WamS: Warum lesen sich so viel mehr Presse-Artikel langweiliger als früher?

Bilde ich es mir nur ein, oder werden die Artikel in deutschen Printmedien immer langweiliger, immer stereotyper, wie es die Nachrichtensendungen einschließlich der Kommentare im öffentlich-rechtlichen Fernsehen schon lange sind?

Das Titelthema: „Europa rüstet sich für den Wirbelsturm Donald“. Welcher Wirbelsturm? Gestern in Saudi-Arabien nach Redaktionsschluss in Deutschland ein Rüstungsdeal von 110 Milliarden Dollar. Gut für Donald.

Morgen in Israel. Den Hoffnungen von Anti-Trump-International, dass ihnen die Israelis helfen, Donald loszuwerden, weil er geheime israelische Informationen den Russen verraten haben soll, erteilt der dortige Geheimdienst-Spezialist Dan Schueftan im WamS-Interview einen Dämpfer. Gefragt, wie groß der Schaden sei, antwortet er kühl: „Er könnte größer sein. Der IS ist nicht Israels wichtigster Feind. Hätte Trump eine Quelle in Teheran enttarnt, wäre das für uns viel gefährlicher.“

Trump würde vielleicht nicht immer wohlüberlegt handeln, „Aber er schwächt die Feinde der USA und stärkt ihre Verbündeten – ganz im Gegensatz zu Obama. Ein starkes Amerika ist gut für Israel, ein schwaches schlecht.“

Nach Israel, beschreiben die WamS-Autoren, besucht Trump „den Papst in Rom und die Führungen von EU und Nato in Brüssel“ und nimmt dann in Sizilien am Treffen der Staatschefs der G-7-Länder teil. Was die WamS an Forderungen deutscher Politiker der zweiten und dritten Reihe nennt, lässt sich auf den simplen Nenner bringen: The Donald soll tun, was wir in Europa wollen und gefälligst nicht wieder höhere Militär-Ausgaben von uns verlangen. Heilige Einfalt. Die Trumpreise ist kein Wirbelsturm und die Reaktionen der hiesigen Politiker sind nicht einmal ein Lüftchen.

Nach der mehrseitigen Titelstory über die Tatsache, dass eine bestimmte Sorte Schweizer Käse Löcher hat, wenn er auf den Markt kommt, frage ich mich, ja und? Bilde ich es mir nur ein, oder werden die Artikel in deutschen Printmedien immer langweiliger, immer stereotyper, wie es die Nachrichtensendungen einschließlich der Kommentare im öffentlich-rechtlichen Fernsehen schon lange sind? Weil so viele Journalisten immer vorsichtiger werden?

Untergehen sollte nicht die Kurzmeldung über eine Umfrage des Hamburger Abendblatts, wonach am 7. und 8. Juli jeder dritte Hamburger (29,7 Prozent) die Stadt verlassen will, weil sie „gewalttätige Auseinandersetzungen und Krawalle“ am Rande des G-20-Gipfels befürchten. Können die Gipfler nicht auf einer unbewohnten Südseeinsel eine Art Gipfel-Brasilia bauen? Da sie sind sie dann sicher und die Bürger werden in ihren Städten nicht belästigt. Wird teuer, ist aber am Ende kostengünstiger. Wenn ich allein an die 20.000 Polizisten denke, die in Hamburg eingesetzt werden sollen.

Eine Geschichte über das „PROJEKT Schwarz-Gelb“ in NRW: Inhalt nicht erhellend. Ein Portrait von Alice Weidel „Zu VIEL des Guten“: Wenig mehr als Fragezeichen hinter ihre „lückenhafte berufliche Vita“. Ich weiß schon, was die AfD-Wahlwilligen sagen werden: Habt ihr so was auch schon über die Politiker in allen Parteien ohne berufliche Vergangenheit außerhalb der geschützten öffentlichen Werkstätte Steuerfinanziert geschrieben?

Hingegen eine sachkundige Geschichte von Klaus Geiger über Sebastian Kurz: „KURZER Prozess“ mit zutreffender Kurzfassung: „Auf dem Weg zur Macht schafft Sebastian Kurz in Österreich einfach eine Volkspartei ab. Im Herbst könnte er Bundskanzler sein – und ein neuer Verbündeter seiner einstigen Erzfeindin Angela Merkel.“

Lesenswert „Das DICKE Ende“: „Deutschlands Städte wollen durch Diesel-Fahrverbote den Smog verringern. Dabei produzieren Bauernhöfe dreimal so viel Feinstaub wie alle Autos im Land.“

Aber hätte ich wirklich was versäumt, wäre ich der WamS wegen nicht zum Kiosk gefahren? Ja, den alten Bekannten, den ich dabei nach vielen Jahren traf, hätte ich sonst verpasst. Allen einen guten Sonntag. Jetzt ist auch die Sonne da.

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Kommentare ( 33 )

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„Bilde ich es mir nur ein, oder werden die Artikel in deutschen Printmedien immer langweiliger, immer stereotyper, wie es die Nachrichtensendungen einschließlich der Kommentare im öffentlich-rechtlichen Fernsehen schon lange sind? Weil so viele Journalisten immer vorsichtiger werden?“ Mir geht es jedenfalls so. Wer sich an die knackige, meinungsstarke, aber dennoch faktengesättigte Schreibweise von Publikationen wie TE oder ACHGUT gewöhnt hat, findet die salzarme Kost der MSM immer fader. Außerdem ermüden die Täglich-grüßt-das-Trumpeltier-Artikel von dort mittlerweile ungemein. Ein Vorspann wie „Der amerikanische Präsident wollte die ,Russland-Sache‘ unter den Teppich kehren. Das ist ihm nicht gelungen. Im Gegenteil: Nun hat er einen… Mehr

„Können die Gipfler nicht auf einer unbewohnten Südseeinsel eine Art Gipfel-Brasilia bauen?“

Das nenn ich mal eine gute Idee. Oder vielleicht auch einen Flugzeugträger oder ein Kreuzfahrtschiff mieten (je nach politischer Weltlage).

Eine neue Titanic!
Das perfekte G20 Gipfelschiff. Gross, luxuriös, unsinkbar, sozusagen bescheiden und bürgernah.

Q: Warum lesen sich so viel mehr Presse-Artikel langweiliger als früher? A: Weil es heute das Internet gibt, und wir, bevor die Presse einen Artikel über die Erstürmung des Justizministeriums durch die IB geschrieben hat, bereits wissen, daß lediglich ein Paar Hansel mit Spruchbändern auf den Stufen desselbigen sassen. Damit wissen wir dann bereits, daß uns die Presse nicht so ganz ganz richtig informieren will und sind darob verschnupft. In diesem Fall sind wir verschnupft, weil wir (im Gegensatz zur Presse) wohl wissen, daß vor einem Ministeriumsgebäude Protestieren demokratische Übung ist (die bis gestern noch OK und akzeptiert ist/war) und… Mehr

Zu Ihrer Frage,lieber Herr Goergen, möchte ich antworten:
Da sich die MSM inzwischen als Sprachrohr der Politik verstehen und selbst über

wichtige Themen, wie beispielsweise, das NetzDG, entweder gar nicht, oder
beschwichtigend berichten, dann nehmen kritischdenkende Leser dieses
Vorgehen als stereotyp, wahr.
Aber leider gibt es für diese „Qualitätsmedien“ immer noch zu viele Konsumenten,
die diesen Einheitsbrei auch noch glauben.

Ich komme nur noch in den seltesten Fällen zum Lesen des Artikels, denn mich turnen schon die Headlines, deren durchschaubarer Stil mich unglaublich neugierig machen soll auf den Inhalt des Artikels, vollkommen ab. Da verharre ich eher bei den Kommentaren, was teilweise sehr unterhaltsam sein kann. Meine These: zu viele Anbieter kämpfen um eine abnehmende Menge Informationsnachfrager, was zu starkem Wettbewerbsdruck führt (deswegen auch die teils merkwürdig anmutenden „kreativen“ Überschriften), sinkende Auflagen und vermutlich zunehmend wirtschaftlicher Druck läßt nicht mehr so viel Spielraum für angemessene Bezahlungen kompetenter Journalisten, so daß die Qualität einzustellender Schreiberline an Grenzen stößt. Ergebnis: Einst qualitative… Mehr

Ich kann nur zustimmen. Fuer uns sind FAZ und TV seit vielen Monaten nur Vergangenheit. Genauer gesagt mit unserioesen und duemmlichen Gedanken braucht man sich nicht zu beschaeftigen. Es gibt TE, ganz gelegentlich gute Buecher, noch seltener gute Interviews!
Deutschland soll gut aufpassen nicht laecherlich und ein “ failed state“ zu werden. Sind liberal-konservative Politiker nur noch Clowns?

Ja, leider. Weil, sie in einer Traumwelt zu leben scheinen, die mit meiner wenig bis nichts zu tun hat.

Nächste Frage ?

„Dabei produzieren Bauernhöfe dreimal so viel Feinstaub wie alle Autos im Land.“

Na, dann werden die Grünen bestimmt demnächst Bauernhöfe verbieten …

Aber nur die ohne Öko Zertifikat, weil die nämlich viel weniger Feinstaub produzieren tun, Gell 😉

„Na, dann werden die Grünen bestimmt demnächst Bauernhöfe verbieten …“ ……und auf die Felder und Wiesen Windspargel pflanzen.

Das machen die doch sowieso …
So wie der Strom aus der Steckdose kommt, so kommt bei denen Obst und Gemüse aus dem Geschäft …

Spannend wird es ja immer dann, wenn Medien auf- statt zudecken. Wenn sie Fakten und Argumente prüfen und sie vorurteilslos und kontrovers diskutieren. Und wenn sie die Mächtigen kritisieren, möglichst schonungslos.

Also ist es kein Wunder, dass unsere Medien immer öder und leerer wirken. Sie scheinen sich darauf geeinigt zu haben, eine diffus gute Stimmung zu verbreiten, und wenn die Welt noch so sehr wackelt. Aber wie Sie, Herr Goergen, schon andeuten, gute Stimmung gibt es auch mit geringerem Aufwand (Sonne, ein Fläschchen Bier …). „Froh zu sein bedarf es wenig.“

Ebenfalls schönen Sonntag in die Runde, p. m.

Eine Anmerkung zu „Gipfel-Brasilia“: Warum nicht Hallig Hooge?
Allein die Vorstellung einer Sitzdemo der roten Spitzbuben im Wattenmeer läßt den geneigten Leser in Sonntagsstimmung kommen.

Trump hat mit Lawrov darüber gesprochen, daß es Erkenntnisse gebe, wonach Terrorangriffe des IS mithilfe von Laptops durchgeführt werden sollen. Ein erschütternder Geheimnisverrat. Tagelange Schnappatmung. Lawrov wird womöglich ganz weiß geworden sein, ob der bestürzenden Nachricht. Wer so etwas sagt, ist als Präsi natürlich untragbar. In Deutschland wäre das nicht passiert. Hier weiß die Regierung, was die Menschen verunsichern könnte.

Insgesamt ist die deutsche MSM Landschaft ein ungenießbares Gebräu geworden. Auf dem Weg, den U.S. Medien zu folgen und die Funktion einer linksradikalen politischen Partei auszuüben, den Willen der, in den USA entmachteten, Machthaber und ihrer Straßenschläger zu verkünden.