Salvini in Maranello: Bleibt nur der Ferrari rot?

Es scheint tatsächlich ein Kopf-an-Kopf-Rennen in der Emilia-Romagna zu werden.

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Es scheint tatsächlich ein Kopf-an-Kopf-Rennen in der Emilia-Romagna zu werden. Die Demoskopen und Politologen sehen momentan, speziell in der roten Hochburg im Norden, ein Patt oder eine knappe Nasenlänge Vorsprung für die PD voraus. Andere wiederum weisen auf die rund 400.000 unentschlossenen Wähler hin – und hier könnte die von Salvini und der Lega ins Rennen geschickte, smarte Lucia Borgonzoni noch punkten.

Matteo Salvini ist Parteiführer, aber er nimmt sich vor Ort zurück, lässt erst die Spitzenkandidatin auf ihre Landsleute einwirken, bevor er, sehnlichst vom Publikum erwartet, ans Mikro tritt, den Team-Leader gibt, um Lucia Borgonzoni den Rücken zu stärken.

Diesmal also in Maranello, unweit von Modena, der Ferrari-Produktions- und Pilgerstätte. Die Piazza Libertà – der Platz der Freiheit, ist überfüllt. Ja, und nicht nur Maranello, sondern die Emilia-Romagna gilt es zu befreien, vom rotsozialistischen Mief der vergangenen Jahrzehnte. Dort, wo Automobilfans gern das Ferrari-Museum besuchen, dem Sound der Sportwägen lauschen, ja, wo stets Benzingeruch, Ferraristi meinen eher, Duft, in der Luft hängt, stieg Matteo Salvini nochmals richtig ins Gaspedal. Aber stets moderat, der Wahlmotor wurde nicht überdreht, und Salvini machte mit Lucia Borgonzoni klar, man wolle die Roten der PD, hinter sich lassen.

Noch heißt es, sei die PD aus der Tradition heraus in den größeren Städten wie Bologna, Modena oder Reggio Emilia und Ravenna stark, doch andererseits bröckele die Sozialisten-Hegemonie bereits in den Provinzen, wo sehr viele Handwerker und Landwirte mit traditionellen Betrieben und deren Familien leben – und diese Leute können wahrlich Multiplikatoren werden.

Matteo Salvini gibt in Maranello einmal mehr den Tribun, den man kennt. Authentisch, gespielt kann seine Performance kaum sein, aber leider auch mit einem kleinen Hauch hin zum Kitsch oder zur identitätsstiftenden Verkleidung: In fast jeder Stadt beim Wahlkampf zog er sich eine Jacke mit dem aufgeflockten Namen der jeweiligen Stadt über. Genauso seine Mitstreiter. In Maranello reicht ein knallrotes Ferrarikäppi. Vorne drauf das aufgaloppierende Pferd. Salvini könnte auch den Chefmechaniker beim Boxenstopp mimen. Keine Sorge, habe alles im Griff.

Die Gegner drehen durch
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Wenn ihr alle uns helft, so Salvini zum Publikum, das immer wieder Matteo und Lucia skandiert, werde man die Region von denen befreien, die dafür gesorgt hätten, dass die Region mit lauter fleißigen Menschen stagniere. Statt für die Bürger da zu sein, hätten sich die Roten zu Freunden der Reichen und der Banken gemacht. Ja, Enzo Ferrari, der Gründer, sei einmal gefragt worden, was ihm, oder welches Automodell ihm am meisten Freude bereitet hätte, erzählt Salvini. Das Publikum lauscht gebannt, und Salvini kommt zum Fazit: „Enzo Ferrari entgegnete, am meisten Freude und Neugier bereite ihn das nächste Ziel, der nächste Erfolg …“, es branden Applaus und „Bravorufe“ auf. In Maranello und der Emilia-Romagna speziell, sollten nur der Ferrari und der Lambrusco rot bleiben.

Spitzenkandidatin Borgonzoni und Salvini stimmen die Bürger auf der Piazza ein, lasst uns gemeinsam das Beste für die „Emiliani und Romagnoli“ herausholen. Und noch etwas, fügt der Legachef hinzu, alle von der PD, die Lucia Borgonzoni angreifen würden, sie sei ja eine Frau und könne es nicht besser, haben „im Grunde genommen Angst“, dass es Lucia tatsächlich besser machen kann. Die Lega verstecke ihre Frauen nicht.

Kurios ist vielleicht und irgendwie auch typisch für Italien, wie beide Parteien und Kontrahenten Film-Legenden bemühen. Gerade in der Emilia-Romagna, müssen nun auch die filmischen Schwarzweiß-Helden, Don Camillo und Peppone, herhalten. Den Anfang machte PD-Chef Zingaretti,„Eines sei doch klar, beide würden niemals die Lega wählen …“. Also weder der kommunistische Bürgermeister, noch der Priester Don Camillo.

Matteo Salvini meinte nur: „Ganz sicher aber ist, dass Peppone und Don Camillo sofort die Straßenseite wechseln würden“, wenn ihnen Genossen wie Zingaretti und Renzi entgegenkommen würden, letzterer ja mit seiner eigenen erfolglosen Bewegung.

Nein, für ihn Salvini sei es wichtig, dass sich hier auf der Piazza Libertà von Maranello fleißige und ehrliche Leute, viele Landwirte, Arbeiter, verantwortungsvolle Lehrer, und auch Studenten, befänden. Allein auf die zähle er – die linke „Radical Chic“ könnten gern unter sich bleiben.

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Kommentare ( 18 )

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18 Kommentare auf "Salvini in Maranello: Bleibt nur der Ferrari rot?"

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Salvini hat doch mit dem Green Deal der EU Deutschen UvdL eine Steilvorlage für den Wahlkampf in der Motoren Hochburg Italiens bekommen…er muss diese nur noch verwandeln.

Und die EU-Außenminister haben Herrn Salvini heute die nächste Steilvorlage auf dem Silbertablet serviert. Es ging in Bezug auf die gestrige Libyenkonferenz zuvorderst um die die Seenotrettung. Herr Salvini wäre jetzt ja weg und somit könne man „Sophia “ wieder ins Rennen schicken. Das meint jedenfalls Herr Asselborn.

Würde der Sozialismus des Herr Asselborn dem Imperativ entspringen, wäre er glaubwürdiger, aber der ist lediglich der Hebel zur Macht und unterscheidet sich keineswegs von anderen Weltanschauungen, er trägt lediglich nach außen hin ein weicheres Gesicht, was aber nicht hinwegtäuschen sollte, bei dieser doch recht fragwürdigen roten Sozialstation und ihren Vertretern, die leider auch schon zu oft bewiesen hat, daß sie mit doppelter Zunge sprechen und ihre Mandantschaft schon oft genug verraten haben.

@ChristianeB Und genau aus diesen Worten von Hr. Asselborn spricht schon wieder dieses Autoritäre…das sich über andere erheben/bestimmen zu können…diesmal über das Italienische Volk. Europa hat aus seiner Geschichte des „Totalitären“ NIE ETWAS GELERNT! Kein Wunder das die Briten nie ein Teil dieses „Totalitären Europa“ sein wollten…die Briten halten ihre freie Marktgesellschaft/Wirtschaft hoch…und damit ihre Freiheit. Der Deutsche hat es da eher mit dem Kollektiven…mit dem Sozialismus…mit dem Totalitären…nach dem Nationalen Sozialismus und dem DDR Sozialismus kommt jetzt der DRITTE Sozialismus in Grüner Gestalt über Europa und wird von Deutschland und Frankreich aus in der EU verfestigt…bzw. haben Deutschland und… Mehr

Hiesiger Staatsfunk erwähnte nur „zigtausende Sardinen“ – schön, daß hier auch andere Eindrücke zu vernehmen sind.