Blackbox KW 35 – Der Kandidat, der gradlinig seine Furchen zieht

Heute TV-Duell, später die Wahl – wohin dann mit dem Verlierer? Gabriel und Schröder lassen Schulz im Regen stehen, und Franz, der Papst, überrascht mit einer Psycho-Beichte.

Jede Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft (vulgo „Müllmann“) weiß um die umweltfreundlichste Entsorgungsmethode: das Recycling. Das, so lernt er in der Ausbildungsphase, schenkt Weggeworfenem „ein zweites Leben“. Wer erinnert sich nicht an manchen Kaffeekocher, der auf Plakaten freudig kundtat: „Ich war eine Dose!“

Oder an Politiker wie Bangemann, Oettinger oder Schulz, denen in Brüssel ein zweites Leben geschenkt wurde. Es ist dem „SPD-Kanalarbeiter“ Johannes Kahrs zu verdanken, dass man sich auch über eine zweckmäßige Folge-Verwendung von Angela Merkel Gedanken macht. So wollte Kahrs „Merkel entsorgen“. Wobei er offen ließ, wohin. AfD-Chef Alexander Gauland war bei seiner Empfehlung für SPD-Vize Aydan Özoguz konkreter. Für deren Folgeverwendung hatte er Anatolien vorgeschlagen.

Nun kann kaum ein Zweifel daran bestehen, dass eine Integrationsbeauftragte, die „eine deutsche Kultur, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar“ findet, dringend einer anderen Tätigkeit zugeführt werden muss. Einfach gesagt: Die muss da weg. Aber ist „entsorgen“ die passende Formulierung? Sprachforscher konnten belegen, dass der Begriff, auch wenn von Gauland verwendet, nicht „Nazi“ ist.

♦ Wo Streit ist, ist auch der Jurist nicht fern. Ausgerechnet Justitias schwerstes Geschütz, der durch Zeit-Kolumne und Talkshow-Auftritt auffällig gewordene Thomas G.O. Fischer, fühlt sich berufen, dieses schwierige Sprachproblem zu lösen. Und verklagt Gauland wegen „Volksverhetzung“ (auch so ein deutsches Wort, das wir Juristen verdanken).

♦ Wer sich jetzt sorgt, die Justiz habe doch eigentlich Wichtigeres zu tun – nein, nein! Gerade erst wurden alle 1.000 Strafanzeigen gegen Merkel „wegen Hochverrats“ als haltlos abgeschmettert. Man hat also Zeit.

♦ Kurz vor der Wahl bemühen sich die Medien eifrig, Orientierungshilfe zu geben. Bei SAT.1 erklärte eine Krankenschwester offen und ohne Scheu, sie würde Die Linke wählen. Genauso offen und ohne Scheu erklärte SAT.1 später, dass man nicht gewusst habe, dass die Krankenschwester Mitglied der Links-Partei ist.

♦ Der letzte Sozi, der Wahlkampf kann, ist wohl Gerd Schröder. Der hellte die Stimmung seiner Genossen bei einer Veranstaltung in Rotenburg an der Wümme mit folgenden Themen auf: Putin, Trump, Gazprom und die große, weite Welt. „Nur um eines geht es nicht richtig“, wunderte sich Bild, „um Martin Schulz, den Genossen, der Kanzler werden will“. Sigmar Gabriel fand anderswo wenigstens diesen Satz der Anerkennung für den Kandidaten: „Ich bewundere ihn dafür, mit welcher Gradlinigkeit er seine Furche zieht.“ Das lässt automatisch an die Komparation von Franz Josef selig denken: Feind, Todfeind, Parteifreund.

Fachkräfte-Mangel bei der CSU? Der amtsmüde Horst von Bayern will seinen Ziehsohn Guttenberg ums Verrecken als Nachfolger installieren. Aber da hilft ein falscher Doktor auch nicht weiter.

♦ Und was macht Angela Merkel so? Die ließ wissen, sie „würde gerne einmal eine Talkshow moderieren“. Ihr Wunsch war den TV-Anstalten natürlich sofort Befehl! Deshalb darf sie das auch gleich heute Abend machen. Titel der Sendung: Wahl-Duell.

♦ Wir unterbrechen an dieser Stelle für einen wichtigen Fahndungsaufruf des Dresdner Staatsschutzes. Gesucht wird die sogenannte „Bananen-Bande“. Die Mitglieder sind bewaffnet. Mit einer Deutschlandfahne, auf der eine Banane prangt.

♦ Nun zur Wirtschaft. Weil es immer schwieriger wird, das tägliche Auf und Ab an Börsen zu verstehen, helfen Wirtschaftsjournalisten mit gewagten Interpretationen. So meldete ein solcher bei Focus: „Nordkorea versetzt Börsianer in Panik, Aktie von ProSiebenSat.1 Media stürzt ins Bodenlose.“ Da wäre man alleine nie drauf gekommen, dass Kims Rakete ausgerechnet bei unserem Qualitätsfernsehen einschlägt!

♦ Melania Trumps reiste auf „High-Heels ins texanische Katastrophengebiet“. Aber die Trumps sind im Unterschied zu unseren Zelebritäten blitzschnell lernfähig, wie der Wechsel zu schicken Turnschuhen zeigt.

♦ Papst Franziskus verunsichert selbst Katholiken mit seinen Äußerungen. Nun verwirrt er mit dem Geständnis, „im Alter von 42 Jahren sechs Monate lang regelmäßig eine Psychoanalytikerin konsultiert“ zu haben, „um einige Dinge zu klären“. War das bekannt vor seiner Unfehlbarkeitserklärung?

♦ Ein Forschungsinstitut bekommt umso mehr Forschungsgelder, desto parteigefälliger es forscht. Wer behauptet, unterschiedliche Bezahlung etwa von Mann und Frau beweisen zu können, darf auf die Unterstützung durch Gerechtigkeitspartei und Gewerkschaften hoffen. Das weiß natürlich auch der „Claquer der SPD“ (FAZ) und Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Marcel Fratzscher. Sein neuester Klopper: Schwule verdienen weniger Geld als Heteros. Wie hat er das herausgefunden? Hat er schwule Friseure mit heterosexuellen Vorstandsvorsitzenden verglichen? Oder hat Wikipedia recht, wo behauptet wird, Fratzscher würde „technisch krude und vorschnelle Studien veröffentlichen, die genaueren Untersuchungen nicht standhalten“?

♦ Noch nicht in Ihrer Qualitätspresse: „Erdogan hat die Schleusen geöffnet“, so eine Zeitung aus Wien. Bei uns wird über das Thema wohl erst nach der Wahl berichtet …

♦ „Obacht! Bitte verwechseln Sie nicht das „TV-Duell“ mit „Zwei sind nicht zu bremsen“! Und nein, Ihr TV-Gerät ist nicht defekt, nur weil Sie bei ARD, ZDF, RTL und SAT.1 dasselbe Bild haben!

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Kommentare ( 162 )

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https://youtu.be/bKZuVebJJ3o
Einen wunderschönen Sonntag wünsche ich allen TE Lesern.
Dieses Video vollbringt wahre Wunder bei mir, habe mir es gestern noch mal
angeschaut und schon hatte ich gute Laune, vielleicht hilft es auch bei Ihnen.
Gruß
Werter Herr Paetow,
Wie immer exzellent am Sonntag !!

Vielen Dank für diesen Link, Einfach nur genial!!!!
Dieses Video retter mit nicht nur den Tag sondern den Monat, ich dachte schon ich bin verrückt und der einzige, der die Merkelatur erkennt.

Immer wieder toll! Danke für die erhellende Frühstücksunterhaltung.

Es ist erschreckend gleich vier Fernsehsender lassen sich von Merkels – Schergen erpressen. Eine weitere Bestätigung wir haben nur noch Hofberichterstatter. Mit den Medien geht es steil bergab. Wie gut, dass es Tichys Einblick gibt ein aufgehender Stern am „Medienhimmel“ Weiter so. Noch eine Empfehlung für heute Abend ihre Fernbedienung hat einen Ausschaltknopf nur so merken sie wir lassen uns nicht für dumm verkaufen!

Ich empfehle zeitgleich auf Sky Cinema „Arabeske“ mit Sophia Loren und Gregory Peck. Das erinnert mich an die gute alte Zeit, schwelge in Nostalgie und mache für zwei Stunden Urlaub vom Wahnsinn da Draußen.

Lt. Focus fuhr Maischberger schon mal mit dem Merkel- Bazer ins Studio , um zu testen, ob die Farbe auch mit dem Studio harmoniert. Aber von Fragen, die den Bürgern auf den Nägeln brennen, erfährt man nichts. Derweil plant man in Berlin-Neuköln schon mal Grabflächen für Muslime mit Ausrichtung nach Mekka und Annette Schavan ist mit dem Pabst bei focus zu sehen, die von einem religionsfreundlichen Staat faselt. Vor 2015 war Religion in De kein Thema, aber seit hier Millionen von Muslimen ins Land geholt werden, redet man nur noch über Religion und Islam und lobt diese angeblich friedliche Religion… Mehr

Der Seehofer wird in Bayern nichts mehr zu vererben haben…bis zur Landtagswahl 2018 hat er die CSU so runter-gemerkelt, dass nur noch ein kleiner Haufen zum Vererben übrig geblieben ist. Die CSU geht mit Merkel unter….und das liegt an der FEIGHEIT eines Seehofer! Die AfD wird diese Seehofer-CSU mit Haut und Haaren verschlingen. Und das war es dann mit der CSU Tradition in Bayern.

Der Seehofer ist für mich der Umfaller des Jahres. Besser zu Kreuze kriechen und buckeln bei Merkel geht wohl nicht mehr.

Verschlingen geht ja noch. Aber dieses Erbe ☣️ würde ich ausschlagen, man erbt schliesslich auch die Schulden…

Siggi: „Ich bewundere ihn dafür, mit welcher Gradlinigkeit er seine Furche zieht.“ Das lässt automatisch an die Komparation von Franz Josef selig denken: Feind, Todfeind, Parteifreund.

Papa mit dem Geständnis, „im Alter von 42 Jahren sechs Monate lang regelmäßig eine Psychoanalytikerin konsultiert“ zu haben, „um einige Dinge zu klären“. War das bekannt vor seiner Unfehlbarkeitserklärung?
Hat Papa diese Dame AM empfohlen, oder gibt er wann immer sie ihn besucht, seine Erfahrungen weiter?
DANNNKKKE Stephan Paetow für diese Infos.

Lieber Herr Paetow,
danke für die Satire am Morgen über den Wahnsinn im Land.
Die Verlierer des heutigen, sogenannten Duells, und im Pseudowahlkampf, werden die Autochtonen sein, die auf die dreiste Propaganda hereinfallen, und sich dann im günstigsten Fall, nur die Augen reiben.

Was wäre ein Sonntag ohne Paetow. Diesmal hat er sich selbst übertroffen.

Kann mir jemand den Sinn erklären, warum auf vier Sendern dasselbe zur gleichen Zeit gezeigt wird ? Ist die Angst vor dem Wähler so groß, dass die von Merkel erpresste Show, die alternativlose Politik gleich vierfach dem Bürger um die Ohren gehauen werden muß ? Es wäre ein Duell und auch demokratisch, wenn da alle Parteien , auch die AfD mit dabei wäre. Merkel gegen Gauland, das wäre ein Duell ! Aber so ist es ganz offensichtlich, dass man alles tut, um diese Politik fortzusetzen, ob der Wähler das nun will oder nicht, die Wahl scheint schon festzustehen, wie in… Mehr

Es sind sogar 5 Sender! Phönix ist auch dabei.
Die Großkopferten der Sender haben wohl das Konzept aus den USA abgekupfert. Wieder eine Verblödung für`s Volk, denn in DE geht „Demokratie“ mit völlig anderen Mechanismen, eben mit einer Vielfalt von Parteien, die hier ausgeblendet und ausgeschlossen sind.

Man will eben möglichst viele Leute erreichen. Massenpropaganda muß Massen erreichen, koste es was es wolle. Und da kennt man sich bekanntlich aus.

Gelernt ist gelernt.

Ja, Jeder der Sonntag abend arglos den LCD-TV einschaltet, um noch etwas zu entspannen bevor er Montag wieder in die Tretmühle einsteigt, soll gezwungen werden, sich diesen Sermon anzutun.
Ich werde versuchen, meine Angetraute mit der Aussicht eines Besuches ihres Lieblings-Bistros heute Abend vorm Fernseher wegzulocken. (es sollte gelingen).

Die Selbstentleibung des Martin Schulz heute Abend lasse ich mir nicht entgehen. Es würde mich gar nicht mal wundern, wenn die Schulz-Hülle gegen Ende des Duells mit einem leise furzenden Geräusch zusammenschrumpelt wie ein alter Luftballon.