiger als Kants res publica. Auf Hegel geht zurück, dass das derzeitige imperium paternale entstehen konnte, welches Kant als „größten denkbaren Despotismus“ bezeichnete. Ich fürchte, dass der so profunde Begriff der „Freiheit“ des Bürgers in Deutschland nicht diskutiert wird, weil Freiheit mit Staatsgläubigkeit nicht zu vereinbaren ist. Kant, Wilhelm v. Humboldt (Ideen, die Grenzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen), J.S. Mill ( On Liberty) uvm. haben sich im Denken der Deutschen nicht gegen Hegel behaupten können.

Alles richtig was Sie schreiben. Ich denke aber auch, dasss noch andere Sujets der deutschen Philosophie, wie, die Moral (Kant) und der Idealismus (Hegel, und auf Hegels Weltgeist folgender Marx), für Deutschland ebenfalls sehr prägend waren und bis heute das Land plagen. Die deutsche Philosophie hatte im Gegensatz zu französischen, nicht den Menschen, so wie er IST im Fokus, sondern wie er sein sollte. Der idealistisch-moralischer Impetus nahm da seinen Anfang.

Ist es denn wirklich nur Hegel? Warum fiel Hegels Lehre gerade in Deutschland auf so fruchtbaren Boden? Er war doch auch nur eine einzelne Person. Er bekam zwar die Chance in Berlin zu lehren und hat sich nicht in Stuttgart eingeigelt wie Kant in Königsberg. Aber trotzdem: weshalb konnte sich Deutschland nicht wie die anderen westlichen Staaten im Sinne der Aufklärung entwickeln? Liegt die Ursache tiefer? Den Kommentar von „Sinn21Manifest“ eins weiter unten finde ich auch interessant. Ist es nicht auch die Neigung zur Schuldzuweisung? Die Furcht vor Verantwortung, vor Ungewissheit und Unvollständigkeit, die auch Hegel plagte? Ich denke auch… Mehr
„Ist es denn wirklich nur Hegel?“ Nein es ist nicht nur Hegel! Die Deutschen ruhen eben nicht im Meer einer sich kräuselnden Oberfläche der bewegten Welt, sondern sind es selbst, die die Energie für diese Wellenbewegung bereitstellen. Der Minderwertigkeitskomplex der Deutschen und seine in der Geschichte immer aufs Neue versuchte Kompensation, münden regelmäßig in fatalen Extremen, wie auch ganz aktuell sehr anschaulich zu beobachten ist. Die hysterische Disposition der Deutschen, als gelebter Kompensationsversuch des deutschen Minderwertigkeitskomplexes, brachte schon immer die beiden Seiten einer Medaille hervor: Einerseits die genialen schöngeistigen Leistungen, exzellente Erfolge in Wissenschaft und Technik und andererseits das regelmäßig… Mehr
Es stimmt, Herr Georgen. Die Menschen in Deutschland haben das NS-System in seiner Ursache und Wirkung nie aufgearbeitet. Zu viele Menschen in D hatten und haben zu ihrem eigenen Unglück immer noch die Schwächen, welche sie für Hitler resonanzfähig machten: 1. Minderwertigkeitsgedanken offenbar in der Verherrlichung des Wohlstands, der ein wohliges Stehenbleiben in der Erwartung meint. 2. Den Hang zur Schuldzuweisung, der sich damals vor allem gegen die Juden und heute vor allem gegen das eigene Volk wendet. Bei allen Unterschieden, bleibt die Entscheidung für Schuldzuweisung, wo Selbstverantwortung gefragt ist. DAS ist der Sündenfall. 3. Die Erziehung der meisten Deutschen… Mehr