Ruhrbarone: Miesester „Humor“ auf Kosten Dresdner Bombenopfer

Der Blog „Ruhrbarone“ will auf facebook über Fake-News und Hate-Speech urteilen und äußert sich auf seinem Twitter-Account auf widerlichste Weise über die Opfer der Dresdner Bombennacht.

© Fred Ramage/Keystone/Getty Images

Bei den Bombardierungen Dresdens kamen tausende Dresdner und Flüchtlinge aus dem deutschen Osten, in der Mehrzahl Frauen, Kinder und Alte, auf grausamste Weise ums Leben. Verbrannt, zerbombt, in der Hitze pulverisiert. David Schravens Blog „Die Ruhrbarone“ twitterte nun zum Jahrestag der Bombardierung Dresdens ein Diagramm mit Tageshöchsttemperaturen im Februar 1945. Die dreitägigen Luftangriffe sind dort mit 900 Grad markiert. Offensichtlich fand die Redaktion komisch, witzig und provokativ, was einfach nur zum Kotzen ist.

Laut Wikipedia sind die „Ruhrbarone“ so etwas, wie eine Abraumhalde für Texte, die eigentlich anderswo Beschäftigte an ihrem eigentlichen Standort nicht unterbekommen: „Die Redaktion besteht überwiegend aus Journalisten, die hauptberuflich für andere Medien arbeiten.“ Gut, so ein Feierabendjournalismus könnte spannend sein – bis hin zu einem Ort für umstrittene, für wirklich polarisierende Texte.

Meilenweit über die Grenzen solche Polarisierungen hinaus reicht nun allerdings, was sich genannte „Ruhrbarone“ auf ihrem Twitter-Account mit der Veröffentlichung ihres Diagramms erlaubt haben, das sich auf widerlichste Weise über die Opfer der Dresdner Bombennacht lustig macht – in einem unerträglichen Verständnis von „Humor”.

Das dort gezeigte Diagramm heißt „Tageshöchsttemperaturen in Dresden im Februar 1945“. Die x-Achse reicht vom 01.02.1945 bis zum 28.02.1945 und auf der y-Achse finden sich ansteigende Temperaturen von 0-1.000 Grad. Sie ahnen was kommt: die Luftangriffe auf Dresden vom 13. bis 15. Februar wurden mit drei roten Säulen kenntlich gemacht, die bis 900 Grad reichen. Kommentiert von den Ruhrbaronen wurde das Diagramm folgendermaßen: „Eine interessante Statistik“.

Mitbegründer und Autor der Ruhrbarone ist David Schraven, Gesellschafter und Geschäftsführer des „Recherchebüros correctiv“, wir hatten berichtet. Ausgerechnet dieses Büro hat sich Anfang 2017 erfolgreich bei Facebook angedient, um dort Fake-News und Hate Speech zu melden bzw. zu „korrigieren“. Hate Speecher melden also Hate Speech.

Im Verlauf des unsäglichen Hate-Speech-Tweets findet sich eine Diskussion, an der sich die Ruhrbarone munter beteiligen. Auf die Frage, wo denn die Grafik für Nagasaki und Hiroshima sei, antworten die Autoren: „Ja, aber sie schlägt zu hoch nach oben aus. Und Du kennst ja die Regel: Online kein Hochformat!“ Das soll offenbar tatsächlich witzig sein. Ebenso witzig, wie die Ermahnung an einen ebenfalls dort twitternden: „Ach, heul doch einfach ein wenig und geh uns nicht auf den Sack.“ Ein weiterer Beteiligter wird von den Ruhrbaronen ermuntert, doch bitte eine Anzeige wegen Volksverhetzung zu machen: „Zeig uns an – dann wissen wir es bald :-D“

Dann besinnt man sich wohl und versucht es etwas intelligenter mit einem Adorno-Zitat, quasi als Rechtfertigung für das Diagramm: „Die Forderung, dass Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung. Sie geht so sehr jeglicher anderen voran, dass ich weder glaube, sie begründen zu müssen noch zu sollen.“

Die Ruhrbarone verlegen also die Begründung für ihre Verunglimpfung des Andenkens Getöteter direkt nach Auschwitz. Was soll das sein? Zynismus oder nur fürchterlich dumm? Dazu passt dann ein weiterer Tweet, den man wenige Stunden später veröffentlichte, wohl um das krititisierte Diagramm noch zu relativieren, weil man aus Eitelkeit offensichtlich nicht zum Löschen bereit war.

Dort wird dann ein Überlebender des Ghettos Theresienstadt zitiert: „Wir weinten vor Freude, als wir den roten Schein am Himmel sahen. Dresden brennt, die Alliierten sind nicht mehr weit.“ 2017 twitterte dieses Zitat schon einmal die Linke Abgeordnete Katharina König und nannte es „Das wichtigste zu #Dresden und dem 13. Februar.“

Das Zitat aus dem Ghetto ist nicht belegt, wie der Historiker Professor Moritz Hoffmann von der Universität Heidelberg herausfand. Er verwies auf ein ähnlich meinendes aber verbürgtes Zitat der Eva Benda, einer Deutsch-Tschechin jüdischen Glaubens, die über den Abend des 13. Februar 1945 aus einem Zwangsarbeitslager schrieb: „From our windows we watched Dresden burning only a short distance away. For us it was an exhilarating sight. The whole horizon was aflame, and our dormitory was lit as if by daylight, except the light was red. We knew that the Allies had bombed Dresden. We stood at the windows all night, delighting in the spectacle. To us it was proof that the end of the war and liberation could not be far off.“

Für Benda war das brennende Dresden also Hoffnungsschimmer, dass das Ende des Krieges und ihre Befreiung nicht weit weg sein konnte. Nun wurde Dresden schon viel früher bombardiert; die Hoffnung war auch insofern trügerisch, da es noch Monate dauerte, bis die Befreiung tatsächlich kam. Professor Hoffmann kommt hier zu folgender Bewertung des Zitates (und des Kontextes, in dem es auch von den Ruhrbaronen verwendet wird): „Sie (die Quelle) ist weniger ein Zeugnis eines irgendwie gearteten ‚Sinns’ der Bombardierung Dresdens als Einblick in das erinnerte Gefühlsleben einer misshandelten Seele, der über Jahre nahezu unvorstellbare Grausamkeit zugefügt wurde.“

Und was die Ruhrbarone angeht, stellt sich nun die Frage, wie verdreht, wie falsch man im Denken eigentlich gepolt sein muss, sich nicht nur über die Opfer der verheerenden Bombardierungen Dresdens lustig zu machen, sondern zum Zwecke der Belustigung dann auch noch die Verfolgten und Ermordeten des Naziregimes zu missbrauchen. Einfach widerlich – und ausgerechnet solche Leute wollen belehren, was auf facebook Fake-News und Hate-Speech ist. Größenwahn trifft Umnachtung.

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Kommentare ( 135 )

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135 Kommentare auf "Ruhrbarone: Miesester „Humor“ auf Kosten Dresdner Bombenopfer"

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Interessant in beiden Zusammenhängen:
„Dresden“ und „Wikipedia“
In WP findet sich nämlich ein Artikel, den
„man“ offenbar noch nicht „frisierte“:

Unter „Moral Bombing“ bzw. „Area Bombing
Directive“ wird das Bombadieren der Zivil-
bevölkerung (noch) eindeutig als Völkermord
bezeichnet. Dort wird auch RAF-Stabschef
Luftmarschall Charles Portal vom 15. 2. 1942
zitiert:

„Ich nehme an, dass klar ist, dass die Ziele
bebaute Gebiete und nicht z. B. Schiffswerften
oder Flugzeugwerke lt. Anhang A sein werden.
Dies muss jedem klargemacht werden, falls es
noch nicht so verstanden worden ist.“
Die Umsetzung begann mit dem Nachtangriff
auf Essen am 8. und 9. März 1942 sowie
weiteren Luftangriffen auf das Ruhrgebiet.

Mal gut, daß die „Ruhrbarone“ da gerade
außer Haus waren.

Bei linker Logik angelangt müssen wir schlussfolgern, dass die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki zweifellos dafür gedacht waren, die in den USA in Internierungslagern einquartierten japanischen Zivilisten zu befreien, die im fortlaufenden Kriegszustand nicht hätten freikommen können
Die Ruhrbarone müssen nun jetzt nur noch eine Delegation nach Japan entsenden, um den Zeitzeugen (Japaner leben lange) ihren „Tag der Befreiung“ zu verkaufen.

Bei aller verständlichen Erregung über diese Geschmacklosigkeit sollte man nicht vergessen, dass Dresden (genau wie Hamburg, Hiroshima und Nagasaki) nicht geschehen wäre ohne die Ereignisse der vorhergehenden fünfeinhalb Jahre. Insofern wären die Opfer in erster Linie Hitler und seinen Getreuen anzulasten.

…dieser Krieg hatte viel Väter.
(frei nach Schultze-Rhonhof)
…sollten Sie mal lesen

Diese Kausalkette ist juristisch wie moralisch nicht haltbar.
Sonst könnte man eine Kette bis zurück zu Naploeon und noch weiter konstruieren.

Wollte ähnlich argumentieren :
Hätte es den Versailler Vertrag nicht gegeben, hätte es Hitler nicht gegeben.
Somit sind die Franzosen schuld.
Oh mann…

Guten Tag Berny, vielen Dank für die fundiertere Kette! Ich war da etwas schlampig. 🙂

Aber das Interessante daran ist, das Kausalzuammenhänge nicht grundsätzlich verneint werden. Man ist lediglich auf dem – in diesem Fall – linken Auge blind.

Jemand hat einmal gesagt, die neuen Faschisten nennen sich nicht Faschisten, sondern Antifaschisten, wenn sie kommen. Ich glaube, die sind schon da.

Aber ich habe verstärkt Hoffnung, dass wir Sie fortjagen können.

Ihr Ernst? Wer sich moralisch über andere erhebt und sich als „Befreier“ feiern lässt, sollte sich nicht der Methoden des „Bösen“ bedienen, von daher sind die Opfer nicht „in erster Linie Hitler und seinen Getreuen anzulasten“, sondern Harris, der diese, aus kriegstechnischer Sicht, absolut sinnfreie Bombadierung befohlen hat.

Dafür hat „Bomber Harris“ aber ein Bronze Denkmal in London bekommen. Na ja, war manchen Londoner schon peinlich.

Was mich stört ist , dass die Herrschaften mit der anderen Feldpostnummer bis heute glauben sie seien die Besseren . Ein Blick zurück in die
Geschichte ist da sehr hilfreich .
In unserem Hang zu Gewalt und Grausamkeiten ist keiner von uns
Menschen
vor dem anderen ausgezeichnet – klingt zynisch ? Ich bin davon
überzeugt .

Wer solche Beiträge kommentiert gibt „dem Affen“ Zucker. Diese Personen – sich freuend darüber dass „Nazis“ = Deutsche gestorben sind muss man aushalten. Ebenso wie Neonazigeseier. Ich verachte diese Positionen, sie schaden vor allem aber deren „Sache“. Wer „links“ steht (wie die Ruhrbarone) diskreditiert sich komplett – derartige Aussagen sind nicht witzig, nicht amüsant und finden in Deutschland oder der Welt keine Zustimmung. Stattdessen hilft es die verachtenswerte Einstellung der „Ruhrbarone“ zu verdeutlichen. Würde man darauf mit Androhung von Gewalt reagieren täte man denen doch einen Gefallen. Ignorieren oder – in sachlichen Themen – widerlegen ist viel effektiver. Locker bleiben… Mehr

Für mich ist und bleibt die Bombardierung Dresdens ein Kriegsverbrechen das auch militärisch nicht zu rechtfertigen ist.

Der Witz ist, das es nicht bei diesen Verbrechen blieb! Die Amerikaner haben in den folgenden Jahrzehnten Verbrechen auf Verbrechen gehäuft! Und wenn man heute in Kriegen, welche das Wort aufgrund des ungleichen Kräfteverhältnis nicht verdienen, Uranmunition einsetzt, kann man das nicht mit einem Ringen ums eigene Überleben rechtfertigen!

Ist es verrwerfliches Bedürfnis nach Rache, wenn ich mir sehr intensiv wünsche, daß diese Akteure der „Ruhrbarone“ strafrechtlich verfolgt werden? Als ein Bürger Hannelore Kraft mit einem Toastbrot verglich, was ja ein Fall persönlich adressierter Satire war, führte das zu einer für den arbeitslosen Bürger recht schmerzlichen Geldstrafe. Ich fordere eine Anzeige dieser Ruhrbarone und eine gewissenhafte Berichterstattung über den Verlauf dieser Anzeige.

MfG
M.R.

Die Bombardierung Dresdens ist und bleibt ein Terrorakt. Wirtschaft und Militärstrategisch durch nichts zu rechtfertigen. Die Vernichtung der Bevölkerung ob mit oder ohne Uniform ob Greis ob Kind ,stand hier im Vordergrund. Natürlich habe die Opfer des Faschismus das Recht ,ihre Freude die damals wohl eher klamm heimlich war auszudrücken. Nur wenn heute die Antifa und die Grünalternativen deutschen Hasser,die Bombardierung als ein Akt der Befreiung feiern,ist das schon krankhaft. Und zur Erinnerung ,Dresden wurde erst 1989 befreit. Der Bombenterror Kam ja mit Dresden nicht zum erliegen,es wurde lustig weiter gebombt. Sinnbildlich für die Vernichtung der deutschen Bevölkerung stand auch… Mehr

Sorry: … auf alles Deutsche …

Welch ein kranker, wahnhafter Hass aus alles Deutsche und die Deutschen! Das geht soweit, dass man es auch für angemessen erachtet, wenn Mütter und kleine Kinder verbrennen. Selbst Schuld, weshalb waren sie auch Deutsche! Wer einen derart abartigen Hass auf das eigene Volk, die eigenen Leute, empfindet, gehört in psychiatrische Behandlung. Leider können solche perversen Gesinnungshelden im System Merkel wunderbar ihre Affekte und Obsessionen ausleben. Die ärgste Strafe, die ihnen droht, sind Kultur- und Integrationspreise.

Es wird immer klarer, dass der Gegner der Antifa nicht etwa der Faschismus ist, sondern der Kapitalismus und der weiße Europäer.
Die weißen Europäer hat auch der Globalismus im Fadenkreuz. Um die Antifa als Verbündeten einzuschwören, suggeriert der Globalismus, den Kapitalismus zu bekämpfen.
Das Endergebnis ist dann allerdings nicht der Weltkommunismus, sondern der globalistische Feudalismus – ein Kapitalismus auf Steroiden, der von der (unaufgeklärten) Masse als Kommunismus wahrgenommen wird, weil es 99,99999% der Menscheit gleich schlecht geht.

Das sind Menschen ohne Phantasie, also ohne Empathie. Nicht nur nicht für die ermordeten deutschen Flüchtlinge und Einwohner in Dresden, sondern auch für alle anderen Menschen und Tiere. Sie müßten selbst Ähnliches erleben, um zu verstehen, wie furchtbar es war.

Erinnere ich mich richtig, wurde in einem Artikel in diesem Blog einmal von einer deutschen Journalistin im Ausland geschrieben, die erst erkannte, wie schrecklich ein Krieg ist, als man Leichen in die Lobby ihres Hotels brachte, und die daraufhin völlig zusammenbrach.

Manchmal hilft aber selbst eigenes Erleben nicht. Leider sind die Ruhrbarone nicht die einzigen, die diesen psychischen Defekt aufweisen.